Dudelsack in der Volksmusik? Und gar in Österreich?
Häufig taucht diese Frage bei den Auftritten der Gruppe Du & Ge, Dudelsack und Geige auf.
Lenke ich die Aufmerksamkeit auf den Lieben Augustin, wird sehr schnell klar, daß dieser wohl kein Schotte, der Dudelsack spielt, gewesen sein konnte.
Kunstfreunde unter dem Publikum erinnern sich dann meist an den flämischen Maler Peter Bruegel und seiner Bauernhochzeit, bei der er am linken Bildrand musizierende Dudelsackspieler abgebildet hat.
Und einem Lateiner wird einfallen bei Sueton gelesen zu haben, daß der römische Kaiser Nero die Pfeife mit dem Sack wohl zu blasen verstund.
Ein Musikkenner unter dem Publikum bestätigt, daß Leopold Mozart in seiner Suite "Die Bauernhochzeit" einen Dudelsack mit der Fachbezeichnung "Bock" empfiehlt.
Im Ausstellungskatalog der Landesausstellung "Das Mühlviertel" im Schloß Weinberg steht unter dem Kapitel "Volksmusik im Mühlviertel": "In den Anfängen finden wir Dudelsack, Geige und Flöte..."
Schließlich findet sich noch am berühmten Flügelaltar in der Pfarrkirche in Kefermarkt ein dudelsackblasender Engel.
Schulrat Adalbert Stifter hat dieses Schnitzwerk vor dem Verfall gerettet und erwähnt in der 4. Fassung seiner Mappe seines Urgroßvaters: "Da sind die, welche in die Häuser gehen müssen, um ein wenig Erziehung und Unterricht darzureichen, und sich dann wieder von hinnen zu begeben. Und wenn eine Zeit um ist, bekömmst du dein Geld, und niemand kümmert sich um dich. Und wenn dich dein Herz überkömmt und du aus ihm zum Schüler redest und dann aufstehst und in Demut Abschied nimmst und fortgehst, und wenn er an dem Fenster steht und auf den Scheiben trommelt und dich unten weggehen sieht, von Wägen, die da fahren, mit Kot bespritzt, dann deucht er sich mehr zu sein als du, und die Seinigen denken auch so. Und ist das nicht Hunde tanzen lassen, Dudelsack pfeifen, Untaten singen, den Hanswurst zeigen und dann mit der Papiertüte sein Geld sammeln gehen?"
Der Dichter und Arzt Karl Schönherr, Zeitgenosse Arthur Schnitzlers und Stefan Zweigs, wie sie geschult an der Psychoanalyse Freuds, lässt seine Helden im bäuerlichen Milieu auftreten. In "Erde" beschreibt er die Szenerie zum ersten Akt: "Durch einen offenstehenden Fensterflügel des Erkers dringt gedämpft der vielgestaltige Lärm eines kleinen Dorfmarktes, unter anderem auch schrille Töne von Kindertrompeten, Dudelsack usw."
Damit erklärt er auch indirekt, wieso der Dudelsack bei uns außer Gebrauch geraten ist. Für unsere Ohren klingt er schrill, gleich einer Kindertrompete. Da wir am Bach'schen wohltemperiertem Klavier geschult sind, empfinden die meisten die Naturtöne des Dudelsackes als ungewohnt.
Zudem hat sich der Dudelsack erfolgreich gegen Neuerungen, wie sie z. B. die Geigen seit Stradivari erfahren haben, gewehrt. Er ist und bleibt ein sturer Bock, schwer zu handhaben und zu stimmen. Unter den Dudelsackspielern läuft die Mähr, der Dudelsackspieler, der behauptet, den Dudelsack richtig gestimmt zu spielen, spielt ihn bereits falsch.
Ich spiele den Nachbau eines Dudelsackes, wie er im Original in den Museen in Böhmen ausgestellt ist. Die meisten der Exponate sind um 1800 datiert. Einzige Neuerung bei den alten Böcken - im Gegensatz zu den mitteleuropäischen Sackpfeiffentypen und den Highland pipes - ist der Blasebalg, mit dem ich die Luft in den Windsack drücke. Der Schotte befördert die Atemluft mit Hilfe eines eigenen Blasrohres in den Sack. Da nun der Dudelsack zu Gänze aus natürlichen Stoffen hergestellt ist, das Gestänge ist aus Holz, ebenso der Tongenerator, der Sack besteht aus Leder, kondensiert die Atemluft. Wir kennen das von der Blasmusik, die immer wieder ihre Instrumente entwässern muß. Beim Dudelsack ist das nicht möglich. Im Windsack ist es dunkel, feucht und warm. Ein idealer Nährboden für Bakterien.
Nun ist das Rückschlagventil, welches das Austreten der Luft aus dem Blaserohr verhindern soll, bloß ein kleiner, beweglicher Lederfleck. Es kann nun schon vorkommen, daß es gelegentlich, unerwartet bei einem Luftzug, nicht exakt abdichtet. Dem Schotten gerät nun ein kleiner Teil seiner flüssigen Atemluft in die Lunge.
Unbestätigten Meldungen zufolge, sollen die meisten Highland piper an einem Lungencarcinom leiden.
Bestätigten Meldungen zufolge aber hat man als Gegenmittel in Schottland den Whisky zwecks Desinfektion erfunden...
Unabhängig voneinander entstanden um 1980 von den Volksliedwerken Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark Bestrebungen, den Dudelsack wieder in die Volksmusik einzuführen.
Bekannt ist der Kulturkreis in Kremsmünster. Alle Jahre im August werden Treffen und Lehrgänge für Freunde der Alte Musik abgehalten. Da ich mich schon seit meiner Ausbildung zum Berufsschullehrer für die Bordunmusik interessiert habe, nahm ich an verschiedenen Lehrgängen teil und habe mich mit dem widerborstigen Instrument angefreundet. Es bereitet mir Freude die alten Lieder im Originalton ertönen zu lassen.
Der Geiger Harald Soyka entstammt einer hochmusikalischen Familie, in der schon immer das alte Liedgut gepflegt wurde. Er ist schon von Kindheitsbeinen an mit der Volksmusik aufgewachsen und vervollständigt zur Zeit seine Geigenkunst am Brucknerkonservatorium.
In Linz finden sich einmal im Monat Volksmusiker und solche, die es werden wollen oder bloß Freude an den Klängen haben zu einem informellen Treffen im Wirtshaus ein und spielen und singen, wie es auch unsere Altvorderen getan haben, ungeprobt und spontan, nach Lust und Laune miteinander.
Bei dieser Gelegenheit ist mir vor drei Jahren ein Geiger, Harald Soyka, aufgefallen, weil er in jeder Lage sich am gemeinsamen Musizieren beteiligte und er gar exakt in die Saiten griff und den Bogen schwang.
Zufälligerweise saß ich neben einem Volksmusikforscher. Der flüsterte mir zu: "Zum Dudelsack passt unbedingt eine Geige und zu dieser Geige," er nickte gegen Harald, "passt unbedingt ein Dudelsack. Tut euch zusammen."
Seitdem treten Harald und ich gemeinsam auf.
Zitiert aus einem Gespräch mit Franz Mettauer.
Am 15. Decembris im Jahre des Heiles 2004 an den Tag gegeben von Theodorico Mocaba. |