Brevet 1000 km - 2009


  Ergebnisliste

 

 

Erster 1000 km Haid - Glockner - Haid Superbrevet.

Länge: 1002 km

Höhenmeter: Mehr als 11000 m

Berge/Hügeln: Postalm, Großglockner, St.Margarethen/Abtei, Soboth, Alpl und ein paar kleine Schmierer  

Startort: Tennishalle Haid, Salzburgerstraße

Startzeit: 3. Juli 2009, 0500 Uhr

Wetter: ca 20 Grad, bewölkt (erstmals starker Regen ab Attersee - 76 km) 

 

19 Starter bei einem einzigartigen 1.000 km Brevet, erstmals in Österreich veranstaltet. Es sollte für alle Teilnehmer etwas ganz Besonderes und für alle Ewigkeit in Erinnerung bleibendes Event werden. Möglicherweise war dieser von mir als 1. 1.000 km Haid - Großglockner Superbrevet  getaufte 1.000 km Brevet auch der erste und letzte Tausender, zumindest für die nächsten 3 Jahre. Es gibt leider schon ein Überangebot an derartigen Radsportveranstaltungen, sodass es schwierig ist in Unwissenheit der Teilnehmeranzahl auch entsprechend planen zu können. Der Aufwand und die Erwartungshaltung ist einfach sehr hoch ist.

Wir werden jedenfalls für die nächsten Jahren mit Sicherheit unsere Energie für die Brevetserie 200km, 300km, 400 km und 600 km aufwenden. Kann mir aber auch vorstellen einen 600er Brevet konform dem ersten Teil der Tausenderstrecke (Start und Zielort Haid über Postalm, Großglockner und andere Gemeinheiten) zu veranstalten.

Thomas Stindl, der gemeinsam mit mir für die Streckenplanung des Tausender verantwortlich war, meinte ja schon wieder, da könnten wir ja die Nockalm mit einbauen.

Ehrlich gesagt hatte ich im Vorfeld  aufgrund der Schwierigkeit der Gesamtstrecke große Bedenken. Spielte schon mit dem Gedanken, die "Soboth" über Slowenien zu umfahren. Ich wurde jedoch von der Steirer Randonneurs Fraktion über die Bedeutung, dieser meiner Meinung äußerst lästigen, 12 km langen Bodenerhebung, anders belehrt. Scheinbar ist für die Steirer Radfahrfreaks diese Soboth, die ich bisher nur durch die Rundfunkdurchsagen:" Achtung Autofahrer, Schneekettenpflicht auf der Soboth!" kenne, eine Heiligkeit. 

Jetzt, nachdem 15 Teilnehmer diesen Bewerb mit Bravour bestanden haben, nehme ich mir heraus zu behaupten, es war einfach so in Ordnung. Die Rückmeldungen den Finisher waren positiv. 

Und dass sind sie Sieger und Helden des schwierigen  1000 km Haid - Glockner Superbrevet veranstaltet von Audax Randonneurs Austria: 

Jutta Kuffner

Mike Kienberger

Harry-Rudi Reinbacher und Tom Stindl

Rudi Hofstädter

El presidente - Ferdinand Jung

Markus Schönhart

Josef Zuschmann

Gerold Lehmann

Tamas Jarvas

Michael Pilder

Manfred Kiesel, Franz Leiter und Jürgen Kastner

Andreas Weiss

 

 

Mein Teilnahmebericht:

Wie gewünscht trafen alle Teilnehmer pünktlich zur Fahrerbesprechung am 2. Juli 2009 um 1800 Uhr in der Tennishalle in Haid ein. Ein Teilnehmer kam aus Ungarn,  Vier aus Deutschland, eine Teilnehmerin aus der Schweiz, der Rest aus Wien, Salzburg, Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich. Vorerst war nicht daran gedacht für Schlafmöglichkeit in der Halle zu sorgen. Da jedoch der Start für 05.00 Uhr des nächsten Morgen festgelegt war, erschien es mir doch besser die Teilnehmer zu kasernieren. Nein es war der Wunsch vieler doch in der Halle nächtigen zu dürfen.

Drei Teilnehmer, Tamas Jarvas, Kurt Schigert und Andreas Weiss reisten überdies mit ihrem Fahrrad vom jeweiligen Wohnort an. Tamas ist ja ein trotz seines jungen Alters "alter Brevetstammgast in Haid" und radelt zu jedem der Brevets in Haid mit seinem Rad. Na gut er wohnt ja nicht soweit weg. Sein Wohnort ist ja nahe Budapest und das war ja mal irgendwie bei Österreich.

Viele der 1000 km Brevetstarter kannten sich untereinander. Zum Glück konnten wir uns trotz verschiedener Dialekte in deutscher Sprache verständigen.

Nach der Begrüssung und Vorstellung einiger Teilnehmer aus dem Ausland kam es zur Streckenerklärung, aber insbesondere der Kontrollstellen betreffend. Währenddessen war Edith damit beschäftigt, für alle Teilnehmer Spagetti zu kochen, die auch im Laufe meiner Ausführungen auch serviert wurden. Am Ende der Erklärungen wurde in verschiedenen Gruppen über bereits geleistete aber auch über den bevorstehenden Brevet untereinander unterhalten. Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass einigen so wirklich bewusst war, worauf sie sich eingelassen haben. 

 

Obwohl ich in meinem Infoschreiben an alle auf eventuelle mangelnde Schlafqualität (Massenlager - Lärm durch angrenzende Autobahn) aufmerksam machte, schliefen die meisten Teilnehmer verteilt in den verschiedenen Räumlichkeiten der Halle. Ich nahm den Aufwand in Kauf 15 Feldbetten aufzutreiben.

Freitag, 3. Juli 2009 kurz vor 0400 Uhr fuhren Edith und ich zur Halle. Ein paar Teilnehmer waren schon auf, der Rest wurde geweckt. Edith Jung und Rudolf Steindler bereiteten für alle Teilnehmer ein Frühstück her. Danke dafür in Namen aller.

Die Rennräder waren ja bereits am Vortag entsprechend für den Brevet vorbereitet. Leider hielten sich wieder ein paar wenige nicht an die ausgemacht Zeit für den Fototermin um 04.45 Uhr beim Startbanner von Audax Randonneurs Austria. Ja meine Herren, ihr seid für eure Unpünktlichkeit für eine Strafrunde vorgemerkt.

Leider strotzen  wie befürchtet die Fotos aufgrund der Dämmerung nicht von besonderer Qualität, aber auch die bereits wartenden waren nicht mehr so konzentriert bis auch der letzte Teilnehmer für das Foto da war.

Am Start erschienen war auch der Sportstadtrat der Gemeinde Ansfelden, Hans Schuller. Jedenfalls waren mehr Starter als Zuschauer. Es ist halt so in dieser Szene. Erwähnenswert auch die Anwesenheit am Start von Reinhard KREMER. Mit ihm konnte ich im letzten Moment 19 km nach der Kontrollstelle 9 ein Quartier und Essen für die Teilnehmer organisieren. Auch hier ein Dank an einen Freund.

Pünktlich um 05.00 Uhr starteten wir in Haid. Thomas und Harry Rudi sprinteten weg als wären wir bei einem Zeitfahren. Ich habe sie erst wieder bei km 333 in Obervellach bei der geplanten Schlafstelle gesehen.

Eine weitere Gruppe danach mit 4 Teilnehmern, Gerold, Christian W., Mike und Tamas. Sie waren lange von meiner Gruppe (11 Teilnehmer) einige hundert Meter vor uns fahrend zu sehen. Das Schlußlicht bildelten die beiden Deutschen Kurt und . Auch die beiden habe ich erst in Obervellach wieder gesehen, als sie uns durch ihre verspätete Ankunft aufweckten.

K 1 - 74 km - Bäckerei Bayer, Attersee  - danke für die Spende von 2 Gepäck oder 1 Mehlspeise.

Dort kamen die ersten beiden (Tom und Harry) bereits um 07.14 Uhr zum Abstempeln der Brevetkarte an. Die nächsten 4 Teilnehmer um 07.26 Uhr, meine Gruppe um 07.35 Uhr.

Bei unserer Ankunft fuhren die 4 vor uns liegenden bereits wieder weiter. Aber auch unser Aufenthalt dauerte nicht länger als 10 Minuten. Christian H., der die Kontrollstelle organisierte und Peter S.  waren auf einmal nicht mehr dabei. Später wusste ich warum. Sie besorgten sich Regenjacken und auch eine für mich. Den der Himmel wurde schwarz und es kündigte sich starker Regen an. Unverdrossen führte ich die Gruppe von der Kontrollstelle weg. Ab Nußdorf ging es dann mit Regen los der immer stärker wurde. Bei der Tankstelle bei Unterach sah ich hinter mir jemand zur Tankstelle abbiegen, meinte sogar mehrer gesehen zu haben. Ich selbst trat weiter in die Pedale und negierte den Regen. Bei der Abzweigung Richtung St. Gilgen/Schafling stellte ich fest, dass doch wieder alle da waren. Es machte sicher keinen Sinn hier abzuwarten bis des zu regnen anfing. Der Schnitt lag bis zur Anfahrtsstraße der Postalm noch bei knapp 30 km/h.

Vor der Mautstelle trafen wir auf Christian W und Tamas von der vor uns liegenden Gruppe. Bergauf fuhr jeder sein Tempo. Abgesehen von Jutta, dem Bergfloh aus der Schweiz die sich von uns absetze, waren wir am Berg angekommen so ziemlich alle meiner Gruppe wieder beisammen. Bergab nach Abtenau hörte es plötzlich zu Regnen auf. Auch war die Straße halbwegs trocken.

K 2 - 160 km - BP Tankstelle Annaberg - als Stärkung orderte ich telefonisch Wurstsemmel, die auf meine Rechnung gingen

Abgesehen von den beiden führenden Thomas und Harry, die dort bereits um 10.38 Uhr ankamen und den letzten beiden, sah ich wieder alle Teilnehmer an dieser Kontrollstelle. Ich selbst kam um 11:35 Uhr an. Die 2 letzten hatten schon 2 Stunden Rückstand auf uns. Wir hatten nun schon fast 1/6 der Strecke hinter uns. Von dieser Kontrolle weg gab einen langen "Schmierer", dem die kurze Abfahrt nach Niedernfritz und eine rasante Fahrt nach Bischofshofen, wo ich mit Jürgen, Markus, Rudi und Peter,  Christian H. einholte. Auf dem Weg nach Bruck wichen wir über einen Fahrradweg dem Ampelstau bei Schwarzach aus. Folglich holten wir auch Tamas ein und wir fuhren ein hohes Tempo Richtung Bruck.

K 3 - 231 km - Gasthaus Lukasmayr

Die beiden ersten war schon um 13:10 Uhr dort.  Die 2 letzten um 16:48 Uhr. Wir kamen um 14.11 Uhr an. Waren also nur 1 Stunde hinter Tom und Harry Rudi. Als wir unsere Räder vor dem Gastgarten parkten und schon nach einem Kaiserschmarren lechzten, machte sich Jutta bereits auf dem Wege. Tom und Harry dürften zu diesem Zeitpunkt schon bei der Mautstelle, verfolgt von Mike, gewesen sein. Jutta war also die nächste Glocknerkönigkanditatin. Als wir schon beim Verzerren des Kaiserschmarrn waren kamen auch das zweite deutsche Duo, Michael und Andreas an. Sie erklärten uns bei ihnen Vorbeizischen gesehen zu haben als sie bei einem Supermarkt in Schwarzau kurz einkehrten.  

Nach einer Pause von mehr als einer halben Stunde machte ich mich auf die Socken um als einer der schlechteren Bergfahrer nicht zuviel auf meine Mitfahrer einzubüssen. Michael und Markus waren aber sofort hinter mir her und bald aus meiner Sichtweite. In weiterer Folge wurde ich auch von Gerold und Andreas überholt. Gerold meinte am nächsten Tag zu mir ich hätte den Glockner bergauf sicher 3 km mehr gemacht als alle anderen. Er hat mitgekommen, dass ich in Schlangenlinien hinauffuhr. Ich habe ihm mitgeteilt, dass mein Garmin sich bereits mehrmals ausgeschaltet hat und mir deshalb Kilometer fehlten, die ich wieder aufholen wollte.

Irgendwann bergauf hupte mich ein Auto an. Ich freute mich Edith zu sehen, die das Organisationsfahrzeug lenkte und als Transporteurin verschiedener Gepäcksstücke zur Schlafstelle in Obervellach und weiteren Kontrollstellen fungierte. Somit war es auch möglich ein Glocknerfoto zu erhalten. Leider wurde folglich immer mühsamer, fast kein Verkehr, aber auch keine Radfahrer unterwegs. Ich schaute aber nicht schlecht als mich 2 km vor dem Fuschertörl 2 Mädls überholten, die ebenso verbissen gegen den seit ein paar Kilometer aufkommenden Regen kämpften.

 

K 4 - 261 km - Mankeiwirt 2 km nach Fuschertörl am Großglockner

 

Mir war am Fuschertörl angekommen "saukalt" und freute mich endlich um 17:55 Uhr das Gasthaus Mankeiwirt betreten zu dürfen. Mit lauter Stimme gratulierte ich allen 1000 km Brevetler zum Glocknerkönig. Es waren dies Peter, Gerold, Christian H., Michael, Andreas und Markus.

Vier Teilnehmer waren schon wieder auf der Strecke (Tom, Harry-Rudi, Jutta, Mike). Tom war als erster um 15:50 Uhr bei der Kontrollstelle am Glockner.   

Aber auch die beiden deutschen, Michael und Andreas machten sich bald auf den Wege zur nächsten Kontrolle in Obervellach.

Ich zog mir jedenfalls frische Radlklamotten an und trank 2 Tee mit Rum. Währenddessen kamen auch Jürgen und etwas später Rudi, sowie Franz. Sie hatten noch länger den starken Regen genießen dürfen als ich. 

Während meines Aufenthaltes in der warmen Gaststube erfuhr ich die unerfreuliche Botschaft dass Christian H., der gemütlich am Tische sass aufgebe. Ich versuchte ihn gar nikcht zu überreden doch weiterzufahren, denn ich kenne ihn schon zu lange und wusste jede Bemühung wäre umsonst gewesen. Er hat eigentlich keinen Grund aufzugeben. Schade für das gesamte Unternehmen, dass er seine Freunde in Stich ließ nur weil sein Kopf nicht mehr wollte. Leider teilte uns dann auch noch Brigitte mit, dass ihr Christian W. ebenfalls aufgeben hat. Er hatte zumindest einen Grund (Probleme mit der Achillessehne). Schade, für die "Christians" stand dieser 1000er in keinem guten Stern.

Nach einem Aufenthalt von einer Stunde, es regnete noch immer, fuhr ich auch los. Markus war in meiner Begleitung. Ich kam aber die 4 km bergauf zum Hochtor überhaupt nicht in Tritt und Markus entschwand immer weiter aus meinem Blickfeld. Bergauf überholte ich eine 4-köpfige Reisegruppe deren Räder voll bepackt waren. Ich beneidet sie nicht um deren Gewicht, wenn ich an mein 7 kg Rad denke. Umgekehrt beneidete sie mich sicher wegen meinen Rades aber nicht wegen meines Körpergewichtes.

Ich blickte mich laufend um, von hinten kam keiner mehr nach. Erst kurz vor dem Hochtor sah ich jemand kommen und freute mich, dass es Rudi mein alter PBP - Kamerad aus Kaprun war.

Gemeinsam fuhren wir den Glockner bergab. Die Strasse war noch immer nass, aber es regnet nicht mehr. Rudi, der vor vielen, vielen Jahren mal Motorradvizestaatsmeister war, hatte offensichtlich bergab weniger Probleme wie ich. Ich war froh ihn als Gefährten bis zur unserer geplanten Schlafstelle in Obervellach zu haben. Es ging uns gut, auch war den Wind nicht gegen uns, als wir in Winklern links ins Mölltal abbogen. Auf der Fahrt unterhielten wir uns singend. Rudi war erstaunt über mein reichliches aus vergangenen Jahrzehnte erworbenen Liedergutes. Denn von ihm kam immer nur das eine Lied:"Auf da Bruck trara da liegt die Barbara, auf da Bruck trara mit ihrem Habara.................

K 5 - 333 km - Campingplatz Obervellach

Schon in der Dämmerungsphase erreichten wir nach insgesamt 16,5 Stunden um 21.30 Uhr diese Kontrollstelle. Wir wurden freudig von Tom, der Teufelskerl war mit seinem Freund Harry-Rudi, den er immer scherzhaft Schatzi nennt, um 18.35 Uhr dort, begrüsst. Auch Peter mit seinem Team jubelte uns zu. Rudi und ich gingen zuerst duschen bevor wir uns zum Gastlokal begaben und Spagetti bestellten. Es war ziemlich laut dort. Gefeiert wurde an allen Ecken und Enden. Gröllende an der Bar stehende männliche Mitmenschen machten Verständigungen mit dem Bedienungspersonal schwer möglich. Ich war richtig froh mich um 23.00 Uhr zurückziehen zu können. Ich hatte für alle Teilnehmer das Naturfreundehaus am Campingplatz gemietet. Über eine Leiter gelangte man zum  Schlafplatz im Obergeschoss. Es war ein Matrazenlager für 12 Personen. Ich versuchte dort zu schlafen. Nach einer halben Stunde stand ich wieder auf und ging zum Bus. Dort stellte ich fest, dass Edith bereits schlief. Sie hatte sich im Bus eingesperrt und ich musste sie wecken. Ich legte mich auf die 2. Sitzbank und kuschelte mich in eine Decke. Mein Plan war es um 03.00 Uhr gewaschen und gestriegelt weiter zu fahren.

Leider wurden wir in unserer Ruhephase mehrmals gestört. Das erstmal war es Brigitte, die mir netterweise meine am Glockner vergessenen Schlapfen übergeben wollte. Um 00.30 Uhr schepperte das Telefon. Es war der Manfred aus Deutschland, der sehr verzweifelt war, da er den Weg zum Campingplatz nicht fand. Ich erklärte ihm den Weg. Nachdem er nach einer Viertel Stunde noch immer nicht ankam, rief ich ihn zurück. Er war noch immer am suchen, aber ich konnte ihn folglich doch hierher lotsen.

Kaum eingeschlafen klopfte um 01.30 Uhr jemand an der Tür. Es war der Deutschösterreicher Kurt, der als letzter zur Kontrollstelle kam und verzweifelt sein Sackerl suchte, welches er am Start Edith im Begleitfahrzeug mitgegeben hatte. Hätte er in der Box mit der Nummer K 5 richtig nachgesehen, so hätte er seine Utensilien gefunden. Aber er störte ja nicht nur uns, sondern auch die im Obergeschoss ruhenden Teilnehmer durch sein unermüdliches Hin- und Hertrappeln mit den Radschuhe im Erdgeschoss.   

Lieber Kurt falls wir uns wieder einmal begegnen wird dir dies wohl eine "teure" Runde wert sein.

Leider wurde ich erst nach 04.00 Uhr munter und bemerkte, dass ein paar der Teilnehmer wegfuhren oder sich dazu bereit machten. Ich war grantig, weil ich ja ebenfalls schon um 0300 Uhr auf der Piste sein wollte.

Anzumerken wäre, dass Mike, Jutta, Peter und später die beiden Deutschen Michael und Andreas nicht in Obervellach nächtigten sondern nach einem kurzen Aufenthalt weiterfuhren.

Jutta und Mike sah ich im Verlauf des Brevets nicht mehr, da sie schon einen zu großen Vorsprung hatten.

Wie gesagt ich war grantig. Es waren nur mehr Tom, Harry-Rudi, Franz, Jürgen, Tamas, Michael und Kurt da. Ich ärgerte mich auch über die Räder, die im Haus an einem der Esstische angelehnt waren, sodass ich erst mehrere Räder wegstellen musste um zum Frühstück zu gelangen. Ich habe es einfach nicht verstanden, warum sie ihre Räder nicht vor die Hütte stellten. 

So endlich war ich fertig. Ich wartete auf Gerold, der vorerst Probleme mit dem Licht hatte. Wir fuhren gemeinsam los. Gerold hatte ein weiteres Problem mit der Aufgabe von von CW mit dem er ja zum Brevet angereist war. Wir fuhren eigentlich flott dahin und wechselten uns mit der Führungsarbeit ab. Wir kannten uns ja schon vom Russlandfeldzug (Volodga - Onega - Ladoga 1.200 km 2008) wo wir auch mindestens 2 Streckenabschnitte gemeinsam fuhren.  Bei km 370 wurden wir vom E-Zug eingeholt (Tom und Harry). Wir grüßten uns freudig. Sie brausten aber bei uns vorbei, sodass die Freude nur kurz währte.

Wir kamen durch Spital. Ich glaube es war auch dort wo offensichtlich nächtens ein Stadtfest gefeiert wurde und Leute mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren. Ein Pärchen war am Straßenrand heftig am Schmussen und lenkte mich etwas von meinen Ausweichmanöver von den Scherben auf der Straße ab. Zum Glück passierte nichts.

K 6 - 436 km - A1 - Tankstelle Feistritz

Schon vor Villach träumte Gerold von einer Bäckerei. Doch wir kamen an keiner vorbei. Er wurde immer langsamer und hatte einen Hungerast. Wir kamen aber fast gleichzeitig bei der Kontrollstelle an. Dort wartete Edith und ich wurde mit Essen versorgt. Bei unserer Ankunft  waren gerade Rudi und Markus dabei sich wieder auf den Weg zu machen. Ich schimpfte sie spasshalber da sie in der Früh nicht auf mich gewartet haben. Aber obwohl sie 1 Stunde vor mir weggefahren sind, hatten sie eigentlich wieder sehr viel Zeit von diesem Vorsprung verloren.

Ich hielt mich nur kurz zum Essen auf und machte mich alleine auf die Reise. Und wieder hatte ich vergessen bei der Tankstelle meine quitschende Ketten zu schmieren. Auf der Fahrt sah ich einen Passanten am Wege, der mit einer Motorradkette ging. Ich fragte ihn auf kärntnerisch ob er auch einen dazupassenden Spray haben. Genauso war es. Er war mir behilflich die Kette zu ölen. Von nun lief es wie geschmiert und das lästige Quitschgeräusch war endlich weg. Lästig wurde es aber dann über St. Margarethen und Abtei hinauf. Dachte schon der Schmierer hört nie auf. Aber dann ging es bergab und die Ortsschilder von Bad Bleiburg und Lavamünd vermittelten schon den Geruch der nächsten Kontrollstelle.

K 7 -   508 km -Neuhaus Gasthaus Hartl   

Dort hatte ich meinen Kärntner Freund, ChefInspektor Peter Joven, ein waschechter Lavantaler ersucht, mir eine Kontrollstelle zu organisieren wo auch eine Schlafstelle möglich wäre.

Die meisten hatten zwar im Gasthaus gegessen, aber die Schlafstelle wurde nicht benötigt. Wahrscheinlich wäre es eh keinem gelungen zu schlafen, stand doch die Soboth vor der Tür.

Markus, Rudi, Edith und mein Freund Peter sassen gemütlich beisammen. Ich hatte dringend das Bedürfnis die Toilette aufzusuchen. Ich hielt mich nicht lange auf, stempelte und fuhr nach herzlicher Verabschiedung weiter. Aber bereits am ersten Bergkilometer der Soboth holten mich die beiden besseren Bergfahrer ein.

Liebe Soboth dachte ich mir, sei barmherzig und ermögliche es mir ohne viel Zeitverlust nach zu kommen. Die Sonne brannte unerbittlich herunter. Ich glaube das Salz meines Schweisses hatte tiefe Spuren im Asphalt hinterlassen. Wehmütig blickte ich nach Slowenien hinüber wo ich dem Draufluss entlang die ebene Strassenführung sah. Ich versucht nun, die beiden nicht aus den Augen zu verlieren. Rudi überholte folglich Markus, dem es offensichtlich auch nicht so gut ging. Ich blieb in einem 100 Meter Abstand hinter ihm. 4 Kilometer vor der Passhöhe mußte ja kommen, was zu befürchten war. Es begann heftig zu regnen. Auch der Donner war nicht weit weg. Oben angekommen stellten wir uns unter. Es war zu riskant weiter zu fahren. Nach einiger Zeit tauchten auch Gerold und Tamas auf. Markus, Rudi und ich beschlossen dann doch weiter zu fahren. Ich hatte bergab mit den Bremsen grosse Probleme und holte erst bei Gamlitz Markus ein. Rudi hatte sich aus dem Staub gemacht. Es wurde wieder trocken und die Sonne lachte uns an. Wir fuhren dann gemeinsam weiter. 10 km vor der nächsten Kontrolle begann es wieder zu regen. Irgendwie war mir das jetzt schon egal.

K 8 - 614 km - Radhotel Schischek Unterpurklau  

Über Vermittlung von Wolfgang Fasching plante ich diese Kontrollstelle ein. Es war auch eine Ruhemöglichkeit gestattet worden, die jedoch folglich nicht genützt wurde.

Jedenfalls aber danke für den an alle Teilnehmer gespendeten Suppentopf vom Chef des Hauses. Der sich kurzfristig gerne bereit erklärte hatte die Kontrollstelle zu übernehmen.

Markus und ich kamen kurz nach Rudi um 16.55 Uhr an. Auch die beiden deutschen Michael und Andreas, die weit weiter vorne vermutete waren da. Wir genossen die Gastfreundschaft des Radhotels. Die nette Bedienung und die herzliche Aufnahme. Wäre gerne dort geblieben. Aber nach einer mindestens halbstündigen Pause trieb ich meine Kampfgefährten Markus und Rudi an weiter zu fahren. Über Bad Gleichenberg nach Bairisch Kölldorf gings Richtung Fehring und Fürstenfeldbruck. Komischerweise war links und rechts von uns Sonnenschein. Genau wo wir fuhren regnete es. Wir fuhren an Bad Blumau und Bad Waltersdorf vorbei und kamen der Kontrollstelle in Sebersdorf immer näher.   

K 9 - 682 km - BP-Tankstelle Raststation Sebersdorf

Wir kamen um 20:30 Uhr an. Josef dürfte eine halbe Stunde vor uns dort abgestempelt haben. Wir beeilten uns um das 19 km entfernte Hasthaus Heschl bei Pöllau so rasch als möglich zu erreichen. Leider war die Bundesstraße dorthin sehr stark vom Autoverkehr beherrscht. Es kam auch zu einer brenzligen Situation als ein entgegenkommender mehrere Autos überholte und knapp an uns vorbeifuhr. Rudi schimpfte mich laut, da ich als vorne fahrender in der Dämmerung mein Licht noch nicht in Betrieb hatte.

702 km - Gasthaus Heschl - Labe/Schlafstelle  

Hier wurde uns durch Reinhard Kremer aus Haid eine Schlafstelle und eine Jause über seinen Geschäftspartner Josef Dunst aus Hartberg gesponsert.

Leider klappte es im Vorfeld nicht so richtig. Ich konnte jedoch doch noch 3 Zimmer mit 8 Betten bekommen und überredete Markus mit mir und Rudi die Nacht weiter zu fahren, damit die Nachkommenden in der begrenzend Anzahl zur Verfügung stehenden Zimmern schlafen konnten.

Jedenfalls haben wir in diesem Gasthaus gut gespeist. Für mich war es ein Putenschnitzel natur mit Blattsalat. Ich erklärte mich bereit, dass Essen vorerst zu übernehmen. Habe aber heute abgeklärte, dass es gesponsert wird. Danke Reinhard.

Während Tom und Harry, die dieses Gasthaus schon längst verlassen hatten nach dem Alpl in Krieglach schliefen, ebenso Josef, fuhren Markus, Rudi und ich die Nacht durch.

Das Alpl war eigentlich der einzige Berg an dem es nicht regnete. Markus meinte aber dafür hatte es gefühlsmäßig 5.000 Höhenmeter. Jedenfalls die Berghöhe schien nicht näher zu kommen. Nachdem wir das Alpl endlich bezwungen hatte fuhren wir auf Mürzzuschlag zu. Ich wurde immer müder. In weiterer Folge sollte ja der Lahnsattel kommen. Obwohl es immer bergauf ging, der Lahnsattel schien nicht zu kommen. Es war ja schon später als 0300 Uhr. Aber einer kam planmäßig. Der Regen. Leider war es nicht so angenehm, da die Temperatur auch nicht unbedingt menschenwürdig waren. 20 km kämpften wir mit Regen, Müdigkeit bergauf nach Mariazell. 

K 10 - 823 km -   Gusswerk Sportplatz   

Erst um etwa 0600 Uhr kamen wir in Gusswerk an. Der Bürgermeister von Gusswerk hat mir diese Kontrollstelle vermittelt und eine Kabine des Sportpaltzes zur Verfügung gestellte.

Ich war nass und durchfroren. Freute mich auf eine Dusche. Leider kam kein warmes Wasser. Ich stand nackt im Duschraum und zitterte vor Kälte. Es blieb mir nichts anderes über mich trocken zu reiben und weiterzuzittern. Ich verzichtete darauf meine Fahrt fortzusetzen und legte mich eingewickelt in eine Decke schlafen. Auch Markus zog es vor, zu rasten. Rudi fuhr als einziger weiter.

Später habe ich dann erfahren, dass auch Jutta, die dort als erste ankam und in weiterer Folge Mike, nicht die Möglichkeit hatten die Kabine des Sportplatzes zu nutzen. Aus irgend einen Grund gab es Komunikationsprobleme. Irgendwer dürfte vergessen wie vereinbart offen zu lassen und für Warmwasser zu sorgen. Ich kann es aber auch nicht ändern. Es war halt so.

Inzwischen kamen auch Tom und Harry Rudi an, die wie erwähnt in Krieglach geruht haben. Auch Josef kam an und fuhr wieder vor uns weg. Glaub um 07-30 Uhr weckte ich Markus und wir fuhren gemeinsam weiter. Wir kamen bald in Schuss und drückten mit dem großen Blatt die paar Hügeln die zwischen der Abfahrt nach Wildalpen kamen durch. Noch vor Wildalpen überholten wir Josef und brausten an ihm vorbei. Offensichtlich ging es ihm nicht so gut, denn er konnte uns nicht folgen. Hinauf nach Lanach kam wieder einer der lästigen Schmierer. Danach über Göstling nach Hollenstein lief auch ganz gut.

K 11 - 904 km - Hollenstein Sportplatz

Hier habe ich mit dem Platzwart, ein echt netter Mensch, vereinbart, dass er uns eine Kabine offen läst, den Stempel hinterlegt und das Warmwasser anheize.

Auch hat er dafür gesorgt, dass eine Jause bereit stand. Danke Herr Alfred Fortenlechner.

Ich musste mal dringend zur Toilette. Markus hatte bereits seine Wasserflaschen gefüllt. Ich fragte ihn spasshalber:" Na was ist mit den Wasserflaschen deines Präsidenten. Willst die nicht auffüllen!" Er machte es. Ich verdrückte 2 Wurstsemmeln und wir fuhren mehr als einen 30er Schnitt nach Waidhofen. War da ein Tunnel durch welches wir nicht fahren sollten? Keine Ahnung.

Es gab dann noch einen nennenswerten mindestens 2 km langen Berg Richtung Seitenstetten. Die Sonne brannte herunter und Markus war mindestens 1 Minute schneller als ich. Es ging dann ohne nennenswerte Probleme nach Haid. Wir kamen dem Ziel immer näher und leider war unsere schöne Reise zu ende. Wir kamen am Sonntag, den 5.7.2009 um 14.35 Uhr an und hatten insgesamt für die Strecke 57 Stunden und 35 Minuten benötigt. Unser Weggefährte Rudi Hofstädter kam um eine Stunde früher, gemeinsam mit Thomas STINDL und Harry Rudi Reinbacher an. Er freute sich uns wieder zu sehen. Seine ersten Worte waren:" Du stell dir vor, ich haben den STINDL Tom ins Ziel geschleppt.

Aber auch Jutta Kuffner, sie war leider schon auf den Weg zurück in ihre Heimat und Mike Kienbacher waren schon im Ziel.

Der Tag wurde für mich und die Brevetmutter Edith (so wurde sie von einem Teilnehmer scherzhaft genannt) wurde es noch ein langer Abend. Die letzten Teilnehmer trafen gegen 23.00 Uhr ein. Wir haben uns wirklich bemüht eine Veranstaltung so zu organisieren, dass es zur Zufriedenheit aller reichen sollte. Die Randonneurs Regeln bestimmen in keinster Weise ein solche Betreuung wie sie von uns geboten wurden.

Aus diesem Grund ist mir die mehrmalige unverschämte Kritik eines der Betreuer unverständlich. 

Wir danken für die Disziplin aller anderen und freuen uns gemeinsam mit euch auf das großartige Resultat.

 

Allen 15 Siegern Gratulation

http://www.rtf-radmarathon.de/wb/pages/brevet-berichte/brevet-oberoesterreich-1000-km-2009-mk/4.-kapitel.php  (Teilnehmerbericht 2009 Manfred KIESEL) 

 

Impressionen


Picasa Webalbum

   

 

Back