Zurück Nach oben Weiter

 
     
 

 
     
 
 
     
            
     
 

Original-Titel: Stage Fright

Deutscher Titel: Die rote Lola

Genre: Krimi, sw

Studio/Produktionsland: ABPC/Warner Bros./First National Picture. USA

Filmjahr: 1950

Filmlänge: 102 Min.

Drehbuch: Whitfield Cook, James Bridie nach dem Roman "Man Running" von Selwyn Jepson

Musik: Leighton Lucas, dirigiert v. Louis Levy

Kamera: Wilkie Cooper

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: Alfred Hitchcock

Darsteller: Marlene Dietrich (Charlotte Inwood), Jane Wyman (Eve Gill), Michael Wilding (Inspektor Wilfred Smith), Richard Todd (Jonathan Copper), Alastair Sim (Kommodore Gill), Dame Sybil Thorndike (Mrs. Gil), Kay Walsh (Nellie Good), Patricia Hitchcock (Chubby Bannister), Miles Malleson (Beschwipster), Hector MacGregor (Freddie), Joyce Grenfell (Schießbudenfrau) André Morell (insp. Byard), Ballard Berkeley (Sgt. Mellish).

Inhaltsangabe: Aus Eifersucht soll der junge Jonathan Cooper den Ehemann des berühmten Revuestars Charlotte Inwood ermordet haben. Jonathans Freundin Eve Gill aber glaubt an seine Unschuld, sie versteckt ihn und versucht auf eigene Faust, ihn von dem Mordverdacht zu befreien. Sie vermutet, daß Charlotte selbst die Täterin ist. Bei ihren Ermittlungen verliebt sich Eve jedoch wider Erwarten in den Detektiv Smith - und erlebt kurz darauf eine böse Überraschung.

Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56:
T.: ..... Dagegen scheint mir Ihr folgender Film, Stage Fright, den Sie ebenfalls in London gedreht haben, nicht unbedingt ein Ruhmesblatt für Sie zu sein. Das ist wirklich ein kleiner englischer Krimi in der Agatha-Christie-Tradition und genau eines von diesen Whodunits, mit denen Sie sonst nichts zu tun haben wollen.
H.: Das stimmt, aber es gab eine Sache, die mich interessierte, die Idee, eine Theatergeschichte zu drehen. Genauer gesagt, ich mochte die Idee: Ein Mädchen, das Schauspielerin werden möchte, muß sich verkleiden und im Leben seine erste Rolle spielen, indem es bei einer polizeilichen Untersuchung mitmacht. Sie fragen sich, weshalb ich die Geschichte genommen habe? Das Buch war kurz zuvor erschienen und verschiedene Kritiker hatten in ihren Besprechungen geschrieben: »Dieser Roman ergäbe einen guten Hitchcockfilm.« Und ich habe sie wie ein Idiot beim Wort genommen.
Wissen Sie, ich habe mir bei dieser Geschichte etwas erlaubt, was nie hätte machen dürfen: eine Rückblende, die eine Lüge war.
T.: Man hat Ihnen das häufig zum Vorwurf gemacht, auch die französische Kritik.
H.: In Filmen nehmen wir es immer hin, wenn einer beim Erzählen einer Geschichte lügt. Wir nehmen es auch hin, wenn jemand eine vergangene Geschichte erzählt und die durch eine Rückblende illustriert wird, als ob sie sich in der Gegenwart abspielte. Weshalb also sollte man eigentlich nicht in einer Rückblende auch eine Lüge erzählen können?
T.: So einfach ist das in Ihrem Film nicht. Richard Todd, der von der, Polizei verfolgt wird, steigt zu Jone Wyman in den Wagen, der schnell losfährt. Sie sagt. »Keine Polizisten in Sicht, ich wüßte gern, was passiert ist.« Darauf beginnt Richard Todd zu erzählen, und seine Erzählung wird in einer Rückblende dargestellt. Er sagt und man sieht, wie er zuhause war, als Marlene Dietrich völlig außer sich auftauchte mit einem Blutfleck auf ihrem weißen Kleid, und sie erzählt ihm, was passiert ist. Das ist ein außerordentlich indirektes Erzählverfahren weil Todd Jane Wyman erzählt, was ihm Marlene Dietrich erzählt. (Sie hat ihren Mann umgebracht und kommt nun zu Todd, der ihr helfen soll, ein Indiz aus dem Weg zu räumen. Er erklärt sich bereit, aber da man ihn am Ort des Verbrechens gesehen hat, glaubt er, rnan verdächtige ihn). Gegen Ende des Films erfahren wir, daß Todd sowohl Marlene Dietrich als auch Jane Wyman als auch die Polizei belogen hat und daß er der Mörder ist. In Wirklichkeit hat er also dreimal gelogen, denn diese Rückblende ist in drei Teile aufgeteilt.
H.: Es stimmt, alles war sehr indirekt.
T.: Ich finde, die ersten drei Rollen des Films sind die besseren.
H.: Ich weiß nicht. Mir hat das Wohltätigkeitsfest im Garten Spaß gemacht.
T.: Das ist allerdings ganz amüsant, nur mag ich die Figur, die Alastair Sim spielt, nicht besonders, den pittoresken Vater von Jane Wyman. Ich mag weder die Figur noch den Schauspieler.
H.: Das ist wieder der Fehler, in England zu filmen. Da sagen sie einem: »Das ist einer unserer besten Schauspieler, den müssen Sie in Ihrem Film haben.« Das ist wieder das lokale und nationale Vorurteil, das ist wieder die Inselmentalität. Außerdem habe ich bei dem Film große Schwierigkeiten mit Jane Wyman gehabt.
T.: Ich dachte, Sie hätten sie genommen, weil sie Ihrer Tochter, Patricia Hitchcock, gleicht. Ich hatte überhaupt den Eindruck, so etwas wie einen väterlichen, einen Familienfilm zu sehen.
H.: Das stimmt nicht ganz. Ich habe sehr viel Schwierigkeiten mit Jane gehabt. In ihrer Verkleidung als Zimmermädchen mußte sie sich häßlich machen lassen, denn immerhin kopierte sie die ziemlich unfreundliche Zimmerfrau, deren Platz sie einnahm. Bei den Mustervorführungen verglich sie sich jedesmal mit Marlene Dietrich, und dann fing sie an zu weinen. Sie konnte sich einfach nicht damit abfinden, eine bestimmte Rolle zu spielen, und die Dietrich war wirklich schön. Und so richtete sich Jane Wyman heimlich von Tag zu Tag besser her und schaffte deshalb ihre Rolle nicht.
T.: Als ich neulich versuchte, mir diesen Film mit Ihren Augen genau anzuschauen, fiel mir auf, daß man sich nicht genug für die Geschichte interessiert, weil sich imgrunde keine der Personen wirklich in Gefahr befindet.
H.: Ich habe das bemerkt, ehe der Film abgedreht war, aber zu einem Zeitpunkt, als nichts mehr zu machen war. Weshalb ist keine der Personen wirklich in Gefahr? Weil wir eine Geschichte erzählen, in die Schurken Angst haben. Das ist die große Schwäche des Films, denn sie verstößt gegen die Hauptregel: je gelungener der Schurke ist, umso gelungener ist der Film. Das ist die große Kardinalregel. Aber in diesem Film war der Schurke nichts…..
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Ausstattung: Terence Verity. Schnitt: Edward B. Jarvis. Ton: Harold King.

Für Marlene Dietrich war es die erste Zusammenarbeit mit dem Meisterregisseur. Ihr billigte Hitchcock ganz untypisch künstlerische Freiheiten zu, u. a. bei der Gestaltung ihrer Rolle.

Hitch war genervt vom Konkurrenzgerangel zwischen Jane Wyman und Marlene Dietrich.

Ein relativ schwacher, weil konventioneller Krimi von Hitchcock. Einige Rollen sind fehlbesetzt, Spannung entsteht nur selten. Statt dessen irritiert der Film mit einer verschachtelten Rückblendenhandlung, die sich im nachhinein als "Lüge" erweist.

Preise/Auszeichnungen:
1950 Locarno International Film Festival: Mention Preis für Alfred Hitchcock.

Literatur: -

Videos

Neuverfilmungen: -

Links:
Filmplakate
Videocovers