Einleitung zur Intelligent-Design-Theorie.

Markus Rammerstorfer (2003)

 

Ich wurde bereits mehrmals gebeten eine einfache und kurze Einführung zur Intelligent-Design-Theorie zu schreiben und möchte hier versuchen diesen Bitten bestmöglich nachzukommen, auch auf die Gefahr hin, dass einige interessante Punkte unerwähnt bleiben.   

 

Kurzdefinitionen:

 

Intelligent Design: Kennzeichnet i.d.R. einfach die Meinung, dass es in der Natur allgemein und speziell in der Organismenwelt Planung gibt, oder geben könnte. Kennzeichnend für I.D.-Vertreter ist die Auffassung, dass diese Planung in der Natur durch naturwissenschaftliche Methoden prinzipiell nachweisbar ist. I.D.-Vertreter sind ein recht heterogener Mix, man findet hier Menschen mit unterschiedlichsten Weltanschauungen, die sich voll auf die wissenschaftliche Bearbeitung der Frage nach Planung konzentrieren. Intelligent Design ist somit keine Schöpfungslehre, sondern bearbeitet viel grundlegender Fragestellungen. Der Nachweis von Planung in der Natur soll über die Intelligent-Design-Theorie funktionieren, eine Signalerkennungstheorie. Zur Signalerkennung wurden verschiedene Ansätze entwickelt (irreducible complexity; specified complexity) – es geht darum naturalistische Prozesse von Planung zu unterscheiden. Kritiker wenden ein, dass ein derartiges Vorhaben beim heutigen Kenntnisstand über Aufbau&Funktion der Organismenwelt nicht durchführbar ist, oder wenigstens nicht mit ausreichender Sicherheit. Einwände in diese Richtung zeigen auf, dass es – neben dem bestmöglichen Ausschluss naturalistischer Erklärungsversuche des Ursprungs (dieses Procedere nennt sich Störquellenelimination, ein Standard für I.D.-Theorien) – notwendig ist, sich Gedanken darüber zu machen, welche allgemeinen Erwartungen an die biologische Realität auf Basis eines positiven Ergebnisses der eigentlichen I.D.-Theorie formulierbar sind. Das ist eine Vorraussetzung für eine breite Etablierung des Design-Gedankens. Dieser hat in den letzten Jahren starken Auftrieb erhalten, was u.A. eine Konsequenz der ungeahnt komplexen Organisation des Lebens ist, deren Entdeckung in den letzten Jahrzehnten schnell voranging und den Eindruck von Planung zusätzlich nährt. Des weiteren zeichnet sich immer mehr ab, dass die bisherigen naturalistischen Erklärungen für die Lebenserscheinungen nicht annährend das leisten können, was ihnen zugeschrieben wurde und wird.                      

 

Wie funktioniert diese Theorie?

 

Intelligent-Design-Theorien haben die Aufgabe, Fragen nach einem intelligenten Eingreifen oder einer intelligenten Steuerung bei bestimmten Ereignissen und Sachverhalten zu klären. Intelligent-Design-Theorien gehören zum Alltag, sie stellen keine Neukonstruktion im Bereich der Wissenschaft dar, sondern sind bestens bewährt. So versuchen etwa Kriminalinspektoren im Bereich der forensischen Wissenschaften die Todesursache bei verschiedensten Todesfällen zu klären. Der Kriminalbeamte sucht dabei nach Anzeichen für intelligentes Design, d.h. nach Hinweisen, ob der Tod einer Person durch natürliche Umstände oder vorsätzlich herbeigeführt wurde. Wenn Archäologen einen ungewöhnlich geformten Stein ausgraben, so untersuchen sie die Frage, ob diese Form durch natürliche Einflüsse oder durch intelligentes Eingreifen zustande kam – sie untersuchen ganz einfach, ob es typische Spuren gibt, die exklusiv auf Intelligent Design hinweisen. Wie unterscheidet ein Kryptograf eine zufällig entstandene Zeichensequenz von einem geheimen Code? Worauf beruht der Ansatz des SETI-Projekts Signale einer extraterrestrischen Zivilisation zu erkennen? All das beruht in der einen oder anderen Form auf einer Intelligent-Design-Theorie. Das Funktionsprinzip dieser Theorien kann man in einem Satz zusammenfassen: Erkennung von typischen Signalen für Intelligent Design und Überprüfung möglicher natürlicher Ursachen für diese Signale.

Das lässt sich am besten an einem Beispiel illustrieren: Sie finden in ihrem Garten drei Äste, die ein relativ präzises Dreieck ergeben. Aufgrund Ihrer Erfahrung ziehen Sie I.D. in betracht. Da Ihr Garten jedoch von einigen Pitbulls  bewacht wird, und Sie niemanden kennen, der für dieses Zeichen in Frage käme, kommen Sie zu dem Schluss, dass sich diese Anordnung durch Zufall ergab. Wenn diese Äste trotzdem intelligent angeordnet wurden, können Sie es nicht sicher feststellen, bzw. ist der Schluss auf eine natürliche Ursache naheliegender. Tags darauf finden Sie zwei weitere Dreiecke dieser Art, den Zufall allein können Sie nun ausschließen. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:

 

a) In Ihrem Garten ist ein Eindringling unterwegs, welcher die Äste (warum auch immer) zu Dreiecken anordnet.

 

b) In Ihrem Garten herrscht ein Prinzip, welches herabfallende Äste mit Vorliebe zu Dreiecken anordnet.

 

Möglichkeit a) ist sehr naheliegend, zur Sicherheit sollte man auch Möglichkeit b) überprüfen. Nachdem auch dies geschehen ist, und Sie kein solches Prinzip entdecken konnten, können Sie mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit und nach bestem Wissen von Variante a) ausgehen: Die Pitbulls haben versagt und ein intelligenter Designer ist in Ihrem Garten unterwegs.

 

So funktioniert die Intelligent-Design-Theorie und es gibt keinen objektiven Grund, warum man nicht auch die Frage nach dem Ursprung der Lebewesen auf Signale für Intelligent Design untersuchen sollte. Natürlich ist hier die Sache nicht so einfach gelagert, wie im obigen Beispiel:

 

Neben prinzipiellen Vorbehalten gegen I.D. (siehe unten) gibt es auch praktische. Wie kann man in der Natur I.D. erkennen? Bei unbelebten Gegenständen („Ein-Generationen-Systeme“ kurz EGS), etwa einer Pfeilspitze oder Ästen, ist es simpel: Irgendwann ist der Zufall überfordert und es bleibt de facto nur der Schluss auf I.D.. Belebte Systeme reproduzieren sich jedoch („Mehr-Generationen-Systeme“ kurz MGS), hier ist die Sache doch nicht so einfach, oder?

 

Im Prinzip(!) verändert sich nichts: Egal ob EGS oder MGS, der Einwand ist in obigen Beispiel schon berücksichtigt, nur wurde hier unter b) ganz allgemein von einem „Prinzip“ gesprochen, was den Vorteil hat, dass diese Formulierung sowohl auf EGS und MGS angewandt werden kann. MGS oder nicht MGS ist zunächst nicht wichtig, schließlich könnte es auch der Technik bald gelingen MGS zu erzeugen – durch intelligentes Design. Wichtig wird der Faktor MGS erst im Zusammenhang mit Theorien, die auf dieser Basis (MGS) Signale für I.D. als Illusion entlarven könn(t)en. Diesen Anspruch (der Entlarvung) erheben heute diverse Evolutionstheorien, am bekanntesten und renommiertesten ist die Synthetische Evolutionstheorie. Das Funktionsprinzip ist, vereinfacht gesagt, folgendes: Man erweitert die MGS um die Faktoren Mutation und Selektion und meint so ein Prinzip zu haben, dass Systeme produziert, die man ansonsten ohne jeden Zweifel als Signale für I.D. werten müsste. Und hier beginnt die hochinteressante Frage, die das Unterthema meiner Homepage bildet: Ist Planung in der Natur Illusion oder Realität? Wie bereits angedeutet: Wären Organismen EGS, so gäbe es keine Alternative zu I.D.. Daran ändert auch die Tatsache, das Organismen als MGS funktionieren, noch gar nichts, im Gegenteil: Reproduktion ist selber ein hochkomplex organisierter Vorgang, der allenfalls als weiterer Hinweis auf I.D. dienen könnte. Erst die Entwicklung von Theorien, wie etwa der Synthetischen Evolutionstheorie, die die Eigenschaft „MGS“ als Plattform benutzen um die Entstehung der Organismen ohne Planmäßigkeit zu erklären, stellen den Schluss auf I.D. überhaupt ernsthaft zur Debatte.

 

Das ist der Kernpunkt der I.D.-Debatte. Wie kann man nun die Frage klären, ob die Signale für I.D. Illusion sind oder nicht?

 

In diesem Punkt sind alle Theorien zur Signalerkennung gleich: Um wirklich sicher festzustellen, dass etwas intelligent designed ist, muss man andere Möglichkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen können. Dies ist das Lebenselixier jeder  Theorie, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, zwischen intelligentem Eingreifen und natürlichen Prozessen zu unterscheiden. Es reicht nämlich nicht, einfach aufgrund der eigenen Erfahrung zu behaupten, diese und jene Struktur müsse wohl Produkt eines intelligenten Eingriffs sein. Zwar ist die menschliche Erfahrung in diesem Bereich ein recht guter Ratgeber, jedenfalls was Alltagssituationen angeht, wo wir schon klar wissen was Zufall und Naturgesetze leisten und was definitiv nicht, aber bei so einer wichtigen Frage, wie etwa dem Ursprung der Lebewesen reicht Erfahrung alleine sicher nicht. Der menschlichen Erfahrung kommt zwar auch hier eine wichtige Rolle zu, denn wenn der Verdachtsmoment „I.D.!?“ fehlt, wird man auch nicht auf die Idee kommen hier weiter zu forschen, aber damit ist es nicht getan: Man muss in jedem Fall die Möglichkeit von Prinzipien erforschen, die solche „Signale für I.D.“ eventuell erzeugen könnten. Ich nenne das die Suche nach „Störquellen“. Im Falle des SETI-Projekts stünden etwa andere, terrestrische Quellen, für Intelligent Design zur Untersuchung. Waren irdische Satelliten für das (vermeintliche) Signal einer fremden Zivilisation verantwortlich? Gibt es sonstige „Störquellen“?

Im Falle der biologischen Ursprungsfrage ist damit das Descent-with-modification-Prinzip gemeint, welches nach gängiger Meinung für die Planmäßigkeit der biologischen Systeme verantwortlich ist (, die somit zur Illusion wird).

 

Dieses Prinzip, bzw. seine Reichweite muss also wissenschaftlich genau überprüft werden, um festzustellen wo I.D. vorliegt und wo nicht. Man kann somit sagen, dass Evolutionstheorien nichts anderes sind als „Störquellen“, die möglicherweise Signale für I.D. verfälschen. Ich wiederhole es hier noch einmal, weil dieser Punkt immer wieder zu Missverständnissen führt: Der Ausschlussversuch von eventuellen natürlichen Ursachen für I.D., ist das Herzstück jeder Signalerkennungstheorie. An diesem Punkt zeigt sich dann, ob der Verdachtsmoment – der ja Auslöser für den I.D.-Check ist – berechtigt ist, oder fallengelassen werden kann.  In manchen Fällen lässt sich auch keine eindeutige Feststellung treffen, etwa weil zuwenig Datenmaterial vorhanden ist. Zuwenig Datenmaterial ist in unserem Fall sicher nicht vorhanden, allein die Erkenntnisse zu Aufbau und Funktion der Organismenwelt füllen schon Bibliotheken, auch wenn die offenen Fragen noch gewaltig sind. Das Problem für ein möglichst abschließendes Urteil in der I.D.-Frage, sind allerdings genau diese „offenen Fragen“. Denn Kritiker weisen darauf hin – nachdem evolutionäre Ansätze in Richtung Makroevolution, wie sie z.B. von der Synthetischen Evolutionstheorie geboten werden, recht effektiv und gründlich kritisiert werden können und auch der Fossilbericht kein endgültiges Urteil erlaubt (vergl.[3]) -, dass diese recht beachtlichen Lücken im Wissen um Aufbau&Funktion der Lebewesen, Ansatzpunkte für neue und weitreichende naturalistische Theorien liefern könnten, die Anzeichen für I.D. eben nur vorgaukeln. Dieser Einwand ist berechtigt, aber im Prinzip nicht neu. Sofern man in der Wissenschaft keine dogmatischen Züge annehmen möchte, muss man davon ausgehen, dass unser Wissen nur vorläufig ist, d.h. das zukünftige Forschungen und Beobachtungen prinzipiell alte Theorien und Auffassungen widerlegen oder relativieren können. Das gilt auch für die Intelligent-Design-Theorie. Es kann prinzipiell sein, dass sich die Signale für I.D. „in Rauch auflösen“, aber ich frage mich, was darauf hindeuten könnte. Zur Zeit sieht es so aus, als würde die Tendenz stark in die Gegenrichtung zeigen: Nicht umsonst begrüßen I.D.-Vertreter möglichst genaue und umfangreiche Daten zu Aufbau&Funktion der Natur, da nur so neue Signale für I.D. erfasst werden können und naturalistische Vorstellungen („Störquellen“) zum Ursprung dieser Signale kritisiert und widerlegt werden können. Trotzdem bleibt der Einwand der „offenen Fragen“ bestehen und es gibt nur eine Möglichkeit ihn wirklich zu entkräften: Die Aufklärung dieser offenen Fragen - soweit dies möglich ist. Da es I.D.–Theoretikern nur auf diesem Weg möglich ist, ihre Theorie zu sichern (also die Möglichkeit von naturalistischen Störquellen auszuschließen), werden sie mit ihren Kollegen weiter naturalistisch in der Natur forschen (ohne diesen Naturalismus auf die Ursprungsfrage auszudehnen) und somit zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Daraus resultieren zwei interessante Aspekte:

 

1) Ist damit die oft vorgetragene Feststellung, I.D. sei erkenntnisfeindlich, da es auf alle Fragen sofort eine Antwort parat habe, hinfällig. Im Gegenteil bietet die I.D.-T. einen starken Anreiz zur Erforschung der Natur, weil eine Sicherung dieser Theorie nur über diesen Weg möglich ist.

 

2) Resultiert aus genau diesem Punkt eine Frage: „Wunderbar, aber wenn auch die I.D.-Theorie eine naturalistische Erforschung der Natur anstrebt, wo liegt dann der Vorteil dieser Theorie? Wo liegt der Unterschied, was macht I.D. besser als andere Ansätze?“

 

I.D. ist mit dem Datenmaterial der Gegenwart kompatibel und muss natürlichen Prozessen grundsätzlich nicht mehr zutrauen als diese – nach gegenwärtigem Wissen – leisten können, weil immerhin die Denkmöglichkeit eines intelligenten Eingriffs in den Raum gestellt wird. (Man denke z.B. an die Entstehung des Lebens.) Die Überprüfung und Sicherung dieser Denkmöglichkeit, dieses Verdachtes auf I.D., führt schließlich – wie oben geschildert – zum Erkenntnisfortschritt. Hier liegen ebenfalls einige Vorteile des I.D.-Ansatzes, gegenüber anderen Theorien, was ich einmal wie folgt geschildert habe:

 

Zudem ist der Segen solch evolutionistischer Erklärungen durchaus anzuzweifeln: Gerade wurde der Punkt Atavismen andiskutiert, wo sich immer mehr abzeichnet, dass man der Forschung nach einer echten funktionalen Erklärung den Vorzug geben sollte, anstatt vorschnell evolutionistische Interpretationen zu forcieren. So stellt sich z.B. die Frage, was die Interpretation von nicht erblichen Hautanhängen im unteren Rückenbereich als „Schwanz“, an Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft bringt. (STORCH, WELSCH, WINK 2001 [10]) Im Gegensatz dazu weist eine funktionale Erklärung wie sie von JUNKER (2002) vorgenommen wird, den Weg zu einem tiefergehenden Verständnis solcher Missbildungen.

Ganz ähnlich sieht die Lage im Bereich der „Rekapitulationen in der menschlichen Ontogenese“ aus, hier wurden und werden verschiedenen Phasen der Ontogenese als Rekapitulationen von früheren Phasen der Phylogenese gedeutet. Diese vorschnellen Interpretationen im Rahmen des biogenetischen Grundgesetzes (heute: Grundregel) stehen einem funktionalen Verständnis der Abläufe in der Ontogenese entgegen, KAHLE (1999) konstatiert:

„Das „Biogenetische Grundgesetz“ scheint zu einem großen Teil ein Produkt evolutionistischer Fehlinterpretationen zu sein. Blechschmidt hat es aufgrund seiner jahrelangen humanembryologischen Forschungen sogar als „katastrophalen Irrtum in der Geschichte  der Naturwissenschaften“ bezeichnet.“ [11]

Eine weitere, der Wissenschaft abträgliche, Sonderbarkeit evolutionistischer Erklärungen ist es, Systeme in der Natur als fehlerhaft zu deklarieren (KUTSCHERA 2001 [12]) wobei noch nicht einmal ein vollständiges Verständnis der kritisierten Strukturen und Sachverhalte besteht. (RAMMERSTORFER 2003 [13])

DEMBSKI (1999 [15]) bringt es in Zusammenhang mit dem Fall der sogenannten „Junk-DNA“ auf den Punkt:

„For instance, in a 1997 issue of the Journal of Theoretical Biology, John Bodnar and his colleagues describe how „non-coding DNA in eukaryontic genomes encodes a language which programs organismal growth and development. Design encourages scientists to look for function where evolution discourages it.“

 

(Das soll nicht heißen, dass die I.D.-T. die Möglichkeit von Fehlern ausschließt, nur ist die Herangehensweise wesentlich wissenschaftsfreundlicher.)

 

Diese und andere Beispiele lassen Zweifel am wissenschaftlichen Wert evolutionstheoretischer Interpretationen aufkommen. Aber wie sieht es mit dem der Intelligent-Design-Theorie aus? Welche wissenschaftlich wertvollen Anreize bietet sie?

 

Die Intelligent-Design-Theorie wünscht in Bezug auf die gerade kritisierten Punkte ein absolut vollständiges Bild über die zugrundeliegende genetische und entwicklungsphysiologische Situation. Dadurch erhofft man sich a) eine Entkräftung evolutionstheoretischer Interpretationen und b) einen massiven Erkenntnisgewinn.

Wie JUNKER&SCHERER (2001) anhand der Entkräftung der im Rahmen des biogenetischen Grundgesetzes getätigten Interpretationen zeigen, geht Punkt a) oft mit Punkt b) einher. Es ist ein generelles Anliegen der I.D.-Theorie, eine maximale Erkenntnis über Funktion und Aufbau der Natur zu erhalten, da nur so neue Design-Signale entdeckt werden können. Aus der Fülle der Design-Signale erhofft man schließlich, Rückschlüsse auf den Designer selbst ziehen zu können.

Weitere Forschungsanreize beruhen auf der Frage, wo genau die Grenzen der Variabilität der Arten liegen, d.h. in der experimentellen Evolutionsforschung würde sich das Augenmerk verändern.**

Das beinhaltet etwa auch die Frage nach programmierter Variabilität. Gibt es ein Variations-Programm, wie sieht es aus, welche Vorhersagen lassen sich auf Basis der Kenntnis dieses Programms in Bezug auf das Auftreten von Varietäten tätigen? Etc.

 

Es zeigt sich also, dass man mit der Intelligent-Design-Theorie nicht am Ende der Wissenschaft angekommen ist, da die I.D.-Theorie zwar eine Antwort auf den Ursprung der Organismenwelt gibt, dabei aber keine Fragen nach Funktion und Aufbau der Natur beantwortet, da sie nur auf den Ursprung bezogen ist.

 

Nun mag konsequenterweise noch folgende Frage gestellt werden:

„Woher will der Intelligent-Design-Theoretiker wissen, wo die Frage nach Funktion&Aufbau der Natur endet und die Frage nach dem Ursprung beginnt? Könnte nicht gerade die abiotische Synthese primitiven Lebens und dessen Komplexitätsgewinn zu „Funktion&Aufbau“ der Natur gehören? Man sieht, dass die Grenzziehung der I.D.-Vertreter künstlich ist und letztlich doch die Wissenschaft behindert, da man einfach einen Designer postuliert, anstatt eine eventuell mögliche „natürliche“ Entstehung der Organismenwelt zu erforschen.“ 

 

Der Intelligent-Design-Theoretiker ist stets bemüht, genau zu erkennen was „natürliche“ Vorgänge (Sprich ohne intelligentes Eingreifen. Intelligenz, Plan und Geist sind ja nichts „unnatürliches“!) können und was sie eben nicht können. Dabei untersucht er natürlich auch das „Descent-with-modification-Prinzip“, bzw. die Rolle die es in Funktion&Aufbau der Natur spielt. Nur so ist es ihm möglich, klare Signale für Intelligent Design zu erhalten, und – immer nur auf dem gegenwärtigen Stand des Wissens – Störquellen auszuschließen.

Daraus resultiert, dass die Intelligent-Design-Theorie der perfekte Motor für wissenschaftlichen Fortschritt ist: Um sich maximal sicher sein zu können, dass die Signale für Intelligent Design nicht verfälscht werden, ist ein 100% Verständnis der Natur erforderlich. (Vermutlich pure Utopie!) Und in ihrem ständigen Bestreben ihre Theorie zu sichern, werden die Intelligent-Design-Theoretiker für wissenschaftlichen Fortschritt sorgen. (Quellenangaben hier.)

 

Bei der biologischen Ursprungsfrage geht es letztlich darum, welche Faktoren für den Ursprung der Organismenwelt zuständig sind. Und hier würde ein gelungener Nachweis von I.D. im realhistorischen Geschehen das Ursprungs selbst einen ganz entscheidenden Erkenntnisgewinn bedeuten.

Wir wollen ja verstehen, welche Faktoren beim Ursprung der Lebensformen tatsächlich beteiligt waren. Es stellt sich nun die Frage welche Theorie diesen „ganz entscheidenden Erkenntnisgewinn“ ermöglicht. Ist das die I.D.-T., die – obwohl sie naturalistisch funktioniert -, den Gedanken an Planung explizit überprüft? Oder sind es andere naturalistische Forschungsprogramme, deren Grundgedanke es ist, Planung in der Natur letztlich als Illusion zu entlarven? 

Ist es besser, die Grenzen „natürlicher“ Vorgänge zu untersuchen, oder anzunehmen, das „natürliche“ Vorgänge letztlich alles hervorbringen können (und man nur noch nicht weis WIE)?

Ich denke, die Antworten sind einfach zu finden. Es ist besser den Gedanken an Planung (der sich ohnehin massiv aufdrängt) zu untersuchen – und somit die „Grenzen natürlicher Vorgänge“. Damit behält man nämlich sowohl die Möglichkeit eines Irrtums (keine Planung) genauso wie die Möglichkeit eines Erfolgs (Planung) bei. (Man könnte „Irrtum“ und „Erfolg“ freilich auch anders definieren – je nach persönlichem Geschmack.)

 

Ist dies bei anderen Theoriengebäuden zur Ursprungsfrage auch der Fall, oder wird nicht ein Schluss (Planung) a priori ausgeschlossen („Nur naturalistische Erklärungen sind echte Erklärungen.“ Etc.)? 

 

Es stellt sich nun eventuell noch die Frage, ob man mit der I.D.-Theorie der Biologie nicht erhebliche Schwierigkeiten bereitet, da ja immer wieder betont wird, dass gerade die Evolution der sinngebende Faktor der Biologie ist. Interessant ist, was die Evolutionsvertreter Robert Augros und George Stanciu dazu sagen: „Die Behauptung, nichts ergäbe in der Biologie einen Sinn ohne den Bezug auf die Evolution, ist eine tollkühne Übertreibung. Besser wäre es zu sagen, kein Teil der Evolutionslehre sei sinnvoll ohne die übrige Biologie. Ökologie, Ethologie, Anatomie, Physiologie und Molekularbiologie sind nicht nur unabhängig von der Evolution verständlich, sie schaffen vielmehr auch die Grundlagen um die Vergangenheit zu verstehen, die viel weniger gewiß ist.(...) Wir müssen nicht auf eine Evolutionstheorie warten, die die Ökologie, die Physiologie und andere Wissenschaften vom Leben ins rechte Licht rückt. Ganz im Gegenteil, die Evolutionstheorie muß im Lichte dieser Disziplinen beurteilt und interpretiert werden.“ ([4] S.216/217)  

   

                        

Warum wird die Intelligent-Design-Theorie auch auf die biologische Ursprungsfrage angewandt?

 

Zum einem drängt sich der Gedanke an Planung in der Natur förmlich auf, sogar Richard Dawkins - einer der größten Gegner des Gedankens an Planung in der Natur – definiert Biologie wie folgt: „das Studium komplizierter Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden“[1] Es sind also gerade die Entdeckungen der Naturwissenschaft, die eine Untersuchung auf Intelligent Design hin nahe legen.

 

Tatsächlich sind z. B. viele Astronomen und Physiker durch die Betrachtung der Natur, zum Glauben an "a superintellect" (Fred Hoyle) gelangt, auf

welchen „superintellect“ die Entstehung des Universums und des Lebens zurückzuführen sei. Und das häufig sogar entgegen ihrer ursprünglichen Zielsetzung, nämlich die Welt ohne „superintellect“ zu erklären! Das heißt, man kann prinzipiell auch ganz ohne religiöse Vorraussetzungen zum Schluss auf Intelligent Design kommen.

 

Dennoch soll aus der Motivation der meisten Wissenschaftler und Laien, die Natur auf Signale von Intelligent Design zu untersuchen, kein Geheimnis gemacht werden: Viele glauben an einen Gott, der das Universum und die Lebewesen „designed“ hat. Das ist in den meisten Fällen (soweit mir das bekannt ist) die Motivation für diese Anwendung der I.D.-Theorie, bei mir selbst ist das nicht anders. 

 

Warum wird die Intelligent-Design-Theorie von vielen Kritikern strikt(!) abgelehnt? Man muss dazu wissen, dass es zwei völlig gegensätzliche ideologische Standpunkte gibt: Theismus und Materialismus/Naturalismus. Vertreter der letztgenannten Richtung halten eine Untersuchung auf I.D. für überflüssig, kontraproduktiv oder gar wissenschaftsfeindlich. Nicht weil eine Signalerkennungstheorie wie I.D. das tatsächlich ist - das zeigen allein schon die oben genannten Anwendungsbeispiele - sondern weil diese Kritiker weltanschaulich voreingenommen sind. Ich finde, dass der Genetiker (und Materialist) Richard Lewontin in seiner Rezension von "The Demon Haunted World. Science in the Dark" (Carl Sagan) im "New York Review of Books" vom 9. Jänner 1997, die Sache sehr gut darstellt:

"Unsere Bereitschaft, naturwissenschaftliche Aussagen zu akzeptieren, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen, ist der Schlüssel zu einem Verständnis des wahren Kampfes zwischen Wissenschaft und dem Übernatürlichen. Wir stellen uns auf die Seite der Wissenschaft, trotz der offenkundigen Absurdität einiger ihrer Konstrukte ... trotz der Toleranz der Forschergemeinschaft für unbegründete Storys, weil wir uns von Anfang an dem Materialismus verpflichtet wissen. Es ist nicht so, dass uns die Methoden und Institutionen der Wissenschaft irgendwie dazu bringen würden, eine materielle Erklärung der phäomenalen Welt zu akzeptieren, sondern wir sind im Gegenteil durch unser apriorisches Festhalten an materiellen Ursachen dazu gezwungen, einen Forschungsapparat und Begriffe zu schaffen, die materielle Erklärungen produzieren, ganz gleich wie sehr das der Intuition des nicht Eingeweihten entgegenläuft, ganz gleich, wie rätselhaft es ihm erscheint. Zudem ist dieser Materialismus absolut, denn wir können keinen göttlichen Fuß in der Tür zulassen."

 

Die Intelligent-Design-Theorie bedingt zwar an sich keinen supernaturalistischen Designer, aber sie lässt den Gedanken daran zu, was nicht im Interesse von Menschen ist, die eine Vorentscheidung für den Materialismus getroffen haben.  

 

Halten wir einen wichtigen Punkt fest: Welcher Mensch kann schon für sich proklamieren, dass er weltanschaulich unvoreingenommen handelt? Warum sollte das in der Naturwissenschaft anders sein? Wichtig sind nicht Motivationsfragen, die hinter einer Theorie stecken, sondern die Theorie selbst ist wichtig.

Würde man etwa einen Vertreter der Evolutionstheorien bezichtigen, dass er seinen Theorien nur halten will, weil alles andere seinem (mutmaßlich) materialistischen Weltbild abträglich ist, so würde er zurecht mit den Achseln zucken und sagen: „Ihr Einwand ist letztlich irrelevant, da Sie meine naturwissenschaftliche Argumentation nicht betrifft.“

 

Genauso läuft die Sache auch bei I.D.-Theoretikern: Die (mutmaßlich) theistische Einstellung dieser Menschen berechtigt nicht dazu, ihre Signalerkennungstheorie als „pseudowissenschaftliche Ideologie“ [2] abzustempeln, genauso wie man Evolutionstheorien nicht als Ideologie abtun kann. Das alle Theorien, jedenfalls in der Ursprungsforschung, einen ideologischen Hintergrund haben, lässt sich nicht bestreiten, es ist jedoch nicht möglich, Theorien mit dem Hinweis auf die (mutmaßliche) Motivation zu entkräften.

 

Viele Argumente gegen die I.D.-T. bleiben wirkungslos, da sie diesen Grundsatz nicht beachten.

 

Intelligent Design & Politik.

 

Das Discovery Institut in Seattle, bei dem viele Vertreter der I.D.-T. Mitglieder sind, verfolgt durchaus auch politische Ziele. Mir selbst liegen jegliche Ambitionen in diese Richtung fern und ich distanziere mich ausdrücklich von jeglichen politischen Bestrebungen, die eine Reihe von Vertretern der I.D.-T. verfolgen mögen. Auch hier gilt es wieder wissenschaftliche Theorien von weltanschaulichen und politischen Bestrebungen zu trennen. Die Intelligent-Design-Theorie als solche ist natürlich frei von Politik, genauso wie Darwins Selektionstheorie. Wenn man jedoch die Geschichte letzterer betrachtet, sieht man recht deutlich, wie eine wissenschaftliche Theorie in politische Bestrebungen verwickelt wurde.

 

Ein klassischer (grenzüberschreitender) Einwand.

 

Dieser Einwand geht ca. so: „I.D.-Vertreter argumentieren, dass komplex organisierte Systeme nicht durch naturalistische, nicht-teleologische Prozesse entstehen können. Dabei übersehen sie aber, dass der von ihnen vertretene Designer selbst äußerst komplex beschaffen und genial sein muss, um etwa das Leben zu konzipieren und erschaffen zu können. Damit benötigt er – nach Logik der I.D.-Vertreter – selbst einen Designer...: So landet man in einem unendlichen Regress.“

 

Dieser Einwand berührt eine Signalerkennungstheorie nicht, wenn diese Signale für I.D. feststellt, dann tut sie das ohne Rücksicht auf dadurch eventuell auftretende Rätsel, in Bezug auf den/die Urheber des intelligenten Designs. Mit der Spekulation über die Identität des Designers verlassen wir die I.D.-Theorie (Grenzüberschreitung!), deren Job es ist, Signale für I.D. zu erkennen und zu sichern (Und somit überhaupt eine Basis für Spekulationen über die Identität des/der Designer zu legen.).  Vorher noch ein Punkt: Man könnte obigen Einwand auch kurz fassen, indem man sagt: „Was nicht sein darf, kann nicht sein.“ Das war seit jeher ein etwas unbefriedigendes Argument. Es gilt ferner zu bedenken: Was ist an einem „unendlichen Regress“ so schlimm? Darf man z.B. in der Wissenschaft keine Fragen stellen, weil diese Fragen neue Fragen „gebären“ usw.? Wenn man z.B. die Frage stellt, was die Erde auf ihren Bahnen im All hält, so ist die Antwort: Gravitation! Aber was ist Gravitation genau? Und die Gravitation welches Himmelskörpers hält die Erde auf ihrer Bahn? Welche Gravitationsquelle hält die Sonne auf ihrer Bahn, wodurch wird sie beeinflußt? Etc.etc. Wir können ewig so weiter fragen, mit jeder Antwort kommen neue Fragen, und das ist auf allen Wissensgebieten so. Bedeutet das, es wäre besser, erst gar keine Antworten zu suchen, weil diese ohnehin wieder neue Fragen mit sich bringen? Keinesfalls! Dann ist jedoch zu beachten, dass dies der Kerngedanke des obigen Einwandes ist.     

 

Ob jetzt die Feststellung eines „unendlichen Regresses“ zutrifft, hängt von einer wichtigen Voraussetzung ab: Ist der Designer naturalistisch oder supernaturalistisch?

 

Behandeln wir zunächst den Fall eines naturalistischen Designers:

 

In diesem Fall liegt es nahe, eine außerirdische Intelligenz zu postulieren. Wenn das Leben auf der Erde nicht durch naturalistische Prozesse entstehen konnte, welchen Sinn hat es dann, dies auf das Wirken einer außerirdischen Intelligenz zurückzuführen, die doch auch wieder auf eine Intelligenz zurückzuführen ist, weil sie ebenfalls genial-komplex organisiert sein muss, um uns zu schaffen? Das führt in den unendlichen Regress. Allerdings nur auf Basis einiger Voraussetzungen, nämlich das diese außerirdische Intelligenz uns ähnlich ist und den gleichen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, also somit ebenfalls – soweit man das beurteilen kann – nicht naturalistisch entstehen kann. Aus diesen Bedingungen für das Argument des „unendlichen Regresses“ lässt sich auch der Ausweg daraus ableiten: Man könnte spekulieren, dass diese „außerirdische Intelligenz“ so beschaffen ist, dass sie eben doch durch naturalistische Prozesse entstehen konnte und vielleicht am Entstehungsort dieser Intelligenz andere Gesetzmäßigkeiten herrschen, als wir es beobachten können. So kann man den „unendlichen Regress“ vermeiden – theoretisch. Praktisch kann man diesen Ausweg nur benutzen, wenn man zeigen kann, wie denn diese Intelligenz wenigstens im Prinzip beschaffen sein könnte, damit sie selber keinen Designer benötigt, d.h. auf naturalistischen Weg entstehen kann. Auch für das Postulat, dass am Entstehungsort dieser Intelligenz vielleicht „andere Gesetzmäßigkeiten“ herrschen, sollte man konkrete Vorstellungen ins Feld führen können. Solange das nicht der Fall ist, stellt der „unendliche Regress“ für den Glauben an einen naturalistischen Designer ein echtes Problem dar, welches jedoch - wenigstens theoretisch -  nicht unlösbar ist.

 

Nun kommt der Fall eines supernaturalistischen Designers, der also nicht Resultat irgendwelcher naturalistischer Prozesse ist, sondern über der Natur steht und diese geschaffen hat. Hier hat das Argument des „unendlichen Regresses“ keine Basis mehr, da I.D. – Theoretiker zwar wohl die (gut fundierte) Meinung vertreten, dass „komplex organisierte Systeme nicht durch naturalistische, nicht-teleologische Prozesse entstehen können“, aber diese Meinung nur auf die beobachtbare, materielle Welt beziehen können. I.D.-Theoretiker, sagen nur (und begründen), dass diese und jene Struktur auf Planung hindeutet und – nach bestem Wissen – nicht naturalistisch entstehen kann. I.D.-Theoretiker sind somit mit ihren Argumenten, was „komplex organisierte Systeme“ betrifft, an die bekannten Naturgesetze und deren Effekte gebunden, nur darauf lassen sich ihre Argumente -    was z.B. „irreducible complexity“ betrifft – anwenden. Wie können sich Argumente, die eine naturalistische Basis bedingen, auf einen supernaturalistischen Designer beziehen?  Damit ist obiger Einwand, jedenfalls was einen supernaturalistischen Designer betrifft, entkräftet. Er kann aufgrund eines Kategorienfehlers nicht angewandt werden.

 

Nachdem wir nun schon einmal den Bereich der I.D.-Theorie verlassen haben (Grenzüberschreitung!), möchte ich auf einen weiteren Punkt in Bezug auf den „unendlichen Regress“ und einen supernaturalistischen Designer hinweisen: In der christlichen Vorstellung dieses Designers (dort hat er neben seinem Titel „Gott“ übrigens auch einen Namen: Jahwe oder Jehova), geht man davon aus, dass dieser ewig existiert (z.B. Psalm 90:2). Damit erübrigt sich der „unendliche Regress“ automatisch. Freilich ist der Gedanke, dass Gott ewig existiert absolut unfaßbar. Aber dieser unfaßbare Gedanke, nämlich das überhaupt etwas ewig existiert, bleibt niemanden erspart. Selbst wenn man davon ausgehen möchte, dass das Universum aus der Schwankung eines Quantenvakuums spontan entstanden ist, so verschiebt man die ultimative Frage („Warum existiert etwas und nicht vielmehr nichts?“) nur: Selbst ein Quantenvakuum ist nicht nichts, auch wenn der Begriff „Vakuum“ die Vorstellung transportiert, dass nichts da ist. In Wirklichkeit bezeichnet der Begriff Quantenvakuum ein Quantenfeld  in seinem Grund – oder niedrigsten Energiezustand. Ein Quantenvakuum ist also nicht „nichts“, denn damit sich ein Feld in seinem Grundzustand befinden kann, muss es logischerweise zuerst mit seinen Masse-, Energie- u.ä. Eigenschaften existieren. Es stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Ursprung der Gesetze, die ein derartiges Vakuum beherrschen.

Übrigens hatten auch materialistische Wissenschaftler und Philosophen nie ein grundsätzliches Problem damit, Dinge zu akzeptieren, die ewig sind: Vor der Urknalltheorie gab es die Vorstellung eines ewigen Universums – eine Vorstellung die man ungern aufgab. Kitty FERGUSON (2001, [5]) berichtet über die Ablösung dieser Vorstellung: „Als ungeachtet der persönlichen Präferenzen verschiedener Wissenschaftler bewiesen war, daß das Universum sich tatsächlich ausdehnt, legten Herman Bondi, Tom Gold und Fred Hoyle die „Steady-State-Theorie“ vor – eine Erklärung für die Ausdehnung des Universums, die ohne die Annahme auskommt, das Universum habe einen Anfang gehabt. (...) Aus Gründen, die nicht das geringste mit wissenschaftlicher Objektivität zu tun haben, war die Urknall-Theorie eine zu bittere Pille, und manche Forscher wollen sie bis heute nicht schlucken.“

 

Auch wenn die „Steady-State-Theorie“ der Urknalltheorie – und damit der Vorstellung eines Anfangs - unterlag: Warum sollte ein ewiges Universum unfaßbarer sein, als ein ewiger Schöpfer?

 

 

Egal ob man also einen supernaturalistischen Designer mit ein bezieht oder nicht – die ultimative „Unfaßbarkeit“ bleibt! Meiner Meinung nach steigert es die Bilanz der „Unfaßbarkeiten“ allerdings gehörig, wenn man an eine rein naturalistische Entstehung des Universums und der Lebewesen glaubt! 

Weitere Ausführungen zu diesem Thema finden sich bei Herrn Wolf-Ekkehard Lönnig unter http://www.weloennig.de/AesIV4.html#Intelligent  

 

Weiterführende Ausführungen zur I.D.-Theorie, bzw. den Herausforderungen an das I.D.-Konzept: Evolution der Insektenflugsysteme: Von Darwin zu Design.       

 

*Genau das ist ein Punkt, den ich auf meiner Homepage aufzuzeigen versuche.

 

** Ein Punkt den Lönnig (1993) in seiner Artbegriffsarbeit aufgezeigt hat.

 

Literatur:

  

[1] Dawkins 1987: Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus. Kindler S.13    

 

[2] Kutschera 2002: Intelligentes Design und Evolution. biologenheute 6/2002 S.14

 

[3] Z.B.: Junker&Scherer 2001: Evolution – Ein kritisches Lehrbuch. Weyel-Verlag

         

             www.weloennig.de

         

             Behe 1996: Darwin's Black Box. The Biochemical Challenge to Evolution. Simon & Schuster

 

[4] Augros&Stanciu 1991 (Sonderausgabe): Die neue Biologie. Der Umbruch in der Wissenschaft vom Leben – die Wiederentdeckung der Weisheit der Natur. Scherz-Verlag

 

[5] Ferguson 2001: Gott und die Gesetze des Universums. Econ S.117

 

 

 

Ursprungsversion: 30.04.2003

Aktualisiert: 25.03.2004

    © 2003 - 2004 by Markus Rammerstorfer

URL dieses Dokuments: http://members.aon.at/evolution bzw. www.intelligentdesign.de.vu