Brevet 1000 km - 2012


 

Länge:  1.012 km

Höhenmeter: ca 12000 Hm

Berge/Hügeln: Postalm, Großglockner, St.Margarethen/Abtei, Soboth, Wechsel und ein paar kleine Schmierer

Startort: Tennishalle Haid, Salzburgerstraße

Startzeit: 20.07.2012,05:00

Wetter: Anfänglich bewölkt, nach 80 km ca 5 km erstmals kurz Regen,  der sich dann aber spätestens bei Auffahrt zum Großglockner nymphomanisch verhielt und mit Blitz und Donner vereint den Teilnehmern, den Ritt auf den Nationalberg sehr erschwerte. Tagsüber war der Regen aufgrund von nicht all zu kalten Temperaturen erträglich. Manche waren, nachdem sie ihn zwangsläufig zum Verbündeten machen mussten, froh, dass es nicht so heiß war, wie beim 600 km Brevet. 

Darum bereits schon zu Beginn des Berichtes Hut ab vor den 23 Teilnehmern, davon nur 3 Nichtfinischer, die nicht nur die schwierige Strecke meisterlich absolvierten, sondern auch als Sieger gegen das Schlechtwetter hervor gingen.

Bemerkungen zur Ergebnisliste:

Der 1.000 km Brevet ist nach den international gültigen Randonneursregeln in einer Zeit von 75 Stunden zu absolvieren. Es ist ja kein Radrennen oder gar Radmarathon, sondern eine familiär geführt Tour durch das wunderschöne Österreich, welches landschaftlich alles zu bieten hat. Um diese Tour wirklich genießen zu können müsste man sie auf 5 Tagesetappen mit 4 Nächtigungen ansetzen. Bei entsprechendem Interesse könnte dies auch im nächsten Jahr organisiert werden. Da es allerdings ein offizieller, vom ACP autorisierter 1.000 km Brevet war, musste dieser in der vorgeschriebenen Zeit von 75 Stunden absolviert werden. Jeder Teilnehmer entschied für sich selbst, ob er nun ohne Schlafpausen durchfährt oder aber auch die 2 organisierten Schlafstellen in Kolbnitz (Ktn) und Kaindorf www.steirerrast.at (Stmk) nützte. Nicht nur der Zeitverlust bei den Pausen und Nächtigungen, sondern auch die unterschiedliche Leistungsstärke der einzelnen Fahrer ergaben schlussendlich die großen Zeitdifferenzen von 40.04. bis 71.49 Stunden. Auch wenn es sehr beachtlich ist, dass David Misch eine Wahnsinns Zeit von 40 Stunden und 4 Minuten, mit nur 10 Min. Schlaf  (er wird ja auch als ein Favorit bei Race around Austria 2012 und Teilnehmer Race across America 2013 gehandelt) sind auch jene der weiteren Teilnehmer, die unterschiedlich lang rasteten und viele davon die 2 Schlafstellen beanspruchten, genau so würdig, als großartige mit starken Willen geprägte Kämpfertypen, in die Geschichte des 2. Haid - Glockner - Haid 1.000 km Brevet eingehen zu dürfen.

Wer hier gefinischt hat, verdient sich auch den wertvollen Pokal, in welchen auch das Streckenprofil eingraviert ist, als ewige Erinnerung an den harten Ritt.

 

 

Ein paar Worte zur Organisation: 

Ich muss immer wieder darauf aufmerksam machen, dass so eine Ausfahrt sich nicht von alleine erledigt. Die Vorbereitungen dazu sind mit hohem Aufwand verbunden, der für manche nicht erkennbar ist. Ich habe dies auch bei meinen Ausführungen bei der Teilnehmerversammlung am Vorabend mitgeteilt und fühlte mich auch veranlasst das Startgeld bzw. die Aufwandsentschädigung für die Durchführung des Tausender, in der Höhe von 50,-- Euro zu dokumentieren.  

Hallenmiete - Abfahrt der Strecke mit dem PKW mit Nächtigung, Akkordierung der 11 Kontrollstellen, Festlegung und Organisierung der 2 Schlafstellen, Besorgung der Pokale (25,-- Euro), 1.000 km Medaille (7,-- Euro). Übrigens 5 Pokale blieben mir über weil 2 Teilnehmer nicht starteten und 3 nicht finischten. Besorgung von Essen und Getränken - Gulasch bei der Versammlung und Frühstück vor dem Start (gratis). Zur Verfügung wurde ein Gepäckstransport, VW-Bus mit Anhänger, der von Reini Kremer und als Beifahrer Martin Helfert den Tausender entlang kutschiert wurde. Sie machten uns auch bei der 2. Kontrollstelle in Annaberg eine Labestation mit Gulasch und Wurstbroten, sowie Saft für die Trinkflaschen. Sie waren folglich auch bei den Schlafstellen am Campingplatz und in der Mehrzweckhalle in Kaindorf sehr behilflich.  Die Nächtigungen und 2 x Essen mit Frühstück inklusive. Auch im Ziel wurden die einzelnen Teilnehmer die zu sehr unterschiedlichen Zeiten ankamen von Edith empfangen und mit einem Essen belohnt.

An dieser Stelle herzlichen Dank an die Brevetmutter Edith Jung, an Reini Kremer und dem nach Schlüsselbeinbruch invaliden Martin Helfert, der sicherlich auch gerne gestartet wäre. 

Wir haben uns gemeinsam bemüht, für die Teilnehmer einen in ewiger Erinnerung bleibenden 1.000km Superbrevet zu organisieren. 

    

  

  Ergebnisliste 

Die Finisher

       

 David MISCH, Graz                                                   Alfred BUCHEGGER, Micheldorf, OÖ

      

  Thomas STINDL,  Graz                                        Peter SIX, Judendorf, Stmk

      

              Uwe SCHIWON, DE                                          Gernot STENZ, München, DE

      

                       Armin HUBER, Tübingen, DE                 Michael KUHBANDNER, Oberasbach, DE

       

                                                                                              Johannes (Jo) PILZ, Neuhofen/Y., NÖ                           Andreas PLACH, Stadl-Paura, OÖ

      

                Uli Schober, Wien-Simmering,                                         Ferdinand Jung, Haid-Ansfelden, OÖ

       

   Massimilano FANCOLI, Ango, CH                                           GAMBARO Fulvio, Milan, ITA

       

Michael GFRERER, Linz, OÖ                                   Manfred KIESEL, Grünstadt, DE

      

   Pierre RAEVEN, Wien lebender Holländer                        Rivoira PIERO, Villafranca Piemonte, ITA

       

                                        Jürgen MARTENS, Bonn, DE                                            Roger VIEL, Euskirchen, DE                                          

 

 


Bericht 1.000km Brevet

23 Starter am 20.07.2012 um 04.55 Uhr

 Foto Erich Petschenig www.picturenews.at

 


Am späten Nachmittag trafen die ersten Teilnehmer bei der Fussl-Tennishalle ein. Für die 3 teilnehmenden Italiener konnte ich über Walter Tausch, dem Inhaber der Firma Best Seating, einen Dolmetscher auftreiben. Ich konnte somit für sie bereits wichtige Informationen ins Italienische übersetzen lassen. Pünktlich um 18:00 Uhr eröffnete ich mit der Begrüßung der 23 Teilnehmer die Informationsversammlung. Jeder Einzelnen stellte sich persönlich vor. Viele kamen ja aus der Randonneursszene und hatten bereits einige Großereignisse wie zB. Paris - Brest - Paris gemeistert. Während meinen Ausführungen über die Strecke, den 11 Kontroll- und 2 Schlafstellen, sowie einige weitere wissenswerte Details servierte unsere Brevetmutter Edith und ihre Kindergartenkollegin Christine Dullnigg Gulasch für alle Teilnehmer.

         

Die Starter verließen ab 20.00 Uhr das Teilnehmertreffen, um noch alle Vorbereitungen für den nächsten Tag zu treffen. Um 04:00 Uhr öffneten wir wieder das Buffett, Edith bereitete für die meisten der Starter das Frühstück vor. Martin und Reini organisierten  die Beladung des Anhängers, sowie  das Essen und Trinken für die Labestelle in Annaberg. Getrödelt durfte nicht werden, da die ersten Teilnehmer  bereits kurz nach 0700 Uhr bei der 1. Kontrollstelle am Attersee erwartet wurden.

 

Der geplante Fototermin vor dem Start wurde vollzogen. Da es noch finster war, organisierte ich dafür einen Profifotografen. Dankenswerter Weise machte uns Erich Petschenig von www.picturenews.at  qualitativ gute Bilder von den Teilnehmern. Sämtliche Bilder werden auf Picasaweb geparkt, siehe Link am Ende des Berichtes. 

 

Auch Italiener waren erstmals bei Brevets in Haid dabei.

Um 05.00 Uhr gab ich den Start frei. Es bedurfte keiner großen Worte mehr, da bereits am Vorabend alles besprochen worden war. Nur der Wunsch, dass alle eine gute und unfallfreie Fahrt haben mögen, wurde geäußert. 

Erwartungsgemäß setzten sich Turbo Tom, David Misch und drei weitere Fahrer gleich nach der 1. Kreuzung bei der B 139 in Richtung Pucking/Wels ab.

Überraschend für mich war, dass sich die 18 restlichen Fahrer in einer gemeinsamen Gruppe wohl fühlten und immer wieder nach den Hügeln, auf die "nicht so guten Bergfahrer", warteten.

 

So blieben wir bis etwa 65 km beieinander, wo leider einer der Italiener, Rivoira PIERO einen Defekt am Rad hatte, der ihm ein Weiterfahren unmöglich machte. Ich gab ihm zu verstehen, hier an Ort und Stelle zu warten und ließ meine Kontakte zu den Kollegen von der PI Schörfling spielen. Florian ZAHLER kümmerte sich darum, dass der Italiener in Schörfling zu einer Radwerkstätte kam. Der Schaden konnte nach längerer Zeit repariert werden.

1. Kontrollstelle K & K Hofladen_Cafe in Attersee km 75: 

Reini und Martin waren bereits dort und führten das Abstempeln der Brevetkarten durch. Im Cafe nahmen die meisten von uns einen Imbiss zu sich. Hier zerfiel allerdings die gesamte Gruppe. Die Teilnehmer waren folglich nur mehr vereinzelt oder in kleineren Gruppen unterwegs. Für mich war offensichtlich Uli Schober abgestellt worden, der mir treuherzig bis zum Ziel nicht von der Seite wich. Auch Jo PILZ, den ich wegen seiner Aufgabe beim hitzereichen 600 km Brevet kritisierte und sein bester Freund, der fliegende Holländer, Pierre Raeven blieben vorerst bei uns.

 

2. Kontrollstelle BP Tankstelle Annaberg km 157:      

Bei der Abfahrt von Attersee begann es zu regnen. Allerdings nur kurz. Jo und Pierre hatten ein schnelleres Tempo als Uli und ich. Wir ließen sie vor der Abzweigung am Mondsee Richtung St. Gilgen ziehen. Die erste Bergwertung auf die Scharflinghöhe bereitete uns wenig Probleme. Auch die Fahrt entlang des Wolfgangsees bis zur Abzweigung zur Postalm lief wie geschmiert. 

 

Nun hieß es die etwa 800Hm auf die Postalm zu bezwingen. Kaum dachten wir über deren Schwierigkeit nach, waren wir "jodelnd" angekommen. Dabei holten wir sogar Manfred Kiesel und Kettenraucher Jürgen MARTENS ein. Die Abfahrt gtragen wir sehr vorsichtig an. Die Route führte  über eine schöne Nebenstraße, entlang der Lammer nach Annaberg. Bei der BP-Tankstelle durften wir auch eine Labestelle errichten, wo die Teilnehmer mit Gulasch, Wurstbroten und Getränken versorgt wurden. Die ersten Radler hatten es allerdings sehr eilig. Laut Reini zitterten die Wurstbrote vor Toms Eile und Hektik. Bei unserem Eintreffen waren noch einige damit beschäftigt sich zu laben.

 

     

 

3. Kontrollstelle - Gasthaus Lukasmayr in Bruck an der Glocknerstraße km 225:    

Nach der Labestelle mussten wir wieder einige hundert Höhenmeter bewältigen. Bergab ging es nach Niedernfritz und anschließend radelten wir im schnellen Tempo Richtung Bischofshofen. Der Verkehr nach Bischofshofen in Richtung Schwarzach war sehr intensiv. Wir versuchten die beschriebene Radstrecke zu wählen und die stark befahrene Bundesstraße zu vermeiden. Leider passierte uns das Missgeschick. Gedankenversunken fuhren wir unabsichtlich in einen Tunnel ein, der nicht enden wollte. Umzukehren war aufgrund des Gegenverkehrs nicht möglich und so verschärften wir unser Tempo. Es wunderte mich, dass von hinten keine Autos kamen. Uli meinte nachher, dass die Ampel am Tunnelbeginn sofort auf rot geschaltet wurde. Der innerliche Stress dauerte 3 km. Endlich konnten wir wieder Licht am Ende des Tunnels sehen und wurden prompt von der Polizei angehalten. Wir kamen nach unserer Erklärung, unabsichtlich und ungewollt in das Tunnel gelangt zu sein, mit dem gelinden Mittel, einer Abmahnung davon. Im Gasthaus Lukasmayr angekommen tragen wir Jo und Pierre, welche sich den von mir empfohlenen Kaiserschmarrn schmecken ließen. Wir bestellten uns erstmals eine halbe Bier und ebenfalls einen Kaiserschmarren. Rudi saß im Gastgarten bei seinen Freunden aus Kaprun und Zell am See. Es regnete ja noch nicht. Kurz darauf kam der deutsche Recke Manfred angeritten und nahm bei uns Platz. Ich mahnte allerdings zur Weiterfahrt, denn nun hatten wir den großen Brocken "Glockner" vor uns.

 

Der fliegende Holländer, Pierre Raeven und sein Ruderkollege Johannes (Jo) Pilz beim Verzehr eines Kaiserschmarrens. 

4. Kontrollstelle - Gasthaus Mankeiwirt, Fuscherlacke km 254:

 Jo, Pierre, Uli und ich machten wir uns gemeinsam auf die Socken zum Großglockner. Vorerst ahnten wir noch nicht, was uns da oben erwarten sollte..

 

Schon am Beginn des Anstieges zur Mautstelle wurde mir das Tempo zu schnell. Uli blieb bei mir. Es begann leicht zu regnen. Bei der Ankunft an der Mautstelle Ferleiten wurden wir von einem der Verantwortlichen zurückgepfiffen. Uli forderte ich nach kurzer Diskussion auf weiterzufahren.  Nach der Erkundigung, wer wir seien, ob sich mehrere von uns auf der Strecke befinden würden und ob noch welche kommen würden, wurde uns gesagt, dass oben am Berg ein Wetterchaos herrsche und es unverantwortlich sei, die Fahrt fortzusetzen. Als Verantwortlicher musste ich mich um die noch auf der Auffahrt befindlichen Fahrer kümmern. Die "Schnelleren" waren ja zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Abfahrt bzw. bei der vermeintlichen Kontrollstelle Mankeiwirt oder auch bereits zum Hochtor unterwegs. Ich setzte mich mit dem Gepäckstransportfahrer Reini telefonisch in Verbindung und wies ihn an, jene Radfahrer, welche noch nicht das Hochtor erreicht hätten  zu bergen und mit dem Auto mitzunehmen. Er und Martin bekamen ja mit welche Wetterkapriolen sich da oben abspielten. Beispielsweise gab Rudi Hofstädter, ein erfahrener Langstreckenfahrer geschockt und genervt auf, da 100 Meter vor ihm ein Blitz einschlug. Er wurde von seinem Freund  mit dem Auto wieder den Glockner hinunter zum Gasthaus Lukasmayr gefahren.

 

Reini und Martin standen zuvor aber noch vor einem anderem Problem Es wurde ihnen von einer Bedienung des Mankeiwirten mitgeteilt, dass das Lokal um 17:30 Uhr zusperren werde. Obwohl wir mit dem "Wirten" einen Monat vor dem Start sein Lokal als Kontrollstelle festlegten, war seine Aussage, er habe es verschmitzt, nicht ganz glaubwürdig. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatten zu diesem Zeitpunkt die Kontrollstelle noch nicht passiert. Die Intervention von Reini half überhaupt nichts. Er wäre sogar bereit gewesen, die Kosten von einer der Bedienerinnen zu übernehmen. Reini bekam auch mit, als 3 Biker völlig durchnässt noch vor 17:30 Uhr einkehren wollten, die drei Bedienerinnen aber schnell die Lokaltür versperrten.

  

                                 Mensch ist das Nächstenlieben. Meine Meinung dazu ist, dass der Mankeiwirt es nicht verschwitzt hat, sondern durch das schlechter Wetter wenig Betrieb da oben war und noch weniger zu erwarten gewesen wäre. Er hielt sich somit nicht an die Ladenschlusszeit und unsere Vereinbarung. Ja, ja beim Geldabstauben gierig die Hände aufhalten, wenn es aber wenig zu ernten gibt, Menschen im Stich zu lassen. Also, mein Ärger über diesen "Murmeltier Liebhaber", "Menschen im Stich lassenden Menschen" und dazu die Wetterkapriolen am Glockner ließen mich sehr am Sinn des ganzen Vorhaben zweifeln. Man bemüht sich selbstaufopfernd alles bestens zu organisieren, damit die Teilnehmer ein unvergessliches Event erleben können und so ein Murmeltierwirt ist es egal, ob hier Radfahrer unterwegs sind, die Verpflegung benötigten. Ich empfahl also, beim Murmeltierwirt einen Zettel aufzuhängen, dass die Kontrollstelle im nächsten Gasthaus sei. 

Leider konnten die Teilnehmer im Gasthof Wallackhaus keine warmen Speisen konsumieren, da dies nur für die Pensionsgeäste vorgesehen war.

Resümee:  Der Glockner war dieses Mal nicht unser Freund. Zu Regen, Hagel, Blitz und Donner mussten wir Unmenschlichkeit erfahren.

 

Erfreulicherweise trafen wir auf der weiteren Wegstrecke doch noch viele Menschen besserer Gesinnung.

 

5. Kontrollstelle / Schlafstelle www.campanulacamping.cz/de km 337:

Aufgrund der unvorhersehbaren Vorkommisse am Glockner, traf der Gepäcktransport mit zwei Stunden Verspätung am Campingplatz ein. Für einige schnellere Fahrer war somit ihre trockene Kleidung nicht zur Verfügung. Allerdings bestand dort die Möglichkeit zu duschen und sich in eine der für uns reservierten Hütten mit guten Betten, Kopfpolster und Tuchent entsprechend warm zu halten. Reini und Martin kümmerten sich um die Hütteneinteilung.

Uli und ich trafen mit drei weiteren Fahrern erst gegen 21.30 Uhr ein. Die Straße war bereits ab Winklern trocken und wir hatten eine rasante Fahrt zur Schlafstelle wo bei sich Uli und ich an der Führungsarbeit wechselweise für unsere drei deutschen Mitfahrer beteiligten.    

Ich selbst zog es vor vorerst warm zu duschen und meine Sachen für die Weiterfahrt vorzubereiten. Geplant war, dass Uli und ich um 02:00 Uhr aufstehen und nach dem Frühstück weiterfahren. 

   

Am Campingplatz herrschte Hochbetrieb. Es waren mindestens 50 Personen tschechischer Herkunft damit beschäftigt den Tag zu feiern. Es wurden tschechische und englische Lieder, begleitet von einer Gitarre gesungen. Obwohl ich auch auf meinen längeren und anstrengenden Radfahrten auch gerne singe, wie zB.:" Ich will hoam zu meiner Mama, ich will hoam zu meiner Mama", war mir zu diesem Zeitpunkt nicht zum Singen zu Mute. Ich genoss das Abendessen und begab mich folglich  kurz nach 23.00 Uhr in Hütte 4 zu Bett, Es waren ohnehin nur 2 Stunden Schlaf angesagt..  
Heftiger Wind fegte um die Hütten ein und starker Regen prasselte auf das Dach. Es dauerte eine Weile bis ich einschlafen konnte. Aus der geplanten Abfahrt nach 02.00 Uhr wurde nichts, da uns die herrschende Wetter die Lust am Weiterfahren vertrieb. Nach mehrmaligen Aufwachen entschloss ich mich um 05.00 Uhr aufzustehen und die anderen zu wecken. So richtig reagierte allerdings vorerst nur Uli, der mit mir zum Frühstücksbuffett ging.

   

Großes Lob an den Verantwortlichen des Campingplatzes, der es doch schaffte für uns in der Hochsaison 4 wetterfeste Hütten mit erstklassigen Betten für nur eine kurze Nacht zu reservieren. Auch die Bemühungen seinerseits und die seiner Freundin waren überragend.

6. Kontrollstelle - BP Tankstelle Villach, Maria Gailstraße km 395:

Endlich hatte es zu regnen aufgehört Die Straßen waren noch nass, als Uli und ich uns auf den Weg machten. Wir waren offensichtlich die Ersten, die sich von den "Nächtigern" ihre Fahrt fortsetzten. Durch unsere verspätete Abfahrt hieß es wieder Zeit gut zu machen, um in das Zeitlimit der nächsten Kontrollstelle zu kommen. Tempo machen  konnten wir auf der "Gott sei Dank" nicht so stark befahrenen B 100 und auf einer Nebenstraße Richtung Villach. 

 

Leider begann es 10 km vor der BP-Tankstelle heftig zu schütten. Wir freuten uns sehr wieder eine trockene Stube betreten zu können. Ein paar Minuten später trafen auch Jo und Pierre ein. Wir tranken 2 Tassen Kaffe und verzehrten 2 Leberkäsesemmerl. Auch unser Uniprofessor Helmut Gfrerer stieß zu uns.

 

7. Kontrollstelle - Lavamünd Hüttenwirt www.gasthof-huettenwirt.at km 500:

Jo, Pierre, Helmut, Uli und ich  fuhren gemeinsam vorerst Richtung Faakersee, zweigten dann allerdings ab Richtung Rosegg, Kleinsattel über Mühlbach nach St. Jakob im Rosental. Obwohl nach wie vor regnete, konnten wir" km machen". 

Meine Kräfte waren wieder zurück gekommen und die nicht unerheblichen Steigungen über St. Margarethen und Abtei waren obwohl anstrengend, kein größeres Problem. Pierre und Helmut konnten unser Tempo nicht  halten und so fuhren wir drei im rasanten Tempo weiter über Bleiburg nach Lavamünd. Diese Kontrollstelle liegt am Fuße des steirischen Radfahrer Nationalberges, der Soboth. Ich teilte meinen Mitkämpfern mit, dass ich mich nur kurz aufhalten werde, da sie ja die besseren Bergfahrer seien und mich sowieso auf der 12,5 km langen mit einigen Steilpassagen bestückten Auffahrt zur Soboth einholen würden. Mein Aufenthalt dauerte 8 Minuten. Mehrere Teilnehmer befanden sich  gerade an der Kontrollstelle.

8. Kontrollstelle - Radhotel Schischeck, Unterpurklau, http://www.radhotel-schischek.at/  km 601:

Vor mir fuhr, der aus Deutschland stammende Radler, Armin Huber, Er ist ein sehr starker Brevetfahrer. Bei der Auffahrt hatte ich leichten Regen, der mich vorerst nicht störte, mich sogar abkühlte. Die Auffahrt war sehr mühsam und dauerte unendlich. Es war fast kein Verkehr. Endlich erreichte ich die Passhöhe und keiner der nachfolgenden Radler hatte mich eingeholt?

Legten sie sich im Gasthaus schlafen oder mutierte ich zum schnellen Bergauffahrer? Ich wartete einige Minuten. Es war saukalt und ich zog mir meine Regenjacke an. Da kommen Jo und der aus Stadl Paura stammende Andreas PLACH des Weges. Sie sagten mir, dass sie meinen treuen Weggefährten bei km 5 der Auffahrt überholt hätten. Ich fuhr deshalb die regennasse Fahrbahn vorsichtig und langsam hinunter. Zwischen durch ging es mindestens wieder 100 Hm bergauf. Es wurde mir immer kälter. Wo war Uli?  Ich wartete beim Kreisverkehr vor Ortseinfahrt nach Eibiswald. Endlich kam er.. Er zitterte am ganzen Leibe und wir beschlossen uns im nächsten Gasthaus aufzuwärmen. Eine Frittatensuppe und 2 heisse Früchtetee brachten uns wieder auf Vordermann. Gegen 19:00 Uhr kamen wir im Radhotel Schischek an. Joe und Andreas mussten kurz vor uns losgefahren sein. Wir tranken Tee und aßen Wurstbrote. Um nicht zu spät zur  nächsten Schlafstelle zu kommen , hielten wir uns nicht lange auf. 

 

9. Kontrollstelle Gasthaus Steirerrast Kaindorf - Schlafstelle Mehrzweckhalle km 677:

Bei unserer Abfahrt vom Radhotel stellten wir fest, dass uns die Sonne erstmals begrüßte. Wir fühlten uns wie in einer anderen Welt auf den Weg nach Bad Gleichberg. 

 

Von Einheimischen erfuhren wir, dass es Richtung Bairisch Kölldorf eine Baustelle gäbe, wo man das Rad tragen müssen. Wir entschlossen uns deshalb geradeaus weiter über die B 66, dann Richtung Fürstenbruck zu fahren. Auf den Weg zu Kontrollstelle telefonierte ich mit Reini und ersuchte ihn den Wirt vom Steirerrast "Karli" zu fragen, uns beiden zu ermöglichen seinen Wellnessbereich mit Sauna benützen zu dürfen. Dies wurde uns auch ermöglicht.

  

 

Kurz vor 2200 Uhr kamen wir an. Nach der Dusche im Hallenbad genossen wir auf noch die Wärmekabine.  Dann bereiteten wir unsere Sachen für die Abfahrt am nächsten Tag vor und begaben uns in die Gaststätte, wo uns Suppe, Spaghetti und ein köstliches Bier serviert wurde. Danach fuhren wir zu der etwa 500 Meter entfernten Mehrzweckhalle, wo Liegebetten und auch Frühstück für uns vorbereitet war. Ich glaube, dass mindestens 2 Drittel der Teilnehmer diese Schlafstelle nutzten. Nachdem ich mir selber nachsage, ein schlauer Fuchs zu sein, nahm ich eine der freien Liegen aus dem großen Veranstaltungsraum und machte mir meine Liegestelle in einem angrenzende Raum. Warum eigentlich nicht mehr Teilnehmer auf diese Idee kamen, wunderte mich etwas.

Zum Thema schlauer Fuchs:  Warum den Füchsen nachgesagt werde, dass sie seien schlau ist für mich nicht nachvollziehbar. Meiner Meinung sind sie eher deppert, denn ich habe auf der 1.000 km Strecke insgesamt 3 tote, von Autos niedergefahrene Füchse auf der Straße liegen sehen. Martin erzählte uns, da ihnen ein Fuchs vor das Auto gelaufen und frontal stehen geblieben sei. Reini der Tierliebende habe durch eine Vollbremsung dessen vorzeitige Ende verhindert. Tztztztz, ein schlauer Fuchs müsste doch längst wissen wie der Hase läuft, um sich nicht von Autos totfahren zu lassen.

An dieser Stelle möchte ich dem "Karl", dessen Bekanntschaft ich vor einigen Jahren bei einer meiner Trainingsaufenthalte auf Gran Canaria machte, sehr herzlich danken.

Karl - du und dein Team - Ihr seid die Besten!

      

                  

 

10. Kontrollstelle Rauraklalm in Schwarzenau im Gebirge, http://rauraklalm.at/Start.html  , 787 km:

 

Die Weckzeit auf meinem Handy war auf 0200 Uhr eingestellt. Ich machte mich fertig und ging in den großen zum Schlafraum umgewidmeten Raum der Mehrzweckhalle um Uli zu wecken. Er tat mir richtig leid, als ich ihn aus seinem Tiefschlaf riß Wir trödelten mit der Einnahme des Frühstückes und weiteren Vorbereitung zu sehr, sodass wir erst um 02:45 Uhr, wieder als erste der "Nächtiger" wegfuhren. Die nächsten 56 km waren nicht sehr einfach. Unsere Route führte uns auf der  B 54 über Hartberg, Mönichkirchen entlang bis zur Abzweigung bei Aspang in Richtung Feistriz am Wechsel.  Wir zählten mindestens 15 Hügeln, wobei sich einige davon endlos dahin schmierten. Die letzten 20 km kam uns noch dazu heftiger Wind entgegen. Die wenigen Autos, die an uns vorbeibruasten fuhren sicherlich mit überhöhtem Tempo. Ich hatte  Angst, das ein unvernünftiger, besoffener Autofahrer am Weg sei und uns trotz guter Beleuchtung nach hinten und vorne, übersehen würde. An einer Diskothek vorbeikommend standen viele Jugendliche offensichtlich nach Sperrstunde davor. Wobei einer gröllend schrie: "Nehmen wir den Radlfahrern die Räder weg!" Auch kam ein kleines Wurfgeschoss in unsere Richtung.

Es war noch nicht so warm. Bei der Abfahrt nach Aspang empfanden wir die Temperaturen als sehr kalt und .wir beschlossen in Kirchberg am Wechsel einzukehren, um uns aufzuwärmen. Nachdem ich bestellt hatte fielen mir vor Müdigkeit die Augen sofort zu.

Für die nach uns in Kaindorf startenden Teilnehmer ergab sich vor dem Wechsel dieses Bild. 

 

Unser Aufenthalt dauerte 45 Minuten. Wir wollten mit unseren Carbonrössern die Fahrt fortsetzen. Doch bei der Aberfahrt fiel Uli ein, er müsse seine Kette schmieren und wollte die Wirtin nach Öl fragen. Mir war dass nun zu aufreibend zu warten und sagte ihm, dass ich weiterfahren werde. Nach wenigen Kilometern kamen von hinten weitere Teilnehmer angefahren, denen ich mich anschloss Kurz darauf kam ein Anruf von Uli, der sich nach dem richtigen Weg erkundigte. Er hatte sich verfahren und fuhr folglich über einen Berg nach Gloggnitz. Ich ließ die fünf anderen Teilnehmer ziehen und trotte langsam dahin. Nach 20 km ( Reichenau an der Rax) schloss er wieder zu mir auf und wir fuhren gemeinsam zur Kontrollstelle bei der Rauraklwirtin.

Auch hier ein große Lob an die Wirtin. Sie hat dafür gesorgt, dass für die durchfahrenden Teilnehmer das Gasthaus offen war. Sie hat nicht nur dafür gesorgt, dass sie das Lokal betreten können, sondern auch für deren  Verpflegung gekümmert. 

Während unsere Aufenthaltes trafen wir wieder einige der Teilnehmer. Wir aßen eine Kaspressuppe.

Dieses Gasthaus, wenn man auf dem Weg im Höllental von Gloggnitz - Reichenau ad Rax, in Richtung Kalte Kuchl oder umgekehrt unterwegs ist, sollte es man nicht verabsäumen in der Rauraklalm bei Schwarzenau im Gebirge einzukehren. Herzlichen Dank der Wirtin und ihrem Personal.

 

11. Kontrollstelle Mariazell - Gasthaus Himmelreich - http://himmelreich.familie-meduna.at/ km 839:

Der Weg dorthin ist  nicht unbedingt als leicht zu bezeichnen. Beginnend mit dem Ochsensattel, einer Passhöhe von 886, der Kalten Kuchl und der Gscheidpasshöhe von 1.070 hm, sowie die in mehreren Serpentinen führende Strecke nach Mariazell waren wieder enorme Höhenmeter zu verbuchen. In Mariazell war dann mal Schluss mit vielen Höhenmetern. Auch im Hotel Himmelreich waren wieder einige der Teilnehmer an zutreffen. Nach dem Verzehr eines Tafelspitzes mit Semmelkren setzten das übliche Quartett (Joe, Andreas, Uli und ich) die Fahrt fort. Auch hier hat der Wirt dafür gesorgt, dass wie beim 600 km Brevet alle jene die zur Nachtzeit ankamen in der Garage seines Hofes etwas zu Essen und Trinken vorfanden. Bei diesem Brevet war es allerdings nur 1 Teilnehmer, der dies benötigte. 

 

Wir hatten unsere Sünden auf den bisherigen 839 gefahrenen Kilometern, mehr als abgebüßt. Deshalb war es war nicht mehr erforderlich, eine Kerze in der Basilika zu zünden. 

 

12. Kontrollstelle Großraming Ennstalerhof km 943:         

Leichter Regen war wieder angesagt. Über Guswerk, nach 11 km kam eine ca. 80 Hm Bergauffahrt, ging es schnellen Tempos entlang der Salza, wo einige mutige Wildwasserpaddler anzutreffen waren, über Weichselboden und Wildalpen, nach links zur Abzweigung bei Palfau hinunter nach Großreifling/Altenmarkt. Bereits bei der Abfahrt bemerkte ich, dass mein Tretlager offensichtlich kaputt war und ich folglich vorsichtig treten musste. Ich telefonierte mit Edith, dass sie mir mein Ersatzrad zur Kontrollstelle nach Großraming bringen solle, in der Hoffnung mein Tretlager hält durch. Die drei anderen schickte ich voraus, obwohl ich sie wieder zweimal einholte. Bald wäre ich aber von einem riesengroßen Schäferhund, der plötzlich von einem Abhang, bei einem Transportunternehmen, wild bellend herunterschoss. Ich legte vor Angst einen Sprint hin, in der Hoffnung mein Tretlager würde es aushalten. Ich hatte Glück und konnte dem Hund mit maximal einen Meter Abstand entkommen. Die drei vorausfahrenden Freunde erzählten mir das gleiche Erlebnis. Uli, der als letzter fuhr hätte es benahe erwischt.

Edith wartete auf mich und der Radtausch wurde vollzogen. Die drei anderen trödelten bei dieser Kontrolle, sodass ich trotz Rückstandes und Fahrradtausches noch auf sie  warten musste. Ich bevorzuge immer wieder die Pausen kurz zu halten und mache mir bereits vor der Ankunft einen Plan, was ich alles zu erledigen habe.

 

13. Kontrollstelle Haid / Ansfelden  - Zielankunft mehr als 1.000 km: 

Vollgas ging es die letzten 60 km dahin. Es ist schon unheimlich, welche Kräfte man noch entwickeln kann, mit der Vorfreude bald die Zielsetzung verwirklicht zu haben. Der steile Anstieg zum Rieglwirt und nach Aschach, sowie ein paar kleine Bodenerhebungen waren kein Problem mehr. Kurz nach Schiedlberg holten wir noch den schnelleren der drei Italiener ein und wir ließen ihn an unserem Expresszug bis in das Ziel teilnehmen.

 

 

Auffahrt zum Rieglwirt und Aschach

Nach 63,5 Stunden kamen wir an. Wir beglückwünschten uns gegenseitig und freuten uns den 1.000er vollbracht zu haben.    

 

                             Johannes (Jo) PILZ, Andreas PLACH, Ferdinand JUNG, Massimilio FANCOLI, Uli SCHOBER

 

Alle jene die diesen 1.000 km Superbrevet erfolgreich beendeten, haben Außergewöhnliches vollbracht. Es bedurfte, ob der schlechten Wetterbedingung und der nicht ganz leichten, aber wunderschönen Streckenführung einer große Willenskraft, sowie Durchhaltevermögen. Ich bin total überrascht, dass nur 3 Teilnehmer aufgeben mussten. Besonders leid tat es mir für Alexander Vonbank, der 100 km vor dem Ziel aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Er ist als sehr willenstarker und auch schneller Fahrer bekannt und hat sicher lange gelitten, bis er seinen Qualen Vernünftigerweise durch die Aufgabe eine Ende setzte.

Ich bin nun froh diesen Bericht aufs Papier gebracht zu haben. Auch ich fand es anstrengend den Tausender abzuradeln. Ich konnte hier nur etwas ausführlich berichten, was sich  in meinem Umfeld auf der Strecke ereignete.

Wer immer will, dass auch sein Erlebtes hier auf der Homepage vorkommt, der sollte einfach selber einen Bericht verfassen und mir zukommen lassen.

Bitte, bitte vergesst nicht, wem es möglich ist am 18. bzw 19.8. an den angebotenen Brevets 300/200 km mit Startort St. Georgen im Attergau, im Rahmen von Race around Austria teilzunehmen.

Natürlich würde ich mich auch über eine rege Teilnahme an der Brevetsaison im Jahr 2013 freuen. Bitte nicht vergessen auf die Spass- und Abschlußtour am 2.9.2012.

 

Euer Ferdinand Jung

  

     

Impressionen


Picasa Webalbum

   

 

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