Einleitung zur Intelligent-Design-Theorie.
Markus Rammerstorfer (2003)
Ich
wurde bereits mehrmals gebeten eine einfache und kurze Einführung
zur Intelligent-Design-Theorie zu schreiben und möchte hier versuchen diesen
Bitten bestmöglich nachzukommen, auch auf die Gefahr hin, dass einige
interessante Punkte unerwähnt bleiben.
Kurzdefinitionen:
Intelligent Design: Kennzeichnet i.d.R. einfach die Meinung, dass es in
der Natur allgemein und speziell in der Organismenwelt Planung gibt, oder geben
könnte. Kennzeichnend für I.D.-Vertreter ist die Auffassung, dass diese Planung
in der Natur durch naturwissenschaftliche Methoden prinzipiell nachweisbar ist.
I.D.-Vertreter sind ein recht heterogener Mix, man findet hier Menschen mit
unterschiedlichsten Weltanschauungen, die sich voll auf die wissenschaftliche
Bearbeitung der Frage nach Planung konzentrieren. Intelligent Design ist
somit keine Schöpfungslehre, sondern bearbeitet viel grundlegender
Fragestellungen. Der Nachweis von Planung in der Natur soll über die Intelligent-Design-Theorie
funktionieren, eine Signalerkennungstheorie. Zur Signalerkennung wurden
verschiedene Ansätze entwickelt (irreducible complexity; specified complexity)
– es geht darum naturalistische Prozesse von Planung zu unterscheiden. Kritiker
wenden ein, dass ein derartiges Vorhaben beim heutigen Kenntnisstand über
Aufbau&Funktion der Organismenwelt nicht durchführbar ist, oder wenigstens
nicht mit ausreichender Sicherheit. Einwände in diese Richtung zeigen auf, dass
es – neben dem bestmöglichen Ausschluss naturalistischer Erklärungsversuche des
Ursprungs (dieses Procedere nennt sich Störquellenelimination, ein Standard für
I.D.-Theorien) – notwendig ist, sich Gedanken darüber zu machen, welche
allgemeinen Erwartungen an die biologische Realität auf Basis eines positiven
Ergebnisses der eigentlichen I.D.-Theorie formulierbar sind. Das ist eine
Vorraussetzung für eine breite Etablierung des Design-Gedankens. Dieser hat in
den letzten Jahren starken Auftrieb erhalten, was u.A. eine Konsequenz der
ungeahnt komplexen Organisation des Lebens ist, deren Entdeckung in den letzten
Jahrzehnten schnell voranging und den Eindruck von Planung zusätzlich nährt.
Des weiteren zeichnet sich immer mehr ab, dass die bisherigen naturalistischen
Erklärungen für die Lebenserscheinungen nicht annährend das leisten können, was
ihnen zugeschrieben wurde und wird.
Wie funktioniert diese Theorie?
Intelligent-Design-Theorien
haben die Aufgabe, Fragen nach einem intelligenten Eingreifen oder einer
intelligenten Steuerung bei bestimmten Ereignissen und Sachverhalten zu klären.
Intelligent-Design-Theorien gehören zum Alltag, sie stellen keine
Neukonstruktion im Bereich der Wissenschaft dar, sondern sind bestens bewährt.
So versuchen etwa Kriminalinspektoren im Bereich der forensischen
Wissenschaften die Todesursache bei verschiedensten Todesfällen zu klären. Der
Kriminalbeamte sucht dabei nach Anzeichen für intelligentes Design, d.h. nach
Hinweisen, ob der Tod einer Person durch natürliche Umstände oder vorsätzlich
herbeigeführt wurde. Wenn Archäologen einen ungewöhnlich geformten Stein
ausgraben, so untersuchen sie die Frage, ob diese Form durch natürliche
Einflüsse oder durch intelligentes Eingreifen zustande kam – sie untersuchen
ganz einfach, ob es typische Spuren gibt, die exklusiv auf Intelligent Design
hinweisen. Wie unterscheidet ein Kryptograf eine zufällig entstandene
Zeichensequenz von einem geheimen Code? Worauf beruht der Ansatz des
SETI-Projekts Signale einer extraterrestrischen Zivilisation zu erkennen? All
das beruht in der einen oder anderen Form auf einer Intelligent-Design-Theorie.
Das Funktionsprinzip dieser Theorien kann man in einem Satz zusammenfassen:
Erkennung von typischen Signalen für Intelligent Design und Überprüfung möglicher
natürlicher Ursachen für diese Signale.
Das lässt sich am besten
an einem Beispiel illustrieren: Sie finden in ihrem Garten drei Äste, die ein
relativ präzises Dreieck ergeben. Aufgrund Ihrer Erfahrung ziehen Sie I.D. in
betracht. Da Ihr Garten jedoch von einigen Pitbulls bewacht wird, und Sie niemanden kennen, der für dieses Zeichen in
Frage käme, kommen Sie zu dem Schluss, dass sich diese Anordnung durch Zufall
ergab. Wenn diese Äste trotzdem intelligent angeordnet wurden, können Sie es
nicht sicher feststellen, bzw. ist der Schluss auf eine natürliche Ursache
naheliegender. Tags darauf finden Sie zwei weitere Dreiecke dieser Art, den
Zufall allein können Sie nun ausschließen. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:
a) In Ihrem Garten ist ein
Eindringling unterwegs, welcher die Äste (warum auch immer) zu Dreiecken
anordnet.
b) In Ihrem Garten
herrscht ein Prinzip, welches herabfallende Äste mit Vorliebe zu Dreiecken
anordnet.
Möglichkeit a) ist sehr naheliegend,
zur Sicherheit sollte man auch Möglichkeit b) überprüfen. Nachdem auch dies
geschehen ist, und Sie kein solches Prinzip entdecken konnten, können Sie mit
größtmöglicher Wahrscheinlichkeit und nach bestem Wissen von Variante a)
ausgehen: Die Pitbulls haben versagt und ein intelligenter Designer ist in
Ihrem Garten unterwegs.
So funktioniert die
Intelligent-Design-Theorie und es gibt keinen objektiven Grund, warum man nicht
auch die Frage nach dem Ursprung der Lebewesen auf Signale für Intelligent
Design untersuchen sollte. Natürlich ist hier die Sache nicht so einfach
gelagert, wie im obigen Beispiel:
Neben prinzipiellen
Vorbehalten gegen I.D. (siehe unten) gibt es auch praktische. Wie kann man in
der Natur I.D. erkennen? Bei unbelebten Gegenständen
(„Ein-Generationen-Systeme“ kurz EGS), etwa einer Pfeilspitze oder Ästen, ist
es simpel: Irgendwann ist der Zufall überfordert und es bleibt de facto
nur der Schluss auf I.D.. Belebte Systeme reproduzieren sich jedoch
(„Mehr-Generationen-Systeme“ kurz MGS), hier ist die Sache doch nicht so
einfach, oder?
Im Prinzip(!) verändert
sich nichts: Egal ob EGS oder MGS, der Einwand ist in obigen Beispiel schon
berücksichtigt, nur wurde hier unter b) ganz allgemein von einem „Prinzip“
gesprochen, was den Vorteil hat, dass diese Formulierung sowohl auf EGS und MGS
angewandt werden kann. MGS oder nicht MGS ist zunächst nicht wichtig,
schließlich könnte es auch der Technik bald gelingen MGS zu erzeugen – durch
intelligentes Design. Wichtig wird der Faktor MGS erst im Zusammenhang mit
Theorien, die auf dieser Basis (MGS) Signale für I.D. als Illusion entlarven
könn(t)en. Diesen Anspruch (der Entlarvung) erheben heute diverse
Evolutionstheorien, am bekanntesten und renommiertesten ist die Synthetische
Evolutionstheorie. Das Funktionsprinzip ist, vereinfacht gesagt,
folgendes: Man erweitert die MGS um die Faktoren Mutation und Selektion und
meint so ein Prinzip zu haben, dass Systeme produziert, die man ansonsten ohne
jeden Zweifel als Signale für I.D. werten müsste. Und hier beginnt die
hochinteressante Frage, die das Unterthema meiner Homepage bildet: Ist Planung
in der Natur Illusion oder Realität? Wie
bereits angedeutet: Wären Organismen EGS, so gäbe es keine Alternative zu I.D..
Daran ändert auch die Tatsache, das Organismen als MGS funktionieren, noch gar
nichts, im Gegenteil: Reproduktion ist selber ein hochkomplex organisierter
Vorgang, der allenfalls als weiterer Hinweis auf I.D. dienen könnte. Erst die
Entwicklung von Theorien, wie etwa der Synthetischen Evolutionstheorie, die die
Eigenschaft „MGS“ als Plattform benutzen um die Entstehung der Organismen ohne
Planmäßigkeit zu erklären, stellen den Schluss auf I.D. überhaupt ernsthaft zur
Debatte.
Das ist der Kernpunkt der
I.D.-Debatte. Wie kann man nun die Frage klären, ob die Signale für I.D.
Illusion sind oder nicht?
In diesem Punkt sind alle
Theorien zur Signalerkennung gleich: Um wirklich sicher festzustellen, dass
etwas intelligent designed ist, muss man andere Möglichkeiten mit hoher
Wahrscheinlichkeit ausschließen können. Dies ist das Lebenselixier jeder Theorie, die sich zur Aufgabe gesetzt hat,
zwischen intelligentem Eingreifen und natürlichen Prozessen zu unterscheiden.
Es reicht nämlich nicht, einfach aufgrund der eigenen Erfahrung zu behaupten, diese
und jene Struktur müsse wohl Produkt eines intelligenten Eingriffs sein. Zwar
ist die menschliche Erfahrung in diesem Bereich ein recht guter Ratgeber,
jedenfalls was Alltagssituationen angeht, wo wir schon klar wissen was Zufall
und Naturgesetze leisten und was definitiv nicht, aber bei so einer wichtigen
Frage, wie etwa dem Ursprung der Lebewesen reicht Erfahrung alleine sicher
nicht. Der menschlichen Erfahrung kommt zwar auch hier eine wichtige Rolle zu,
denn wenn der Verdachtsmoment „I.D.!?“ fehlt, wird man auch nicht auf die Idee
kommen hier weiter zu forschen, aber damit ist es nicht getan: Man muss in
jedem Fall die Möglichkeit von Prinzipien erforschen, die solche „Signale für
I.D.“ eventuell erzeugen könnten. Ich nenne das die Suche nach „Störquellen“.
Im Falle des SETI-Projekts stünden etwa andere, terrestrische Quellen, für
Intelligent Design zur Untersuchung. Waren irdische Satelliten für das
(vermeintliche) Signal einer fremden Zivilisation verantwortlich? Gibt es
sonstige „Störquellen“?
Im Falle der biologischen
Ursprungsfrage ist damit das Descent-with-modification-Prinzip
gemeint, welches nach gängiger Meinung für die Planmäßigkeit der biologischen
Systeme verantwortlich ist (, die somit zur Illusion wird).
Dieses Prinzip, bzw. seine
Reichweite muss also wissenschaftlich genau überprüft werden, um festzustellen
wo I.D. vorliegt und wo nicht. Man kann somit sagen, dass Evolutionstheorien
nichts anderes sind als „Störquellen“, die möglicherweise Signale für I.D.
verfälschen. Ich wiederhole es hier noch einmal, weil dieser Punkt immer wieder
zu Missverständnissen führt: Der Ausschlussversuch von eventuellen natürlichen
Ursachen für I.D., ist das Herzstück jeder
Signalerkennungstheorie. An diesem Punkt zeigt sich dann, ob der
Verdachtsmoment – der ja Auslöser für den I.D.-Check ist – berechtigt ist, oder
fallengelassen werden kann. In manchen
Fällen lässt sich auch keine eindeutige Feststellung treffen, etwa weil zuwenig
Datenmaterial vorhanden ist. Zuwenig Datenmaterial ist in unserem Fall sicher
nicht vorhanden, allein die Erkenntnisse zu Aufbau und Funktion der
Organismenwelt füllen schon Bibliotheken, auch wenn die offenen Fragen noch
gewaltig sind. Das Problem für ein möglichst abschließendes Urteil in der
I.D.-Frage, sind allerdings genau diese „offenen Fragen“. Denn Kritiker weisen
darauf hin – nachdem evolutionäre Ansätze in Richtung Makroevolution, wie sie
z.B. von der Synthetischen Evolutionstheorie geboten werden, recht effektiv und
gründlich kritisiert werden können und auch der Fossilbericht kein endgültiges
Urteil erlaubt (vergl.[3]) -, dass diese recht beachtlichen Lücken im Wissen um
Aufbau&Funktion der Lebewesen, Ansatzpunkte für neue und weitreichende
naturalistische Theorien liefern könnten, die Anzeichen für I.D. eben
nur vorgaukeln. Dieser Einwand ist berechtigt, aber im Prinzip nicht neu.
Sofern man in der Wissenschaft keine dogmatischen Züge annehmen möchte, muss
man davon ausgehen, dass unser Wissen nur vorläufig ist, d.h. das zukünftige
Forschungen und Beobachtungen prinzipiell alte Theorien und Auffassungen
widerlegen oder relativieren können. Das gilt auch für die
Intelligent-Design-Theorie. Es kann prinzipiell sein, dass sich die Signale für
I.D. „in Rauch auflösen“, aber ich frage mich, was darauf hindeuten könnte. Zur
Zeit sieht es so aus, als würde die Tendenz stark in die Gegenrichtung zeigen:
Nicht umsonst begrüßen I.D.-Vertreter möglichst genaue und umfangreiche Daten
zu Aufbau&Funktion der Natur, da nur so neue Signale für I.D. erfasst
werden können und naturalistische Vorstellungen („Störquellen“) zum Ursprung
dieser Signale kritisiert und widerlegt werden können. Trotzdem bleibt der
Einwand der „offenen Fragen“ bestehen und es gibt nur eine Möglichkeit ihn
wirklich zu entkräften: Die Aufklärung dieser offenen Fragen - soweit dies
möglich ist. Da es I.D.–Theoretikern nur auf diesem Weg möglich ist, ihre
Theorie zu sichern (also die Möglichkeit von naturalistischen Störquellen
auszuschließen), werden sie mit ihren Kollegen weiter naturalistisch in der
Natur forschen (ohne diesen Naturalismus auf die Ursprungsfrage auszudehnen)
und somit zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Daraus resultieren zwei
interessante Aspekte:
1) Ist damit die oft
vorgetragene Feststellung, I.D. sei erkenntnisfeindlich, da es auf alle Fragen
sofort eine Antwort parat habe, hinfällig. Im Gegenteil bietet die I.D.-T.
einen starken Anreiz zur Erforschung der Natur, weil eine Sicherung dieser
Theorie nur über diesen Weg möglich ist.
2) Resultiert aus genau
diesem Punkt eine Frage: „Wunderbar, aber wenn auch die I.D.-Theorie eine
naturalistische Erforschung der Natur anstrebt, wo liegt dann der Vorteil
dieser Theorie? Wo liegt der Unterschied, was macht I.D. besser als
andere Ansätze?“
I.D. ist mit dem
Datenmaterial der Gegenwart kompatibel und muss natürlichen Prozessen
grundsätzlich nicht mehr zutrauen als diese – nach gegenwärtigem Wissen –
leisten können, weil immerhin die Denkmöglichkeit eines intelligenten Eingriffs
in den Raum gestellt wird. (Man denke z.B. an die Entstehung des Lebens.) Die
Überprüfung und Sicherung dieser Denkmöglichkeit, dieses Verdachtes auf I.D.,
führt schließlich – wie oben geschildert – zum Erkenntnisfortschritt. Hier
liegen ebenfalls einige Vorteile des I.D.-Ansatzes, gegenüber anderen Theorien,
was ich einmal wie folgt geschildert habe:
Zudem
ist der Segen solch evolutionistischer Erklärungen durchaus anzuzweifeln:
Gerade wurde der Punkt Atavismen andiskutiert, wo sich immer mehr abzeichnet,
dass man der Forschung nach einer echten funktionalen Erklärung den Vorzug
geben sollte, anstatt vorschnell
evolutionistische Interpretationen zu forcieren. So stellt sich z.B. die Frage,
was die Interpretation von nicht erblichen Hautanhängen im unteren Rückenbereich
als „Schwanz“, an Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft bringt. (STORCH,
WELSCH, WINK 2001 [10]) Im Gegensatz dazu weist eine funktionale Erklärung wie
sie von JUNKER (2002) vorgenommen wird, den Weg zu einem tiefergehenden
Verständnis solcher Missbildungen.
Ganz
ähnlich sieht die Lage im Bereich der „Rekapitulationen in der menschlichen
Ontogenese“ aus, hier wurden und werden verschiedenen Phasen der Ontogenese als
Rekapitulationen von früheren Phasen der Phylogenese gedeutet. Diese vorschnellen
Interpretationen im Rahmen des biogenetischen Grundgesetzes (heute: Grundregel)
stehen einem funktionalen Verständnis der Abläufe in der Ontogenese entgegen,
KAHLE (1999) konstatiert:
„Das
„Biogenetische Grundgesetz“ scheint zu einem großen Teil ein Produkt
evolutionistischer Fehlinterpretationen zu sein. Blechschmidt hat es aufgrund
seiner jahrelangen humanembryologischen Forschungen sogar als „katastrophalen
Irrtum in der Geschichte der
Naturwissenschaften“ bezeichnet.“ [11]
Eine
weitere, der Wissenschaft abträgliche, Sonderbarkeit evolutionistischer
Erklärungen ist es, Systeme in der Natur als fehlerhaft zu deklarieren
(KUTSCHERA 2001 [12]) wobei noch
nicht einmal ein vollständiges Verständnis der kritisierten Strukturen und
Sachverhalte besteht. (RAMMERSTORFER 2003 [13])
DEMBSKI (1999 [15]) bringt es in Zusammenhang mit dem
Fall der sogenannten „Junk-DNA“ auf den Punkt:
„For
instance, in a 1997 issue of the Journal of Theoretical Biology, John Bodnar and
his colleagues describe how „non-coding DNA in eukaryontic genomes encodes a
language which programs organismal growth and development. Design encourages
scientists to look for function where evolution discourages it.“
(Das
soll nicht heißen, dass die I.D.-T. die Möglichkeit von Fehlern ausschließt,
nur ist die Herangehensweise wesentlich wissenschaftsfreundlicher.)
Diese
und andere Beispiele lassen Zweifel am wissenschaftlichen Wert
evolutionstheoretischer Interpretationen aufkommen. Aber wie sieht es mit dem
der Intelligent-Design-Theorie aus?
Welche wissenschaftlich wertvollen Anreize bietet sie?
Die
Intelligent-Design-Theorie wünscht in Bezug auf die gerade kritisierten Punkte
ein absolut vollständiges Bild über die zugrundeliegende genetische und
entwicklungsphysiologische Situation. Dadurch erhofft man sich a) eine
Entkräftung evolutionstheoretischer Interpretationen und b) einen massiven
Erkenntnisgewinn.
Wie
JUNKER&SCHERER (2001) anhand der Entkräftung der im Rahmen des
biogenetischen Grundgesetzes getätigten Interpretationen zeigen, geht Punkt a)
oft mit Punkt b) einher. Es ist ein generelles Anliegen der I.D.-Theorie, eine maximale Erkenntnis über
Funktion und Aufbau der Natur zu erhalten, da nur so neue Design-Signale
entdeckt werden können. Aus der Fülle der Design-Signale erhofft man
schließlich, Rückschlüsse auf den Designer selbst ziehen zu können.
Weitere
Forschungsanreize beruhen auf der Frage, wo genau die Grenzen der Variabilität
der Arten liegen, d.h.
in der experimentellen Evolutionsforschung würde sich das Augenmerk
verändern.**
Das
beinhaltet etwa auch die Frage nach programmierter Variabilität. Gibt es ein
Variations-Programm, wie sieht es aus, welche Vorhersagen lassen sich auf Basis
der Kenntnis dieses Programms in Bezug auf das Auftreten von Varietäten
tätigen? Etc.
Es zeigt
sich also, dass man mit der Intelligent-Design-Theorie nicht am Ende der
Wissenschaft angekommen ist, da die I.D.-Theorie zwar eine Antwort auf den
Ursprung der Organismenwelt gibt, dabei aber keine Fragen nach Funktion und
Aufbau der Natur beantwortet, da sie nur auf den Ursprung bezogen ist.
Nun mag
konsequenterweise noch folgende Frage gestellt werden:
„Woher
will der Intelligent-Design-Theoretiker wissen, wo die Frage nach
Funktion&Aufbau der Natur endet und die Frage nach dem Ursprung beginnt?
Könnte nicht gerade die abiotische Synthese primitiven Lebens und dessen
Komplexitätsgewinn zu „Funktion&Aufbau“ der Natur gehören? Man sieht, dass
die Grenzziehung der I.D.-Vertreter künstlich ist und letztlich doch die
Wissenschaft behindert, da man einfach einen Designer postuliert, anstatt eine
eventuell mögliche „natürliche“ Entstehung der Organismenwelt zu
erforschen.“
Der
Intelligent-Design-Theoretiker ist stets bemüht, genau zu erkennen was „natürliche“
Vorgänge (Sprich ohne intelligentes Eingreifen. Intelligenz, Plan und Geist sind ja nichts „unnatürliches“!)
können und was sie eben nicht können. Dabei untersucht er natürlich auch das
„Descent-with-modification-Prinzip“, bzw. die Rolle die es in
Funktion&Aufbau der Natur spielt. Nur so ist es ihm möglich, klare Signale
für Intelligent Design zu erhalten, und – immer nur auf dem gegenwärtigen Stand
des Wissens – Störquellen auszuschließen.
Daraus
resultiert, dass die Intelligent-Design-Theorie der perfekte Motor für
wissenschaftlichen Fortschritt ist: Um sich maximal sicher sein zu können, dass
die Signale für Intelligent Design nicht verfälscht werden, ist ein 100%
Verständnis der Natur erforderlich. (Vermutlich pure Utopie!) Und in ihrem ständigen
Bestreben ihre Theorie zu sichern, werden die Intelligent-Design-Theoretiker
für wissenschaftlichen Fortschritt sorgen. (Quellenangaben hier.)
Bei der biologischen Ursprungsfrage geht es
letztlich darum, welche Faktoren für den Ursprung der Organismenwelt zuständig
sind. Und hier würde ein gelungener Nachweis von I.D. im realhistorischen
Geschehen das Ursprungs selbst einen ganz entscheidenden Erkenntnisgewinn
bedeuten.
Wir wollen ja verstehen, welche Faktoren beim Ursprung
der Lebensformen tatsächlich beteiligt waren. Es stellt sich nun die
Frage welche Theorie diesen „ganz entscheidenden Erkenntnisgewinn“ ermöglicht.
Ist das die I.D.-T., die – obwohl sie naturalistisch funktioniert -, den
Gedanken an Planung explizit überprüft? Oder sind es andere naturalistische
Forschungsprogramme, deren Grundgedanke es ist, Planung in der Natur letztlich
als Illusion zu entlarven?
Ist es besser, die Grenzen „natürlicher“ Vorgänge
zu untersuchen, oder anzunehmen, das „natürliche“ Vorgänge letztlich alles
hervorbringen können (und man nur noch nicht weis WIE)?
Ich denke, die Antworten sind einfach zu finden. Es
ist besser den Gedanken an Planung (der sich ohnehin massiv aufdrängt) zu
untersuchen – und somit die „Grenzen natürlicher Vorgänge“. Damit behält man
nämlich sowohl die Möglichkeit eines Irrtums (keine Planung) genauso wie die
Möglichkeit eines Erfolgs (Planung) bei. (Man könnte „Irrtum“ und „Erfolg“
freilich auch anders definieren – je nach persönlichem Geschmack.)
Ist dies bei anderen Theoriengebäuden zur
Ursprungsfrage auch der Fall, oder wird nicht ein Schluss (Planung) a priori
ausgeschlossen („Nur naturalistische Erklärungen sind echte Erklärungen.“
Etc.)?
Es stellt sich nun eventuell noch die Frage, ob man
mit der I.D.-Theorie der Biologie nicht erhebliche Schwierigkeiten bereitet, da
ja immer wieder betont wird, dass gerade die Evolution der sinngebende Faktor
der Biologie ist. Interessant ist, was die Evolutionsvertreter Robert Augros
und George Stanciu dazu sagen: „Die Behauptung, nichts ergäbe in der
Biologie einen Sinn ohne den Bezug auf die Evolution, ist eine tollkühne
Übertreibung. Besser wäre es zu sagen, kein Teil der Evolutionslehre sei
sinnvoll ohne die übrige Biologie. Ökologie, Ethologie, Anatomie, Physiologie
und Molekularbiologie sind nicht nur unabhängig von der Evolution verständlich,
sie schaffen vielmehr auch die Grundlagen um die Vergangenheit zu verstehen,
die viel weniger gewiß ist.(...) Wir müssen nicht auf eine Evolutionstheorie
warten, die die Ökologie, die Physiologie und andere Wissenschaften vom Leben
ins rechte Licht rückt. Ganz im Gegenteil, die Evolutionstheorie muß im Lichte
dieser Disziplinen beurteilt und interpretiert werden.“ ([4]
S.216/217)
Warum wird die Intelligent-Design-Theorie auch auf die biologische Ursprungsfrage angewandt?
Zum einem drängt sich der
Gedanke an Planung in der Natur förmlich auf, sogar Richard Dawkins - einer der
größten Gegner des Gedankens an Planung in der Natur – definiert Biologie wie
folgt: „das Studium komplizierter
Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden“[1]
Es sind also gerade die Entdeckungen der
Naturwissenschaft, die eine Untersuchung auf Intelligent Design hin nahe legen.
Tatsächlich sind z. B. viele Astronomen und
Physiker durch die Betrachtung der Natur, zum Glauben an "a
superintellect" (Fred Hoyle) gelangt, auf
welchen „superintellect“ die Entstehung des
Universums und des Lebens zurückzuführen sei. Und das häufig sogar entgegen
ihrer ursprünglichen Zielsetzung, nämlich die Welt ohne „superintellect“
zu erklären! Das heißt, man kann prinzipiell auch ganz ohne religiöse
Vorraussetzungen zum Schluss auf Intelligent Design kommen.
Dennoch soll aus der Motivation der meisten
Wissenschaftler und Laien, die Natur auf Signale von Intelligent Design zu
untersuchen, kein Geheimnis gemacht werden: Viele glauben an einen Gott, der das Universum und die
Lebewesen „designed“ hat. Das ist in den meisten Fällen (soweit mir das bekannt
ist) die Motivation für diese Anwendung der I.D.-Theorie, bei mir selbst ist
das nicht anders.
Warum wird die
Intelligent-Design-Theorie von vielen Kritikern strikt(!) abgelehnt? Man
muss dazu wissen, dass es zwei völlig gegensätzliche ideologische Standpunkte
gibt: Theismus und Materialismus/Naturalismus. Vertreter der letztgenannten
Richtung halten eine Untersuchung auf I.D. für überflüssig, kontraproduktiv
oder gar wissenschaftsfeindlich. Nicht weil eine Signalerkennungstheorie wie
I.D. das tatsächlich ist - das zeigen allein schon die oben genannten
Anwendungsbeispiele - sondern weil diese Kritiker weltanschaulich
voreingenommen sind. Ich finde, dass der Genetiker (und Materialist) Richard Lewontin in
seiner Rezension von "The Demon Haunted World. Science in the Dark"
(Carl Sagan) im "New York Review of Books" vom 9. Jänner 1997,
die Sache sehr gut darstellt:
"Unsere Bereitschaft, naturwissenschaftliche Aussagen zu akzeptieren,
die dem gesunden Menschenverstand widersprechen, ist der Schlüssel zu einem
Verständnis des wahren Kampfes zwischen Wissenschaft und dem Übernatürlichen.
Wir stellen uns auf die Seite der Wissenschaft, trotz der offenkundigen
Absurdität einiger ihrer Konstrukte ... trotz der Toleranz der
Forschergemeinschaft für unbegründete Storys, weil wir uns von Anfang an dem
Materialismus verpflichtet wissen. Es ist nicht so, dass uns die Methoden und
Institutionen der Wissenschaft irgendwie dazu bringen würden, eine materielle
Erklärung der phäomenalen Welt zu akzeptieren, sondern wir sind im Gegenteil
durch unser apriorisches Festhalten an materiellen Ursachen dazu gezwungen,
einen Forschungsapparat und Begriffe zu schaffen, die materielle Erklärungen
produzieren, ganz gleich wie sehr das der Intuition des nicht Eingeweihten
entgegenläuft, ganz gleich, wie rätselhaft es ihm erscheint. Zudem ist dieser
Materialismus absolut, denn wir können keinen göttlichen Fuß in der Tür
zulassen."
Die
Intelligent-Design-Theorie bedingt zwar an sich keinen supernaturalistischen
Designer, aber sie lässt den Gedanken daran zu, was nicht im Interesse von
Menschen ist, die eine Vorentscheidung für den Materialismus getroffen
haben.
Halten wir einen wichtigen Punkt fest: Welcher Mensch kann schon für sich proklamieren, dass er weltanschaulich unvoreingenommen handelt? Warum sollte das in der Naturwissenschaft anders sein? Wichtig sind nicht Motivationsfragen, die hinter einer Theorie stecken, sondern die Theorie selbst ist wichtig.
Würde man etwa einen Vertreter der Evolutionstheorien bezichtigen, dass er seinen Theorien nur halten will, weil alles andere seinem (mutmaßlich) materialistischen Weltbild abträglich ist, so würde er zurecht mit den Achseln zucken und sagen: „Ihr Einwand ist letztlich irrelevant, da Sie meine naturwissenschaftliche Argumentation nicht betrifft.“
Genauso läuft die Sache auch bei I.D.-Theoretikern: Die (mutmaßlich) theistische Einstellung dieser Menschen berechtigt nicht dazu, ihre Signalerkennungstheorie als „pseudowissenschaftliche Ideologie“ [2] abzustempeln, genauso wie man Evolutionstheorien nicht als Ideologie abtun kann. Das alle Theorien, jedenfalls in der Ursprungsforschung, einen ideologischen Hintergrund haben, lässt sich nicht bestreiten, es ist jedoch nicht möglich, Theorien mit dem Hinweis auf die (mutmaßliche) Motivation zu entkräften.
Viele Argumente gegen die I.D.-T. bleiben wirkungslos, da sie diesen Grundsatz nicht beachten.
Intelligent Design &
Politik.
Das Discovery Institut in Seattle, bei dem viele Vertreter der I.D.-T. Mitglieder sind, verfolgt durchaus auch politische Ziele. Mir selbst liegen jegliche Ambitionen in diese Richtung fern und ich distanziere mich ausdrücklich von jeglichen politischen Bestrebungen, die eine Reihe von Vertretern der I.D.-T. verfolgen mögen. Auch hier gilt es wieder wissenschaftliche Theorien von weltanschaulichen und politischen Bestrebungen zu trennen. Die Intelligent-Design-Theorie als solche ist natürlich frei von Politik, genauso wie Darwins Selektionstheorie. Wenn man jedoch die Geschichte letzterer betrachtet, sieht man recht deutlich, wie eine wissenschaftliche Theorie in politische Bestrebungen verwickelt wurde.
Ein klassischer
(grenzüberschreitender) Einwand.
Dieser Einwand geht ca. so: „I.D.-Vertreter argumentieren,
dass komplex organisierte Systeme nicht durch naturalistische,
nicht-teleologische Prozesse entstehen können. Dabei übersehen sie aber, dass
der von ihnen vertretene Designer selbst äußerst komplex beschaffen und genial
sein muss, um etwa das Leben zu konzipieren und erschaffen zu können. Damit
benötigt er – nach Logik der I.D.-Vertreter – selbst einen Designer...: So
landet man in einem unendlichen Regress.“
Dieser Einwand berührt eine Signalerkennungstheorie nicht, wenn diese Signale für I.D. feststellt, dann tut sie das ohne Rücksicht auf dadurch eventuell auftretende Rätsel, in Bezug auf den/die Urheber des intelligenten Designs. Mit der Spekulation über die Identität des Designers verlassen wir die I.D.-Theorie (Grenzüberschreitung!), deren Job es ist, Signale für I.D. zu erkennen und zu sichern (Und somit überhaupt eine Basis für Spekulationen über die Identität des/der Designer zu legen.). Vorher noch ein Punkt: Man könnte obigen Einwand auch kurz fassen, indem man sagt: „Was nicht sein darf, kann nicht sein.“ Das war seit jeher ein etwas unbefriedigendes Argument. Es gilt ferner zu bedenken: Was ist an einem „unendlichen Regress“ so schlimm? Darf man z.B. in der Wissenschaft keine Fragen stellen, weil diese Fragen neue Fragen „gebären“ usw.? Wenn man z.B. die Frage stellt, was die Erde auf ihren Bahnen im All hält, so ist die Antwort: Gravitation! Aber was ist Gravitation genau? Und die Gravitation welches Himmelskörpers hält die Erde auf ihrer Bahn? Welche Gravitationsquelle hält die Sonne auf ihrer Bahn, wodurch wird sie beeinflußt? Etc.etc. Wir können ewig so weiter fragen, mit jeder Antwort kommen neue Fragen, und das ist auf allen Wissensgebieten so. Bedeutet das, es wäre besser, erst gar keine Antworten zu suchen, weil diese ohnehin wieder neue Fragen mit sich bringen? Keinesfalls! Dann ist jedoch zu beachten, dass dies der Kerngedanke des obigen Einwandes ist.
Ob jetzt die Feststellung eines „unendlichen Regresses“ zutrifft, hängt von einer wichtigen Voraussetzung ab: Ist der Designer naturalistisch oder supernaturalistisch?
Behandeln wir zunächst den Fall eines naturalistischen Designers:
In diesem Fall liegt es nahe, eine außerirdische Intelligenz zu postulieren. Wenn das Leben auf der Erde nicht durch naturalistische Prozesse entstehen konnte, welchen Sinn hat es dann, dies auf das Wirken einer außerirdischen Intelligenz zurückzuführen, die doch auch wieder auf eine Intelligenz zurückzuführen ist, weil sie ebenfalls genial-komplex organisiert sein muss, um uns zu schaffen? Das führt in den unendlichen Regress. Allerdings nur auf Basis einiger Voraussetzungen, nämlich das diese außerirdische Intelligenz uns ähnlich ist und den gleichen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, also somit ebenfalls – soweit man das beurteilen kann – nicht naturalistisch entstehen kann. Aus diesen Bedingungen für das Argument des „unendlichen Regresses“ lässt sich auch der Ausweg daraus ableiten: Man könnte spekulieren, dass diese „außerirdische Intelligenz“ so beschaffen ist, dass sie eben doch durch naturalistische Prozesse entstehen konnte und vielleicht am Entstehungsort dieser Intelligenz andere Gesetzmäßigkeiten herrschen, als wir es beobachten können. So kann man den „unendlichen Regress“ vermeiden – theoretisch. Praktisch kann man diesen Ausweg nur benutzen, wenn man zeigen kann, wie denn diese Intelligenz wenigstens im Prinzip beschaffen sein könnte, damit sie selber keinen Designer benötigt, d.h. auf naturalistischen Weg entstehen kann. Auch für das Postulat, dass am Entstehungsort dieser Intelligenz vielleicht „andere Gesetzmäßigkeiten“ herrschen, sollte man konkrete Vorstellungen ins Feld führen können. Solange das nicht der Fall ist, stellt der „unendliche Regress“ für den Glauben an einen naturalistischen Designer ein echtes Problem dar, welches jedoch - wenigstens theoretisch - nicht unlösbar ist.
Nun kommt der Fall eines supernaturalistischen Designers, der also nicht Resultat irgendwelcher naturalistischer Prozesse ist, sondern über der Natur steht und diese geschaffen hat. Hier hat das Argument des „unendlichen Regresses“ keine Basis mehr, da I.D. – Theoretiker zwar wohl die (gut fundierte) Meinung vertreten, dass „komplex organisierte Systeme nicht durch naturalistische, nicht-teleologische Prozesse entstehen können“, aber diese Meinung nur auf die beobachtbare, materielle Welt beziehen können. I.D.-Theoretiker, sagen nur (und begründen), dass diese und jene Struktur auf Planung hindeutet und – nach bestem Wissen – nicht naturalistisch entstehen kann. I.D.-Theoretiker sind somit mit ihren Argumenten, was „komplex organisierte Systeme“ betrifft, an die bekannten Naturgesetze und deren Effekte gebunden, nur darauf lassen sich ihre Argumente - was z.B. „irreducible complexity“ betrifft – anwenden. Wie können sich Argumente, die eine naturalistische Basis bedingen, auf einen supernaturalistischen Designer beziehen? Damit ist obiger Einwand, jedenfalls was einen supernaturalistischen Designer betrifft, entkräftet. Er kann aufgrund eines Kategorienfehlers nicht angewandt werden.
Nachdem wir nun schon einmal den Bereich der I.D.-Theorie verlassen haben (Grenzüberschreitung!), möchte ich auf einen weiteren Punkt in Bezug auf den „unendlichen Regress“ und einen supernaturalistischen Designer hinweisen: In der christlichen Vorstellung dieses Designers (dort hat er neben seinem Titel „Gott“ übrigens auch einen Namen: Jahwe oder Jehova), geht man davon aus, dass dieser ewig existiert (z.B. Psalm 90:2). Damit erübrigt sich der „unendliche Regress“ automatisch. Freilich ist der Gedanke, dass Gott ewig existiert absolut unfaßbar. Aber dieser unfaßbare Gedanke, nämlich das überhaupt etwas ewig existiert, bleibt niemanden erspart. Selbst wenn man davon ausgehen möchte, dass das Universum aus der Schwankung eines Quantenvakuums spontan entstanden ist, so verschiebt man die ultimative Frage („Warum existiert etwas und nicht vielmehr nichts?“) nur: Selbst ein Quantenvakuum ist nicht nichts, auch wenn der Begriff „Vakuum“ die Vorstellung transportiert, dass nichts da ist. In Wirklichkeit bezeichnet der Begriff Quantenvakuum ein Quantenfeld in seinem Grund – oder niedrigsten Energiezustand. Ein Quantenvakuum ist also nicht „nichts“, denn damit sich ein Feld in seinem Grundzustand befinden kann, muss es logischerweise zuerst mit seinen Masse-, Energie- u.ä. Eigenschaften existieren. Es stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Ursprung der Gesetze, die ein derartiges Vakuum beherrschen.
Übrigens hatten auch materialistische Wissenschaftler und
Philosophen nie ein grundsätzliches Problem damit, Dinge zu akzeptieren, die
ewig sind: Vor der Urknalltheorie gab es die Vorstellung eines ewigen
Universums – eine Vorstellung die man ungern aufgab. Kitty FERGUSON (2001, [5])
berichtet über die Ablösung dieser Vorstellung: „Als ungeachtet der
persönlichen Präferenzen verschiedener Wissenschaftler bewiesen war, daß das
Universum sich tatsächlich ausdehnt, legten Herman Bondi, Tom Gold und Fred
Hoyle die „Steady-State-Theorie“ vor – eine Erklärung für die Ausdehnung des
Universums, die ohne die Annahme auskommt, das Universum habe einen Anfang
gehabt. (...) Aus Gründen, die nicht das geringste mit wissenschaftlicher
Objektivität zu tun haben, war die Urknall-Theorie eine zu bittere Pille, und
manche Forscher wollen sie bis heute nicht schlucken.“
Auch wenn die „Steady-State-Theorie“ der Urknalltheorie – und damit der Vorstellung eines Anfangs - unterlag: Warum sollte ein ewiges Universum unfaßbarer sein, als ein ewiger Schöpfer?
Egal ob man also einen supernaturalistischen Designer mit ein bezieht oder nicht – die ultimative „Unfaßbarkeit“ bleibt! Meiner Meinung nach steigert es die Bilanz der „Unfaßbarkeiten“ allerdings gehörig, wenn man an eine rein naturalistische Entstehung des Universums und der Lebewesen glaubt!
Weitere Ausführungen zu diesem Thema finden sich bei Herrn Wolf-Ekkehard Lönnig unter http://www.weloennig.de/AesIV4.html#Intelligent
Weiterführende Ausführungen zur I.D.-Theorie, bzw. den Herausforderungen an das I.D.-Konzept: Evolution der Insektenflugsysteme: Von Darwin zu Design.
*Genau das ist ein Punkt,
den ich auf meiner Homepage aufzuzeigen versuche.
** Ein Punkt den Lönnig
(1993) in seiner Artbegriffsarbeit
aufgezeigt hat.
Literatur:
[1] Dawkins 1987: Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer
für den Darwinismus. Kindler S.13
[2] Kutschera 2002: Intelligentes Design und Evolution.
biologenheute 6/2002 S.14
[3] Z.B.: Junker&Scherer 2001: Evolution – Ein kritisches Lehrbuch. Weyel-Verlag
Behe 1996: Darwin's Black Box. The Biochemical
Challenge to Evolution. Simon & Schuster
[4] Augros&Stanciu 1991 (Sonderausgabe): Die neue
Biologie. Der Umbruch in der Wissenschaft vom Leben – die Wiederentdeckung der
Weisheit der Natur. Scherz-Verlag
[5] Ferguson 2001: Gott und die Gesetze des Universums.
Econ S.117
Ursprungsversion: 30.04.2003
Aktualisiert: 25.03.2004
© 2003 - 2004
by Markus Rammerstorfer
URL dieses Dokuments: http://members.aon.at/evolution
bzw. www.intelligentdesign.de.vu