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Original-Titel: Blackmail

Deutscher Titel: Erpressung

Genre: Thriller, sw

Studio/Produktionsland: British International Pictures. England

Filmjahr: 1929

Filmlänge: 96 Min./USA 78 Min.

Drehbuch: Charles Bennet, Alfred Hitchcock, Benn W. Levy

Musik: Hubert Bath, Campbell Connelly, Henry Stafford.

Kamera: Jack Cox

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: John Maxwell

Darsteller: Anny Ondra (Alice White), Sara Allgood (Mrs. White), John Longden (Frank Webber), Charles Paton (Mr. White), Donald Calthrop (Tracy), Cyril Ritchard (Maler), Hannah Jones (Hausbesitzein), Harvey Braban (Chefinspector), Ex-Det. Sergt. Bishop (Detective), John Butt (Sergant).

Inhaltsangabe: Kriminalbeamte machen sich am Morgen auf den Weg. Sie verhaften einen Typ. Er liegt noch im Bett. Er hat eine Kanone, die nimmt man ihm ab. Man legt ihm Handschellen an und bringt ihn aufs Polizeirevier. Verhör. Fingerabdrücke. Er wird fotografiert, und schließlich steckt man ihn in eine Zelle, In dem Augenblick sieht man die beiden Kriminalbeamten wieder, wie sie auf die Toilette gehen und sich die Hände waschen wie zwei Büroangestellte. Für sie ist es einfach das Ende des Arbeitstages. Der Jüngere der beiden trifft sich draußen mit seiner Verlobten, sie gehen in ein Restaurant, kriegen Krach miteinander, trennen sich. Sie gerät an einen Maler, der sie mit zu sich nimmt und versucht, sie zu vergewaltigen. Sie bringt ihn um, und just ihr Freund wird mit der Aufklärung des Falles beauftragt. Er entdeckt eine Spur, die er seinen Vorgesetzten verheimlicht, als er merkt, dass seine Verlobte in den Fall verwickelt ist. Ein Erpresser tritt auf, er gerät mit dem Mädchen aneinander, der Kriminalbeamte sitzt mit drin. Er blufft und versucht den Erpresser loszuwerden. Der hält erst durch, verliert aber schließlich den Kopf. Bei einer Verfolgung über die Dächer des Britischen Museums stürzt er in den Tod. Darauf geht das Mädchen gegen den Rat ihren Verlobten zu Scotland Yard, um ein Geständnis abzulegen. Bei Scotland Yard gerät sie wieder an ihren Verlobten, und der bringt sie nach Hause.

Gespräch Hitchcock/Truffaut 1955/56:
T.: Wir sind jetzt Ende 1928, Anfang 1929, bei Blackmail, Ihrem ersten Tonfilm. Waren Sie mit dem Drehbuch zufrieden?
H.: Es war eine ziemlich einfache Geschichte, aber ich habe sie doch nicht ganz so machen können wie ich wollte. Für die Exposition habe ich die Technik von The Lodger wiederverwandt. In der ersten Rolle zeige ich den Ablauf der Festnahme. Kriminalbeamte machen sich am Morgen auf den Weg. Sie verhaften einen Typ. Er liegt noch im Bett. Er hat eine Kanone, die nimmt man ihm ab. Man legt ihm Handschellen an und bringt ihn aufs Polizeirevier. Verhör. Fingerabdrücke. Er wird fotografiert, und schließlich steckt man ihn in eine Zelle. In diesem Augenblick sieht man die beiden Kriminalbeamten wieder, wie sie auf die Toilette gehen uns sich die Hände waschen wie zwei Büroangestellte. Für sie ist es einfach das Ende des Arbeitstages. Der jüngere der beiden trifft sich draußen mit seiner Verlobten, sie gehen in ein Restaurant, kriegen Krach miteinander, trennen sich. Sie gerät an einen Maler, der sie mit zu sich nimmt und versucht sie zu vergewaltigen. Sie bringt ihn um, und just ihr Freund wird mit der Aufklärung des Falles beauftragt. Er entdeckt eine Spur, die er seinem Vorgesetzten verheimlicht, als er merkt, daß seine Verlobte in in den Fall verwickelt ist. Ein Erpresser tritt auf, er gerät mit dem Mädchen aneinander, der Kriminalbeamte sitzt mit drin. Er blufft und versucht den Erpresser loszuwerden. Der hält erst durch, verliert aber den Kopf. Bei einer Verfolgung über die Dächer des britischen Museums stürzt er in den Tod. Darauf geht das Mädchen gegen den Rat ihres Verlobten zu Scotland Yard, um ein Geständnis abzulegen. Ber Scotland Yard gerät sie wieder an Ihren Verlobten, und der bringt sie nachhause.
Ich hatte mir einen anderen Schluß ausgedacht. Nach der Jagd auf den Erpresser sollte das Mädchen festgenommen werden, und der junge Mann hätte genau dasselbe machen müssen, was man in der ersten Szene gesehen hat. Handschellen, Aufnahme der Personalien undsoweiter. In der Toilette wäre er wieder auf seinen älteren Kollegen getroffen, der von der Geschichte nichts weiß und fragt: „Gehen Sie heute abend wieder mit Ihrer Freundin aus?“ Worauf der andere antwortet: „Nein, nein, ich gehe nachhause.“ Und das wäre das Ende des Films gewesen. Die Produzenten fanden das zu deprimierend.
Der Film war nach einem Stück von Charles Bennett, das wir bearbeitet hatten, Bennett, Benn W. Levy und ich.
Das komische an Blackmail war, daß die Produzenten nach vielem Hinundher beschlossen, ihn bis auf die letzte Rolle als Stummfilm zu drehen. Man kündigte solche Filme an als „teilweise vertonter Film.“ Ich ahnte aber schon, dass die Produzenten ihre Meinung ändern würden und daß sie einen Tonfilm brauchten, deshalb hatte ich mich auf alles eingestellt.
Ich hatte die Technik des Tonfilms angewandt, aber ohne Ton. So konnte ich mich, als der Film fertig war, gegen das „teilweise vertont“ wenden, und man hat mir erlaubt, einige Szenen noch einmal zu drehen. Meine deutsche Hauptdarstellerin, Anny Ondra, sprach kaum englisch. Synchronisieren, wie man es heute macht, gab es damals noch nicht. Ich habe das Problem gelöst, indem ich eine junge englische Schauspielerin, Joan Barry, in eine Kabine außerhalb des Blickfeldes setzte und sie die Dialoge in ein Mikrofon sprechen ließ, während Fräulein Ondra die Wörter nur markierte. Ich verfolgte ihr Spiel und hörte über Kopfhörer die Texte von Joan Barry.
T.: Ich nehme an, daß Sie systematisch nach akustischen Einfällen suchten, die den rein visuellen Erfindungen in The Lodger entsprachen.
H.: Ja, das habe ich versucht. Nachdem das Mädchen den Maler umgebracht hat, der sie mitgenommen und zu vergewaltigen versucht hatte, geht sie nachhause. Darauf folgt eine Szene am Frühstückstisch. Eine redselige Nachbarin, die zufällig da ist, kommentiert den Mord, der gerade bekannt geworden ist: „Wie schrecklich, jemand umzubringen, indem man ihm ein Messer in den Rücken stößt, ich hätte ihm einen Ziegelstein auf den Kopf gehauen, aber ich würde nie ein Messer nehmen.“ Und der Dialog geht weiter, das Mädchen hört gar nicht mehr zu und der Ton wird zu einem wirren Geräusch, aus dem man noch das Wort „Messer“ heraushört, immer wieder „Messer, Messer“. Und plötzlich hört das Mädchen ganz deutlich die Stimme ihres Vaters: „Gib mir doch bitte das Brotmesser, Alice.“ Und Alice muß das Messer in die Hand nehmen, das fast genauso aussieht wie das, mit dem sie den Mord begangen hat, und währenddessen reden die anderen weiter über das Verbrechen. Das war meine erste Erfahrung mit dem Ton.
T.: Während der Jagd über die Dächer des Britischen Museum haben Sie ziemlich viele Tricks gebraucht.
H.: Allerdings, das Licht reichte nicht aus, um im Inneren des Museums zu drehen. Deshalb haben wir das Schüfftan-Verfahren angewandt. Man stellt einen Spiegel in einem Winkel von 45 Grad auf, in dem sich ein Foto des Museumsgebäudes spiegelt. Das Foto wurde mit einer Belichtungszeit von dreißig Minuten aufgenommen. Wir hatten neun Fotos von verschiedenen Teilen des Gebäudes, und da sie durchsichtig waren, konnten wir sie von hinten belechten. An den Stellen, die den Dekors entsprachen, die wir im Studio gebaut hatten, kratzten wir von dem Spiegel das Quecksilber ab, zum Beispiel den Ausschnitt einer Tür, so daß man jemand hindurchtreten sehen konnte. Die Produzenten kannten das Schüfftan-Verfahren noch nicht und hätten bestimmt kein Zutrauen gehabt, so habe ich die Tricks ohne ihr Wissen gedreht.
T.: Die Szene, in der der Maler versucht, das Mädchen, das er mit zu sich genommen hat, zu vergewaltigen, und die mit Mord endet, ist dann in amerikanischen Filmen von vielen Regisseuren kopiert worden.
H.: O ja. Ich habe in der Szene etwas komisches gemacht, eine Art Abschiedsgruß an den Stummfilm. In Stummfilmen trug der Schurke meistens einen Schnäuzer. Mein Maler hat keinen Schnäuzer; aber ein schmiedeeisernes Gitter, das in seinem Atelier steht, wirft auf seine Oberlippe einen Schatten, der wie ein Schnäuzer wirkt, echter und drohender als jeder natürliche.
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Der Film war ursprünglich nicht als Tonfilm vorgesehen; der Dreh wurde als Stummfilm begonnen. Jedoch entschieden die Filmproduzenten, British Internation Pictures, während der Produktion, aus dem Film den ersten britischen Tonfilm zu machen. Dies hatte einige Auswirkungen auf den Film. Ein bedeutender Teil des Filmmaterials war bereits ohne Ton gefilmt worden, als diese Entscheidung getroffen wurde. Einige dieser Szenen wurden erneut mit Ton gedreht, aber einige blieben - wie ursprünglich aufgenommen - stumm. Ferner hatte die Hauptdarstellerin Anny Ondra, die aus dem heutigen Polen stammte, einen sehr starken Akzent, der kaum zu ihrer Rolle passte. Da einige Szenen bereits gedreht worden waren, wurde entschieden, dass Ondra ihre Rolle weiterhin spielen, bei ihren Szenen aber nur die Lippen bewegen solle. Ihr Text wurde gleichzeitig von der nicht sichtbaren Schauspielerin Joan Barry gesprochen. Dies bewirkte zweifelsohne, dass Ondras Schauspielleistung ein wenig unbeholfen aussah.

Die fertiggestellte Stummfilmversion wurde 1929 kurz nach der Tonfilmversion in die Kinos gebracht. Tatsächlich lief die Stummfilmversion länger in den Kinos und war beliebter zu Ihrer Zeit, weil seinerzeit die meisten Lichtspielhäuser in England noch nicht für Tonfilme eingerichtet waren. Trotz der Popularität der Stummfilmversion blieb die richtungsweisende Tonfilmversion in der Filmgeschichte am besten in Erinnerung.

Ursprünglich hatte sich Hitchcock einen anderen Schluß ausgedacht: Nach der Jagd auf den Erpresser sollte das Mädchen festgenommen werden, und der junge Mann hätte mit ihr genau dasselbe machen müssen, was man in der ersten Szene gesehen hat. Handschellen, Aufnahme der Personalien usw. In der Toilette wäre er wieder auf seinen älteren Kollegen getroffen, der von der Geschichte nichts weis und ihn fragt: "Gehen Sie heute Abend wieder mit Ihrer Freundin aus?" Worauf der andere antwortet: "Nein, nein, ich gehe nachhause." Und das wäre das Ende des Films gewesen. Die Produzenten fanden das zu deprimierend.

Ein Film nach einem Stück von Charles Bennett - Bearbeitung: Hitchcock, Bennett u. Benn W. Levy.

Preise/Auszeichnungen: -

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