Interview-Meindl.Georg (4.Dan.Aikikai)

· Georg Meindl (4.Dan.Aikikai) geboren 1957 ist Besitzer des Aikido-Dojos-Steingasse in Linz und Aikido-Trainer beim ASKÖ. Sehr geehrter Herr Meindl, lassen Sie uns die Lehrer des chinesischen Tai Chi Chuan, ihnen großen Dank aussprechen, dafür das Sie uns in ihrem Dojo aufgenommen haben. Es ist für uns eine große Ehre in ihrem Dojo Tai Chi Chuan üben zu dürfen und wir freuen uns ganz besonders das unsere beiden Schulen in Zukunft den Budo miteinander in einem Dojo ausüben werden......

· Herr Meindl, erzählen Sie uns. Wie haben Sie mit dem Training des Aikido begonnen.

A: Vor 20 Jahren während meines Präsenzdienstes hatte ich mit einem Kameraden eine Auseinandersetzung.Dieser Konflikt der zwischen uns entstanden war, wurde mit Fäusten ausgetragen. Unter den Beobachtern war auch ein Kamerad der Aikidoka war. Nach dem Kampf sprach er mich an und machte mir den Vorschlag mit dem Aikidotrainnig zu beginnen. Meine Antwort darauf war:"Ich weiß wie man kämpft, wozu sollte ich in einer Schule lernen wie man richtig kämpft, wenn ich diesen Kampf doch sehr verabscheue"

· Was war dann das besondere Motiv mit dem Aikido zu beginnen.

A: Die Antwort des Aikidoka: "Aikido hat mit Kampf nichts zu tun!" Ich begann dann auch sofort nach dem Präsenzdienst mit dem Aikidotraining und bemerkte sehr bald das die "Essenz" des Aikido "das Nicht-Kämpfen" ist.

· Wie sah ihr erstes Training aus, konnten Sie sofort mit dem "richtigen" Aikido beginnen.

A: Mein erster Eindruck war: "Das alles ist doch Verrückt, diese Kampfkunst kann nicht effizient sein." Dennoch dieser Eindruck täuscht. Nach jahrelangem Training beginnt man langsam zu verstehen, dass darin die Schwertkunst verborgen ist.Man beginnt zu verstehen das Aikido eine der effizientesten Kampfkünste überhaupt ist. Ich bin dennoch froh darüber das dieses Gehemniss darin so versteckt ist, dass man es nicht sofort auf den ersten Blick erkennt. Warum sollte man es sofort erkennen können! Das Prinzip ist immer das gleiche "das Nichtgezogene Schwert". Allerdings muss man zuerst ein Schwert besitzen. Es nutzlos sich einer Gewalt in den Weg zu stellen ohne ein Schwert zu besitzen. ·

Gab es für Sie so etwas wie eine ganz besonders schwierige Zeit, die Sie überwinden mussten in ihrem bisherigen Werdegang.

A: Ja! Es gab da einige Phasen! Am Beginn mit dem Aikido gibt es die Begeisterung, diese Phase dauert in der Regel drei Jahre lang. Bei manchen dauert diese Phase etwas kürzer, bei anderen aber viel länger. Danach muss sich jeder entscheiden, ob er Budoka wird oder nicht. Diesen Weg zu gehen ist keine leichte Angelegenheit. Diese Entscheidung ist nicht leicht, denn sie verlangt von ihnen eine klare Antwort. Möchten sie den Budo studieren oder Tennis spielen. In unserer Gesellschaft ist es so das man sich , an etwas das man regelmäßig konsumiert hat, sehr bald gewöhnt . Damit beginnt die Begeisterung zu verschwinden. Wenn diese Begeisterung nicht mehr da ist, macht man ganz einfach einen Wechsel, man wechselt den Job, man lässt sich scheiden........Ich beschloss damals nicht zu wechseln. Ich habe den Spieß umgedreht und wollte wissen, was passiert, wenn ich auch nach diesen drei Jahren, ganz einfach mit Aikido weiter mache. So bin ich ein Budoka geworden.

· Wäre der O Sensei noch am Leben, ( Für die Leser des TaiChiOnline@InsideMagazine, der Begründer des Aikido Morihei Ueshiba), welche Frage würde Sie ihm stellen.

A: Meine Frage an ihn wäre, ob er sich nicht im grabe umdrehen würde, wenn er beobachten könnte, was wir auf der Welt so treiben.

· Manche behaupten der O Sensei sei ein freundlicher alter Herr gewesen, auf den Photos aus seiner Jugend erweckt er den Anschein als wäre er sehr streng gewesen. Was ist ihre Meinung dazu.

A: Der O Sensei war dafür berühmt das er bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr nicht Aikido, sondern Aikibudo unterrichtet hatte. Erst danach wurde Aikido von ihm entwickelt. Er war einer der berühmtesten Budokas in Japan. Er wurde sogar vom Teno (vom Kaiser) besucht, er war und ist ein Kulturdenkmal in Japan, sonst hätte er wohl kaum diese Schule des Aikido gründen können. Wenn man Aikido betreibt kann versuchen den gleichen Weg wie Ueshiba zu gehen, also zuerst lernen ein Kämpfer zu sein. Der O Sensei hatte eines Tages sein "satori", seine Erleuchtung, wie er es nannte, darin gefunden, als er begriffen hatte, dass wenn du der Stärkste sein möchtest, du den falschen Weg gehst. Soviel zu seiner Entwicklung......Ist dieser Lebensweg nicht auch heute noch nachvollziehbar, wenn wir den Lebensweg von Tada Sensei, Chiba Sensei oder auch unseren eigenen Lebensweg betrachten. Es ist jedem frei überlassen, welchen Weg er gehen möchte......... man kann zuerst versuchen "unbesiegbar" zu werden, wenn man aber danach begreift das dass der falsche Weg ist, so war auch dieser Weg nicht umsonst gewesen.Dann hat eine Transformation stattgefunden.

· Herr Meindl, was ist Aikido

A: Aikido ist ein Budo. Budo bedeutet "miteinander" Leben. Man kann aber nicht miteinander leben, ohne das man sich gegenseitig nichts zu sagen hat. Genauso wenig kann man miteinander leben, wenn man ununterbrochen gegeneinader kämpft. Die Devise lautet, leben und leben lassen und sich am Leben erfreuen. Und es geht noch weiter; es gibt irgendwo ein Tor, dass man durchschreiten kann und man gelangt dann zur Essenz des Lebens. Dieses Tor zu durchschreiten ist der Weg des Budo.

· Kann man sagen. Aikido ist die Suche nach dem perfekten im Menschen.

A: Es ist die Suche nach dem göttlichen im Menschen.

· Was ist der Philosophische Ansatz im Aikido

A: Alles was ich bisher über den Budo erzählt habe. Die Suche nach der Essenz des Lebens. Es gibt so viele Kampfsportarten die sind eigentlich nur praktisch orientiert. Sie unterrichten nur "ujutsu", das Mittel zum Zweck. Da geht es nur um eine Frage:"Wie kann ich den Anderen besiegen?". Das ist auch eine Möglichkeit sein Leben zu gestalten. Jedem ist es frei überlassen ob er die Dinge hinterfragt oder nicht und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Man kann einfach nur Leben! Aber unterscheiden wir uns in diesem Fall von den Tieren. Fressen, Sterben, ein Leben ohne Liebe ist das alles?

· Können sie uns mehr über das KI (in China Chi) erzählen

A: Das KI (Chi) ist die Göttlichkeit! Wenn Sie ihren Arm heben, benötigen Sie dafür KI- Lebenskraft! Es ist nicht nur die rohe Muskelmasse die einen Arm hebt. Denn wenn der Mensch stirbt, kann er den Arm nicht heben, obwohl die gleiche Muskelmasse auch einige Zeit danach noch immer vorhanden ist. Die Christen sagen dazu Seele. Es gibt soviel verschiedene Bezeichnungen und Definitionen für diese Lebenskraft. Jede Religion, jede philosophische Richtung hat ihre eigene Erklärung dafür. Es geht hier aber weder um Religion oder Philosophie und es geht auch nicht um Erklärungen !. Es geht hier vielmehr um das "Sehen". Ich glaube nicht an Gott, ich sehe das Göttliche. Wenn man das göttliche sieht, dann kann man auch von ihm lernen.

· Wie wichtig ist der Budo als Weg der inneren Transformation im Aikido.

A: Diese Transformation geschieht nicht von heute auf morgen. Alles passiert in Etappen und dazwischen ist viel Arbeit zu verrichten. Ein Lehrer sagte einmal zu mir.Du musst sieben Jahre Aikido üben um zu vergessen, dass du einmal kämpfen gelernt hast. Dann musst du sieben Jahre vergehen lassen, damit diese Erkentniss auf dich einwirken kann. Erst danach fängst du mit dem eigentlichen Üben des Aikido an.

· Dieses Üben geht ohne Lehrer nicht

A: Das ist schwer! Es ist auch sehr schwer einen guten Lehrer zu finden. Es gibt so etwas wie eine wechselseitige Beziehung zwischen dem Lehrer und dem Schüler. Der Lehrer kann sich ohne Schüler nicht weiterentwickeln. Man sagt "onegaishi mas" am Beginn der Übung, "lass mich bitte von dir lernen". Sie sehen auch der Lehrer ist ein Schüler. Ist für Sie ein Guter Lehrer der nur lenkt oder jener Lehrer der die Schüler mit starren Regeln unter Kontrolle hält.........soweit ich diese Lehre verstanden habe, geht es im Wesentlichen darum das ich als Lehrer meinen Schüler soweit bringen muss, dass er am Ende, Selbständig ist. Was bedeutet der Schüler muss eines Tages von mir Unabhängig werden. Man darf seinen Lehrer nicht bis in die Ewigkeit kopieren. Das Einzige was ich ihm anbieten kann, ist dass was jeder Vater seinem Kind anbieten kann. Ich kann ihm helfen, damit auch er, eines Tages das Nest verlassen kann.

· Der O-Sensei sagte ichi go ichi e, was soviel bedeutet, man muss die Techniken immer wieder so ausführen als wäre es unser erstes und gleichzeitig unser letztes Mal.Warum all diese Perfektion, wenn es keinen Kampf gibt.

A: Richtig! Das ist das Alpha und dass Omega. Kampfkunst, ein Begriff der schon immer mit der gleichen Reihenfolge der Buchstaben niedergeschrieben wird und dennoch sehr oft, insbesondere hier im Westen, falsch verstanden wird. Was ist eine Kunst! Lassen Sie mich das an einem Beispiel des Samurai erklären. Wenn man ihn damals in einen Kampf entsandte und zu ihm sagte:"Das ist dein letzter Kampf. Führe diesen Kampf gut, auch wenn du in diesem Kampf sterben musst!", so könnte man das hier im Westen auch falsch verstehen. Oder lassen Sie mich das für uns " Westler" mit einem etwas kuriosen Vergleich erklären. Ich bin bei meinen Schülern dafür bekannt, dass ich manches mit "kuriosen" Vergleichen zu erklären versuche (lacht....), angenommen Sie verlieben sich, es kommt zu einer sexuellen Beziehung. Gibt es etwas schöneres als mit einem Partner den man von ganzem Herzen liebt, einen Sexualakt zu genießen. Aber wer von uns denkt daran, dass dieses Erlebnis, obwohl es vielleicht das schönste war, dass wir in unserem Leben erleben durften, víelleicht "das letzte Mal" war. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich denke jetzt nicht unbedingt an die schlimmste Variante. Nein, wie oft ist es passiert das der Partner in der Früh, dass Haus verlassen hat, um nur ganz kurz ein Päckchen Zigaretten zu holen und danach nie zurückgekehert ist....(lacht), wir können also nur im nachhinein sagen, es war nicht unser letztes Mal. Wenn man eine Sache verrichtet, gleichgültig was immer es ist, muss man Sie mit dieser Einstellung verrichten. Nur so wird die "Spannung" aufrecht erhalten, nur so kann daraus etwas werden. ·

Bedeutet der Budo für Sie, immer wieder eine neue Chance geben

A: Es muss eine neue Chance geben! Wenn ich nicht dazu bereit eine neue Chance zu geben, dann gehe ich den falschen Weg. Das Leben gibt uns immer wieder eine neue Chance. Ich bin 43 Jahre alt, kein so hohes Alter, wenn man bedenkt das die durchschnittliche Lebenserwartung bei 80 Jahren liegt. Dennoch sind viele meiner Freunde heute nicht mehr am Leben. Ich bin 18.000 Kilometer durch die Sahara gestoppt, ich war in Guatemala während des Bürgerkrieges. Ich habe das alles nicht deswegen überlebt, weil ich so gut bin. Das Leben hat mir immer wieder eine neue Chance geboten. Es ist nun einmal nicht alles rosig und das Leben kann einem auch so manche Falle stellen. Um durch diese Fallen gehen zu können benötigt man sehr viel Glück. Ich hatte bisher immer wieder Glück. Wenn ein Soldat sein heim verlässt um in einen Krieg zu ziehen, ist er fest davon überzeugt, dass "ER" mit Sicherheit überleben wird. Ich sage, dass ist ein großer Irrtum. In diesem Fall kann man nie wissen ob man überleben wird.

· Der Gegensatz zum Budo ist der Wettkampf. Sind Sie der Meinung das es im Wettkampf so etwas wie "eine neue Chance geben" nicht gibt?

A: Absolut! Nach dem Prinzip des Schwertes, ist ein Kampf dann zu Ende, wenn einer der Kämpfer tot ist. Hier gibt es keine neue Chance. Wenn ich den Budo gehe, dann habe ich jeden Tag einen sogenannten "shiai", ich muss jeden Tag mit dem eigenen Ego kämpfen und das Schwert stecken lassen. Wenn das Schwert nicht gezogen wird hat der Andere eine Chance.

· Bedeutet das dass die Techniken des Aikido nur dazu da sind um die Veränderungen im menschlichen Körper zu unterstützen

A: Es ist immer sehr schwierig diese Dinge zu definieren. Definitionen können, obwohl wir hier im Westen darauf schwören, auch sehr oft Verwirrung in unser Leben bringen. Man hört ein Wort und es wird sofort verschieden ausgelegt, ganz speziell im Japanischen. Dennoch für mich gibt es keinen Unterschied zwischen dem Geist und dem Körper. Diese Veränderung, wenn Sie einmal passiert, hat ihre Auswirkungen, sowohl auf den Geist als auch auf den Körper. Das KI.......lassen Sie mich noch einmal auf mein Verständnis über die Göttlichkeit zurückkommen. Die Gnostiker (griech.Verfasser von Sinn-Denksprüchen) sagen dazu:"Gott ist nicht Gott geworden um Gott zu sein." Das Göttliche ist so Groß, es ist nicht damit abgetan, wenn wir es auf unser menschliches Nivoau herabziehen und mit für unser menschliches Denkvermögen kompatiblen Definitionen zu erklären versuchen. Göttliche Prinzipien kann man sehen, wenn man sie nicht sieht, dann hat man sie nicht verstanden. Heute gibt es Bücher und Bücher über das KI, wenn man in der Lage wäre alle Bibliotheken danach abzusuchen und sie lesen würde, wäre das alles Sinnlos, wenn man es nicht verstanden hat.

· Was verändert sich im menschlichen Körper, wenn er all diese Techniken perfekt ausführt.

A: Zuerst verändert sich der menschliche Geist. Durch die Veränderung des Geistes kommt es zu einer Veränderung im Körper.Es gibt nun einmal diese Wechselbeziehung und es passiert nicht mehr und nicht weniger.

· Glauben sie das Aikido positiven Einfluss auf die Gesundheit des Menschen hat

A: Ja und Nein! Es ist so, wenn man gutes Aikido betreibt kann kein Schaden entstehen. Wenn sie ein wenig beobachtet, wie so manche unserer Lehrer, die zum Teil schon über achtzig sind, auf der Matte agieren, werden sie feststellen können das diese "alte Herren" noch immer agiler sind als so manche Aikidokas im Teenageralter. Wenn man die Techniken falsch macht kann es nicht gut sein. Sehr viele Lehrer bedauern jene Zeit als es falsch gemacht haben. Der O Sensei selbst ist nicht sehr alt geworden ( in Japan ist achtzig kein hohes Alter.) Er sagte einmal, das er seinen größten Fehler begangen hatte als er einmal an einem Salzwasser-Trinkwettbewerb teilnahm. Soweit mir bekannt ist, starb der O Sensei an einem Nierenversagen. Dieser Fehler in seiner Jugend hat ihm wohl nicht sonderlich gut getan.

· In den vergangenen Jahre haben Sie an sehr vielen Seminaren teilgenommen.Können Sie uns sagen wer von den Sensei am meisten Eindruck auf Sie hinterlassen hat.

A: Na ja, jeder Senesei betont ein besonders Detail, dass ihn in seinem Lebensweg geprägt hat. Um nur einige wenige hervorzuheben, z.b hat Tada Sensei sehr großen Eindruck auf mich hinterlassen. Er ist nun knapp über siebzig und es ist immer wieder eine Wohltat, ihm dabei zuzusehen, mit welcher Energie und Charm, er unsere jungen Aikidokas unterrichtet. Oder, Tamura Sensei, der das ultimative Schwert betont. Es gibt über jeden der Sensei etwas zu erzählen...........

· Können sie uns etwas über Ikeda Sensei erzählen.

A: Ikeda Sensei ist der einzige mir bekannte Lehrer der ein Unterrichtssystem entwickelt hat dass für uns Europäer leichter zu verstehen ist. Sie müssen wissen die japanische Lehrmethode ist nach wie vor Unterricht ohne Worte! Man kopiert seinen Lehrer, dadurch das man ihn kopiert ist man gezwungen sich mit der Technik auseinander zusetzen, um verstehen zu können. Das ist nichteinmal so schlecht, aber der Westler braucht das Wort, ohne Erklärung geht bei uns nichts. Das ist auch der Grund dafür das mein Unterrichtssystem an jenes von Ikeda Sensei angeknüpft ist.

· Shihan Chiba Kazuo (8.Dan Aikikai) erzählte in einem Interview über seine etwas seltsame Begegnung mit dem chinesischen Tai Chi Meister Wang in Taiwan. Demnach bat ihn Meister Wang ihm ein paar Aikido Techniken zu demonstrieren. Was der Shihan sofort als eine "Herausforderung" zu einem Kampf aufgefasst hatte. Wang nahm die Position eines Sumoringers ein und hielt seine Arme ausgestreckt. Es vergingen einige Minuten und es geschah nichts. Dann wollte ihn Meister Wang stoßen und der Shihan machte einen tai sabaki (ausweichen mit dem Körper) und führte einen kote gaeshi (eine Technik am Handgelenk) aus, man hörte ein Krachen der Gelenke des chinesischen Meisters. Obwohl er scheinbar Verletzt war, versetzte ihm Meister Wang dennoch einen Stoß und der Shihan wurde auf eine Weise wie er sie noch nie bisher erlebt hatte, weggestoßen. Der Kampf wurde erst durch das Einschreiten einiger Schüler unter denen einige Aikidokas waren beendet.Was ist ihr Kommentar dazu.

A: Mein Lehrer Ikeda Sensei war der Schüler von Tada Sensei, zwischen den Beiden gab es so etwas wie eine Vater-Sohn Beziehung. Tada Sensei und Chiba Sensei sind die gleiche Generation. Ikeda Sensei hat zwei gebrochene Arme. Einer wurde ihm von Tada Sensei gebrochen und der andere wurde ihm von Chiba Sensei gebrochen. Das alles geschah in einer Zeit als auch sie eine Entwicklung durchgemacht haben und sie waren damals gefürchtete Kämpfer. Ich glaube, nein ich weiß das sich Tada Sensei und auch Chiba Sensei verändert haben. Ich kann nur dazu sagen, sie brechen heute keine Arme mehr, Ikeda Sensei bricht sowieso keine Arme.........(lacht)

· Was denken Sie über Tai Chi Chuan

A: Ich kenne das chinesische Tai Chi Chuan sehr gut. Ich selbst habe Tai Chi Chuan einige Jahre unterrichtet, auch den Yang-Stil..........Ich habe es auch nicht nur als Gesundheitsvorsorge unterrichtet. Tai Chi Chuan ist in erster Linie eine Kampfkunst, was im Westen sehr wenig oder überhaupt nicht bekannt ist. Ich habe meinen Lehrer einmal gefragt, ob den Tai Chi Chuan und Aikido nicht das gleiche sind. Seine Antwort darauf war: "Es ist das Gleiche!". Auch ich denke, das ist dass Gleiche.

· Könnte man sagen das Aikido und Tai Chi Chuan von den gleichen Müttern abstammen und nur die Väter verschieden sind.

A: Nein, ich glaube die Wurzel aller Kampfkünste ist die Gleiche "die Essenz". Der Unterschied ist das jeder Lehrer ein wenig anders unterrichtet, aber die Wurzel kann nur die Eine sein.

· Haben Sie Aikido je außerhalb des Dojo in einem realen Kampf anwenden müssen.

A: Ich unterrichte Aikido nun schon seit zwanzig Jahren. Ich habe Aikido seither nie in einem Kampf anwenden müssen. Ich habe immer den Kampf schon im Vorfeld unterbunden. Das ist der Weg! Ich hoffe das es auch dabei bleibt.

· Gibt es hier in unserer Stadt einen Kampfkünstler den Sie nicht besiegen könnte.

A : Über diese Dinge habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich denke das ist Unwichtig! ·

Könnte man sagen, dass wenn jemand die Kampfkunst des chinesischen Tai Chi Chuan übt dessen Prinzipien die gleichen sind, das "Wu Wei" (nicht handeln) also kein Wettkampf (wenn man es richtig macht), für sie Unbesiegbar ist. So ganz nach dem Motto "Wo kein Angreifer, dort auch kein Sieger"

A: Soweit ich es verstanden habe, geht es nicht darum andere Kampfkünstler zu besiegen oder ihre Schule zu beleidigen. Liegt der Sinn nicht eher darin miteinander Budo ausüben. Ich bin von jenen Schulen sehr enttäuscht die nicht Budo unterrichten, sondern nur den Kampf. Aber so ist das Leben, so ist die Welt, auch sie haben wohl ein Recht dazu. Zur Unbesiegbarkeit, man ist nie Unbesiegbar. Man darf eines nicht vergessen, man braucht um überleben zu können, mehr als eine Kampfkunst. Die Unbesiegbarkeit wird nicht in Wettkämpfen festgestellt. Ein bisher noch nie besiegter Kämpfer braucht nur einmal unachtsam die Strasse zu überqueren, wenn er ein Auto übersieht, hat ihn dieses besiegt. Ich bin kein Kämpfer, ich kämpfe nur für Prinzipien und das ist meine Familie und mein Leben. Wenn eines von diesen beiden bedroht wird, dann werde ich dafür kämpfen, weil ich dafür die Verantwortung zu tragen habe.

· Welche Zukunft sehen Sie für den Aikido in Linz und auf der ganzen Welt.

A: Ich hoffe das wir unseren Teil dazu beitragen können, dass weniger gekämpft wird auf der Welt. Das Leben ist viel zu Wertvoll um es zu zerstören und es ist auch nicht unsere Aufgabe das zu tun.

· Welche Eigenschaft ist ihrer Ansicht die wichtigste die ein Aikidoka ausbilden sollte.

A: ....................die Liebe. Kampfkunst ohne Liebe ist keine Kampfkunst. Wir müssen uns unterscheiden von den Kämpfern, dass sind keine Kampfkünstler. Ich muss mich entscheiden ob ich Budo mache oder nur kämpfe, wenn ich Budo mache, dann ist Liebe ein fester Bestandteil meines Lebens. Wenn ich an Kampf denke, dann muss ich auch sofort daran denken wie viel Leid damit verbunden ist. Sehen sie sich doch Bilder aus Palästina an, weinende Mütter, ein Nonsens.........................

· Am Ende des Interviews möchte ich Sie bitten das Sie uns den "atemi"(Angriff auf einen vitalen Punkt), der auch in den geheimen Schriften des Tai Chi Chuan beschrieben ist, und den Wettkampf im Aikido erklären.

A: Atemi wird im Rahmen von "Ai Utchi" ausgeführt. In diesem Fall gibt es in der Regel ausnahmslos keine Möglichkeit zur Abwehr. Wenn ich "Aiutchi" mache und damit meine ich nicht das Aikido sondern dessen Vorstufe, dann führe ich Atemi aus, während der Gegner zur gleichen Zeit ebenfalls Atemi ausführt. In diesem Moment muss Leben zerstört oder schwer verletzt werden. Das widerspricht Aikido. Im Aikido wird dieser vitale Punkt bedroht, damit der Gegner eine Reaktion macht, damit man eine Aikidotechnik anwenden kann. Von diesen vitalen Punkten gibt es sehr viele, ich kenne keine geheimen vitalen Punkt. Man kann Akutpunktmassage studieren um sein Verständnis dafür zu vertiefen. Wenn man aber einen Angriff gegen einen dieser Punkte durchführt, dann bedarf es nicht einmal der Kraft eines sechsjährigen Kindes, um einen ausgewachsenen Mann, sofort töten zu können. Wenn Sie "Aiutchi" machen, dann sind drei Möglichkeiten vorprogrammiert.Sie haben nur 33,33% Chance das am Ende Sie am Leben bleiben und ihr Gegner nicht. Ihr Gegner hat 33.33% Chance das am Ende Er am Leben bleibt und Sie nicht und es besteht auch noch immer zu 33,33% die Wahrscheinlichkeit das Sie und ihr Gegner am Ende nicht mehr am Leben bleiben. Welche Bank würde ihnen mit 33,33% Sicherheit einen Kredit gewähren?

· Herr Meindl, ich bedanke mich im Namen der Leser des TaiChiOnline@InsideMagazin für die Zeit die Sie uns für dieses Gespräch zur Verfügung gestellt haben............

A: Ich bedanke mich bei Ihnen

28.Aug.2001 (Autorisiertes Interview für das TaiChiOnline@InsideMagazin)

Radanovic.M.Rado