Badewannenbrauerei Eibensteiner: Linz
Am
23.03.1999 suche ich erstmals mit dem Braumeister der Versuchsbrauerei und
Heimbrauer Robert Pachinger sowie weiteren interessierten Bierliebhabern den
Hausbrauer in Kleinmünchen auf. Ernst und seine liebe Frau heißen uns sofort
herzlich willkommen und bewirten uns sehr freundlich. Ernst hat zu diesem
Zeitpunkt mit einem 20 Liter Kochtopf auf dem Küchenherd bereits über 95 Sude
gebraut, wovon er aber die ersten 12 verkostete oder wegschütten musste. Damit
der Kochtopf nicht übergeht, legte Ernst beim Hopfenkochen ein paar Siedesteine
hinein. Das Malz schrotet Ernst mit einer kleinen Getreidemühle selbst.
Das
Brauwasser wurde am Anfang aus dem Mühlviertel aus Gutau geholt, aufgrund der
selbst gebastelten Wasseraufbereitungsanlage ist das nicht mehr notwendig und
kann Linzer Brauwasser verwendet werden. Ernst hat selbst auch einen Läuterbottich
konstruiert, der auf einem Brett auf der Badewanne steht. Diese Läutervorrichtung
hat er mehrmals verbessert, da es anfangs oft Probleme gegeben hat. Ein
spezielles Kunststoffsieb ermöglicht nun das Läutern in ca. 20 Minuten. Das
anschließende Auswaschen der Trebern mit heißem Wasser dauert etwa weitere 45
Minuten.
Laut
der Gattin des Hobbybrauers gibt es vor allem im Winter kleine Geruchsprobleme
beim Hopfenkochen, was aber die Nachbarn der Eigentumswohnung nicht stört.
Bemerkenswert ist, dass Ernst dem Brauwasser Milchsäure zufügt, während er
aber schaut, dass ihm keine Buttersäure ins Bier kommt, da er den tschechischen
Geschmack überhaupt nicht mag. Das fertige Bier wird in 5 und 15 Liter
Keg abgefüllt.
Wir
verkosten an diesem Tag 2 verschiedene Sude Helles und ein Dunkles. Das
Dunkle ist allerdings nur bernsteinfarben und wurde eigentlich nur für seine
Frau gebraut, da er dunkles Bier nicht besonders mag. Das Bier braut er hauptsächlich
für die Familie, wobei er die Kinder immer fragt, welches Bier sie wollen.
Gebraut wird eigentlich nur untergäriges Bier. Das von uns verkostete Bier war
hervorragend und könnte sicher in jedem Gasthaus ausgeschenkt werden.
Ernst
ist pensionierter Chemielaborant und hat früher in der Faserabteilung der
Chemie Linz gearbeitet. Seinen Ausführungen entnehmen wir, dass er das Brauen
genauestens analysiert und aufbereitet, wie ich es von einem Braumeister noch
nie gehört habe.
Am 31.1.2004 drehe ich beim
inzwischen zum Österreichischen Staatsmeister der Kleinbrauer gekürten
Badewannenbraumeister Ernst endlich einen kleinen Videofilm. Ernst braut den
210. Sud, der bei einem Fest in meinem Bierkeller getrunken werden soll. Ich bin
von Anfang bis zum Schluss dabei und demonstriert und erläutert Ernst den
Brauvorgang für den Film. Gebraut wird ein Pils und wird Pilsner Malz mit einer
kleinen Menge Karamel Malz eingemaischt. An Hopfen wird Mühlviertler Perle und
Golding beigegeben. Anwesend ist auch Günther Wimmer, der die GÜWI-Controllstation
der Brauanlage gebaut hat. Augrund dieser exzellenten Steuerung läuft die
Anlage problemlos und werden die programmierten Temperaturen genau eingehalten.
Fasziniert hat mich auch die selbst gebaute Läuter-Anlage von der die Vorderwürze
in die Badewanne rinnt. Nach dem Hopfenkochen nimmt Ernst einen Kochlöffel und
schwingt diesen so geschickt in der Sudpfanne, sodass sich ein Heißtrubkegel
wie bei einem Whirlpool bildet. Das Hopfenseihen geschieht durch ein an der
Sudpfanne angebrachtes Rohr mit einem Saugstutzen. Nur der letzte Rest rinnt
durch einen Stoff. Die Würze wird sodann in der Badewanne mit kaltem Wasser auf
Gärtemperatur abgekühlt. Die Hauptgärung erfolgt 5 Tage in einem 25 Liter
Plastikfass mit Gärspund und wird hier hinein die frische Flüssighefe gegeben.
Anschließend wird das Jungbier in zwei Nirosta Druckfässer umgeleert, in denen
die Nachgärung 14 Tage dauert. Danach erfolgt die Abfüllung in Kegs und ist
das Bier nach 5 Wochen am besten trinkbar. Um 14.30 ist die Arbeit beendet um
misst Ernst mit dem Refraktometer eine Stammwürze von 14 % Brix. Die
Badewannenbrauerei ist fast perfekt und fehlt mir nur eine Maischepumpe, da
Ernst die Würze händisch in den Läuterbottich schöpfen muss. Während des
Brauvorgangs bekomme ich selbst gebackenes Brot, jedoch keinen selbst erzeugten
Käse, da Ernst eine Infektion fürchtet. Er hat seinen Käse sogar doppelt in 2
Plastikdosen im Kühlschrank gelagert, damit ja nichts passiert. Ich freue mich
schon sehr auf die Verkostung in meinem Bierkeller am 5. März 2004 mit den
Bierfreunden der Generali Versicherung.

Ernst maischt ein.
Abläutern in die Badewanne.
Die GÜWI (Günther Wimmer) Controlstation.
Anrühren der Hefe