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Original-Titel: Spellbound
Deutscher Titel: Ich kämpfe um dich
Genre: Krimi, sw
Studio/Produktionsland: Selznick International. USA
Filmjahr: 1945
Filmlänge: 110 Min.
Drehbuch: Ben Hecht nach einem Roman "The House of Dr. Edwards" von Francis Beeding
Musik: Miklos Rozsa
Kamera: George Barnes
Regie: Alfred Hitchcock
Produzent: David O. Selznick
Darsteller:
Ingid Bergmann (Dr. Constance Peterson), Gregory Peck (John Ballantine), Jean Acker
(die Direktorin, Rhoda Fleming (Mary Carmichael), Donald Curtis (Harry), John
Emery (Dr. Fleurot), Leo G. Carroll (Dr. Murchison), Norman Lloyd (Garmes),
Steven Geray, Paul Harvey, Erskin Sanford, Janet Scott, Victor Kilian, Bill
Goodwin, Art Baker, Wallace Ford.
Inhaltsangabe: Constance (Ingrid Bergmann) ist Ärztin in einer
Irrenanstalt. Der Leiter der Anstalt, Dr. Murchison (Leo C. Carroll), ist
pensioniert worden, und man erwartet die Ankunft seines Nachfolgers, Dr.
Edwardes. Constance verliebt sich in ihren neuen Chef (Gregory Peck), bemerkt
aber bald, dass er in Wahrheit ein Geisteskranker ist, der sich für Dr.
Edwardes hält. Als er sich seiner Amnesie bewusst wird, glaubt er, den
wirklichen Dr. Edwardes getötet zu haben und flieht aus der Klinik. Constance
findet ihn und versteckt ihn bei ihrem alten Professor (Michael Chekhof), der die
Träume des Kranken analysiert und seinen Schuldkomplex zutage fördert. Der
falsche Edwardes hat sich immer für schuldig am Tod seines kleinen Bruders
gehalten, der passierte als sie noch Kinder waren. Dr. Edwardes ist auf ähnliche Weise umgekommen, wurde aber
tatsächlich ermordet, und zwar von dem
pensionierten Leiter der Klinik, Dr. Murchinson, der zum Schluss demaskiert
wird.
Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56
(gekürzte Version):
T.: ….. Eric Rohmer und Claude Chabrol erzählen in ihrem Buch über Sie,
Ihre ursprüngliche Idee zu Spellbound sei viel verrückter gervesen. Zum
Beispiel hätte der Direktor der Klinik unter seinem Fuß ein Kreuz eintätowiert
haben sollen, um es bei jedem Schritt »mit Füßen zu treten« weil er ein
Großmeister schwarzer Messen war.
H.: Das war so in dem Roman, The House of Dr. Edwardes, ein
melodramatischer und wirklich verrückter Roman, über einen Irren, der die
Herrschaft über eine Irrenanstalt an sich reißt. In dem Roman waren sogar noch
die Krankenpfleger Irre und stellten alle möglichen Dinge an. Meine Absicht war
viel vernünftiger, ich wollte nur den ersten Psychoanalysefilm drehen. Ich habe
mit Ben Hecht gearbeitet, der die berühmtesten Psychoanalytiker frequentierte.
Als wir bei der Traumsequenz ankamen, wollte ich unbedingt mit der
traditionellen Kinoträumen brechen, die meist nebelhaft und verworren sind, mit
zitternden Bildern und so weiter. Ich habe Selznick gebeten, Salvador Dali als
Mitarbeiter zu verpflichten. Selznick war einverstanden, aber ich bin sicher, er
hat geglaubt, ich hätte das nur wegen der Reklame gemacht. Mein einziger Grund
war, rein visuelle Träume zu bekommen, mit spitzen und scharfen Konturen, härter
als die Bilder des eigentlichen Films. Ich wollte Dali wegen der schneidenden
Konturen seiner Bilder - de Chirico ist sehr ähnlich -, wegen der langen
Schatten, der unendlichen Entfernungen, der Fluchtlinien, die sich im
Unendlichen treffen, der formlosen Gesichter.
Natürlich hat Dali ziemlich seltsame Dinge erfunden, die nicht zu realisieren
waren: eine Statue, die Risse bekommt, aus denen Ameisen über sie kriechen, und
dann sieht man Ingrid Bergman ganz bedeckt mit Ameisen.
Ich hatte Angst, weil die Produktion bestimmte Ausgaben scheute. Ich hätte die
Dali-Träume gern im Freien gedreht, damit alles von Sonne überflutet gewesen
wäre und besonders scharfe Konturen bekommen hätte, aber das hat man mir
abgelehnt, und ich mußte im Atelier drehen.
T.: Schließlich haben Sie nur einen Traum in Ihrem Film, der in vier
Teile aufgeteilt ist. Ich habe Spellbound unlängst wieder
gesehen, und ich muß Ihnen gestehen, daß ich das Drehbuch nicht besonders
mochte.
H.: Es ist wieder einmal die Geschichte einer Jagd auf einen Mann, hier aber
eingewickelt in Psychoanalyse.
T.: Für mich ist es gar keine Frage, daß viele Ihrer Filme, wie Notorious oder
Vertigo, tatsächlich gefilmten Träumen gleichen. Deshalb weckt die Ankündigung
eines Hitchcockfilms, der sich mit der Psychoanalyse beschäftigt, Erwartungen
auf etwas vollkommen Irres, Delirierendes. Und dabei ist dies einer Ihrer
vernünftigsten Filme, mit sehr viel Dialog. Grob gesagt, im Vergleich mit Ihren
anderen Filmen würde ich Spellbound einen Mangel an Phantasie vorwerfen.
H.: Wahrscheinlich weil es um Psychoanalyse ging. Wir hatten Angst vor der
Irrealität und wollten das, was diesem Mann widerfährt, besonders logisch
erzählen.
T.: Zweifellos. Es gibt trotzdem sehr schöne Sachen in dem Film, zum Beispiel
den Kuß, auf den dann die sieben sich öffnenden Türen folgen. Und dann, wenn
Ingrid Bergman und Gregory Peck sich zum ersten Mal sehen, das ist eindeutig
Liebe auf den ersten Blick, sie liebt ihn vom ersten Blick an.
H.: Leider beginnen genau in dem Augenblick die Geigen zu spielen, das ist
fürchterlich.
T.: Ich mag auch sehr gern die Reihe von Einstellungen, die der Festnahme von
Gregory Peck folgen, die Bilder von den Gittern und die Großaufnahmen von Ingrid
Bergman, bevor sie dann plötzlich zu weinen beginnt. Dagegen hat mich diese
ganze Geschichte, wenn die beiden bei dem alten Professor Zuflucht suchen, nicht
besonders interessiert. Schockiert es Sie, wenn ich sage, daß der Film
enttäuschend sei?
H.: Nein, nein, ich bin ganz Ihrer Meinung. Ich glaube, alles ist einfach zu
kompliziert, und die Erklärungen am Schluß sind zu konfus.
T.: Dann ist da noch etwas, das auch dem Paradine Case geschadet hat, das ist
Gregory Peck. Ingrid Bergman ist eine außergewöhnliche Schauspielerin, mit der
Sie phantastisch gearbeitet haben, aber Gregory Peck ist wirklich kein
Hitchcochschauspieler, er ist hohl, und er hat vor allem gar keinen Blick. …..
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.
Info: Spellbound
verbindet erstmals Motive aus der Psychoanalyse mit dem Genre des mystery-thrillers.
Die Handlung wird vorangetrieben von flash backs, Erinnerungsbildern und
einer grandios gefilmten Traumsequenz in Dekorationen von Salvador Dali. Der
ungarische Komponist Miklós Rózsa entwickelte eigens für diesen Film ein
neuartiges Instrument, das "Ätherophon", dessen
ätherisch-unwirklichen Klänge der Psychose der Hauptfigur die passende
akustische Untermalung geben sollte (wofür Rózsa auch einen "Oscar" erhielt).
Die Traum-Sequenz war ursprünglich etwas länger angelegt. Sie enthielt
eine Szene in einem Ballsaal mit herabhängenden Klavieren und unbeweglichen
Figuren, die vorgeben, zu tanzen; gefolgt von J.B., tanzend mit Dr. Peterson,
die sich in eine Statue verwandelt. In der Endfassung des Films fiel diese Szene
aus Zeitgründen dem Schnitt zum Opfer.
Bemerkenswert ist, dass der eigentlich als schwarz-weiß
geltende Film eine Farbsequenz enthält. In dem Moment, als Dr. Murchison
Selbstmord begeht - er erschießt sich - wird die Leinwand/der Bildschirm für
Bruchteile von Sekunden blutrot.
Der fallende Schnee auf John Ballantine und Dr. Petersen während der Ski-Szene
bestand lediglich aus Cornflakes.
Produzent David O. Selznick wünschte sich, dass ein Großteil des Films auf
seiner Erfahrung in Psychotherapathie basieren solle. Er brachte seinen
Psychotherapeuten als technischen Berater mit zum Set. Als es einmal zum Disput
mit Hitchcock wegen der Frage, wie eine Therapie wirke, kam, sagte Hitchcock:
"Mein Lieber, es ist nur ein Film".
Hitchcock überredete Selznick dazu, ihm die Rechte an dem Roman für $40.000 zu
verkaufen.
Preise/Auszeichnungen:
1946 Academy Awards, USA: Oscar für die beste Musik an Miklós
Rózsa. 1946 New York Film Critics Circle Awards: NYFCC Preis
für die beste Schauspielerin an Ingrid Bergman.
Literatur: Francis
Beeding [Hilary St. George Saunders, John Leslie Palmer]: The House of Dr.
Edwardes. Little, Brown and company, Boston 1928 (bislang keine deutsche
Übersetzung)
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