Kurzbericht Brevet 600 Km 2008


Distanz: 600 km

Höhenmeter: sehr, sehr viele

Wetterlage: super warm, sommerliche Temperaturen

 

Teilnehmerbericht aus Sicht des Organisators und Teilnehmers F. Jung:  

Das waren die Starter des 600 km Brevets, veranstaltet von Audax Randonneurs Autriche, Startort Haid, OÖ, Organsisatioren Edith und Ferdinand Jung.  

 

 

Es waren insgesamt 12 Starter und ich nehme es vorweg, es sind alle im Zeitlimit, die ersten unerwartet früh angekommen. Die Streckenführung war sehr selektiv und sehenswert.

Für einige waren die vorgegebenen Höhenmeter etwas viel. Leider ist es nicht einfach ein Mittelding zuwischen leicht und schwer zu finden. Aber um in Mariazell, den weltbekannten Wahlfahrts- und Pilgerort im Zuge eines Brevets vorbeiradeln und Gottes Segen erhalten zu dürfen, bedarf es der Bewältigung von vielen wunderbaren Steigungen die sich auf den diversen Aufzeichnungsgeräten in beachtlichen Höhenmeter manifestieren. Es ist übrigens auch in Österreich verboten Berge und Hügel abzutragen, um eine flache leichte Radroute zu kreieren.

Zugegeben, die 600er Strecke war aufgrund der anstrengenden Hm nicht einfach. Dafür ist sie einzigartig, superschön und wird für ewig ein Highlight für die Finisher bleiben, die es verdient haben hier einzeln vorgestellt zu werden.

 

                Hermann WEINBERGER,  OÖ            -       Michael KREJCA, Wien,       -     Andreas SCHRÖDER, Wien        -                   Peter SIX, Stmk    

                      Ferdinand JUNG, OÖ                    -       Josef ZUSCHMANN, NÖ       -      Gerold LEHMANN, Wien          -              Christian WOLF, Wien 

                     Jürgen KASTNER, OÖ                 -           Franz LEITNER, OÖ         -       Bernhard SCHULLER, Graz         -             Wolfgang ZAHN, Passau

                Bernd EIBISBERGER aus Garching fuhr ab 320 km mit.

 

Die Bedingungen vor dem Start waren optimal. Die Temperaturen waren sommerlich. Die Strecke war auf 600 km großteils markiert. Ebenso stand ein GPS-Track zur Verfügung. Ein Verfahren auf der Strecke war nur erfahrenen "Verfahrern" möglich. Für belegte Brote bei der 1. Kontrollstelle (Familie HOFER) in Reichenau, Spaghetti und verschiedenen Getränken bei der 2. Kontrollstelle (Silvia WEISS) in Langegg wurde gesorgt. Herzlichen Dank für die Kontrolle und Bewirtung.

Nach meiner Begrüßung der Teilnehmer und einigen Erklärungen zur Strecke, war der Start zum 600 km Brevet freigegeben. Inklusive meiner Person waren wir 12 Starter. Lauter erfahrene Brevetler die sich auch großteils bereits als Paris - Brest - Paris Finisher ausgezeichnet haben. Also ein sehr elitäres Grüppchen von Langstreckenfahrern, deren Qualität über den Ansprüchen der bevorstehenden Wegstrecke, meiner Meinung nach, erhaben war. "Gesuddert", um einmal einen uralten österreichischen Ausdruck hier anzubringen tun die Österreicher allemal. Egal ob sie nun aus dem Burgenland oder Vorarlberg kommen. Ob es aber immer ernst gemeint wird, ist nicht immer gleich richtig zu verstehen.

Anmerken möchte ich, dass ich bei der Planung des 600er Brevets auch die Vorschläge von Gerold LEHMANN einfließen ließ.

Fast pünktlich um 0700 Uhr durfte ich die Gruppe durch Haid zum Radweg entlang der Traun und in Linz/Ebelsberg auf den Radweg entlang der Donau, über das Kraftwerk Abwinden nach St. Georgen/Gusen anführen. Gleich bei der ersten Steigung im Gusental setzten sich wie erwartet, die Schnelleren ab und es formierten sich vorläufig zwei Gruppen. Wobei sich die erste Gruppe folglich aufsplitterte, bzw nur mehr die ganz schnellen (H. Weinberger, M. Kreja, A. Schröder) bis zu km 320 beim Gashaus Messerer in Michelndorf beisammen blieben.  

Bereits beim 400 km Brevet verabredeten sich einige Teilnehmer bei dieser Kontrolle in Michelndorf eine Schlafpause einzulegen und erst wieder am Morgen weiterzufahren, um einerseits ausgeruht den zweiten Teil des Brevets angehen zu können aber auch die Schönheit der sich bietenden Strecke bei Tageslicht genießen zu können. 

Eigentlich hatte auch ich geplant dort zu nächtigen. Erst im letzten Moment entschloss ich mich, um mein Mountainbike für Russland testen zu können, gemeinsam mit Peter SIX den 600er durchzufahren. Wir beschlossen trotzdem bis dahin bei der Gruppe mit den "Nächtigern" zu bleiben und setzten es auch um.

Nachdem unsere 6-köpfige Gruppe (Peter SIX, Bernhard SCHULLER, Franz LEITNER, Jürgen KASTNER, Wolfgang ZAHN und ich) über Gallneukirchen kommend bei der ersten Kontrollstelle in Reichenau ankamen, waren die vor uns fahrenden bereits wieder weg. Entgegen den ersten 3 Fahrern, die sofort nach Auffüllung ihrer Wasserflaschen weiter flüchteten, verweilten wir einige Zeit auf der Terasse der Familie HOFER.

Wir labten uns mit den servierten Wurstbroten und füllten unsere Trinkflaschen auf. Nach der 20-minütigen Pause setzten wir unsere Fahrt, über Schenkenfelden, Reichental, Summerau und Sandl, wo wir erneut zwischenstoppten um bei einer Tankstelle die Flaschen zu füllen, fort.

10 km danach, bei Karlstift, erreichten wir mit um die 950 Hm den vorläufig höchsten Punkt der Berg und Talfahrt im Mühlviertel, OÖ und kamen mit Fahrtrichtung Gmünd ins Waldviertel nach NÖ.           

Schön langsam wurde die Sonne immer kräftiger und wir kamen ziemlich ins Schwitzen. Ich war dem Vorhaben nahe, in einen der am Wege liegenden Teiche zu springen. Wäre ich allein gewesen, ich hätte es sicher gemacht. In Langegg bei km 149 wurden wir bereits zum Essen erwartet. Ich hatte uns 10 km davor telefonisch angekündigt. Von den vor uns gestarteten Radlern war nur mehr Christian Wolf an der Kontrolle, der wieder mal gemütlich eine Zigarillo rauchte. Er machte sich jedoch gerade fertig zur Weiterfahrt.

In der Garage von Silivia Weiss war für uns aufgedeckt und wir konnten in Ruhe die Spaghetti verzerren. Ich selbst war ziemlich durstig und verdrückte einiges an Apfelsaft mit Wasser, Cola und einen Krug voll Salzwasser, vorbeugend gegen Krämpfe. Dies sollte mir später zum Verhängnis werden.

Nachdem wir uns ca eine halbe Stunde pausierten, machten wir uns frisch gestärkt, über Brandt, in Richtung Litschau auf den Weg. Schon wenige Kilometer nach der Kontrolle spürte ich, dass es in mir rumorte und der Drang mich zu entleeren wurde immer größer. Ich teilte dies auch einigen meinen Mitstreitern mit. Bernhard SCHULLER meinte er hätte Papier dabei und ich sollte mich in die Büsche schlagen. Doch ich riskierte es solang zu fahren bis ein Gasthaus auftauchte. Es war aber zu diesem Zeitpunkt schon höchste Eisenbahn. Ich war aber trotzdem froh diese unangenehme Angelegenheit auf einer ordentlichen Toilette verrichten zu können.  

Erleichtert, im wahrsten Sinne des Wortes, setzte ich mit meinen Brevetmitkämpfern die Fahrt fort. Sie hatten ja durch mich als Streckenplaner den Vorteil, dass sie sich um den richtigen Verlauf der Strecke nicht kümmern mussten. Aber ich glaube sie hätten auch ohne diesen Vorteil auf mich gewartet.

In Litschau ging es dann folglich in östlicher Richtung über Dobersberg und bei Raabs an der Thaya, nach einer kurzen Pause zur Stärkung bei einer Tankstelle in Oberndorf, über Aigen, durch das sogenannte Taffatal nach Horn. Dort gelangten wir zur 3. Kontrollstelle ÖMV bei km 236, wo wir uns mehr als 20 Minuten aufhielten. Christian Wolf wartete auf uns und schloss sich für die Weiterfahrt an.

Bereits auf dem Weg dorthin, der etwas hügelig war wurde ich von Wolfi Zahn mehrmals gefragt, wenn es endlich eben werden würde.  Ich dachte mir, wenn der wüsste was ihn noch auf der Fahrt nach Mariazell und weiter erwartet würde.

Wir fuhren folglich an der Rosenburg vorbei und bei Gars am Kamp in das Kamptal ein, wo wir leicht bergab im zügigen Tempo dahinfuhren. Bei Langenlois schlugen wir die östliche Richtung zur Donaubrückenüberquerung bei Tulln ein. Wir wechselten uns auf der etwas langweiligen, flachen Strecke, die uns lediglich durch den Gegenwind Abwechslung verschaffte, bei der Führungsarbeit ab. Gezwungenermaßen mussten hier auch jene ran, die sich sonst immer ziehen lassen. Wer die sind verrate ich jetzt nicht.  

Kurz vor 21.00 Uhr kamen wir beim Gasthaus Messerer in Michelndorf zur 4. Kontrollstelle bei km 320. Dort wurden wir bereits von Margot und Bernd EIBISBERGER erwartet. Bernd konnte leider am Samstag nicht an den Start gehen, da er unvorhergesehen arbeiten musste. Er entschloss sich aber mit den „Nächtigern“ am Morgen die Fahrt über Mariazell fortzusetzen. Es hatte aber auch den Vorteil, dass wir im Auto der EIBISBERGERS unsere Sachen mitschicken konnten. Herzlichen Dank an Margot. Somit konnte Edith zu Hause bleiben und die Starter im Ziel empfangen.

Bernd, einer meiner Weggefährten von PBP 1999, der damit rechnete, dass auch ich hier schlafen werde, musste ich leider enttäuschen. Er wusste noch nichts von meinen geänderten Plan, dass ich durchfahre.  

Jedenfalls nahm ich meine Sporttasche von Margot in Empfang, wechselte meine Radkleidung und gab meine Tasche in das Fahrzeug der Schwester und des Bruders von Peter SIX. Sie erwarteten uns folglich bei jeder Kontrollstelle und waren für etwaige Notfälle telefonisch für uns erreichbar.

 

Um 21.30 Uhr fuhren Peter SIX und ich los. Es war schon sehr dämmerig und nach einigen Kilometern kam das Superlicht meiner Lupine voll zur Geltung. Mir ist es unerklärlich wie man nach 320 km ein derartiges Tempo noch draufhaben kann. Peter fuhr vorwiegend vorne. Ich nehme an, daß er sich offensichtlich mehr dafür verantwortlich fühlte im Wind zu fahren, weil ich aus Testgründen für die 1.200 km in Russland, mit einem Mountainbike unterwegs war.  

Die Nacht war vorerst noch sehr angenehm. Wir dachten aufgrund unseres schnellen Tempos Christian Wolf und Gerold LEHMANN einzuholen und sie zu treffen. Wir haben sie zwar überholt aber leider nicht gesehen, weil die zwei „Vielfraße“ auf dem Weg in eine Pizzaria einkehrten.  

Noch vor dem Gschaidsattel holten wir Josef ZUSCHMANN ein. Der sich vorerst anschloss, dann wieder wegfuhr, wieder von uns eingeholt und dann nicht mehr gesehen wurde. Er war schon etwas fertig, denn er fuhr meistens alleine.

Bereits vor Mariazell wurden wir von Peters Schwester angerufen, dass die vorgesehene Kontrollstelle (Tanzcafe Weinstadl) schon zu hätte uns sie warten auf uns bei einem Cafe.

Als wir gegen 03.00 Uhr in Mariazell zu diesem Cafe kamen war es ebenfalls zu. Wir fanden aber dann doch ein Pub am Ortsbeginn und stellten unsere Räder in der Garage des Betreibers ab. Ich sehnte mich schon seit langer Zeit auf eine Halbe Bier. Von einem betrunkenen Gast im Lokal wurden wir wegen unserer Wegstrecke blöd angemacht. Nachdem ich ihm verständlich machte das ich müde und er mir zu anstrengend sei, wurde er mit Unterstützung des Wirtes von uns weggelotst.  

Jedenfalls spielten sie in diesem Lokal gute Musik und es ergab sich auch noch, dass mir der Wirt um diese nächtliche Zeit einen Schweinbraten samt Beilagen servierte. Peter lehnte es ab den köstlichen Braten zu konsumieren.  

Glaublich nach ca 1 Stunde Aufenthalt in Mariazell (420 km bis dahin) setzten wir unsere Fahrt fort. Es lief bisher super für uns beide. Es waren schon einige schwierigere Anstiege hinter uns und wir waren für den weiteren Weg über Guswerk und Wildalpe sehr zuversichtlich.  

Die nächstenn 50 km verliefen für mich auch noch relativ gut. Jedoch ließen meine Kräfte mit dem ungewohnten Fahrrad fahrend im Bereich Wildalpe immer mehr nach. Mein Weggefährte Peter war immer wieder bemüht mich anzutreiben. Da ich die Wegstrecke im Vorfeld für die Wegbeschreibung nur mit dem Auto abfuhr waren mir die vielen Steigungen eigentlich nicht mehr in Erinnerung bzw bewusst. Der einzige Vorteil war, dass es bereits hell wurde und wir die wunderschöne Naturlandschaft genießen konnten. Es wurde aber auch gleich spürbar wärmer, nachdem die Sonne den kalten Dunst verscheuchte.

Mühsam wurde es aber nach der Abzweigung bei Palfau in Richtung Göstling, wo es nur bergauf ging und die nächste Abzweigung Richtung Hollnstein nicht daher kommen wollte. Als wir dann endlich scharf links, Richtung Hollnstein abbogen, hatte ich den Eindruck, dass sich die Straße vor uns aufstellte. Wir mühten uns ziemlich lange ab, bis wir den höchsten Punkt erreichten. Abgesehen von den Strapazen die dieser Teilbereich nach mehr als 23 Stunden abverlangte, wurden wir durch die besonders schöne Landschaft entlohnt.  

Um 07.45 Uhr kamen wir in das Ortszentrum von Hollnstein, wo wir bei einer Bäckerei unsere Kontrolle erledigten. Ein Biker, der gerade Frühstück einkaufte, schüttelte ungläubig seinen Kopf als ich ihm auf seine Frage wie viele Tage wir für die bis hierher zurückgelegten 512 km brauchte. Er konnte es gar nicht glauben, dass wir "nur 24 Stunden" brauchten. Noch ungläubiger schaute er auf mein Mountainbike.  

Zu diesem Zeitpunkt, also nach 512 km und 24 Stunden, erfing ich mich wieder. Peter SIX ließ es sich nicht anmerken, dass er ebenfalls von den Strapazen gezeichnet war.

Ich erhielt wie so oft bei längeren Touren erneut einen Motivationsschub mit der Euphorie der Zielnähe. Waren es ja nur mehr ca 95 km auf der vermeintlich nicht mehr anspruchsvollen weiteren Strecke.  

Was ich aber völlig vergaß, waren die  Höhenmeter nach Weyer und folglich hinauf nach Maria Neustift. Ich dachte, mir hauts den Vogel raus. Bin ich schon so verblödet und habe ich diese Anstiege vergessen. Oder war ich schon so erledigt, dass es mir mehrfach schwerer vorkam. Mein Mitleid mit mir hielt sich in Grenzen, da ich schon viele extreme Sachen ablieferte. Jedoch machte ich mir als Brevet-Organisator Sorgen. Werden die anderen Teilnehmer ob dieser schweren Strecken über mich herfallen, mich lynchen und auf Lebzeiten ächten? Waren die bisherigen Bemühungen hier in Österreich die Randonneursszene zu beleben und wirklich für eine Top-Brevetorganisaton zu sorgen nun umsonst? Mit diesen nicht sehr positiven Gedanken im Kopf und immer wieder jede Trittumdrehung bis 100 zählend, quälte ich mich bergauf und war froh vor mir immer wieder den Peter SIX zu sehen, der sicher auch seine Gedanken hatte, die ich wahrscheinlich nie erfahren werde.  Irgendwann war ich dann plötzlich oben, sperrte meine negativen Gedanken weg und genehmigte mir bei der Kontrolle im Kaufhaus Ramskogler in Maria Neustift „a kühles Flaschl Bier“. Frisch gestärkt fuhren wir wieder mal Vollgas, ja ich habe mich gedopt und gebe es ehrlich zu, leicht bergab über Kleinraming nach Steyr.

Übrigens das Dopingmittel heisst:“  ZIPFER URTYP!“

Es ging dann die gleiche Strecke in entgegengesetzter Richtung wie beim 300er zurück nach Ansfelden.Der Gegenwind und die paar Hügeln waren auch schon wurscht,. Beim Kreisverkehr nach Ansfelden führen wird nicht über Linz-Ebelsberg, sondern durch den Florianer Wald, um die Höhenmeter beachtlicher werden zu lassen.

Meine Heimat kam immer näher, Ansfelden, der Geburtsort von Anton Bruckner (Pianist Gottes), wir fuhren sogar an seinem Haus vorbei. Wir näherten uns Haid, kamen am Tennisplatz vorbei, wo ich unzählige Ranglistenspiele absolvierte und am Fußballplatz wo ich meine Knochen runierte. Sollte ich jetzt mit Peter vor lauter Freude eine Ehrenrunde in Haid drehen? Würde es überhaupt jemand geben der uns anerkennend zujubelt? Ich habe darauf verzichtet, denn ich denke niemand hätte im Zentrum Haid auf uns gewartet und verstanden warum da zwei mit dem Radl umher fahren. Zugejubelt hätte man uns sicher wenn wir eine türkische oder tschetschenische Fahne dabeigehabt hätten.  

Wir haben es geschafft.  

605 km, viele schöne, schwere Höhenmeter.

   

Nicht nur Peter SIX und ich.  Alle 12 Teilnehmer haben wir den 600 km Brevet geschafft.

 

Ich gratuliere jedem Einzelnen zu dieser tollen Leistung.   

Es würde mich freuen, wenn die im Bericht angeführten Finisher ebenfalls ihre persönlichen Berichte für die AR-Autriche Homepage zur Verfügung stellen würden.  

Es wird auch wieder eine Abschlusstour mit Premierung der Superrandonneure geben. Der Termin wird voraussichtlich Ende August stattfinden.

Vorallem wäre es SUPER wenn der eine oder andere beim 200er Brevet (Brevetwoche) am 19.7. auftauchen mit der Badehose im Gepäck wäre auch die Möglichkeit im Attersee unterzuauchen.

 

Teilnehmerstatistik:

Deutschland 1
Oberösterreich 4
Steiermark 2
Wien 4
Niederösterreich 1

Ergebnisse:

WEINBERGER Johann 23:00
KREJCA Michael Wien 25:36
SCHRÖDER Andreas Wien 25:50
SIX Peter Stmk 29:29
JUNG Ferdinand 29:29
ZUSCHMANN Josef 30:15
LEHMANN Gerold Wien 33:09
WOLF Christian Wien 34:09
KASTNER Jürgen 36:04
LEITNER Franz 36:04
SCHULLER Bernhard Stmk 36:04
ZAHN Wolfgang Passau, BRD 36:04

 

Impressionen:

 

 

Teilnahmebericht von Christian Wolf, Wien:

Nachdem ich mich beim 400er Brevet mit meinem tschechischen Crossrad ziemlich geschunden hatte (mein Kreuz war noch ein paar Tage danach ziemlich beleidigt) , beschloss ich, mir noch schnell vor dem 600er-Brevet mein altes Specialized Allez wieder aufzubauen.

Bedingt durch verspätetes Eintreffen einiger Teile wurde daraus eine Donnerstag Nacht Aktion, Freitag Nacht vor dem Brevet habe ich vor lauter Kopfweh kaum geschlafen und entsprechend frisch stand ich, unterstützt durch ein mir vom Wirt unseres Hotels verabreichten Spitzenproduktes der Pharamindustrie (was auch immer es war, es hat einigermaßen geholfen) am Start.

Nachdem ich letztes Jahr den 600er auf Grund eines massiven Motivationsdefizits versemmelt hatte, war heuer meine Einstellung eher von Demut und Vorsicht geprägt, das ging bis ins Gusental auch einigermaßen gut, dann gingen mir wieder einmal die Gäule durch und ich fuhr mit Gerold, Andreas, Michl, Josef und Herrmann die geschmierte Steigung in einem viel zu schnellen Tempo bergauf.

Allmählich gewann mein Selbsterhaltungstrieb wieder die Oberhand und nach der ersten Kontrolle in Reichenau lies ich es langsamer angehen.

Selbst als mich Gerold und später Josef einholten fuhr ich mein Tempo weiter, was mich zwar einige Überwindung, aber dafür nicht wie schon so oft bei früheren Ausfahrten meine letzten Körndln kostete.

Die Spagetti in Langegg, die ich in Gesellschaft von Josef und Gerold verzehrt waren hervorragend al dente und das Sugo ausgezeichnet, herzlichen Dank den freundlichen Spendern, und bei meiner geregelten Suchtgiftaufnahme trafen auch die anderen Teilnehmer des Brevets ein.

Da ich jedoch bei sportiven Anlässen nur Zigarillos und keine ausgewachsenen Zigarren rauche, bin ich alleine aufgebrochen und habe mit einigen Umwegen und dem Beginn meiner Testserie: "Die Biergärten Niederösterreichs und der Ausschank von alkoholfreiem Bier in ebendenselben" schlussendlich Horn erreicht.

Ein Clausberger in einem Biergarten und ein Clausberger auf einer Tankstelle, beides probiert, kein Vergleich !

Ferdinand und seine "Jungs" sind dann auch eingetrudelt, und so ging es gemeinsam das Kamptal hinunter und durch die Steppe Richtung Tulln.

Apropos Gesudere (siehe oben) : lieber Altenwörth bei Überschwemmung als Tulln mit Rückenwind (den gab es ohnehin nicht, eher im Gegenteil ).

Nach kurzen Differenzen, die exakt Strecke betreffend vertraute die Gruppe ihrem "local guide" (mir!) und wir erreichten Michelndorf.

Dort wartete schon meine Freundin Brigitte mit Getränken aus der Kühltasche auf mich.

Die Aussicht auf eine Pizza trieb mich jedoch weiter und so fuhr ich bis Böheimkirchen, wo ich Gerold und Brigitte wieder traf, die bereits in einem Lokal auf mich warteten.

Gestärkt fuhren wir weiter, ich etwas langsamer als Gerold , weil ich meine eben erst verzehrte Pizza heil über die Durlas bringen wollte.

In Kleinzell schlugen wir unser Nachtlager auf, wie sich später herausstellte beinahe im Vorgarten eines am Straßenrand liegenden Gehöftes, und gönnten uns etwa 4 Stunden Schlaf.

Nach einem ausgiebigen Frühstück (schön langsam höre ich mich an wie der Gerold) und einem netten Plausch mit der Bäuerin (Da Bua hod gsogd mia miassn leise sein weu do schlofn wöche unten!) nahmen wir die restlichen Kilometer unter die Räder, bis zur Kalten Kuchl gemeinsam, dann fuhr jeder sein Tempo.

Die Straßen waren trotz der frühen Stunde gesäumt von Pilgern und in Mariazell war schon einiges los.

Gerold plünderte das Frühstücksbuffet (ich glaube er steht jetzt bei den Wirten in Maraizell und Umgebung auf der schwarzen Liste) Brigitte und ich genehmigten uns einen Espresso und weiter gings, durchs Salza Tal Richtung Wildalpen inclusive Fortsetzung der Feldforschungen österreichische Biergärten und ihr Angebot an alkoholfreiem Bier betreffend.

Es rollte ganz gut dahin, bis kurz vor Lassing irgendwelche Typen vor mir die Straße in die vertikale kippten, was sich auf dem "Singletrail"

Richtung Hollenstein zu einer veritablen Kletterpartie ausweitete.

Die Gegend ist atemberaubend die Steigungen ebenfalls und so machte es fast Sinn, daß ich mir meinen Kontrollstempel in der Rot Kreuz Station in Hollenstein holte.

Auf der Weiterfahrt nach Weyer traf ich einige Nachzügler des Waidhofener Radmarathons, die aber anscheinend selbst schon ein wenig zu gepeckt waren als daß sie mir hätten Windschatten spenden können.

Maria Neustift lies mich an ein Verwandtschaftsverhältnis von Ferdinand mit dem Veranstalter des Erzberg-Rodeos glauben, den Anstieg überlebte ich nur Dank eines Fußbades im nahegelegenem Bach.

Kurze Abfahrt und das wars, mitnichten!! Maria Neustift kommt erst einen Hügel später.

Fortsetzung der wissenschaftlichen Untersuchungen (siehe oben), Weiterfahrt.

Nach Steyr tut sich versorgungstechnisch die Pampa vor einem auf :

Wasser nur bei privaten Haushalten, Nahrungsaufnahme beschränkt auf mitgebrachte Gels und Riegel (Yukk, ich kann die Dinger nicht mehr sehen, geschweigedem hinunterkriegen), das Eisgeschäft in St.Florian verdankt mir daher einen Gutteil seines Tagesumsatzes und ich ihm meine seelische und körperliche Errettung von den Grausamkeiten der Sporternährung.

Noch ein kurzer Ausflug durch die Wälder und Hügel Ansfeldens, ein beherzter Sprint durch Haid und ich hatte meinen ersten 600er geschafft.

Chapeau allen Mitfahrern, herzlichen Dank an Edith (Kartoffelgulasch ist eine Speise für Götter und Brevetfahrer !) und Ferdinand (ma sogd jo nyx, my red jo nur) und Dank allen, die durch ihren Einsatz an den Kontrollstellen und Laben dieses Erlebnis möglich gemacht haben.

mfg Christian

P.S.:Ferdinand: Der 9-fach Kranz ist per Post an Dich unterwegs.

 

 

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