Zurück Nach oben Weiter

 
     
 

 
     
 
 
     
      
     
 

Original-Titel: Jamaica Inn

Deutscher Titel: Riff-Piraten, Die Taverne von Jamaika

Genre: Action Adventure, sw

Studio/Produktionsland: Elstree Studios, Mayflower Pictures. England

Filmjahr: 1939

Filmlänge: 108 Min.

Drehbuch: Sidney Gilliat, Joan Harrison und J. B. Priestley nach dem Roman von Daphne du Maurier

Musik: Eric Fenby

Kamera: Henry Stradling und Bernard Knowles

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: Erich Pommer, Charles Laughton

Darsteller: Charles Laughton (Sir Humphrey Pengallan), Horace Hodges (Chadwick, sein Butler), Hay Petrie (Sam, sein Diener), Frederick Piper (Makler), Leslie Banks (Joss Merlyn), Marie Ney (Patience Merlyn, seine Frau), Maureen O'Hara (Mary Yelland, seine Nichte), Emlyn Williams (Harry, der Hausierer), Robert Newton (Jim Trehearne), Wylie Watson ("Salvation" Watson), Jerbert Lomas, Clare Greet (Granny Tremayne), William Devlin (Pengallas Pächter), Morland Graham (Sydney), Edwin Greenwood (Dany), Mervyn Johns (Thomas).

Inhaltsangabe: England im frühen 19. Jahrhundert: Die junge Mary zieht nach dem Tod ihrer Eltern zu ihrer Tante Patience, die mit ihrem Mann Joss an der felsigen Küste Cornwalls eine finstere Hafenspelunke betreibt. Schon bald stellt Mary fest, dass Joss der Anführer einer Bande von Piraten ist, die mit falschen Leuchtfeuern planmäßig Schiffe aufs Riff auflaufen lässt, die Besatzung ermordet und sich mit der Ladung aus dem Staub macht. Gleich an ihrem ersten Abend beobachtet Mary, wie die Bande ihr jüngstes Mitglied, Jem Trehearne, aufhängen will. Doch Mary gelingt es, die Schlinge zu zerschneiden und mit Jem zu fliehen. Jem ist ein Regierungsagent und lies sich in die Bande einschleusen, um ihr das Handwerk zu legen. Den Drahtzieher der Piratenbande, der stets erstaunlich gut über die Schiffsrouten informiert sein muss und von dem Joss seine Anweisungen erhält, kennt er bislang jedoch noch nicht. Mary und Jem werden von den Piraten verfolgt. Es gelingt ihnen, sich zu Baron Sir Humphrey Pengallan zu flüchten, einem wohlsituierten Gerichtsherren. Von dort aus will Jem Soldaten aus der nächsten Stadt anfordern. Beide ahnen jedoch nicht, dass der Friedensrichter Sir Humphrey der kongeniale Hintermann und Drahtzieher der Piraten-Bande ist.

Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56:
H.: …Da aber mein Kontrakt mit Selznick erst im April 1939 anfing, hatte ich noch die Möglichkeit, einen letzten englischen Film zu drehen, Jamaica Inn.
T.: Mit Charles Laughton als Produzent.
H.: Laughton und Erich Pommer zusammen. Das ist, wie Sie wissen, ein Roman von Daphne du Maurier. Das erste Drehbuch hat Clemence Dane geschrieben, ein bekannter Stückeschreiber, dann habe ich Sidney Gilliat engagiert, und wir haben zusammen das endgültige Drehbuch gemacht. Dann wollte Charles Laughton seine Rolle noch ausgebaut haben, und er kam mit J. B. Priestley an, der Dialoge dazuschrieb. Ich hatte die Bekanntschaft mit Erich Pommer 1924 in Deutschland gemacht, als ich Drehbuchautor und Dekorateur war für The Blackguard. Er war Michael Balcons Koproduzent bei diesem Film. Seitdem hatte ich ihn nicht mehr gesehen.
Jamaica Inn war ein völlig absurdes Unternehmen. Wenn man sich die Geschichte genau anschaut, merkt man, es ist ein Whodunit. Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts kommt eine junge irische Waise - Maureen O'Hara - nach Cornwall zu ihrer Tante Patience, deren Mann Joss an der Küste eine Kneipe hat. Es passieren alle möglichen schrecklichen Dinge in dieser seltsamen Herberge, in der Strandräuber und andere Aasgeier wohnen. Diese Leute werden nicht bestraft und werden sogar regelrecht informiert, wenn Schiffe vorüberfahren. Warum? Weil der Kopf dieser Banditen zufällig ein ehrbarer Bürger ist, kein anderer nämlich als der Friedensrichter. Sehen Sie, deshalb war das Unternehmen völlig absurd. Der Friedensrichter hätte normalerweise erst am Ende der abenteuerlichen Geschichte erscheinen dürfen, denn er hielt sich natürlich vorsichtig von allem zurück, und er hatte gar keinen Grund, sich in der Herberge sehen zu lassen. Deshalb war es völlig absurd, den Film mit Charles Laughton in der Rolle des Friedensrichters zu drehen. Als ich das merkte, war ich richtig verzweifelt. Schließlich habe ich den Film doch gedreht, aber zufrieden bin ich nie mit ihm gewesen, trotz des unerwarteten kommerziellen Erfolgs.
T.: Aber die Produzenten waren sich dieser Absurdität nicht bewußt?
H.: Erich Pommer? ich bin nicht sicher, ob er überhaupt englisch verstand. Was Charles Laughton angeht, der war ein liebenswürdiger Witzbold. Als wir den Film begannen, bat er mich, erst nur Nahaufnahmen von ihm zu machen, weil er noch nicht heraushatte, wie er sich am besten bewegte, wenn er durch die Dekoration ging. Nach zehn Tagen kam er an und sagte: »Ich hab's.« Und er trippelte, sich in den Hüften wiegend, und pfiff dazu einen kleinen deutschen Walzer, der ihm wieder eingefallen war und der ihn zum Rhythmus seines Ganges inspiriert hatte.
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Jamaica Inn war Hitchcocks letzter englischer Film. Der Produzent seines ersten Films The Pleasure Garden hatte ihn zu diesem Projekt überredet. Für den Mit-Produzenten Charles Laughton war eine Paraderolle vorgesehen. Der Film wurde ein kommerzieller Erfolg, obwohl sich die Kritiker einig waren, daß es sich um eine simple Wer-ist-der-Täter-Story handelte. Bei den Dreharbeiten war Alfred Hitchcock in Gedanken schon mit seiner bevorstehenden Abreise in die USA beschäftigt. Zwei Themen ziehen sich durch Jamaica Inn, die Hitchcock später wieder aufgreifen und verarbeiten sollte: der Wahnsinn in Gestalt des Friedensrichters mit schizophrenen Zügen, sowie die Rettung einer menschlichen Seele, wie sie bei Onkel Joss geschieht. Am Ende doch geläutert, opfert er sich für das Leben seiner Nichte.

Der Film basiert auf auf dem Roman „Jamaica Inn“ von Daphne du Maurier. Das Drehbuch schrieben Sidney Gilliat und Hitchcocks Assistentin Joan Harrison. Eine der Hauptrollen spielte Charles Laughton, der an der Produktion des Filmes mit seiner eigenen Firma beteiligt war, die allerdings insgesamt nur drei Filme drehte, zuvor Vessel of Wrath (1937) und St. Martin's Lane (1938) und eben Jamaica Inn. Koproduzent und Mitinhaber der Mayflower Productions war der aus Deutschland emigrierte Produzent und Regisseur Erich Pommer, den Hitchcock schon von der Arbeit zum Film The Blackguard (1925) kannte, an der er als Autor und Szenenbildner beteiligt war.

Die Pläne für einen gemeinsamen Film wurden bereits im Herbst 1936 bei einem Festessen eines Filminstutes in London geschmiedet, bei dem Hitchcock durch Zufall auf Laughton und Pommer traf.

Riff-Piraten war einer der wenigen Ausflüge des Krimi-Spezialisten Hitchcock in den Kostümfilm, mit einem Charles Laughton, der durch seine Darstellung des Bösewichtes den ganzen Film beherrscht. In seinem Perfektionismus ließ er sich sogar eine falsche Nase aufkleben, um besser als öliger, aufgeblasener Landjunker durchzugehen und agierte in seiner typischen Art, die als „Laughtonismus“ bezeichnet wurde, mit bombastischen Gesten und exzentrischen Ticks. So weigerte er sich zum Beispiel, gehend oder stehend gefilmt zu werden, bis er einen bestimmten Gang perfektioniert hatte.

Hitchcock war diese Arbeitsweise zuwider und in Interviews beklagte er stets die Manierismen und die unseriöse Arbeitsweise Laughtons, der seiner Meinung nach nichts vom Film verstand.

Für die unbekannte 18-jährige Maureen O'Hara war der Film ihr Debut auf der großen Leinwand, dem eine erfolgreiche Hollywood-Karriere folgte.

Nach Beendigung der Dreharbeiten verließ Hitchcock Anfang März 1939 dann England und begann in den USA seine Hollywoodkarriere mit dem nächsten Film, Rebecca (1940), ebenfalls eine Verfilmung eines Romanes von Daphne du Maurier. Produzent David O. Selznik hatte die Filmrechte an Rebecca bereits vor dem Beginn der Dreharbeiten an Riff-Piraten für 50.000 US-Dollar erworben, nachdem ihn Hitchcock einen Vorabdruck las und ihn Selznick empfahl. Ursprünglich wollte Hitchcock die Rechte selber kaufen, die Forderungen der Agentin von du Maurier und die Unsicherheit, eine Produktionsgesellschaft dafür zu interessieren, ließen ihn aber vom Erwerb der Rechte absehen.

J. B. Priestley schrieb die zusätzlichen Dialoge.

Preise/Auszeichnungen:

Literatur: -

Videos

Neuverfilmungen:
Jamaica Inn, GB 1985, Lawrence Gordon Clark, TV-Film

Links:
Filmplakate
Videocovers