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| "MacGuffin" ist ein Kunstwort und steht für einen Vorwand, eine Sache oder eine Situation, die die Geschichte in Gang bringt. | ||||
| In Hitchcocks Filmen kann man viel entdecken, aber Sie sollten sich vor dem MacGuffin hüten. Er führt Sie nirgendwohin. | ||||
| Originaltitel/Deutscher Titel | MacGuffin | |||
| The 39 Steps/ Die 39 Stufen |
Geheimformel/Spionagering | |||
| The Lady Vanishes/ Eine Dame verschwindet |
geheime Vertragsklauseln | |||
| Foreign Correspondent/ Mord |
Geheimklausel eines Bündnisvertrages | |||
| Notorious/ Berüchtigt, Weisses Gift |
In Notorious zieht von Nazis in Weinflaschen
geschmuggeltes Uran (Rauschgift) als Köder das Interesse auf sich. Anmerkung: Die deutsche Verleihfassung des Jahres 1951 ("Weißes Gift") hatte aus Rücksicht auf unverbesserliche Alt-Nazis aus Hitchcocks Nazispionen internationale Rauschgiftschmuggler gemacht. Erst 1969 brachte das ZDF den Film in werkgetreuer Synchronisation unter dem Titel "Berüchtigt" neu heraus. |
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| Rope/ Cocktail für eine Leiche |
In "Rope" bringen zwei Studenten, um den perfekten Mord zu probieren, einen dritten um und legen in jene Truhe, auf eine halbe Stunde später zur Party die Schnittchen serviert werden: Das ist der MacGuffin, der Vorwand, kein Mensch interessiert sich für den toten Mann in der Kiste, nur für seine mögliche Entdeckung. | |||
| North by Northwest/ Der unsichtbare Dritte |
In dem Film spricht Cary Grant von dem Schurken oder dem Spion und fragt die CIA-Leute: "Wo ist der Bursche denn eigentlich hinterher?" Und die antworten: "Na, sagen wir, es geht um Import-Export". Und Grant sagt: "Aber wovon?" Und die antworten: Von Regierungsgeheimnissen". | |||
| Psycho | Janet Leigh stiehlt zu Beginn ihrem Chef 40.000 Dollar und flieht. Dabei kommt sie bei dem Horror-Haus vorbei, in dem sie umgebracht wird. Die 40.000 $ werden nie wieder erwähnt! Sie werden mit dem Auto der toten Dame in einem Sumpf versenkt. | |||
| Torn Curtain/ Der zerrissene Vorhang |
Geheimformel | |||
| Gespräch Alfred
Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56: H.: ... Wir sollten mal über den MacGuffin sprechen. T.: MacGuffin, das ist der Vorwand, nicht? H.: Das ist eine Finte, ein Trick, ein Dreh, wir nennen das »gimmick«. Ich werde Ihnen die ganze Geschichte des Mac-Guffin erzählen. Sie wissen, daß Kipling häufig über die Inder und Briten geschrieben hat, die an der Grenze von Afghanistan gegen die Eingeborenen kämpften. In all den Spionagegeschichten, die in dieser Gegend spielen, ging es ohne Unterschied immer um den Raub von Festungsplänen. Und das war der MacGuffin. MacGuffin ist also einfach eine Bezeichnung für den Diebstahl von Papieren, Dokumenten, Geheimnissen. Imgrunde sind sie ohne Bedeutung, und die Logiker suchen an einem falschen Ort nach der Wahrheit. Bei meiner Arbeit habe ich mir immer vorgestellt, die Papiere, die Dokumente oder Konstruktionsgeheimnisse der Festung müßten ungeheuer wichtig sein für die Personen des Films, aber ganz ohne Bedeutung für mich, den Erzähler. Und woher der Begriff des MacGuffin kommt? Der Name erinnert an Schottland, und da kann man sich folgende Unterhaltung zwischen zwei Männern in der Eisenbahn vorstellen. Der eine sagt zum anderen: »Was ist das für ein Paket, das Sie da ins Gepäcknetz gelegt haben?« Der andere: »Ach das, das ist ein MacGuffin.« Darauf der erste: »Und was ist das, ein MacGuffin?« Der andere: »Oh, das ist ein Apparat, um in den Bergen von Adirondak Löwen zu fangen.« Der erste: »Aber es gibt doch überhaupt keine Löwen in den Adirondaks.« Darauf der andere: »Ach, na dann ist es auch kein MacGuffin.« Diese Geschichte zeigt Ihnen die Leere, die Nichtigkeit des MacGuffin. T.: Das ist komisch. Sehr interessant. H.: Eine komische Sache ergab sich jedesmal, wenn ich zum erstenmal mit einem Autor zusammenarbeitete. Der richtete dann immer seine ganze Aufmerksamkeit auf den MacGuffin, und ich mußte ihm erklären, daß er ganz unwichtig war. Zum Beispiel The Thirty-nine Steps: Wonach suchen die Spione? Nach dem Mann, dem ein Finger fehlt? Und die Frau am Anfang, was sucht die? War sie dem großen Geheimnis auf der Spur, und mußte sie deshalb in seiner Wohnung von hinten erdolcht werden? Als wir das Drehbuch zu The Thirty-nine Steps schrieben, haben wir erst ganz irrigerweise geglaubt, wir müßten, weil es um Leben und Tod ging, einen ungeheuren Aufhänger haben. Als Robert Donat in Schottland ankommt und in das Haus der Spione eindringt - vielleicht ist er dem Spion gefolgt -, hat er weitere Informationen gefunden. In der ersten Fassung des Drehbuchs kam Donat, während er dem Spion folgte, auf einen Berg und schaute auf die andere Seite hinüber. Dabei sah er unterirdische Flugzeughallen, die in den Berg hineingebaut waren. Es ging also um große Luftfahrtgeheimnisse, geheime Flugzeughallen, gegen Bombardierung geschützt. Wir glaubten damals, der MacGuffin müßte großartig sein, und zwar sowohl inhaltlich als auch visuell. Dann haben wir uns die Idee genauer vorgenommen. Was würde ein Spion nach der Entdeckung solcher Flugzeughallen machen? Eine Nachricht schicken, um ihren Standort anzugeben? Was würden in diesem Falle die potentiellen Feinde des Landes machen? T.: Für das Drehbuch wäre das nur dann interessant gewesen, wenn man die Flugzeughallen hätte sprengen wollen. H.: Daran haben wir auch gedacht. Aber wie sollten die paar Leute einen ganzen Berg sprengen? Wir haben uns das alles überlegt und eine Idee nach der anderen fallengelassen, bis wir zu etwas ganz Einfachem gekommen sind. T.: Man könnte sagen, der MacGuffin braucht nicht nur nicht ernst zu sein, sondern er gewinnt sogar noch, wenn er lächerlich ist, wie das Liedchen in The Lady Vanishes. H.: Ganz bestimmt. Der MacGuffin von The Thirty-nine Steps ist dann schließlich eine mathematische Formel, die etwas mit der Konstruktion von Flugzeugmotoren zu tun hat. Diese Formel war nicht schriftlich niedergelegt, sondern die Spione bedienten sich des Gehirns von Mr. Memory, um das Geheimnis weiterzugehen. Über eine Varietétournee sollte es ins Ausland gelangen. T.: Es gibt da bestimmt eine Art dramaturgisches Gesetz. Wenn die Person wirklich in Gefahr ist, dann gewinnt im Verlauf der Geschichte das Überleben der Hauptperson ein solches Interesse, daß man den MacGuffin völlig vergißt. Aber eine Gefahr muß es auf jeden Fall geben. Sonst witzeln die Zuschauer, wenn es zur Erklärungszene kommt, werm schließlich der MacGuffin aufgedeckt wird; sie pfeifen oder meckern. Aber einer Ihrer Tricks ist, glaube ich, daß Sie Ihren MacGuffin nicht erst ganz am Schluß aufklären, sondern am Ende des zweiten Drittels oder des dritten Viertels. Das erlaubt Ihnen, dem erklärenden Schluß aus dem Weg zu -eben. H.: Im allgemeinen ist das richtig. Aber das wichtigste, was ich im Lauf der Jahre gelernt habe, ist, daß der MacGuffin überhaupt nichts ist. Ich hin davon überzeugt, aber ich weiß aus Erfahrung, daß andere davon schwer zu überzeugen sind. Mein bester MacGuffin – darunter verstehe ich: der leerste, nichtigste, lächerlichste - ist der von North by Northwest. Das ist ein Spionagefilm, und in der Geschichte geht es nur um eine einzige Frage: Was suchen die Spione? In der Szene auf dem Flugfeld von Chicago erklärt der CIA-Mann Cary Grant alles. Der fragt dann im Hinblick auf James Mason: »Und was macht der?« Darauf antwortet der andere: »Sagen wir Import-Export.« »ja, aber was verkauft er denn?« »Na, eben Regierungsgeheimnisse.« Sehen Sie, da haben wir den MacGuffin, reduziert auf seinen reinsten Ausdruck: nichts. T.: Nichts Konkretes, ja, und das beweist in der Tat, daß Sie sich dessen, was Sie machen, sehr bewußt sind, und daß Sie Ihre Arbeit vollständig im Griff haben. Wegen dieser Filme, die um einen MncGuffin herum konstruiert sind, sagen einige Kritiker: Hitchcock bot nichts zu sage. Ich glaube, zunächst wäre die richtige Antwort darauf: Ein Filmemacher hat nichts zu sagen, er hat zu zeigen. H.: Genau. Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut. |
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| Hitchcock interviewed by Oriana Fallaci, 1963: | ||||
| MacGuffin. You must know that when I'm making a
movie, the story isn't important to me. What's important is how I tell the
story. For example, in a movie about espionage what the spy is looking for
isn't important, it's how he looks for it. Yet I have to say what he's
looking for. It doesn't matter to me, but it matters a great deal to the
public, and most of all it matters to the character of the movie. Why should
the character go to so much trouble? Why does the government pay him to go
to so much trouble? Is he looking for a bomb, a secret? This secret, this
bomb, is for me the MacGuffin, a word that comes from an old Scottish story.
. . . Two men are traveling in a train, and one says to the other, "What's that parcel on the luggage rack?" "That? It's the MacGuffin," says the other. "And what's the MacGuffin?" asks the first man. "The MacGuffin is a device for catching lions in Scotland," the other replies. "But there aren't any lions in Scotland," says the first man. "Then it isn't the MacGuffin," answers the other. Clear? Logical? |
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