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Original-Titel: Dial M for Murder

Deutscher Titel: Bei Anruf Mord

Genre: Psycho-Thriller, Farbe und 3-D

Studio/Produktionsland: Warner Bros./First National Picture. USA

Filmjahr: 1954

Filmlänge: 101 Min.

Drehbuch: Frederick Knott, nach seinem Theaterstück "Dial M For Murder"

Musik: Dimitri Tiomkin

Kamera: Robert Burks

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: Alfred Hitchcock, Alexander Korda

Darsteller: Ray Milland (Tony Wendice), Grace Kelly (Margot Wendice), Robert Cummings (Mark Halliday), Anthony Dawson (Captain Swan Lesgate), John Williams (Inspektor Hubbard), Leo Britt (der Erzähler), Patrick Allen (Pearson), George Leight (Williams), George Alderson (der Polizeibeamte), Robin Hughes (ein Polizeisergeant), Guy Doleman (Detective), Sanders Clarke (Detective), Robert Dobson (Polizeifotograf), Sam Harris (Mann in der Telefonzelle), Thayer Roberts (Detective), Jack Cunningham (Bobby).

Inhaltsangabe: Ex-Tennisspieler Tony (Ray Milland) hat die reiche Margot (Grace Kelly) geheiratet, seine Liebe gehört jedoch nur deren Geld. Das will er behalten. Die Ehefrau will er loswerden. Und das recht bald, da sich Margot in den Schriftsteller Mark (Robert Cummings) verliebt hat. Also tüftelt Tony einen Mordplan aus. Als Killer heuert er seinen Schulfreund Lesgate (Anthony Dawson) an, der dringend Geld braucht. Dann ist es soweit: Tony verbringt den Abend mit Mark in einem Restaurant. Margot ist alleine zu Haus. Sie geht ins Bett, Lesgate schleicht in die Wohnung und versteckt sich in der Nähe des Telefons. Ein Anruf von Tony treibt Margot dem Killer in die Arme. Bevor er sie erwürgen kann, ersticht Margot ihn mit einer Schere. Nun spinnt Tony geschickt seine Intrige weiter. Er manipuliert die Beweise, so dass Marot in Verdacht gerät, den Mann absichtlich getötet zu haben. Tony liefert der Polizei Hinweise, die seine Frau auf den elektrischen Stuhl bringen könnten.

Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56:
T.: Wir sind nun im Jahre 1953 angelangt und bei Dial M for Murder.
H.: ... den wir schnell hinter uns bringen können, dazu gibt es nicht viel zu sagen.
T.: Entschuldigen Sie, daß ich da nicht Ihrer Meinung bin, auch wenn es sich um eine Gelegenheitsarbeit handelt.
H.: Das war wieder einmal »run for cover«. Ich hatte einen Vertrag mit den Warner Bros. und arbeitete an einem Drehbuch mit dem Titel Bramble Bush. Das war die Geschichte eines Mannes, der einem anderen seinen Paß gestohlen hat, ohne zu wissen, daß der Inhaber des Passes wegen Mord gesucht wird. Ich habe eine Weile daran gesessen, und es wollte überhaupt nicht klappen. Dann hörte ich, daß Warner Bros, die Rechte eines Stückes gekauft hatten, das am Broadway sehr erfolgreich gewesen war, Dial M for Murder. Da habe ich sofort gesagt: »Das nehme ich!« Damit war ich auf Nummer sicher.
T.: Sie haben das sehr schnell gedreht?
H.: In sechsunddreißig Tagen.
T.: Ein interessanter Aspekt des Films ist, daß er in 3-D gedreht wurde. Leider haben wir ihn in Frankreich nur zweidimensional gesehen, weil die Kinobesitzer aus purer Faulheit an der Kasse die Brillen nicht verkaufen wollten.
H.: Der plastische Effekt ergab sich hauptsächlich in den Aufnahmen aus Untersicht. Ich hatte einen Graben bauen lassen, damit die Kamera häufig auf der Höhe des Fußbodens war. Davon abgesehen gab es kaum plastische Effekte.
T.: Einmal mit dem Leuchter, dann mit einer Blumenvase und vor allem mit der Schere.
H.: Ja, wenn Grace Kelly nach einer Waffe sucht, um sich zu verteidigen. Und dann noch in der Szene mit dem Schlüssel, aber das war schon alles.
T.: Sonst halt sich der Film genau an das Stück?
H.: Ja. Zu Filmen, die auf Stücken basieren, habe ich nämlich eine Theorie, die ich schon zur Stummfilmzeit anwandte. Viele Filmregisseure nehmen ein Stück und sagen: »Daraus mache ich einen Film.« Und dann machen sie sich das, was sie »Auflockern« nennen, das heißt, sie zerstören die Einheit der Handlung und gehen aus dem Dekor hinaus.
T.: Der französische Ausdruck ist: das Stück »lüften«.
H.: Das wird meistens so gemacht. Im Stück kommt jemand an; es heißt, er sei im Taxi gekommen. Da zeigen die erwähnten Regisseure dann, wie das Taxi vorfährt. Die Leute steigen aus, bezahlen den Fahrer, gehen die Treppe hinauf, klopfen an die Tür, treten ein. Dann kommt eine lange Szene, die es auch im Stück gibt, bis eine der Personen von einer Reise berichtet. Die Gelegenheit wird benutzt, um uns mit einer Rückblende davon zu erzählen. Diese Regisseure vergessen ganz, daß die grundlegende Qualität des Stückes in seiner Konzentration besteht.
T.: Genau das ist so schwierig für einen Regisseur, die ganze Handlung auf einen einzigen Ort zu konzentrieren. Allzu oft werden die Stücke dadurch zerstört, daß man sie in den Film überträgt.
H.: Das ist ein häufiger Irrtum. Meistens fügen solche Filme zur Zeit des Stückes zusätzlich einige Rollen hinzu, die völlig uninteressant und angeklatscht sind. Als ich Dial M for Murder gedreht habe, bin ich nur ganz kurz, zwei- oder dreimal, aus dem Dekor hinaus gegangen zum Beispiel, wenn der Kriminalbeamte etwas verifizieren muß. Ich hatte einen richtigen Fußboden anbringen lassen, daß man auch wirklich das Geräusch der Schritte hören konnte, das heißt, ich habe das Theaterhafte noch unterstrichen.
T.: Deshalb haben Sie auch beim Ton von Juno and the Paycock und Rope am meisten Wert auf Realismus gelegt.
H.: Genau.
T.: Aus demselben Grund haben Sie auch den Prozeß nicht gezeigt sondern Einstellungen von Grace Kelly vor einem neutralen Grund und farbigen Lichtern, die hinter ihr rotieren.
H.: Es war intimer so, und die Einheit der Emotion blieb erhalten. Hätte ich einen Gerichtssaal bauen lassen, so hätten die Zuschauer gemeint, jetzt beginnt ein neuer Film, und hätten angefangen zu husten.
Zu den Farben. Mit Grace Kellys Garderobe haben wir interessante Experimente gemacht. Zu Beginn des Films ist sie in lebhaften und lustigen Farben gekleidet, und je finsterer die Handlung wird, umso dunkler werden ihre Kleider.
T.: Ehe wir Dial M for Murder verlassen, über den wir gesprochen haben, als sei es einer Ihrer kleineren Filme, möchte ich doch sagen, daß das einer von denen ist, die ich mir am häufigsten ansehe und immer von neuem mit großem Vergnügen. Es ist ganz offensichtlich ein Dialogfilm, dennoch sind der Aufbau, der Rhythmus, die Führung der fünf Schauspieler so perfekt, daß man jedem Satz andächtig lauscht. Ich glaube, es ist ungeheuer schwer zu erreichen, daß der Zuschauer einem ununterbrochenen Dialog zuhört. Sie haben auch da etwas geschafft, das einfach scheint, aber in Wahrheit äußerst schwierig ist.
H.: Ich habe eben meine Arbeit getan, so gut ich konnte. Ich habe mich filmischer Mittel bedient, um eine Geschichte zu erzählen, die auf einem Theaterstück basiert. Die ganze Handlung von Dial M for Murder spielt in einem Salon, aber das ist ohne jede Bedeutung. Ich würde auch gern einen ganzen Film in einer Telefonzelle drehen…..
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Ausstattung: Edward Carrere, George James Hopkins. Schnitt: Rudi Fehr. Kostüme: Moss Mabry. Ton: Oliver S. Garretson.

Bei Anruf Mord behandelt ein Lieblingsthema von Hitchcock - die Frage nach der Machbarkeit des perfekten Mordes (siehe auch Im Schatten des Zweifels und Cocktail für eine Leiche).

In "Bei Anruf Mord" experimentierte Alfred Hitchcock mit der Gardarobe von Hauptdarstellerin Grace Kelly. Zu Beginn des Films trägt sie farbenfrohe Kostüme. Je finsterer die Handlung dann wird, desto dunkler werden auch Grace Kellys Kleider.

Suspense-Meister Alfred Hitchcock drehte "Bei Anruf: Mord" in nur 36 Tagen und fast ausschließlich in einem Raum. Hitchcock: "Die ganze Handlung spielt in einem Salon, aber das ist ohne Bedeutung. Ich würde auch gern einen ganzen Film in einer Telefonzelle drehen." Weitaus mehr behinderte den Regisseur die gewaltige Kamera, denn "Bei Anruf: Mord" wurde auf Wunsch des Warner Bros.-Studios im 1952 nur für kurze Zeit populären 3-D-Format gedreht, obwohl schon bald feststand, daß er später in Normalformat in die Kinos kommen würde. Die plastischen Effekte interessierten Hitchcock wenig, in der Hauptsache wurden sie dadurch erzielt, daß die Kamera sich in einem Graben auf Höhe des Fußbodens befand.

Um die die Problematik bei der Projektion von 3D-Filmen (absolut synchron laufende Projektoren, alle 20 Minuten Pause wegen Rollenwechsels) zu umgehen, wandte die Produktionsfirma das sogenannte Side-by-side Anamorphic-Verfahren erstmals an. Dazu wurde der linke und rechte Teilfilm mit einem Anamorphoten horizontal auf die Hälfte gestaucht und nebeneinander auf einen 35 mm-Film kopiert. Bei der Wiedergabe (mit einem Projektor) werden beide Teilbilder mittels eines speziellen Equipments (Anamorphot, Bildteiler (Justierung über bewegliche Spiegel) und Polarisationsfilter) auf der Leinwand zur Deckung gebracht. Der einzige weitere Film, der mit diesem Verfahren umkopiert wurde, ist Das Kabinett des Professor Bondi (House of Wax). Erst 1980 wurde die 3D-Version wieder veröffentlicht und kam auch in der Polarisationsversion bei der "World 3D-Film Expo" 2003 zur Aufführung.

Frederick Knott hatte mit dem gleichnamigen Broadway-Stück einen großen Erfolg und schrieb auch das Drehbuch zu diesem Film. Schauspieler John Williams trat in der Bühnenversion ebenfalls schon als Chefinspector auf. Die Einheit der Handlung wird von Hitchcock beibehalten, er begibt sich bis auf eine Ausnahme nicht aus dem Set heraus (siehe auch Cocktail für eine Leiche und Das Fenster zum Hof).

Preise/Auszeichnungen:
1954 New York Film Critics Circle Awards: NYFCC Preis für die beste Schauspielerin an Grace Kelly.
National Board of Review 1954: beste Hauptdarstellerin (Grace Kelly) u. bester Nebendarsteller (John Williams).

Literatur: Frederick Knott: Bei Anruf - Mord. Ein Kriminalstück in drei Akten (OT: Dial M For Murder). Deutsch von Rudolf Schneider-Schelde. Strassegg, Bayerisch-Gmain o.J. [Bühnenmanuskript]
Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Hrsg. Joe Hembus: Alfred Hitchcock und seine Filme (OT: The Films of Alfred Hitchcock). Citadel-Filmbuch bei Goldmann, München 1976, ISBN 3-442-10201-4

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Neuverfilmungen:
A Perfect Murder/Ein perfekter Mord - USA 1998, Regie: Andrew Davis

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