In diesem Teil von Paris war sie noch nie gewesen - sie hatte nur von diesem Viertel in den Romanen Duvains gelesen oder es im Grand Guignol erleben. Das war also der Momatre? Das Schreckensviertel, wo die Gefahr im Dunkel der Nacht lauerte! wo unschuldige Seelen ohne Vorwarnung umkamen - wo unachtsame ein dunkles Schicksal ereilte - wo der Apache den Aufstand probte.

Vorsichtig tastete sie sich im Schatten der dunklen, hohen Mauer vor, drehte sich immer hastig nach hinten um, nach der verborgenen Bedrohung, die an ihren Fersen kleben könnte. Unvermittelt bog sie in eine Seitengasse ab, nicht weiter darauf achtend, wohin sie führte... Sie ertastete ihren Weg durch die tintenschwarze Nacht, nur wild entschlossen, der Verfolgung zu entgehen... Sie ging vorwärts... Oh! Wann würde das nur enden?... Da wurde eine Tür, durch die ein Lichtstahl drang, der sie ein wenig sehen ließ... Hinein... irgendwo hinein, dachte sie.

Die Tür befand sich am Ende einer Treppe... die Stufen knarrten vor Alter, als sie versuchte, hinunterzuschleichen... dann vernahm sie den Lärm trunkenen Gelächters und schauderte - das war doch sicherlich -, nein, nur das nicht. Alles, nur das nicht. Sie war jetzt am Fuß der Treppe und sah in eine übelriechende Wein-Bar, in der die Wracks derer, die einmal Männer und Frauen waren, einer trunkenen Orgie frönten... Dann fiel die Aufmerksamkeit auf sie, ein Bild erschrockener Unschuld. Unter dem anfeuernden Grölen der übrigen stürmte ein halbes Dutzend Männer auf sie zu. Sie wurde gepackt. Sie schrie vor Angst... es wäre besser gewesen, ihre Verfolger hätten sie eingeholt, war ihr letzter schwindender Gedanke, während die Männer sie rücksichtslos durch den Raum schleiften. Diese Teufel verloren keine Zeit, sich über ihr Schicksal zu einigen. Was sie mit sich führte, wollten sie untereinander aufteilen... und sie selbst... Mein Gott! War sie nicht im Herzen von Montmartre? Man würde sich ihrer entledigen... die Ratten würden einen Festtag haben. Man fesselte sie. Sie wurde durch einen dunklen Flur getragen, eine Treppe hoch, zum Flußufer.

Die Wasserratten würden sich freuen, sagten die Männer. Und dann... sie schwangen ihren Körper vor und zurück und warfen sie mit Schwung in die dunklen, strudelnden Wasser, Sie sank - sank tiefer. Das einzige, was sie spürte, war ein würgendes Gefühl. Das mußte der Tod sein... plötzlich... "Es ist vorbei, gnädige Frau", sagte der Zahnarzt. "Das macht eine halbe Krone, bitte."

HITCH