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Original-Titel: Suspicion

Deutscher Titel: Verdacht

Genre: Thriller, sw

Studio/Produktionsland: RKO Studios. USA

Filmjahr: 1941

Filmlänge: 95 Min.

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison und Alma Reville nach dem Roman "Before the Fact" von Frances Iles = Anthony Berkeley Cox.

Musik: Franz Waxman

Kamera: Harry Stradling

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: Harry E. Edington

Darsteller: Cary Grant (John Aysgarth), Joan Fontaine (Lina McLaidlaw), Nigel Bruce (Beaky Thwaite), Sir Cedric Hardwicke (General McLaidlaw), Dame May Whitty (Mrs. McLaidlaw), Isabel Jeans (Mrs. Newsham), Heather Angel (Ethel), Auriol Lee (Isobel Sedbusk), Reginald Sheffield (Reggie Wetherby), Leo G. Carroll (Capt. Melbeck), Billy Bevan (Schaffner), Ben Webster (Registrar), Lumsden Hare (Insp. Hodgson), Gertrude W. Hoffmann (Mrs. Wetherby), Hilda Plowright (Postbeamtin), Faith Brook (Alive Barham), Leonard Carey (Butler), Clyde Cook (Fotograf), Carol Curtis-Brown (Jessie Barham), Maureen Roden-Ryan (Winnie), Nigel Bruce (Beaky Thwaite), Vernon Downing (Benson), Rex Evans (Mr. Bailey), Gavin Gordan (Bertram Sedbusk), Kenneth Hunter (Sir Gerald), Doris Lloyd (Miss Wetherby), Aubrey Mather (Mr. Webster), Nondas Metcalf (Phyllis Swinghurst), Clara Reid (Mrs. Craddock), Elsie Weller (Miss Wetherby), Constance Worth (Mrs. Fitzpatrick).

Inhaltsangabe: Ausgerechnet in diesen windigen Playboy Johnny (Cary Grant) muß sich seine brave Tochter Lina (Joan Fontaine) verlieben - schimpft General McLaidlaw (Sir Cedric Hardwicke). Vergebens versucht er Linda vor dem hochverschuldeten Taugenichts zu warnen, der doch nur hinter ihrer Mitgift her sei. Doch der charmante Johnny und sein unwiderstehliches Lächeln siegen. Linda wird Johnnys Ehefrau und zieht mit ihm in ein luxuriöses Haus in London. Als sie jedoch erfährt, dass sich Johnny heimlich nach ihrer Lebensversicherung erkundigt hat und sich für ein Gift interessiert, das keine Spuren hinterlässt, wächst in Linda der Verdacht, dass Johnny sie ermorden will.

Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56 (gekürzte Version):
T.: Wir sind jetzt bei Suspicion angekommen. Als mir über Rebecca sprachen, habe ich vergessen, Sie zu fragen, was Sie von Joan Fontaine halten. Ich habe den Eindruck, daß sie eine wichtige Schauspielerin für Sie gewesen ist.
H.: ..... Gleich bei den ersten Aufnahmen mit Joan Fontaine wußte ich, daß sie der Figur am nächsten kam. Anfangs fand ich, daß sie sich ihrer spezifischen schauspielerischen Fähigkeiten wenig bewußt war, aber ich sah, daß sie das Talent zu einem kontrollierten Spiel besaß, und hielt sie für fähig, die Rolle auf eine stille, scheue Weise zu verkörpern. Zu Beginn übertrieb sie die Furchtsamkeit ein wenig, aber ich spürte, daß sich das geben würde, und so kam es auch.
T.: Sie hat eine gewisse physische Zerbrechlichkeit, die weder Ingrid Bergman noch Grace Kelly hatten.
H.: Das finde ich auch. Im Fall von Suspicion müssen Sie bedenken, daß es mein zweiter englischer Hollywoodfilm war: englische Schauspieler, englisches Milieu, englischer Roman. Ich habe mit einem ehemaligen Theaterautor gearbeitet, Samson Raphaelson, der an beinahe allen Tonfilmen von Lubitsch mitgearbeitet hat.
T.: Und neben ihm der Familien-Braintrust: Alma Reville und Joan Harrison.
H.: Ganz richtig. Der Roman hieß Before the Fact, und der Autor Francis Iles hieß in Wirklichkeit A. B. Cox. Er hat außerdem unter dem Namen Anthony Berkely geschrieben …
T.: ..… Einige Kritiker, die den Roman Before the Fact kannten, haben Ihnen vorgeworfen, das Thema des Buches völlig verändert zu haben. Der Roman handelt von einer Frau, die nach und noch dahinter kommt, daß sie einen Mörder geheiratet hat und sich schließlich, aus Liebe zu ihm, von ihm umbringen läßt. Ihr Film handelt von einer Frau, die entdeckt, daß ihr Mann sprunghaft, verschwenderisch und etwas verlogen ist und anfängt, ihn für einen Mörder zu halten, sich fälschlicherweise einbildet, er wolle sie umbringen. Als wir über The Lodger sprachen, haben Sie Suspicion schon einmal erwähnt. Die Produktion, sagten Sie, sei dagegen gewesen, aus Cary Grant einen Mörder zu machen. Wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn er es gewesen wäre?
H.: Ich mag den Schluß des Films nicht, ich hatte einen anderen, der ganz verschieden war von dem des Romans. Wenn am Ende des Films Cary Grant Joan Fontaine das Glas vergiftete Milch bringt, hätte sie gerade einen Brief schreiben sollen, und zwar an ihre Mutter: »Liebe Mutter, ich liebe ihn wahnsinnig, aber ich will nicht länger leben. Er will mich töten, und da will ich lieber sterben. Aber ich finde, die Gesellschaft muß vor ihm geschützt werden.« Wenn Cary Grant ihr also das Glas Milch reicht, sagt sie: »Liebling, würdest du bitte diesen Brief an meine Mutter abschicken?« Und er sagt: »ja.« Sie trinkt die Milch und stirbt. Abblende, Aufblende und eine kurze Szene: Caly Grant kommt pfeifend daher und wirft den Brief in einen Briefkasten.
T.: Das war genial. Ich habe den Roman gelesen, der wirklich gut ist, aber ich finde, Ihr Drehbuch ist auch sehr gut. Es wäre ungerecht zu behaupten, das Drehbuch sei ein Kompromiß. Es ist einfach eine ganz andere Geschichte. Die Situation des Films, daß eine Frau glaubt, ihr Mann sei ein Mörder, ist weniger ungewöhnlich als die Situation im Roman, daß eine Frau herausfindet, ihr Mann ist ein Mörder. Und ich finde, der Film hat einen größeren psychologischen Wert als der Roman, die Charaktere sind nuancierter.
Im Fall von Suspicion kann man der Meinung sein, daß die verschiedenen Zensurinstanzen und Gesetze von Hollywood eine Kriminaigeschichte durchaus zu ihrem Vorteil verändert haben - genau das Gegenteil von dem, was im allgemeinen bei Adaptationen passiert. Ich will nicht behaupten, der Film sei besser als das Buch. Aber zweifellos wäre ein Roman, der der Linie des Drehbuchs folgen würde, ein besserer Roman als Before the Fact.
H.: Das weiß ich nicht, jedenfalls hatte ich große Schwierigkeiten mit dem Film. Als er fertig war, bin ich für zwei Wochen nach New York gefahren, und als ich zurückkam, gab es eine große Überraschung für mich. Ein Produzent von der RKO hatte sich den Film vorführen lassen und gefunden, daß viele Szenen den Eindruck vermitteln, Cary Grant sei ein Mörder. Daraufhin hatte er alle diese Hinweise rausschneiden lassen, und der Film dauerte nur noch 55 Minuten. Glücklicherweise hat der Chef der RKO dann auch eingesehen, wie lächerlich das Ergebnis war, und ich durfte den Film so wiederherstellen, wie er vorher war.
T.: Sonst sind Sie zufrieden mit Suspicion?
H.: Nur bedingt. Die Elemente, aus denen sich ein Film dieses Genres zusammensetzt, haben mir nicht zugesagt, die eleganten Salons, die üppigen Treppen, Luxusschlafzimmer und so weiter. Mit Rebecca hatten wir dasselbe Problem: einen englischen Schauplatz in Amerika zu rekonstruieren. Für diese Geschichte hätte ich wirklich gern einen authentischen Rahmen gehabt. Ein anderes Handicap ist die zu geleckte Fotografie. Aber mochten Sie die Szene mit dem Milchglas?
T.: Wenn Cory Grant die Treppe raufgeht? Das ist wirklich gut.
H.: Ich hatte eine Lampe in das Milchglas getan.
T.: Sie meinen, einen Scheinwerfer auf das Glas gerichtet?
H.: Nein, in die Milch, ins Glas. Weil es wirklich strahlend erscheinen mußte. Cary Grant geht die Treppe hinauf, und man muß wirklich nur auf das Glas schaun.
T.: Das war wirklich sehr gut.
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Um das Ende des Films ranken sich verschiedene Legenden. Tatsächlich wurde ein Ende gedreht, in dem Lina bereit ist, ihren Tod zu akzeptieren und tatsächlich die Milch trinkt. Als die erwartete Wirkung jedoch ausbleibt und sie sich bester Gesundheit erfreut, geht sie in das Nebenzimmer, wo sie ihren Mann dabei erwischt, wie er selbst Gift trinkt um Selbstmord zu begehen. Ein Ende, das die Testpublikanten mehr erheiterte als schockierte und so entschied sich die Produktionsfirma RKO für ein weitere, allerdings noch lächerlichere, Variante: Johnny möchte sie tatsächlich vergiften und bringt ihr die Milch. Am Bett teilt sie ihm überraschenderweise mit, sie wisse von seinem Vorhaben, würde es jedoch akzeptieren und wäre bereit zu sterben. Johnny fühlt sich ertappt, beschämt trinkt er das Glas selbst. Doch zufälligerweiser kam es zu einer Verwechslung der Substanzen und Johnny trinkt nur Schlafmittel. Verständlicherweise fand auch dieses Ende keine Freunde. Für das tatsächliche Ende nahm Hitchcock nun die bereits gedrehte Autofahrt an der Klippe, die dramaturgisch eigentlich vor der Michszene geplant war, setzte sie an das Ende und drehte zusätzlich die finale Dialogszene auf den Felsen. Im Buch von Francis Iles (alias Anthony Berkeley) hingegen endet das Buch damit, dass Lina die Milch trinkt, wohlwissend, dass Gift in der Milch ist und schickt ihren weinenden Mann hinaus. Lina übernimmt die Regie an ihrem Tod, während Johnny bereits zögert. So trinkt sie die Milch und das Buch endet mit den Worten „It did seem a pity that she had to die, when she would have liked so much to live.“

Bauten: Van Nest Polglase, Carroll Clark, Kostüme: Edward Stevenson, Prod.-Firma: RKO-RADIO PICTURES, INC., Regieassistenz: Dewey Starkey, Schnitt: William Hamilton, Spezialeffekte: Vernon L. Walker, Ton: John E. Tribly.

Der Hund im Film ist ein Sealyham Terrier. Hitchcock hielt Sealyhams mehrere Jahre.

Preise/Auszeichnungen:
1941 Joan Fontaine gewann für ihre Rolle den Oscar als beste Hauptdarstellerin - ausgerechnet gegen ihre Schwester Olivia de Havilland, die für das Melodrama "Das goldene Tor" nominiert war.
1941 New York Film Critics Circle Awards: NYFCC Preis für die beste Schauspielerin an Joan Fontaine.
1947 Kinema Junpo Awards: Kinema Junpo Preis für besten fremdsprachigen Film an Alfred Hitchcock.

Literatur:
Francis Iles [Anthony Berkeley]: Vor der Tat. Ein klassischer Kriminalroman aus dem Jahre 1932 (OT: Before the fact). Heyne, München 1979, ISBN 3-453-10435-8

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Neuverfilmungen:
Suspicion, USA 1987, Regie: Andrew Grieve, TV-Film

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