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Original-Titel: Torn Curtain

Deutscher Titel: Der zerrissene Vorhang

Genre: Agenten-Thriller, Farbe

Studio: Universal. USA

Filmjahr: 1966

Filmlänge: 117 Min.

Drehbuch: Brian Moore

Musik: John Addison

Kamera: John F. Warren

Regie: Alfred Hitchcock

Produzent: Alfred Hitchcock

Darsteller: Paul Newman (Professor Michael Armstrong), Julie Andrews (Sarah Sherman), Wolfgang Kieling (Hermann Gromek), Lila Kendrova (Gräfin Luchinska), Tamara Toumanova (Ballerina), Hans-Jörg Felmy (Heinrich Gerhard), Günter Strack (Professor Karl Manfred), Ludwig Donath (Professor Gustav Lindt), David Opatoshu (Mr. Jacobi), Gisela Fischer (Dr. Koska), Mort Mills (Bauer), Corolyn Conwell (Bäuerin), Arthur Gould-Porter (Freddy).

Inhaltsangabe: Zum Entsetzen seiner Verlobten Sarah (Julie Andrews) setzt sich der weltberühmte US-Forscher Michael Armstrong (Paul Newman) in die DDR ab. Sarah folgt ihm, nicht ahnend, dass Michael nur zum Schein übergelaufen ist, um einem Leipziger Professor eine Formel abzujagen. Der Staatssicherheitsdienst ist skeptisch und setzt den Offizier Gromek (Wolfgang Kieling) auf Armstrong an. Das Paar wird in eine rasende Verfolgungsjagd mit feindlichen Agenten verwickelt.

Gespräch Alfred Hitchcock/Francois Truffaut 1955/56:
T.: ….. Wie ist Ihnen die Idee zu diesem Film gekommen?
H.: Inspiriert dazu hat mich das Verschwinden der beiden englischen Diplomaten Burgess und Maclean, die ihr Land aufgegeben haben und nach Rußland gegangen sind. Ich habe mich gefragt: Und was hat Mrs. Maclean dazu gesagt? Deshalb ist das erste Drittel des Films fast ausschließlich aus der Sicht der jungen Frau gezeigt, bis zu der dramatischen Auseinandersetzung der beiden im Hotelzimmer in Berlin.
Dann geht es weiter aus der Sicht Paul Newmans, und ich zeige den nicht geplanten Mord, an dem teilzunehmen er gezwungen wird, dann seine Bemühungen, zu dem Professor Lindt vorzudringen und ihm sein Geheimnis zu entreißen, ehe das Verbrechen entdeckt wird. Der letzte Teil schließlich ist die Flucht des Paares. Sie sehen, der Film ist ganz eindeutig in drei Teile aufgeteilt. Die Geschichte hat sich fast von selbst so entwickelt, weil ich ihre logische Topografie beachtet habe.
Um mich zu vergewissern, ob auch alles korrekt wäre, habe ich vor Beginn der Arbeit am Drehbuch dieselbe Reise wie die Personen gemacht. Ich bin nach Kopenhagen gefahren, dann mit einer rumänischen Fluggesellschaft nach Ostberlin, nach Leipzig, wieder nach Ostberlin und dann nach Schweden.
T.: Allerdings, die Aufteilung in drei Blöcke ist ganz eindeutig. Aber ich muß Ihnen gestehen, ich mag den Film von seinem zweiten Drittel an lieber. Der erste Teil hat mich kaum berührt, weil ich das Gefühl hatte, daß das Publikum die Dinge nicht nur früher ahnt als Julie Andrews, sondern sogar schon, bevor es seine Informationen bekommt.
H.: Da stimme ich Ihnen zu. Von dem Augenblick an, in dem Newman zu Julie Andrews sagt: »Du fährst nach New York zurück, und ich fahre nach Schweden«, glaubt ihm das Publikum einfach nicht mehr, weil ich mehrfach Hinweise auf das komische Verhalten des Wissenschaftlers gegeben habe. Jedenfalls, das alles hätte korrekt aufgebaut werden müssen, und wenn auch nur für die Zuschauer, die sich den Film ein zweites Mal anschauen und dann merken, daß wir uns ihnen gegenüber korrekt verhalten haben.
Natürlich, wenn das Mädchen hört, daß ihr Verlobter ein Flugbillett nach Ostberlin bestellt hat und sie sagt: »Aber das ist doch hinter dem eisernen Vorhang«, da sind die Zuschauer uns voraus. Aber ich glaube eigentlich nicht, daß das unbedingt stört, weil man sich vor allem fragt: Wie wird das Mädchen reagieren?
T.: Bis dahin bin ich einverstanden, Ich kritisiere erst die nächste Etappe, die ganze lange Zeit, während der das Mädchen denkt, ihr Verlobter sei ein Verräter, während das niemand im Publikum glaubt.
H.: Das stimmt, aber mir war es lieber, die Geschichte mit einem »Rätsel« anzufangen als mit einem Filmanfang, wie ich ihn früher oft verwendet habe und der zum Klischee geworden ist: wie dem Helden eine Mission anvertraut wird. Das wollte ich einfach nicht wieder machen. So eine Szene haben Sie in jedem James Bond. Ein Mann sagt: »Mein lieber 007, Sie gehen jetzt da und da hin und tun das und das.« Die Szene habe ich dann doch gemacht, aber sie kommt überraschend in der Mitte des Films. Das ist die Unterhaltung mit dem Traktorfahrer, kurz bevor der Mord passiert.
T.: Gromeks Ermordung auf dem Bauernhof ist natürlich die stärkste Szene, die, die das Publikum am meisten mitreißt. Sie ist sehr wild und gleichzeitig sehr realistisch, ganz ohne Musik.
H.: Mit dieser sehr langen Mordszene wollte ich mich einmal gegen ein Klischee absetzen. Im allgemeinen passieren in Filmen die Morde sehr schnell, ein Messerstich, ein Schuß, und meistens nimmt sich der Mörder nicht einmal die Zeit nachzuschauen, ob sein Opfer auch wirklich tot ist. Deshalb dachte ich, es wäre an der Zeit, einmal zu zeigen, wie schwierig, mühsam und zeitraubend es ist, einen Mann umzubringen.
Wegen des Taxichauffeurs draußen vor dem Bauernhof versteht das Publikum, weshalb der Mord lautlos geschehen muß und kein Schuß fallen darf. Entsprechend unserem alten Prinzip muß der Mord mit Mitteln ausgeführt werden, die der Ort und die Personen nahe legen. Wir sind auf einem Bauernhof, und es ist die Bäuerin, die ihn tötet. Wir verwenden folglich Haushaltsgegenstände: einen Topf mit Suppe, ein Küchenmesser, eine Schaufel und schließlich den Gasofen.
T.: Das Höchste an Realismus ist, daß das Messer in Gromehs Hals abbricht. Es gibt verschiedene schöne Sachen in dieser Mordszene, die kleinen, sehr kurzen Einstellungen auf Gromeks Hund, wenn er drohend gegen Newrnens Jacke schlägt, wenn die Bäuerin mit der Schaufel gegen Gromehs Beine schlägt, und dann Gromeks Finger, die in der Luft herumfahren, ehe sie starr werden, wenn sein Kopf in dem Gasofen steckt.
Zwei entscheidende Abweichungen vom Drehbuch habe ich mir notiert: den Wegfall einer Szene, die in einer Fabrik zwischen Berlin und Leipzig spielen sollte, und die Vereinfachung der Sequenz mit dem Autobus, die ist im Drehbuch sehr lang und prall voll mit ungewöhnlichen Details
H.: Die Episode im Autobus habe ich straffen müssen, weil ich sonst die Spannung nicht hätte halten können. Es geht dabei ohnehin schon um eine Szene, in der die Zeit gepreßt wird, um die Vorstellung von einer langen Reise zu schaffen. Diese ganze Sequenz habe ich inszeniert, als handle es sich bei dem Autobus um einen Menschen. Es geht also um einen freundlichen Autobus, der unserem Paar bei der Flucht hilft. Fünfhundert Meter dahinter ist ein böser Autobus, der den netten Bus zu Fall bringen kann.
Aber abgesehen davon bin ich mit der technischen Qualität der Rückprojektionen in dieser Szene sehr unzufrieden. Aus ökonomischen Gründen habe ich diesen Hintergrund von einem deutschen Kameramann drehen lassen. Man hätte ein amerikanisches Team hinschicken müssen.
T.: Hätte man denn das Material für die Rückprojektionen nicht auf amerikanischen Landstraßen drehen können?
H.: Nein, wegen des Schlusses der Sequenz, wenn der Bus in die Stadt hineinkommt und man die Straßenbahnen und anderes mehr sieht.
Abgesehen davon, haben Sie die Fotografie des Films sonst gemocht?
T.: Ja, sie ist sehr gut.
H.: Sie bedeutete für mich etwas radikal Neues. Das Licht wurde auf große weiße Oberflächen geworfen, und wir haben alles durch einen grauen Gazeschleier fotografiert. Die Schauspieler fragten: »Wo sind die Lampen?« Wir haben fast das Ideal erreicht, das darin bestehen würde, mit natürlichem Licht zu drehen.
T.: Und die Fabrikszene, haben Sie die vor oder nach dem Drehen rausgenommen?~,
H.: Nachher. Ich habe sie gedreht, und sie ist ausgezeichnet, sehr eindrucksvoll. Ich habe sie erst beim definitiven Schnitt herausgenommen, aus Gründen der Proportion. ich war auch nicht zufrieden mit der Art, wie Paul Newman sie gespielt hatte.
Sie wissen ja, Paul Newman ist ein »Method«-Schauspieler. Er kann sich einfach nicht mit neutralen Blicken zufriedengeben, diesen Blicken, mit denen ich den Schnitt einer Szene machen kann. Statt einfach auf Gromeks Bruder zu schauen, auf das Messer und auf das Stück Wurst, spielte er die Szene im »Method«-Stil, mit übertriebener Emotion, und drehte immer den Kopf zur Seite. Bei der Montage habe ich das dann noch einigermaßen hinbekommen, aber schließlich habe ich sie doch raus getan, obwohl alle um mich herum von ihr begeistert waren. Wegen der Länge des Films habe ich sie rausgenommen und weil ich an die Schwierigkeiten denken mußte, die ich mit The Secret Agent gehabt hatte. In The Secret Agent, den ich vor dreißig Jahren in England gedreht habe, hatte ich wirklich sehr gute Szenen, aber die waren alle verschenkt, weil der Film ein Reinfall war. Weshalb? Weil der Held einen Mord begehen mußte, gegen den er sich sträubte, und das Publikum konnte sich mit einer so gebrochenen Figur nicht identifizieren. So hatte ich Angst, mit Torn Curtain in eine ähnliche Falle zu geraten, vor allem in dieser Fabrikszene.
Mit dem Schauspieler, der den Gromek spielt, war ich außerordentlich zufrieden. Für die Rolle des Bruders hatte ich ihn sehr verändert, er hatte weiße Haare, trug eine Brille und hinkte. Im Atelier sagten dann alle: »Aber der gleicht ja dem anderen überhaupt nicht.« Sie meinten, die Zuschauer müßten den Eindruck haben, sie sähen den Zwillingsbruder des Toten. Ich habe gesagt: »Ihr Idioten, wenn ich aus Gromek II den Doppelgänger von Gromek I mache, sagt das Publikum sich doch bloß: Das ist ja derselbe.« Da sehen Sie mal, wie klischeehaft die Leute denken. Die Szene war wirklich sehr gut. Ich werde Ihnen das Stück nach Paris schicken.
Quelle: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? von Francois Truffaut.

Info: Schnitt: Bud Hoffman.

Neben renommierten internationalen Kinostars verpflichtete Hitchcock auch drei deutsche Stars für seinen Film: Neben dem späteren "Tatort"-Kommissar Hansjörg Felmy hatten auch Schwergewicht Günter Strack und Wolfgang Kieling die große Ehre, mit dem Perfektionisten Hitchcock zu arbeiten.

Bernard Herrmann, der für Hitchcock in unzähligen Filmen für die Musik zuständig war, wurde zunächst auch für diesen Film damit beauftragt. Aber die Verantwortlichen der Produktionsfirma Universal Pictures überzeugten Hitchcock davon, dass ein temporeicheres Arrangement vonnöten sei. Hitchcock und Herrmann hatten daraufhin eine erhebliche Auseinandersetzung, die dazu führte, dass die beiden nie mehr zusammen arbeiteten.

Hitchcocks 50. Film stieß bei Kritik und Publikum auf wenig Begeisterung. Auch heute wirkt der Streifen eigentümlich künstlich, hat aber dennoch seine Qualitäten. Höhepunkt ist eine quälend lange Tötungsszene, mit der Hitchcock zeigen wollte, wie schwer es ist, einen Menschen um die Ecke zu bringen. Der Film hat einen erheiternden technischen Fehler: Achten Sie auf die Szene, in der Paul Newman Julie Andrews in seine Mission einweiht. Über den beiden ragt ein Deckenscheinwerfer ins Bild.

Nachfolgende Infos stammen von einem Besucher dieser Homepage (Tonio Gas/28.1.2005):
1. Als Newman und Kieling zum Landhaus fahren, fahren sie in einem BMW. Bitte?!? Auch kein Stasi-Scherge hatte einen solchen!
2. Bei der langen Busfahrt gibt es Rückprojektionen mit südkalifornischen Hügellandschaften.
3. Bei einer Innenaufnahme sieht man im Hintergrund Trümmerlandschaften wie 1945. Man sollte meinen, daß 1966 auch in der sozialistischen Planwirtschaft alles halbwegs wieder aufgebaut war.

Preise/Auszeichnungen: -

Literatur: -

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Neuverfilmungen: -

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