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Original-Titel: Murder

Deutscher Titel: Sir John greift ein / Mary / Der Prozeß Baring / Geheimnis der Nacht

Genre: Mystery-Thriller, sw

Studio: British International Pictures. England

Filmjahr: 1930

Filmlänge: 92 Min.

Drehbuch: Alma Reville nach dem Bühnenstück "Enter Sir John" von Clemence Dane und Helen Simpson.

Musik: John Reynders

Kamera: John Maxwell

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: John Maxwell

Darsteller: Herbert Marshall (Sir John Menier), Nora Baring (Diana Baring), Phylis Konstam (Dulcie Markham), Edward Chapman (Ted Markham), Miles Mander (Gordon Druce), Esme Percy (Handel Fane), Donald Calthrop (Ion Stewart), Esme V. Chaplin (Prosecuting Consel), Amy Brandon Thomas (Defending Counsel), Joynson Powell (Judge), S. J. Warmington (Bennett), Marie Wright (Miss Mitcham), Hannah Jones (Mrs. Didsome), Una O'Connor (Mrs. Grogram), R. E. Jeffrey (Foreman of the Jury), Alan Stainer (Jury Member), Kenneth Kove (Jury Member), Guy Pelham Boulton (Jury Member), Violet Farebrother (Jury Member), Clare Greet (Jury Member), Drusilla Wills (Jury Member), Robert Easton (Jury Member), William Fazan (Jury Member), George Smythson (Jury Member), Ross Jefferson (Jury Member), Picton Roxborough (Jury Member).

Sir John greift ein/Mary = deutsche Fassung von "Murder": Alfred Abel, Olga Tschechowa, Paul Graetz, Lotte Stein, Ekkehart Arendt, John Mylong, Louis Ralph, Hermine Sterler, Fritz Alberti, Hertha v. Walter, A. Arenot, Julius Brandt, Eugen Burg, Lucie Euler, Heinrich Gotho, Fritz Grossmann, Harry Hardt, Rudolf Meinhardt Junger, Louis Ralph, Else Schünzel.

Inhaltsangabe: Die Geschichte einer jungen Schauspielerin, die angeklagt ist, eine Freundin getötet zu haben. Sie wird festgenommen, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Unter den Geschworenen ist Sir John (Herbert Marshall), ein berühmter Schauspieler und Autor. Von ihrer Unschuld überzeugt, stellt er einige Nachforschungen an und findet schließlich den Mörder. Es ist der Verlobte der Angeklagten.

Gespräch Hitchcock/Truffaut 1955/56:
T.: Ihr nächster Film, Murder, basiert auf einem Bühnenstück,
H.: Der war interessant. Haben Sie ihn gesehen?
T.: Ja, ich habe ihn gesehen. Das ist die Geschichte einer jungen Schauspielerin, die angeklagt ist, eine Freundin getötet zu haben. Sie wird festgenommen, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Unter den Geschworenen ist Sir John (Herbert Morshall), ein berühmter Schauspieler und Autor. Von ihrer Unschuld überzeugt, stellt er eigene Nachforschungen an und findet schließlich den Mörder. Es ist der Verlobte der Angeklagten.
H.: Das ist eins der wenigen Whodunits, die ich gemacht habe. Ich habe die Whodunits immer gemieden, weil im allgemeinen nur ihr Schluß interessant ist.
T.: Des ist beispielsweise bei fast allen Romanen von Agathe Christie der Fall. Eine langwierige Untersuchung, eine Vernehmung nach der anderen.
H.: Eben deshalb mag ich die Whodunits nicht. Mich erinnert das an Puzzlespiele oder an die Kästchen beim Kreuzworträtsel. In aller Ruhe wartet man die Antwort ab auf die Frage: Wer war's? Kein bißchen Emotion.
Das erinnert mich an eine Geschichte. Als das Fernsehen aufkam, gab es zwei Konkurrenzprogramme. Das erste Programm hatte so ein Whodunit angekündigt. Und genau vor der Ausstrahlung verkündete der Ansager der Konkurrenz: »Was die Auflösung des Stücks auf dem anderen Kanal betrifft - der Butler war's.«
T.: Und obwohl es ein Whodunit war, haben Sie sich für Murder sehr interessiert?
H.: Ja, weil es voll von Sachen ist, die ich hier zum erstenmal gemacht habe, Es war Herbert Marshalls erster Tonfilm, und es war die ideale Rolle für ihn. Es zeigte sich sofort, daß er ein ausgezeichneter Tonfilmschauspieler war. Man mußte seinen Überlegungen folgen können, und da es mir widerstrebte, eine für die Handlung überflüssige Person einzuführen, habe ich mich des inneren Monologs bedient. Damals fand man, das sei eine phantastische Neuerung des Tonfilms. In Wirklichkeit war es die älteste Theateridee der Welt, angefangen bei Shakespeare, hier nur den Möglichkeiten des Tonfilms angepaßt.
Es gab eine Szene, in der Herbert Marshall sich rasiert und dabei Musik aus dem Radio hört.
T.:
Das Vorspiel zu Tristan, das war eine der besten Szenen.
H.: Ja, da hatte ich ein Orchester mit dreißig Musikern im Studio, hinter der Badezimmerdekoration. Verstehen Sie, ich hätte den Ton nicht nachträglich hinzufügen können, ich mußte ihn gleichzeitig im Studio aufnehmen.
Übrigens, was den Direktton betraf, habe ich da einige Erfahrungen mit dem Improvisieren gemacht. Ich habe den Schauspielern den Inhalt der Szene erklärt und ihnen vorgeschlagen, ihren Dialog selbst zu erfinden. Das Resultat war nicht gut. Zu viele Pausen. Sie hingen zu sehr an dem, was sie sagen sollten. Die Spontaneität, auf die ich gehofft hatte, stellte sich nicht ein. Das Timing stimmte nicht mehr. Das Ganze hatte keinen Rhythmus.
Sie schätzen die Improvisation doch sehr. Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?
T.: Das Stottern ist allerdings eine Gefahr, und es kann sein, daß die Szenen doppelt so lang werden, weil die Leute nach Worten suchen. Besser ist eine Zwischenforrn, die darin besteht, über eine schwierige Szene vorher mit ihnen zu sprechen und sie dann in ihren Worten hinzuschreiben. Aber das ist wieder etwas anderes.
H.: Das ist sehr interessant, aber vielleicht nicht sehr ökonomisch,
T.: Ökonomisch bestimmt nicht, weder in finanzieller Hinsicht, noch was das Material betrifft und die Zeit.
T.: Kommen wir zu Murder zurück. In Wirklichkeit ging es dabei um eine kaum kaschierte Homosexuellengeschichte, und das war damals ziemlich gewagt. Der Mörder, der in der Schlußszene als Frau verkleidet im Zirkus auftritt, gesteht, daß er das Mädchen getötet hat, weil sie seine Verlobte über ihn aufklären wollte.
H.: Ja, in dieser Hinsicht war es gewagt. Es gab viele Anspielungen auf Hamlet, zum Beispiel das Stück im Stück. Man gab dem mutmaßlichen Mörder das Manuskript eines Stückes zu lesen. Das Stück beschrieb einen Mord, das war eine Falle. Man beobachtete ihn, während er das Stück vorlas, um zu sehen, ob er sich verriet, wie der König im Hamlet. Der ganze Film war eng verknüpft mit dem Theater.
Außerdem war Murder meine erste Erfahrung mit dem zweisprachigen Film. Ich mußte gleichzeitig eine englische und eine deutsche Version drehen. Ich hatte in Deutschland gearbeitet und sprach etwas deutsch, genug, um mich durchzulavieren. Der Held der englischen Version war also Herbert Marshall, für die deutsche Version hatte ich einen bekannten Schauspieler, Alfred Abel. Vor Beginn der Dreharbeiten bin ich nach Berlin gefahren, um über das Drehbuch zu sprechen. Man schlug mir viele Änderungen vor, die ich alle abgelehnt habe. Doch das war ein Fehler. Ich habe abgelehnt, weil ich mit der englischen Fassung zufrieden war und aus wirtschaftlichen Erwägungen. Man konnte nicht zwei Fassungen drehen, die zu verschieden voneinander waren. Ich bin also mit dem unveränderten Drehbuch nach London zurückgefahren und habe mit den Dreharbeiten begonnen. Ich habe sofort gemerkt, daß ich kein Ohr für die deutsche Sprache hatte. Alle möglichen Details, die in der englischen Fassung sehr komisch waren, waren es überhaupt nicht mehr in der deutschen. Zum Beispiel die ironischen Seitenhiebe auf den Verlust der Würde oder auf Snobismus. Der deutsche Schauspieler fühlte sich nicht wohl in seiner Haut, und ich merkte, ich verstand die Besonderheiten des Deutschen nicht...
T.: Trotzdem finde ich ...
H.: ...Um mit Murder zuende zu kommen, dieser interessante Film hatte in London einen gewissen Erfolg, aber für die Provinz war er zu sophisticated.
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Hitchcock gestaltete in diesem Film hervorragend die Atmosphäre des Verbrechens. Er verwendet dabei eine Gestaltungsweise des Bildes, die auf den deutschen expressionistischen Film zurückgeht. Ein besonderer Wert des Films liegt in der oft neuartigen und erfinderischen Anwendung des Tons. In der Szene der Geschworenenberatung ist der Held der einzige, der die Angeklagte für unschuldig hält. Hitchcock löst diese Situation folgendermaßen: Er zeigt das Gesicht des Helden in Großaufnahme und projiziert darüber die Gesichter der anderen Geschworenen, die immer lauter und lauter sprechen. Die menschliche Stimme wurde hier unrealistisch verwendet, das, was wir hören, ist nicht der wortgetreue Text der Argumentation der Geschworenen, sondern vielmehr der subjektive Eindruck, der bei ihrem Opponenten entstehen.

Preise/Auszeichnungen: -

Literatur: -

Neuverfilmungen: -

Kompletter Film

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