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Original-Titel: The Secret Agent
Deutscher Titel: Geheimagent
Genre: Thriller, sw
Studio/Produktionsland: Gaumont British. England
Filmjahr: 1936
Filmlänge: 83 Min.
Drehbuch: Charles Bennett nach
dem Bühnenstück von Campbell Dixon und den "Ashenden"-Geschichten von W. Somerset Maugham
Musik: Louis Levy
Kamera: Bernard Knowles
Regie: Alfred Hitchcock
Produzent: Michael Balcon, Ivor Montagu
Darsteller: Madeleine Carroll (Elsa Carrington), John Gielgud
(Edgar Brodie/Richard Ashenden), Peter Lorre (der Mexikaner, General), Robert Young (Robert Marvin),
Lilli Palmer (Lilli), Michael Redgrave (Captain), Percy Marmont (Caypor),
Florence Kahn (Mrs. Caypor), Charles Carson ("R"), Tom Helmore (Col.
Anderson), Andreas Malandrinos (Geschäftsführer).
Inhaltsangabe: The Secret Agent erzählt
die Geschichte von Ashden, einem Geheimagenten, der in die
Schweiz geschickt wird, um einen Spion auszuschalten, von dem er nicht weiß,
wie er aussieht. Er gerät an den Falschen und bringt irrtümlich einen harmlosen
Touristen um. Der wirkliche Spion (Robert Young) stirbt am Ende des Films zufällig, als ein Zug in die Luft fliegt.
Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56:
H.: Er ist nach zwei Kurzgeschichten von
Maugham, aus dem Sammelband Ashenden, in dem verschiedene Abenteuer
dieser Figur vereint sind, und außerdem nach einem Stück von Campell Dixon, das
ebenfalls eine Bearbeitung dieser Kurzgeschichte ist. Wir haben also zwei von
Ashdens Abenteuern vermengt, The Traitor und The Hairless Mexican,
und daraus eine Spionagegeschichte gemacht. Aus dem Stück haben wir die
Liebesgeschichte genommen. Der Film war voll von Ideen, aber im Ganzen etwas
verunglückt. Ich glaube ich weiß auch warum. In einem Abenteuerfilm muß die
Hauptperson ein Ziel haben, das ist von vitaler Bedeutung für die Entwicklung
des Films und dafür, daß der Zuschauer wirklich teilnimmt. Er muß den Helden
unterstützen, ich möchte fast sagen, ihm helfen, ans Ziel zu gelangen. In The
Secret Agent hat der Held zwar eine Aufgabe zu vollbringen, aber die ist ihm
zuwider, und er versucht, ihr auszuweichen. T.: Ja, er soll jemand
umbringen. H.: Er soll einen Menschen töten,
und er will das nicht. Das ist ein negatives Ziel, und das Ergebnis ist ein
Abenteuerfilm, der nicht vorankommt, der leerläuft. Die zweite Schwäche des
Films ist seine Überdosis an Ironie, Ironie des Schicksals. Ich weiß nicht, ob
Sie sich erinnern: Als der Held sich schließlich darauf einläßt, die Ausführung
des Mordes zu übernehmen, irrt er sich in seinem Opfer und tötet einen anderen.
Für das Publikum war das schlecht. T.: Ja, und später stirbt der Schurke
dann zufällig. Und ehe er stirbt, schlägt er den Helden nieder. Ein
Hitchcockfilm ohne Happy End. (Ich habe mich da geirrt. Nicht der Held des
Films, Ashenden, wird von dem Agenten niedergeschlagen, sondern ein Komplize -
Peter Lorre. Der Film endet also doch mit einem Happy-end, Hitchcock schien es
selbst vergessen zu haben. Wegen seiner Bemerkung über das Happy-end habe ich
den Text nicht korrigiert). H.: In gewissen Fällen ist
das Happy End nicht notwendig. Wenn Sie das Publikum gut in der Hand haben,
folgt es Ihrer Argumentation und akzeptiert auch einen unglücklichen Schluß.
Vorausgesetzt, es hat im Verlauf des Films genug befriedigende Elemente gegeben.
Einer der interessantesten Aspekte des Films ist, daß er in der Schweiz spielt. Ich habe mich gefragt: Was gibt es in der Schweiz?
Milchschokolade, die Alpen, Volkstänze und Seen. Mit diesen Elementen, die für
die Schweiz typisch sind, habe ich den Film gefüttert. T.:
Deshalb also haben Sie das Nest der Spione in einer Schokoladefabrik
untergebracht ... H.: So mache
ich das immer, wenn es möglich ist. Aber er muß wirklich mehr als bloßer
Hintergrund sein. Man muß versuchen, all diese lokalen Gegebenheiten in das
Drama einzubauen. Die Seen müssen da sein, damit Leute darin ertränkt werden,
und die Alpen, damit sie in Schluchten stürzen. T.: Das ist
etwas, das ich sehr mag .... In dem Buch, das Claude
Chabrol und Eric Rohmer über Sie geschrieben haben, weisen sie nach, daß in
The Secret Agent etwas zum erstenmal vorkommt, das es später ständig gibt,
nämlich, daß der Schurke als jemand erscheint, der sehr chic, vornehm, gut
erzogen, nett und verführerisch ist. H.: Allerdings.
Die Einführung des Schurken stellt einen vor immer neue
Probleme, vor allem im Bereich des Melodrams, das seiner Natur nach schnell
altmodisch wirkt und ständig modernisiert werden muß ... Quelle: Mr. Hitchcock,
wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.
Info: Der Film basiert auf zwei
Erzählungen aus Somerset Maughams Kurzgeschichtensammlung "Ashenden"
und erzählt mit dem Agentenchef "R" einen Vorläufer von James Bonds
Chef "M" sowie witzige Dialoge (die auch auf den mangelnden
Sprachkenntnissen des Generals beruhen). Als Brodie ihn in der Kirche fragt, ob
er beten könne, erwidert er: "Wollen Sie mich beleidigen?" Als die
sich auftakelnde Elsie Brodie fragt, ob sie ihm gefalle, erwidert er: "Ich
weiß nicht. Setzen Sie erst mal Ihr Gesicht auf."
„Hintergründige Spionagekomödie, trickreich mit Überraschungseffekten und
Wortwitz.“ – Lexikon des internationalen Films.
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