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Original-Titel: Rich and Strange
Deutscher Titel: Endlich sind wir reich
Genre: Romantische Komödie, sw
Studio/Produktionsland: British International Pictures. England
Filmjahr: 1932
Filmlänge: 83 Min.
Drehbuch: Alfred Hitchcock, Alma Reville und Val Valentine nach dem Roman von Dale Collins.
Musik: Hal Dolphe
Kamera: Jack Cox und Charles Martin
Regie: Alfred Hitchcock
Produzent: John Maxwell
Darsteller: Henry Kendall (Fred
Hill), Joan Barry (Emily Hill), Betty Amann (die "Prinzessin"), Percy
Marmont (Comm. Gordon), Elsie Randolph (die alte Dame), Aubrey Dexter (Colonel,
Hannah Jones (Mrs. Porter).
Inhaltsangabe: Der Büroangestellte
Fred sehnt sich nach Veränderung in seinem eintönigen Dasein, als ein reicher
Onkel ihm und seiner Frau Emily eine Weltreise spendiert. Auf einem Schiff in
den fernen Osten kommt Freds Abenteuerlust voll zum Durchbruch: Während Emily
einen Antrag des aufrichtigen Tropenpflanzers Gordon aus Liebe zu Fred ablehnt,
läßt sich dieser in blindem Erlebnishunger von einer falschen Prinzessin
umgarnen. Erst als sie in Singapur mit Freds Geld durchbrennt, findet das Paar
zwangsläufig wieder zusammen. Abgerissen und mittellos versuchen Emily und
Fred, auf einem Frachtdampfer nach England zurückzukommen. Das Schiff kentert,
eine chinesische Dschunke nimmt sie auf. Über Umwege kehren sie nach London zurück...
Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56:
T.: Den Film, den Sie danach gemacht haben, 1931, mag ich sehr.
Rich and Strange, in Amerika hieß er, glaube ich, East of Shanghai.
Das ist ein unglaublich lebendiger Film.
H.: Er steckt voll von Ideen. Er handelte von einem jungen Paar,
das viel Geld bekommen hat und davon eine Weltreise macht.
Vor Beginn des Films sind meine Frau, die am Drehbuch mitarbeitete, und ich nach
Paris gefahren, um Studien für dieses Drehbuch zu machen. Im Film wollte ich die
jungen Leute in Paris zeigen, wie sie die Folies Bergères besuchen und wie sie
in der Pause hinter die Kulissen gehen und sich einen Bauchtanz anschaun. Wir
sind also in die Folies Bergères gegangen, und in der Pause habe ich einen
jungen Mann im Smoking angesprochen und gefragt: „Wo kann man denn hier einen
Bauchtanz sehen?“ „Hierher, folgen Sie mir bitte.“ Er hat uns dann auf die
Straße geführt. Ich war überrascht, aber er sagte: „Es ist in der Dépendance“,
und setzte uns in ein Taxi. Ich war der festen Überzeugung, daß es sich um einen
Irrtum handelte, und als er schließlich vor einer Tür halten ließ, sagte ich zu
meiner Frau: „Wetten, er bringt uns in ein Bordell.“ Ich fragte sie: „Willst du
mitkommen oder nicht?“ Sie sagte: „Na, gehen wir schon.“ Wir waren vorher nie in
einern Bordell gewesen. Dann kamen die Mädchen, es gab Champagner, und die
Bordellwirtin fragte mich in Gegenwart meiner Frau, ob ich nicht ein Weilchen
mit einem Mädchen nach nebenan gehen wollte. Das war mir noch nie passiert. Ich
habe nie etwas mit solchen Mädchen zu tun gehabt, bis heute nicht. Kurz, wir
sind ins Theater zurückgefahren, und mir wurde klar, daß wir uns genauso wie die
Touristen in unserem Film benommen hatten, zwei Ahnungslose in der Fremde.
T.: Weshalb wollten Sie denn einen Bauchtanz sehen? Um ihn in Ihrem
Film zu verrvenden?
H.: Schauen Sie, mit dieser Bauchtanzgeschichte wollte ich
folgendes machen. Die Heldin schaut sich den Bauchtanz an, und auf dem
rotierenden Nabel der Tänzerin wollte ich eine spiralenförmige Überblendung
beginnen lassen.
T.: Wie im Vorspann von Vertigo?
H.: Ja. Dann gab es in Rich and Strange eine Szene, in der
der junge Mann zusammen mit dem Mädchen badet. Sie sagt zu ihm: „Ich wette, du
schaffst es nicht, durch meine Beine hindurchzuschwimmen.“ Und sie stellt sich
mit gespreizten Beinen in das Schwimmbecken. Der junge Mann taucht und versucht,
zwischen ihren Beinen hindurchzuschwimmen, dabei geht die Kamera mit unter
Wasser, und plötzlich zieht das Mädchen die Beine zusammen, der Kopf des jungen
Mannes ist eingeklemmt, und man sieht Wasserblasen aufsteigen. Dann gibt sie ihn
wieder frei, er kommt atemlos an die Oberfläche und sagt zu ihr: „Du hättest
mich beinahe umgebracht.“ Und sie antwortet: „Wär das nicht ein schöner Tod
gewesen?“ Ich glaube, heute würde da die Zensur einschreiten.
T.: Ich habe übrigens zwei verschiedene Kopien des Films gesehen,
und diese Szene war in keiner von beiden. Ich erinnere mich aber an eine sehr
komische Szene auf einer chinesischen Dschunke.
H.: 0 ja. Nachdem das junge Paar den ganzen Orient bereist hat,
sind sie auf einem sinkenden Schiff. Eine chinesische Dschunke fischt sie auf.
Sie haben eine Flasche Pfefferminzlikör gerettet und die schwarze Schiffskatze.
Engumschlungen stehen sie vorn auf der Dschunke, und bald darauf bringen die
Chinesen ihnen etwas zu essen. Es ist hochvorzüglich, das beste, was sie je
gegessen haben. Mit Stäbchen. Als sie fertig sind mit essen, drehen sie sich um
und sehen hinten auf dem Schiff das Fell der schwarzen Katze zum Trocknen an die
Wand genagelt. Angeekelt stürzen sie zur Reeling.
T.: Obwohl es ein guter Film ist, hat Rich and Strange,
glaube ich, keine guten Kritiken bekommen.
H.: Man fand die Figuren schlecht gezeichnet und die Schauspieler
nicht überzeugend genug. Mir hatten die Schauspieler gut gepaßt, aber vielleicht
hätte man wirklich eine attraktivere Besetzung gebraucht. Ich mag den Film, und
er hätte Erfolg verdient gehabt.
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.
Info: Der Film lief in den
USA unter dem Titel "East of Shanghai".
Die Geschichte von Endlich sind
wir reich entwickelten Alma und Alfred Hitchcock auf einer
Weltreise, die sie gemeinsam mit ihrer Tochter Pat 1931 unternahmen. Zurück in
London mußte Hitchcock jedoch auf Geheiß John Maxwells, bei dem er zu dieser
Zeit unter Vertrag stand, zunächst Number Seventeen drehen, bevor er sich dem
Projekt Endlich sind wir reich widmen konnte.
Endlich sind wir reich wird heute zu den besten Filmen aus Hitchcocks englischer Periode gezählt.
Die zeitgenössische Kritik reagierte eher ablehnend. Sehr zu Unrecht steht Endlich
sind wir reich nach wie vor im Schatten der populären britischen
Hitchcock-Filme wie Die 39 Stufen oder Geheimagent.
Preise/Auszeichnungen: -
Literatur: Roman von Dale Collins
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