Eine Theorie zur Signalerkennung und ihre (möglichen) Folgen.

 

Ich habe die Intelligent-Design-Theorie, als „Theorie zur Erfassung und Erkennung von Signalen mit intelligenten Ursprung, in Adaption auf die biologische Ursprungsfrage“ definiert. Nun wurde die Frage gestellt, was die Intelligent-Design-Theorie eigentlich erklärt, denn der Wert dieser Theorie müsse sich an ihrer Erklärungskraft im Vergleich zu anderen Theorien zeigen. Welche Konsequenzen würden der Wissenschaft daraus erwachsen, wenn die Zeichen für intelligentes Design in der Natur als solche anerkannt werden? Wie würde man verschiedene Befunde dann erklären, bzw. interpretieren? 

 

Einwände

 

Herr Neukamm: „Zum einen muß betont werden, daß Evolutionstheorien zwei logisch voneinander getrennte Bereiche umspannen, nämlich die Abstammungshypothese (welche den Wandel und die gemeinsame Abstammung der Arten behauptet) sowie verschiedene Kausaltheorien (welche die mechanistischen Kräfte in der Evolution zum Thema haben) ... . Uns soll es hier nur um die Abstammungshypothese gehen, handelt es sich doch um die zentrale Aussage aller Evolutionslehren, die von den Antievolutionisten infragegestellt wird. Daher ist, wenn wir im folgenden von "Evolutionstheorie" sprechen, die Abstammungshypothese gemeint.“ [1]

 

Die gemeinsame Abstammung aller Organismen erscheint naheliegend. Die tiefgreifenden Ähnlichkeiten zwischen allen Organismen zeigen auf, dass das Leben auf unserem Planeten nur eine Ursache hat, sprich von einer Ursache abstammt. Es bleibt also „nur“ die Frage nach dem Wesen der Ursache:

 

A) Eine gemeinsame Abstammung durch eine makroevolutive Entwicklung aller Formen aus einer Urform (+chem. Evolution), ohne intelligentes Eingreifen. 

 

B) Eine gemeinsame Abstammung vom geistigen Grundkonzepts eines intelligenten Designers, welches alle Formen umspannt, ohne Makroevolution.

 

Herr Neukamm kann die Deszendenztheorie nicht so total von den Evolutionstheorien entkoppeln. Der Grund ist einfach: Findet man in der Natur keine Mechanismen, die eine gemeinsame realgenetische Abstammung bewirken können, so ist die Deszendenztheorie zum Scheitern verurteilt, auch wenn ihre innere Logik noch so bestechend wirken würde. Natürlich kann man nie ausschließen, dass doch noch solche Mechanismen gefunden werden, denn wie Herr Neukamm richtig feststellt, offenbart die Wissenschaft keine „ewigen Wahrheiten“, alles gilt sozusagen nur „auf Widerruf“.

 

Nun ist die Mechanismenfrage trotz jahrzehntelanger Bemühungen von Evolutionisten völlig ungeklärt, obwohl die offizielle (neodarwinistische) Version immer noch so lautet wie es WEBER (2002) zum Ausdruck bringt:

„Die Auslese bestimmt den Wandel von Organismen in vergleichsweise kurzen Zeiträumen, doch dieser Wandel kann problemlos auf viel längere Zeiträume ausgedehnt werden – Makroevolution ist daher nur eine Folge der Mikroevolution, keine zusätzlichen erklärenden Prinzipien werden benötigt.“ [2]

Faktum ist, dass die Extrapolation von Mikroevolution auf Makroevolution nicht selbstverständlich ist, auch Evolutionisten sehen die Problematik, etwa GOODWIN (1997):

„Die Darwinsche Theorie scheint lediglich die mikroskopischen Aspekte der Evolution abzudecken: Sie kann die innerartlichen Variationen und Adaptionen erklären, welche die Feinabstimmung von Varianten auf verschiedene Lebensräume ermöglichen. Um die makroskopischen Gestaltunterschiede, welche die Grundlage der biologischen Klassifikationssysteme bilden, erklären zu können, bedarf es dagegen offenbar eines anderen Prinzips als der auf geringfügige Variationen einwirkenden natürlichen Selektion, handelt es sich hier doch um einen Vorgang, der deutlich voneinander unterscheidbare Formen von Organismen hervorbringt. Dies ist das Problem der emergenten Ordnung in der Evolution, des Ursprungs neuartiger Strukturen in Organismen, das von jeher einen Schwerpunkt der biologischen Forschung bildete.“ [3]

Und Evolutionskritiker zeigen anhand einer Vielzahl von Beispielen auf, dass für Ursprungstheorien, welche mit einer schrittweisen Entstehung neuer Strukturen arbeiten müssen, offensichtlich fundamentale Probleme bestehen. (vergl. z.B. Junker&Scherer 2001, Lönnig 1998, Behe 1996, Scherer 1996; siehe [4])

Das heißt, dass die Deszendenztheorie derzeit auf sehr schwachen Beinen steht, allein schon weil trotz intensiver Forschungen eine solche Deszendenz weder experimentell noch theoretisch nachvollziehbar ist.

Was nützt eine Theorie, mit der man (vordergründig) viele Aspekte der Erdgeschichte erklären kann, die aber dazu Postulate benötigt, welche sich experimentell offensichtlich nicht bestätigen lassen und sogar theoretisch nicht oder nur sehr schwer vorstellbar sind?

Was nützt die Deszendenztheorie, wenn ihr Kernpostulat, nämlich die Deszendenz der höheren systematischen Kategorien, speziell der Baupläne, von den Evolutionstheorien nicht gedeckt werden kann?

Wenn diese Deszendenz nach heutigem Wissenstand und nach jahrzehntelangen Forschungen, als gänzlich unwahrscheinlich betrachtet werden muss (und dem ist so), so muss sich dass auch auf die Deszendenztheorie auswirken, nämlich in dem Sinne, dass sie nicht mehr länger eine relevante Deutungsmöglichkeit der Erdvergangenheit darstellt. Schließlich gab es auch sonst immer Wechselwirkungen zwischen der Mechanismenfrage und der Deszendenztheorie: Darwin ging von einem gradualistischen Ablauf der Evolution aus, entsprechend wurde der Fossilbericht interpretiert. (Das Paradebeispiel dafür dürfte die Pferdereihe sein.) Als schließlich klar wurde, dass der Fossilbericht keinen gradualistischen Formenwandel wiedergab, musste man einen (relativ) schnellen Formenwandel annehmen, wie er vom Punktualismus vertreten wird. Entsprechend machte und macht man sich auf die Suche nach Mechanismen, die einen solchen Wandel bewirken können. Freilich wäre die Wechselwirkung, die mir vorschwebt, radikaler, aber die Deszendenztheorie darf keine „heilige Kuh“ darstellen, ansonsten wird sie zur Deszendenzlehre und somit zur Sache der persönlichen Glaubensentscheidungen.   

Zusätzlich drängt sich folgender Gedanke auf: Wenn man Kausaltheorie und Deszendenztheorie voneinander trennt, dann läuft man allerdings Gefahr, dass sich eine Theorie bestätigen könnte, die andere jedoch nicht. Was ist von der Deszendenztheorie zu halten, wenn Abiogenese nicht funktioniert? Wie kann sich etwas weiterentwickeln, was gar nicht entstehen konnte? Oder drehen wir die Sache herum: Was, wenn Abiogenese funktioniert, aber Makroevolution nicht? Dann könnte es nur die rudimentärsten Lebewesen geben, die natürlich nicht ewig einen Stoffwechsel aufrechterhalten können, wenn keine Kreisläufe existieren. 

 

Herr Neukamm: „Wenn diese Einschätzung stimmte, gäbe es keine Naturgesetze, denn Gesetzmäßigkeiten bringen ja nachgerade Ordnung ins Chaos, weisen den Zufall in seine Schranken und erzeugen "Shannon-Information", die sich in Gestalt einer Abweichung vom "statistischen Durchschnitt" manifestiert ... .“

 

Darauf aufbauend unterläuft Herrn Neukamm ein fundamentaler Fehler, der etwa ganz deutlich wird, wenn er sagt: 

„Ordnung entsteht dann, wenn Naturgesetze am wirken sind. Es erscheint daher trivial, daß unsere Welt von solchen "Signalen der Ordnung" geradezu durchdrungen wird. Das Problem des ID-Theoretikers besteht jetzt darin, daß die Deutung von Ordnung im Rahmen der "Intelligent-Design-Theorie" prinzipiell immer gelingt - völlig gleichgültig, wie sich das Ordnungsmuster im Detail konstituiert (...) Man sieht, daß die hohe Spezifität der naturgesetzlichen Erklärung vollkommen der Beliebigkeit weicht: Während wir mit der Abstammungshypothese nur ganz spezifische Sachverhalte zu erklären in der Lage sind, läßt sich im Prinzip jede Form von Ordnung unter den Schlagbegriff "intelligentes Design" subsummieren.“

 

Sind „Signale der Ordnung“ etwa dasselbe wie Signale für Intelligent Design? Ich habe vor kurzem eine Begebenheit erlebt, die helfen könnte, diese Frage zu klären: Bei einem Spaziergang entdeckte ich unter einer Brücke bemerkenswerte Strukturen. Es waren ca. ein Dutzend 5-10 cm hoher Erdsäulen, die jeweils einen kleinen Stein als „Krone“ trugen. Das war eindeutig ein „Signal der Ordnung“, welches unbedingt eine Erklärung erforderte. Die war denkbar einfach, herabtropfendes Wasser hatte das Erdreich rund um die Steine abgetragen, so dass schließlich der Eindruck einer „gekrönten“ Erdsäule entstand. Die Steine hatten einfach als „Regenschirme“ fungiert.  

 

Warum ist mir die Deutung von „Signalen der Ordnung“ als Signale für Intelligent Design – im Gegensatz zu obigen Behauptungen – nicht gelungen, bzw. warum habe ich sie erst gar nicht in Erwägung gezogen?

Weil dieses Ordnungsmuster im Rahmen bekannter natürlicher Prozesse zufriedenstellend erklärbar ist, dieses Ordnungsmuster war nicht mehr als ein Effekt von Naturgesetzen. D.h. auch, es wäre zu jeder Zeit reproduzierbar gewesen oder zumindest anhand von Modellen nachvollziehbar gewesen.

Dasselbe trifft nicht nur auf Erdsäulen zu, sondern natürlich auch auf die Ringe des Saturn, die geologische Schichtenfolge, die Zweifarbigkeit diverser Cocktails, „chemische Uhren“, Kristalle, etc.

Signale für Intelligent Design lassen sich jedoch von natürlichen Ordnungsmustern unterscheiden, wäre dem nicht so, so wäre das SETI-Projekt von vornherein ein kolossaler Fehlschlag. Wie könnte man ansonsten das kurze, periodische Signal eines Pulsars (Ordnung!) von einem intelligent geschaffenen extraterrestrischen Signal unterscheiden?

In Bezug auf die biologische Ursprungsfrage liegt die Sachlage noch etwas anders: Hier hat man es mit Technik zu tun. Es wird wohl niemand bezweifeln, dass Lebewesen über „Maßnahmen, Verfahren und Einrichtungen zur Beherrschung und zweckmäßigen Nutzung der Naturgesetze und der von der Natur gebotenen Energien und Rohstoffe“ verfügen. (Brockhaus 2003)

Salopp gesagt: Was unterscheidet Saturnringe, „gekrönte“ Erdsäulen, Kristalle und „chemische Uhren“ von Lebewesen? Saturnringe und Konsorten sind lediglich Effekte von Naturgesetzlichkeiten, im Kontrast dazu sind Lebewesen „Experten“ in Bezug auf die Nutzbarmachung und Beherrschung von Naturgesetzen. Daraus ergibt sich folgende Aufgabe für Evolutionisten: Es gilt aufzuzeigen, dass „Experten“ für Nutzbarmachung und Beherrschung der Naturgesetze, als bloße Effekte dieser Gesetze entstehen können.  

 

Die Folgen der Signalerkennungstheorie und ein paar Einwände.

 

Wenn die Intelligent-Design-Theorie in Bezug auf Intelligent Design in der Organismenwelt positive Ergebnisse liefert, ist von einer gemeinsame Abstammung auf Basis eines geistigen Grundkonzepts auszugehen. Daraus ergeben sich folgende Erwartungen an den Datenbestand:

 

1) In der Organismenwelt sind zahlreiche Systeme zu erwarten, bei denen erst das gezielte und koordinierte Zusammenwirken mehrerer Komponenten eine erste Funktion ergibt. (Genau das sind typische Sachverhalte, die eine Überprüfung auf Intelligent Design notwendig machen. ) 

 

2) Enorme Komplexität ist zu erwarten.

 

3) Eine Deszendenz der Arten ist nicht zu erwarten, sondern eine reiche aber letztlich begrenzte Variabilität.

 

4) Aus 3) resultiert natürlich, dass die Vererbung bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterworfen sein muss.

 

5) Aus 3) resultiert weiter, dass Arten entweder aussterben oder (im wesentlichen) unverändert überleben.

 

6) Ähnlichkeiten sind grundsätzlich zu erwarten, allerdings sollten sie in ihrer Verteilung schwer in ein evolutionäres Modell integrierbar sein (Konvergenzen), da ein Designer keine Rücksicht auf irgendwelche realgenetischen Abstammungen nehmen muss, sondern ähnliche Merkmale speziell auf den jeweiligen Gebrauch adaptiert, verwenden kann.

 

7) Eine Grunderwartung an den Fossilbericht ist, dass dieser diskontinuierlich verläuft. Dabei sollte ein gewisses System zu erkennen sein: Intelligente Bauherren beginnen beim Bau eines Hauses mit dem Fundament, ansonsten wäre das Haus nur sehr kurzlebig. Und das Fundament des Lebens auf der Erde stellen Mikroorganismen und Pflanzen - sich heterotroph ernährende Lebewesen sind erst auf dieser Basis machbar. Das diese Lebewesen stärker differenziert sind, als die Lebewesen am Anfang der Nahrungskette, liegt in der Natur der Sache.      

 

8) Eine weitere Grunderwartung an den Fossilbericht ist, dass die meisten fossilen Formen auf ihrem Organisationsniveau nicht nachweisbar primitiver sind als rezente, bzw. das auch fossile Formen komplex und nicht in irgendeiner Weise „primitiv“ und „unfertig“ erscheinen.

 

9) Da aller Erfahrung nach technische Systeme ausschließlich durch den gezielten Einsatz von Intelligenz und planvollem Vorgehen zustande kommen, also ihr Ursprung geistiger Natur ist, so sollte diese Schlussfolgerung auch auf die technisch-kybernetischen Systeme der Natur anwendbar sein.

 

10) Es sind Konstruktionen zu erwarten, die komplexer und raffinierter sind, als dies allein durch die Funktion bedingt wird. (Genau das sind typische Sachverhalte, die eine Überprüfung auf Intelligent Design notwendig machen.) 

 

Diese und zahlreiche weitere Befunde sind auf Basis der I.D.-T. zwanglos erklärbar, sie stimmen mit den Erwartungen überein. Zwar lässt sich ein Teil dieser Befunde auch in eine evolutionäre Sichtweise einpassen, allerdings nicht als daraus folgende logische Schlussfolgerung. Vielmehr müssen Hilfstheorien konstruiert werden, die im Folgenden jedoch nicht kritisiert werden sollen. Wenden wir die Punkte 1-10 auf eine evolutionäre Sichtweise des Lebens, insbesondere auf die des Neodarwinismus, an:  

 

1) Diese Systeme waren grundsätzlich nicht zu erwarten, um einmal mehr Darwins bekannte Aussage zu zitieren: „Ließe sich das Vorhandensein eines zusammengesetzten Organs nachweisen, daß nicht durch zahlreiche aufeinanderfolgende geringe Abänderungen entstehen könnte, so müsste meine Theorie unbedingt zusammenbrechen.“

Heute kennen wir eine Vielzahl solcher Systeme auf allen Organisationsniveaus, wie etwa die unter [4] angegebenen Quellen aufzeigen.

 

2) Komplexität ist auf evolutionärer Basis grundsätzlich nicht zu erwarten, sondern muss erst im Nachhinein erklärt werden. GOULD (dt.1998) kommt zu dem Schluss, dass es in der Evolution keinen allgemeinen Trend (!) zu Fortschritt im Sinne von Komplexitätsgewinn gibt (auch nicht im Fossilbericht!), mehr noch: „Ich kann mir Gründe vorstellen, warum die Komplexitätsabnahme das Übergewicht haben könnte, aber eine entsprechende Neigung für zunehmende Komplexität kann ich nicht begründen.“ [5]

Evolutionisten waren ursprünglich davon überzeugt, dass das Leben an sich einfach strukturiert sein muss, was BEHE (1996) so kommentiert:

 „It was once expected that the basis of life would be exceedingly simple. That expectation has been smashed.“ [4] S.X

 

3) Womit alle Ergebnisse der experimentellen Evolutionsforschung im Einklang sind. (Vergl. z.B.: [20] ) Evolutionisten müssen dem im Wesentlichen mit dem „Zeitargument“ entgegentreten.

 

4) Die Mendelschen Vererbungsregeln! Diese vertragen sich so gut mit dem Gedanken der Evolution, dass sie jahrzehntelang von Evolutionisten unter den Tisch gekehrt wurden.(Vor Mendel hatten Evolutionstheoretiker ganz andere Vererbungsgesetze postuliert, vergl.: [21])

 

5) “Lebende Fossilien“ sind ein Befund, der sich schlecht mit der Evolutionstheorie verträgt, schon gar nicht in dem Ausmaß wie er heute vorliegt. Dafür sind sie echte Belege für eine Konstanz der Arten, über enorm lange Zeiträume hinweg.

 

6) Konvergenzen sind enorm zahlreich und über das ganze Organismenreich verteilt. Ein Auszug aus einer Zusammenfassung von JUNKER (2002):

„Das Phänomen der Konvergenz und des Parallelismus ist keine Randerscheinung, mit der es die phylogenetische Systematik nur in seltenen Sonderfällen zu tun hätte, sondern es ist weit verbreitet. Einige besonders auffällige Beispiele sind die Warmblütigkeit bei Vögeln und Säugetieren ..., Fangbeine bei Fangschrecken und Netzflüglern ..., das Vorkommen eines Brustbeinkiels bei Vögeln, Flugsauriern und Fledermäusen ..., ...“  [6]

In einem Lehrbuch für Entomologie wird beschrieben, wie man im Evolutionsmodell mit Konvergenzen umgeht: „Das mehrfache unabhängige Auftreten einer gleichen Merkmalsausprägung ist unwahrscheinlicher als ihre einmalige Entstehung, und also erfordert das Prinzip der einfachsten Erklärung, daß man dasjenige Verwandtschaftsverhältnis als richtig akzeptiert, das mit der geringsten Zahl an Konvergenzen auskommt.“ [7]

 

Dass bei der abstammungstheoretischen Interpretation von Ähnlichkeiten Konvergenzen auftreten, ist eine logische Erwartung aus der Intelligent-Design-Theorie, muss jedoch im Rahmen der Evolutionstheorie erst im Nachhinein erklärt werden und verursachen selbst dann – bei genauer Betrachtung - noch erhebliche Probleme. (So stellt etwa die Konvergenz Wirbeltierauge/Tintenfischauge ein ganz offensichtliches Problem dar...)

 

7) Aufgrund von Punkt 9) ist es auf Basis der Intelligent-Design-Theorie nur konsequent, anzunehmen, dass fossile Formen keine kontinuierlichen Übergangsserien aufweisen. (Insbesondere zwischen den Bauplänen.) John Maynard Smith bringt es auf den Punkt: „Das auf Tatsachen beruhende Argument, das die meisten von uns mittlerweile wohl akzeptieren, ist Folgendes: Wenn Sie die Fossilbelege betrachten, dann erkennen Sie keinen kontinuierlichen, allmählichen Wandel. Stattdessen erkennen Sie etwas, das man als Stasis bezeichnet, das heißt, die Populationen verändern sich tatsächlich für lange Zeiträume nur sehr wenig, dann aber in wirklich unvermittelten Übergängen.“ [18]  

Der diskontinuierliche Verlauf des Fossilberichts ist für Evolutionstheoretiker ein gänzlich unerwarteter Befund, man versucht diesem mit der Hypothese einer relative raschen Entstehung der Arten entgegen zu treten, so auch Maynard Smith.    

 

8) Evolutionstheoretiker verwenden zwar die evolutionstheoretisch geprägten Begriffe „primitiv“ oder „urtümlich“, das soll jedoch nicht den Eindruck eines in irgendeiner Form „unfertigen“ Lebewesens oder einer „unausgegorenen“ Konstruktion transportieren. Zutreffend ist die Feststellung, dass diese Organismen auf ihren Komplexitätsniveaus – die auch heute noch existieren und z.T. sogar dominieren – perfekt angepasst sind und waren. Die Organismen tauchen – soweit sich das fossil beurteilen lässt – auf einem bemerkenswert hohen Organisationsniveau auf. So z.B. der Anfang der fossilen Überlieferung von Vielzellern: : „Die ersten fossil in großer Zahl erhaltenen Vertreter dieser Organismen, die Ediacara-Fauna, weisen jedenfalls bereits eine verblüffend hohe Organisationsstufe auf.“ (In evolutionstheoretischer Prägung heiß es weiter: „Sie hatten mit Sicherheit ältere und einfacher gebaute Vorfahren.“) [24]  

 

9) Wenn man einen Blick in ein Buch wirft, in dem detailliert Aufbau und Funktion der Organismen beschrieben wird, kommt man vermutlich zu demselben Schluss wie NACHTIGALL (2001): „Die Natur hat die Technik „erfunden“. Das klingt seltsam, ist aber so. Technik ist nicht erst eine Errungenschaft des Menschen. (...) Und heute wissen wir, daß die Technik sich vermutlich manche Umwege hätte ersparen können, wenn sie zunächst bei der Natur nachgeschaut hätte. Alles Leben ist denselben Naturgesetzen unterworfen wie die Konstruktionen des Menschen. Daher ist es durchaus berechtigt, auch in der belebten Natur von „Technik“ zu sprechen.“ [8] S.15

Zur Technik zählen wir „...alle Maßnahmen, Verfahren und Einrichtungen zur Beherrschung und zweckmäßigen Nutzung der Naturgesetze und der von der Natur gebotenen Energien und Rohstoffe.“ (Brockhaus 2003)

Technik wird von Lebewesen und Menschen genutzt, auch wenn die eingesetzten Technologien grundverschieden sind. (Und trotzdem sensationelle Parallelen auftauchen, man denke etwa an Druckknopfsysteme, Reißverschlusssysteme, Gleitführungen usw., Dinge die man in der Natur genau wie in der menschlichen Technik findet.)

Intelligent-Design-Theoretiker formulieren hier (siehe Punkt 9)  einen allgemeingültigen Satz, der lautet: „Technische Systeme kommen ausschließlich durch den gezielten Einsatz von Intelligenz und planvollem Vorgehen zustande. Ihr Ursprung ist also geistiger Natur.“ Dieser Satz, eine unzählbar oft bestätigte Erfahrungstatsache, wird von I.D.-Theoretikern natürlich auch auf die Technik in der Natur angewandt.

Die Evolutionstheorie vertritt eine diesem Satz diametral entgegengesetzte Position.

Nun, so wenden viele Evolutionisten ein, beruht dieser Satz lediglich auf einem Analogieschluss**, und überhaupt hinkt die Analogie, da sich Organismen fortpflanzen können. (Dieser Einwand wird unten behandelt.)

 

Beruht dieser Satz lediglich auf einem Analogieschluss? Ich darf darauf hinweisen, dass aus dem ständigen Vergleich Natur/Technik ein ganzes Forschungsgebiet resultiert, die Bionik. Dieses aufsteigende Forschungsgebiet holt sich permanent wertvolle Anregungen aus der Natur, NACHTIGALL (2001) bringt es auf den Punkt: „Konstrukteure, Ingenieure oder Designer sollten deshalb von vornherein Lösungen der Natur mitbetrachten, wenn es um die Bearbeitung eines vergleichbaren technischen Problems geht.“ [8] S.24

Um zur Frage zurückzukehren: Ja, es ist ein Analogieschluss, aber ein äußerst wertvoller und produktiver Analogieschluss. Zudem sollte man berücksichtigen, in welche Richtung die Entwicklung geht: Herzschrittmacher, Kunsterzen, künstliche Gelenke und viele weitere Punkte zeigen ganz deutlich, dass menschliche Technik und Technik in der Natur prinzipiell kompatibel sind. D.h. Grenzziehungen zwischen diesen beiden Technologien verschwimmen bereits und werden mit dem rasanten Fortschritt der menschlichen Technik wohl weiter verschwimmen. In der Kybernetik zieht man solche Grenzen erst gar nicht, so gibt der Brockhaus (2003) folgende Definition für Kybernetik: „...die sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Steuerung, Regelung und Rückkopplung der Informationsübertragung und –verarbeitung in Maschinen, Organismen und Gemeinschaften beschäftigt sowie die Theorie und Technik der Informationsverarbeitungssysteme untersucht.“ 

 

 

10) Diese Erwartung ist analytisch schwer zu fassen, auf der intuitiven Ebene hingegen leicht. An eine Darstellung solcher Beispiele ist hier nicht gedacht, ich verweise exemplarisch auf JUNKER&SCHERER (2001): Evolution ein kritisches Lehrbuch. S.304/305. Mein persönlicher Favorit für derartige Beispiele ist der Aronstab (Arum maculatum), der oft als „Insektengasthaus“ bezeichnet wird. 

Derartige Systeme, die komplexer und raffinierter erscheinen als es notwendig ist, lassen sich schwer in eine Evolutionstheorie integrieren, bzw. müssen erst im Nachhinein erklärt werden (sexual selection), und selbst dann treten noch erhebliche Probleme auf.

 

Herr Neukamm: „Eine Erklärung ist erst dann zur Hand, wenn die Daten im Lichte einer Theorie erhellt werden, die deutlich macht, WARUM sich die Welt so und nicht anders konstituiert, wie sie es tut.
Und genau hier läßt sich zeigen, daß eine ID-Theorie eben nichts erklärt. Diese Behauptung läßt sich ganz einfach unter Beweis stellen, indem man nämlich die ID-Theoretiker bittet, eine "WARUM-Frage" zu einer beliebigen (!) allgemeinen Beobachtung zu beantworten.“

 

Ich möchte an diesem Punkt deutlich machen, dass wir hier bereits auf Basis einer Theorie „gemeinsamer Abstammung auf Basis eines geistigen Grundkonzepts, eines intelligenten Designs“ arbeiten, und somit die Grenzen einer Theorie „zur Erfassung und Erkennung von Signalen mit intelligenten Ursprung, in Adaption auf die biologische Ursprungsfrage“ überschritten haben. Wir arbeiten also unter folgenden Vorraussetzungen: Es wurden Signale für I.D. gefunden, eine „Verfälschung“ selbiger kann nach besten Wissen ausgeschlossen werden. Was wären die Konsequenzen? Ein paar wesentliche Befunde habe ich schon unter den Punkten 1-10 besprochen.

 

Herr Neukamm: „WARUM hat der Schöpfer die Arten einander ähnlich erschaffen und ähnliche Probleme nicht auf völlig verschiedenen Wegen gelöst (wie dies etwa in der Technik vielfach und planvoll geschehen ist)?“

 

WEIL man Ähnlichkeit als Hinweis auf eine einheitliche Planung werten kann. Ähnlichkeiten lassen sich zudem weitgehend - in der Natur genauso wie in der menschlichen Technik - mit ähnlichen Funktionen begründen, ohne jetzt den Ursprung der Ähnlichkeiten an sich zu kennen. Z.B.: Warum beobachtet man bei Schiffen stets ähnliche Konstruktionsprinzipien?;  Warum sehen alle im Wasser sich schnell fortbewegenden Lebewesen ähnlich aus (ob Säugetiere, Vögel, Reptilien oder Fische)? Sicher nicht, weil das Design dahinter fantasielos ist, sondern weil Lebensräume gewisse Rahmenbedingungen an das Design stellen. Die unter Umständen einzige Möglichkeit, solchen Konstruktionszwängen zu entkommen, ist die Entwicklung eines anderen  Grundbauplans. Bei Schiffen wäre dies das Luftkissenboot, bei schnellschwimmenden Lebewesen der Grundbauplan „Weichtier“, bzw. dessen vielleicht faszinierendster Vertreter, der Tintenfisch.

 

In Bezug auf Ähnlichkeiten gelten unter dem Gesichtspunkt von Intelligent Design die unter 6) angeführten Erwartungen.

 

Herrn Neukamms Frage enthält eine unzutreffende Behauptung:

„... ähnliche Probleme nicht auf völlig verschiedenen Wegen gelöst...“

Ähnlichkeiten existieren in der Natur keineswegs auf Kosten der Vielfalt! Begründet auf einer möglichst anpassungsfähigen und leistungsfähigen Basistechnologie, lassen sich unterschiedlichste Konstruktionen verwirklichen. Ähnlich ist dabei die zugrunde liegende Basistechnologie. In der menschlichen Technik ist eine wesentliche Technologie z.B. die Stahlerzeugung. Was hat der Mensch nicht schon alles aus Stahl gemacht! Vom Gehäuse einer Quarzuhr über diverse Waffen, bis hin zu Wolkenkratzern und den hochlegierten Stählen in der Raumfahrt. Und im Gegensatz zu Herrn Neukamms Behauptung wurden viele Probleme auch und gerade in der Natur auf völlig verschiedene Weise gelöst: 

 

Z.B. das Problem der Fortbewegung: Vom Flagellenantrieb eines Coli-Bakteriums über den Rückstossantrieb eines Tintenfischs bis hin zur Bipedie, die bei den rezenten Arten von Mensch und Känguru benutzt wird, und zwar wieder in grundsätzlich verschiedener Weise. Oder das Problem der Wahrnehmung: Von diversen Sonarsystemen, wie sie von Fledermäusen und Walen benutzt werden, bis hin zu Facettenaugen und Infrarotsensoren, usw..

Es ist übrigens gar nicht leicht, Konstruktionsprinzipien in der menschlichen Technik zu finden, die nicht auch in der Natur in irgendeiner Form vorkommen! 

NACHTIGALL (2001) schreibt: „Dem Organismenbereich kann man aufgrund seiner langen Evolutionszeit und des äußerst vielfältigen Spielfelds eine Ungleich größere Zahl an Konstruktionsmöglichkeiten zuerkennen als der Technik. Allein für das mechanische Problem „Anklammern“ gibt es vielleicht tausend bekannte und sicher zehntausende noch nicht erforschte natürliche Konstruktionen. (...) Das tatsächlich unendlich große Sammelwerk für Konstruktionen der Natur kann aber die vielfältigsten Anregungen geben für eigenständiges technisches Gestalten.“ [8] S.224/226

Die Natur steht für leistungsfähige Basistechnologien und eine „unendlich große“ Vielfalt an verschiedensten Konstruktionen, genau deswegen kann der Mensch noch viel von der Natur lernen und nicht selten lautet die etwas verblüfft wirkende Feststellung etwa so: „Tiere und Pflanzen als Designer, die dem Maschinenbauer und Architekten etwas zeigen können!“ [8] S.16

 

Herr Neukamm: „WARUM hat der Schöpfer eine interdependente Ordnung hervorgebracht und die Merkmale nicht in beliebiger Kombination zusammengestellt?“

 

Ich denke, wir können es herausfinden. Hier zeigt sich, wie auf Grundlage der I.D.-Theorie neue Fragestellungen entstehen können! Walter J. ReMine (1993) hat sich mit dieser Frage beschäftigt: The Biotic Message. Evolution versus Message Theory.“

 

Herr Neukamm: „WARUM hat der rationell konstruierende Designer alte Muster "mitgeschleppt", wie atavistisch angelegte Blätter bei Kakteen oder funktional angeordnete Griffelbeine bei Pferden?“

 

WEIL zunächst einmal festzustellen ist, dass der Begriff Atavismus schon eine evolutionstheoretische Interpretation beinhaltet. D.h. Mißbildungen werden als Rückschläge in einer postulierten Abstammungslinie gewertet und dem entsprechend selektiert: Kein Evolutionstheoretiker wird immer wieder vorkommende Mißbildungen wie Sechsfingrigkeit oder Hasenscharten als Atavismen interpretieren, ganz einfach, weil derlei Interpretationen in keinen Stammbaum passen würden. Das heißt, dass Atavismen keine unabhängigen Belege für Makroevolution darstellen können, sie stellen vielmehr bereits eine Befundinterpretation dar. So ist es zwar prinzipiell möglich, die verlängerten Griffelbeine mit Zehen und Huf bei Pferden als Atavismus zu deuten. Es ist aber auch möglich dies im Rahmen von homeotischen Mutationen zu erklären, in diesem Fall werden normalerweise nur einmal verwirklichte Strukturen doppelt ausgeprägt.

Man sollte dieser funktionalen Erklärung den Vorzug vor einer historischen geben, allein schon weil ein weitreichendes Argument gegen letztere Interpretation als Atavismus spricht:

„Atavistische Gene“ müssen als unabhängig vom aktiven Genom angesehen werden, atavistische Merkmale müssen also auf normalerweise inaktive Gene zurückgeführt werden, die durch Mutationen reaktiviert werden. Solche inaktiven oder „schlafenden Gene“ konnten bislang nicht als atavistische Gene identifiziert werden, dies ist auch theoretisch nicht zu erwarten. So argumentiert JUNKER (2002), dass Gene ohne selektive Bewertung, über längere Zeiträume hinweg, durch den Mutationsdruck zerstört werden und somit jede Chance auf Reaktivierung der stillgelegten Gene verloren geht. Daraus folgt, dass das scheinbar reaktivierte Gen in einem anderen Zusammenhang doch noch gebraucht wird. Womit das Argument der Reaktivierung hinfällig wird und eine atavistische Deutung nicht mehr zwingend ist. Für weitere Details verweise ich auf die Monografie von JUNKER [6].

 

Herr Neukamm: „WARUM findet man nur systematische Fosslienreihen und keine "kreativeren" Umwandlungen?“

 

Das Kambriumproblem zeigt deutlich, dass diese Aussage in ihrer allgemeinen Form nicht korrekt ist, sie ist lediglich der Formenreihe gemäß auf eine Reihe von nachkambrischen Formengruppen anwendbar, insbesondere die Chordata. Lebewesen aus allen bekannten Tierstämmen traten am Übergang vom Präkambrium zum Kambrium deutlich voneinander abgegrenzt auf.  Es hat „wohl nur etwa 10 Mio. Jahre gedauert, bis praktisch alle Tierstämme, die auch heute noch existieren, entstanden“([10], S.71),  anstatt „nur systematische Fossilienreihen“ zu finden, bietet sich eine sensationelle Diskontinuität im Fossilbericht - kreativere „Umwandlungen“ sind schwer vorstellbar!

 

Herr Neukamm: „Meist kommt dann die Antwort, daß sich der Schöpfer eben schon etwas dabei gedacht habe und daß man das "Kuriosum" vorerst noch nicht erklären könne.“

 

Meist kommt dann die Antwort, dass die Wege der Evolution eben unvorhersehbar seien und das man die unüberschaubare Menge an Evolutionsproblemen vorerst noch nicht erklären könne, obwohl es an der „Tatsache“ der Evolution nichts zu rütteln gäbe. Allerdings ist die Erkennung der Signale für I.D. völlig unabhängig von deren Interpretation, es kann gut sein, dass man einige Rätsel in bezug auf den Modus des Designs nie lösen kann. Das ändert nichts, bietet aber vielfältige Forschungsansätze.

 

 

Die Natur durch die Brille der Intelligent-Design-Theorie.

 

Herr Neukamm: „In keinem Falle wird der ID-Theoretiker in der Lage sein, auch nur eine derartige Frage zu beantworten, wie sie die Evolutionstheorie erklärt.“

 

Intelligent-Design-Theoretiker wollen schließlich auch eine Theorie aufstellen, die sich mit der Realität verträgt. Und Realität ist heute, dass Pasteurs Satz „omne vivum ex vivo“ bestens gefestigt ist, nachdem Gegner dieses Satzes selbigen jahrzehntelang gefestigt haben und zu dem Schluss kommen:

„Denn so umfangreich die in vielen Richtungen ausschwärmende Literatur zu diesem Thema geworden ist – in der gleichen Zeit hat auch die Forschung selbst ihre Fortschritte gemacht, und die dabei zu Tage geförderte Komplexität von Bakterien und anderen Zellen hat den Unterschied zwischen Leben und Nicht-Leben sogar noch deutlicher werden lassen.“  [9]

 

Dies soll nur exemplarisch deutlich machen, dass man die Befunde zwar wohl im Sinne einer umfassenden Evolution (+chemische Evolution) deuten kann, dabei aber auf einer höchst unsicheren Grundlage interpretiert, da die Kernpostulate der Evolutionstheorie – wie oben besprochen – unsicherer denn je sind.

 

Zudem ist der Segen solch evolutionistischer Erklärungen durchaus anzuzweifeln: Gerade wurde der Punkt Atavismen andiskutiert, wo sich immer mehr abzeichnet, dass man der Forschung nach einer echten funktionalen Erklärung den Vorzug geben sollte, anstatt vorschnell evolutionistische Interpretationen zu forcieren. So stellt sich z.B. die Frage, was die Interpretation von nicht erblichen Hautanhängen im unteren Rückenbereich als „Schwanz“, an Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft bringt. (STORCH, WELSCH, WINK 2001 [10]) Im Gegensatz dazu weist eine funktionale Erklärung wie sie von JUNKER (2002) vorgenommen wird, den Weg zu einem tiefergehenden Verständnis solcher Missbildungen.

Ganz ähnlich sieht die Lage im Bereich der „Rekapitulationen in der menschlichen Ontogenese“ aus, hier wurden und werden verschiedenen Phasen der Ontogenese als Rekapitulationen von früheren Phasen der Phylogenese gedeutet. Diese vorschnellen Interpretationen im Rahmen des biogenetischen Grundgesetzes (heute: Grundregel) stehen einem funktionalen Verständnis der Abläufe in der Ontogenese entgegen, KAHLE (1999) konstatiert:

„Das „Biogenetische Grundgesetz“ scheint zu einem großen Teil ein Produkt evolutionistischer Fehlinterpretationen zu sein. Blechschmidt hat es aufgrund seiner jahrelangen humanembryologischen Forschungen sogar als „katastrophalen Irrtum in der Geschichte  der Naturwissenschaften“ bezeichnet.“ [11]

Eine weitere, der Wissenschaft abträgliche, Sonderbarkeit evolutionistischer Erklärungen ist es, Systeme in der Natur als fehlerhaft zu deklarieren (KUTSCHERA 2001 [12]) wobei noch nicht einmal ein vollständiges Verständnis der kritisierten Strukturen und Sachverhalte besteht. (RAMMERSTORFER 2003 [13])

DEMBSKI (1999 [15]) bringt es in Zusammenhang mit dem Fall der sogenannten „Junk-DNA“ auf den Punkt:

„For instance, in a 1997 issue of the Journal of Theoretical Biology, John Bodnar and his colleagues describe how „non-coding DNA in eukaryontic genomes encodes a language which programs organismal growth and development. Design encourages scientists to look for function where evolution discourages it.“

 

(Das soll nicht heißen, dass die I.D.-T. die Möglichkeit von Fehlern ausschließt, nur ist die Herangehensweise wesentlich wissenschaftsfreundlicher.)

 

Diese und andere Beispiele lassen Zweifel am wissenschaftlichen Wert evolutionstheoretischer Interpretationen aufkommen. Aber wie sieht es mit dem der Intelligent-Design-Theorie aus? Welche wissenschaftlich wertvollen Anreize bietet sie?

 

Die Intelligent-Design-Theorie wünscht in Bezug auf die gerade kritisierten Punkte ein absolut vollständiges Bild über die zugrundeliegende genetische und entwicklungsphysiologische Situation. Dadurch erhofft man sich a) eine Entkräftung evolutionstheoretischer Interpretationen und b) einen massiven Erkenntnisgewinn.

Wie JUNKER&SCHERER (2001) anhand der Entkräftung der im Rahmen des biogenetischen Grundgesetzes getätigten Interpretationen zeigen, geht Punkt a) oft mit Punkt b) einher. Es ist ein generelles Anliegen der I.D.-Theorie, eine maximale Erkenntnis über Funktion und Aufbau der Natur zu erhalten, da nur so neue Design-Signale entdeckt werden können. Aus der Fülle der Design-Signale erhofft man schließlich, Rückschlüsse auf den Designer selbst ziehen zu können.

Weitere Forschungsanreize beruhen auf der Frage, wo genau die Grenzen der Variabilität der Arten liegen, d.h. in der experimentellen Evolutionsforschung würde sich das Augenmerk verändern.

Das beinhaltet etwa auch die Frage nach programmierter Variabilität. Gibt es ein Variations-Programm, wie sieht es aus, welche Vorhersagen lassen sich auf Basis der Kenntnis dieses Programms in Bezug auf das Auftreten von Varietäten tätigen? Etc.

 

Es zeigt sich also, dass man mit der Intelligent-Design-Theorie nicht am Ende der Wissenschaft angekommen ist, da die I.D.-Theorie zwar eine Antwort auf den Ursprung der Organismenwelt gibt, dabei aber keine Fragen nach Funktion und Aufbau der Natur beantwortet, da sie nur auf den Ursprung bezogen ist.

 

Nun mag konsequenterweise noch folgende Frage gestellt werden:

„Woher will der Intelligent-Design-Theoretiker wissen, wo die Frage nach Funktion&Aufbau der Natur endet und die Frage nach dem Ursprung beginnt? Könnte nicht gerade die abiotische Synthese primitiven Lebens und dessen Komplexitätsgewinn zu „Funktion&Aufbau“ der Natur gehören? Man sieht, dass die Grenzziehung der I.D.-Vertreter künstlich ist und letztlich doch die Wissenschaft behindert, da man einfach einen Designer postuliert, anstatt eine eventuell mögliche „natürliche“ Entstehung der Organismenwelt zu erforschen.“ 

 

Der Intelligent-Design-Theoretiker ist stets bemüht, genau zu erkennen was „natürliche“ Vorgänge (Sprich ohne intelligentes Eingreifen. Intelligenz, Plan und Geist sind ja nichts „unnatürliches“!) können und was sie eben nicht können. Dabei untersucht er natürlich auch das „Descent-with-modification-Prinzip“, bzw. die Rolle die es in Funktion&Aufbau der Natur spielt. Nur so ist es ihm möglich, klare Signale für Intelligent Design zu erhalten, und – immer nur auf dem gegenwärtigen Stand des Wissens – Störquellen auszuschließen.

Daraus resultiert, dass die Intelligent-Design-Theorie der perfekte Motor für wissenschaftlichen Fortschritt ist: Um sich maximal sicher sein zu können, dass die Signale für Intelligent Design nicht verfälscht werden, ist ein 100% Verständnis der Natur erforderlich. (Vermutlich pure Utopie!) Und in ihrem ständigen Bestreben ihre Theorie zu sichern, werden die Intelligent-Design-Theoretiker für wissenschaftlichen Fortschritt sorgen.

   

 

Einwand: Organismen pflanzen sich fort, im Gegensatz zu den offensichtlich in einem  Schritt entstandenen Systemen der menschlichen Technik.

 

LÖNNIG (1993[14]) weist zu diesem Punkt auf Folgendes hin: „Man hört hierzu manchmal den Einwand, dass sich die von Menschen erschaffenen kybernetischen Systeme nicht fortpflanzen können. Dabei wird völlig übersehen, dass Mitose und Meiose selbst ungeheuer komplexe kybernetische Systeme darstellen, deren erfolgreiche Funktion unter anderem das genauestens koordinierte Zusammenspiel von Hunderten von Genen erfordern. Das synorganisierte Zusammenspiel einer Vielzahl von physiologischen und anatomischen Strukturen zur Fortpflanzung bei komplexeren Organismen sei dabei nur am Rande erwähnt.“

Maschinen die sich selbst replizieren, würde man in der menschlichen Technik als genialen Wurf feiern, was ein Grund mehr ist, anzunehmen, dass dies auch in der Natur auf einen „genialen Wurf“ zurückzuführen ist!  Daraus folgt zudem, dass obiger Einwand ein „Ablaufdatum“ haben könnte, denn selbstreproduzierende Maschinen sind ein Ziel von Technikern und Ingenieuren, die heute beträchtliche Anstrengungen unternehmen, um diesem näher zu kommen. (Vergl. z.B. [19])

 

Des Weiteren hinkt dieser Einwand bereits: Im Rahmen der Bionik versucht man die Wirkungsweise der Evolutionsfaktoren auch auf die Technik zu übertragen. Dabei werden vollständig vorhandene und funktionsfähige Systeme optimiert, jedoch nicht kreiert! Ein Beispiel: Klassisch ist die Optimierung einer Venturidüse aus dem Jahr 1968 durch den heute bekannten Evolutionsstrategen Hans-Paul Schwefel am AEG-Forschungsinstitut Berlin. Man hat die Düse in Scheiben geschnitten, diese zufällig zusammengesetzt und der Selektion unterworfen. Nach dem 45sten Versuch hatte man eine seltsam geformte Düse mit einem um 40% besseren Wirkungsgrad. Da man damals gemischte Strömungen aus Flüssigkeit und Gasblasen nicht berechnen konnte, war es ein absolut unvorhergesehenes Ergebnis. (Vgl. NACHTIGALL 2001)

 

Der nächste Punkt ist für obigen Einwand der kritischste, er bezieht sich auf die überall zu beobachtende Synorganisation: Jemand, der obigen Einwand verwendet, muss auch plausible Vorstellungen davon haben, wie der Rotationsmotor von E.coli, das Blutgerinnungssystem, die Fortpflanzungssysteme der Orchideen Coryanthes und Catasetum, usw. SCHRITTWEISE entstanden sein könnten! Hat er diese Vorstellungen also nicht, so gilt obiger Einwand ganz einfach nicht, da primär von in einem Schritt entstandenen Systemen auszugehen ist. Alternativen dazu müssen erst aufgezeigt werden, allerdings muss im Rahmen der Evolutionstheorie zwingend davon ausgegangen werden, dass diese existieren, da diese ansonsten in Bezug auf den Ursprung der Arten ad acta gelegt werden kann.

 

 

Einwand: I.D.–Vertreter argumentieren: Komplexität ist ein Zeichen für Intelligent Design und komplexe Systeme können nicht „von selbst“ entstehen.

 

Der Begriff „Komplexität“ wird von I.D. – Vertretern sehr gerne verwendet, um auf die vielschichtige Vernetztheit biologischer Systeme hinzuweisen, die oft noch, für eine zufällige Entstehung erschwerend, zu deren Organisation hinzukommt. Ich persönlich ziehe es meist vor, von „komplexer Organisation“ zu sprechen, um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen. Um ein Beispiel zu nennen: Auch die Vorgänge innerhalb einer gemischten Strömung aus Flüssigkeit und Gasblasen sind enorm komplex, weisen aber absolut nicht auf intelligentes Design hin, sondern sind lediglich vielschichtige, durch Naturgesetzlichkeiten hervorgerufene Wechselbeziehungen. Das Stichwort ist Organisation, diese ist die Abgestimmtheit von verschiedenen Komponenten und Systemen zum Erreichen eines bestimmten Zieles. Eine Harpune etwa ist kein Musterbeispiel für Komplexität in obigen Sinn, steht aber für Organisation und damit für Zielgerichtetheit. Und I.D.-Vertreter interessieren sich für Organisation, enorme Komplexität ist lediglich eine Begleiterscheinung des Lebenden. Bei einem System „nicht zu vereinfachender Komplexität“ (Im Prinzip das Gleiche meinen I.D.-Theoretiker wenn sie von  „synorganisierten Systemen“ sprechen.), geht es nicht um eine möglichst vielschichtige Vernetztheit möglichst vieler Komponenten, sondern um die Zielgerichtetheit eines Systems. DEMBSKI (1999 [15]) schreibt:

„A system is irreducibly complex if it consists of several interrelated parts so that removing even one part completely destroys the system’s function. (...) Irreducible complexity needs to be contrasted with cumulative complexity. A system is cumulatively complex if the components of the system can be arranged sequentially so that the successive removal of components never leads to the complete loss of function.“ S.147

 

Es geht nicht um kumulative Komplexität sondern um irreduzible Komplexität. Irrreduzible Komplexität finden wir in Maschinen, wie etwa einer Harpune. Alle Komponenten in einer Harpune sind auf eine Ziel hin organisiert. Die Zielgerichtetheit dieser Maschine hängt davon ab, ob das Mindestmaß an Komplexität gehalten wird. Entfernt man nun eine Komponente dieser Harpune, wird die irrreduzible Komplexität unterschritten und die Zielgerichtetheit des Systems zerstört. BEHE (1996) zeigt eine ganze Reihen von solchen Systemen auf biochemischer Ebene, ich verweise – weil sehr schöne Parallelen zur Harpune auftreten – auf die Nesselzelle, eine besonders anschauliche Darstellung findet sich bei MÜLLER (1998 [16]).

Intelligent-Design-Theoretiker werten also Organisation als Zeichen für Planung, wobei „irreducible complexity“ als Erkennungskriterium verwendet wird. Komplexität ist nur insofern wichtig, als das mit der Höhe des Komplexitätsgrades die Chance auf irgendwelche erstaunlichen Zufälle verschwindet. Wenn Sie in ihrem Garten drei Äste finden, die ein (mehr oder weniger präzises) Dreieck ergeben, können Sie sich mit einem Zufall trösten. Finden Sie aber zehn Äste, die zu einem Stern angeordnet wurden, haben Sie es sicher mit einer fremden Intelligenz zu tun.  

 

Irreduzible Komplexität darf es nicht geben, sie ist prinzipiell inkompatibel mit der Vorstellung einer Evolution, denn mit dieser lässt sich nur kumulative Komplexität erklären. D.h. Evolutionstheoretiker müssen aufzeigen, dass jede Komplexität in der Natur letztlich kumulativ ist, und somit über schrittweise Prozesse erreichbar. An diesem Punkt geht es für Evolutionstheoretiker aller Richtungen ans „Eingemachte“, es sind nicht länger Kritiken, welche Teilbereiche irgendwelcher Evolutionstheorien betreffen und vielleicht doch noch entkräftet werden können, sondern aus der Natur gewonnene Beobachtungen, die auf den ersten Blick eine schrittweise Evolution als beinahe unvorstellbar erscheinen lassen. Da diese Beobachtungen alle dem gleichen Grundprinzip folgen, so sind z.B. das Blutgerinnungssystem, Nesselkapseln und Rotationsmotoren biologisch grundverschieden und dennoch sind die Probleme für eine schrittweise Entwicklung immer gleich, kann man daraus nur schließen, dass in den Vorstellungen von Evolution eine grundsätzliche Lücke besteht. Es ist zwar prinzipiell möglich, zu versuchen, jedes von I.D.-Theoretikern vorgebrachte Beispiel vom Typ „Irreduzible Komplexität“, einzeln zu entkräften, in dem man sie in kumulative Komplexität auflöst. Allerdings wird dieser Versuch von „Sondererklärungen“ mit der Menge an neuen Beispielen immer hoffnungsloser und unglaubwürdiger. Letztlich bleibt für den Evolutionstheoretiker nur eine Option: Sie müssen aufzeigen, dass es einen Mechanismus gibt, der solche irrreduziblen Systeme erzeugt. Das ist tatsächlich gelungen:

 

Systeme irrreduzibler Komplexität lassen sich sehr einfach mit den Darwin’schen Faktorensystem erreichen. Gibt man dem Evolutionsprozess ein Ziel vor, so muss die Selektion lediglich auf dieses Ziel hin optimieren.

Dieses Grundprinzip zeigt uns DAWKINS (1987 S.66-67, [17]) : Ausgehend von einer willkürlichen Sequenz von 28 Buchstaben, zeigt er, wie man via Mutation&Selektion den Satz „Me thinks it is like a weasel“ erzeugen kann. Dawkins lässt die Zeichenfolge in jeder „Generation“ mutieren, das Programm selektiert diejenige Zeichenfolge, welche dem Zielsatz (!) am nächsten kommt. Und in der 43. Generation wurde der Zielsatz erreicht, Mutation und Selektion haben den Satz „Me thinks it is like a weasel“ produziert. Mit der prinzipiell gleichen Strategie kann man jedes beliebige System evolutionär realisieren, die irrreduziblen Systeme in der Natur sind dann kein Problem mehr. Dabei ist jedoch zu beachten, das diese Strategie eng mit dem Faktor „Zielgerichtetheit“ verbunden ist, was allerdings nicht in Frage kommt, wie DEMBSKI weiter schreibt: „The great appeal of Darwin’s selection mechanism was, after all, that it would eliminate teleology from biology.“

 

Wenn man diesen Punkt berücksichtigt, bekommt man ein Problem, denn Dawkins hat die Evolutionsfaktoren als Vehikel verwendet um an ein vorher definiertes Ziel zu kommen. Oben habe ich eine Harpune als Beispiel für irrreduzible Komplexität gebraucht, wenn man diese Struktur ohne Teleologie realisieren möchte, ergibt sich folgende Aufgabe: Es muss gezeigt werden, dass diese Struktur, durch schrittweise Änderungen, die alle unter gegenwärtigen Selektionsbedingungen einen Selektionsvorteil bringen, erreichbar ist. Auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen, als ob diese Harpune ein Ziel für die Evolutionsmechanismen darstellt, die Harpune muss sich ganz nebenbei als Resultat zufälliger Variationen und stets an der Gegenwart orientierten Selektionsdrücken ergeben. Es muss sich so ähnlich verhalten, als wenn ein Mensch am Gipfel des Mt. Everest steht, und sagt: „Hoppla, jetzt steh ich da am „Dach der Welt“ und hatte es gar nicht geplant, ich hab mich nur von den Umständen treiben lassen.“ Dieser Spaßvogel müsste uns allerdings erst einmal glaubwürdig beschreiben, wie man solch einen schwierigen Aufstieg tätigt, ohne das Endziel, den Gipfel, vor Augen zu haben!                

 

  

...warum die Natur für I.D. spricht („des Pudels Kern“)...

 

DAWKINS (1987 [17]) definierte Biologie als „das Studium komplizierter Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden“. Evolutionstheoretiker haben sich eine äußerst schwierige, vielleicht unlösbare Aufgabe gestellt: Sie müssen, um ihrer Theorie ein Fundament zu geben, die offensichtliche Finalität in der Natur als Illusion entlarven. (Also sozusagen beschreiben wie Menschen, ohne es geplant zu haben, auf die höchsten Gipfel gelangen, indem sie sich einfach von den Umständen treiben lassen.)  

Ein Beispiel: Sie müssen zeigen, dass der Rotationsmotor des Coli-Bakteriums ohne einen vorgefassten Plan entstehen kann, obwohl es scheint, dass all die Komponenten dieses Antriebs nur auf einen bestimmten Zweck hin angeordnet wurden. Das darf natürlich keinesfalls sein! Und so müssen sie versuchen, sich irgendwelche Zwischenstufen auszudenken, Doppelfunktionen plausibel zu machen, die als reines - völlig ungeplantes - Nebenprodukt, schließlich so unglaublich geplant und zielgerichtet erscheinende Strukturen wie Rotationsmotoren es nun mal sind, hervorbringen. Dieses Problem beginnt bereits bei der Entstehung der ersten Zelle und begleitet den Evolutionstheoretiker anschließend quer durch das gesamte Organismenreich. Gibt es eine Alternative zu dieser Auffassung?

Zu dieser Auffassung gibt es keine Alternative!  Wer dies dennoch behauptet, schätzt die Situation gänzlich falsch ein. Denn die Evolutionstheorie selbst ist bereits die Alternative zu dem einzig naheliegenden Schluss:

„Zielgerichtete Strukturen, sprich „Maßnahmen, Verfahren und Einrichtungen zur Beherrschung und zweckmäßigen Nutzung der Naturgesetze“ wie sie Lebewesen eindeutig benutzen, entstehen durch Zielgerichtetheit, also planvolles Vorgehen, welches Intelligenz und Geist bedingt.“

Der Schluss von Planmäßigkeit, Zielgerichtetheit, wie sie in der Natur überall zu finden ist, auf einen Planer, ist ganz einfach der naheliegenste Schluss. Er stellt die erste Wahl dar, genauso wie man einen Menschen auf dem Mt. Everest der planmäßigen Gipfelbesteigung bezichtigen würde! Deshalb ist Intelligent Design keine Alternative zu Evolution, sondern Evolution eine Alternative zu Intelligent Design. Und diese „Alternative“ muss zunächst einmal folgenden Fragenkomplex lösen: Wie sollen auf der Basis von per Definition zufälligen Mutationen, welche durch dynamische Selektionsbedingungen, die sich aus einem Wechselspiel zahlreicher, verändernder Parameter zusammensetzen und stets auf die Gegenwart hin optimieren,  beurteilt werden, Strukturen entstehen, die erst in der Summe ihrer Teile eine erste Funktion ermöglichen, und somit geradezu frappierend an intelligentes Design erinnern? Das, was gemäß der Intelligent-Design-Theorie zu erwarten ist, nämlich Zielgerichtetheit, muss von der Evolutionstheorie erst mal (weg-)erklärt werden! Und selbst wenn dies tatsächlich gelingt (Alle Evolutionstheoretiker mit denen ich bislang diskutieren durfte, haben schließlich auf eine zukünftige Lösung dieser Probleme hingewiesen.), so stellt die Evolutionstheorie noch immer die zweite Wahl dar, da die Zielgerichtetheit der Natur niemals eine logische Erwartung aus dieser (Zufalls-)Theorie sein kann!

Kurz gesagt, gibt es zwei Möglichkeiten sich zu entscheiden:

 

a) Intelligent-Design-Theoretiker: Diese haben die Aufgabe, aufzuzeigen, dass planmäßige, zielgerichtet erscheinende Strukturen in der Natur tatsächlich nur durch Intelligent Design entstehen können, damit gesichert wird, dass der am nächsten liegende Schluss kein Trugschluss ist.

 

b) Evolutionstheoretiker: Diese haben die Aufgabe, aufzuzeigen, dass ihr „Descent-with-modification-Prinzip“ in der biologischen Realität mehr kann als Mikroevolution, erst dann wäre die Konkurrenzfähigkeit zu I.D. gegeben, und man könnte den Schluss der I.D.-Theoretikern von planmäßig erscheinenden Strukturen auf einen Planer ernsthaft angreifen. Letztlich müssen sie aufzeigen, dass „Experten“ für Nutzbarmachung und Beherrschung der Naturgesetze, als bloße Effekte dieser Gesetze entstehen können.

 

 

Schlussfolgerungen: Intelligent Design vs. Evolution

 

Intelligent-Design-Theorie: Sofern man den Schluss von Signalen für intelligentes Design auf einen Designer nicht grundsätzlich ablehnt und Intelligenz, Plan und Geist als reale Dinge ansieht, bietet sich auf Basis dieser Theorie für wesentliche Befunde eine exzellente Erklärung, etwa, was den Ursprung des Lebens angeht oder die komplex synorganisierten Systeme der Organismen. Elegant würden sich Fragen auflösen, wie: Warum kann der Mensch noch so sehr viel von der Natur lernen? Woher stammt die enorme Menge an technischen Informationen im genetischen Code, einem Codesystem, dass nach gegenwärtigem Wissenstand optimal (in Größe, Stabilität und Fehlervermeidung) und unfassbar komplex organisiert erscheint? Warum tritt uns das Leben in einer geradezu verschwenderisch wirkenden Pracht und Vielfalt entgegen? Woher kommt das erstaunliche instinktive Wissen in der Natur, warum können viele Tiere mit ihren Navigationsleistungen gegen GPS antreten? Usw.

So stark die Erklärungskraft der I.D.-Theorie in Bezug auf solch fundamentale Fragen auch ist, im Sekundärbereich (Modus des Designs, ...) gibt es auf Basis der I.D.-Theorie einige ungeklärte Fragen, was freilich stark mit den weltanschauliche Vorentscheidungen der jeweiligen Vertreter dieser Theorie zusammenhängt.

 

Evolutionstheorie(n):  Es gibt eine ganze Reihe an Befunden, die gut zur Vorstellung einer Evolution passen, oder zu passen scheinen.

Allerdings fehlt der Evolutionstheorie das hinreichende Fundament, Kernfragen wie die Entstehung des Lebens* und seiner synorganisierten Strukturen wachsen eher, anstatt einer Erklärung näher zu kommen. Das in Evolutionsmodellen zahlreiche Konvergenzen auftreten, ist ebenfalls ein Problem, besonders wenn es sich um komplex organisierte Organe wie das Auge handelt. Zudem basieren sehr viele Belege für die (Makro-)Evolution in der einen oder anderen Form auf dem Argument der Ähnlichkeit, dass leicht einen tautologischen Charakter annehmen kann, aber in der Praxis vor allem durch die Etablierung von Alternativen im Rahmen der I.D.-Theorie bedroht wird („Message-Theorie“), womit die Monopolstellung evolutionistischer Deutungen für Ähnlichkeit untergraben wird.

 

Schlussbemerkung 

 

Ich denke, es wird kein Mensch – nach Betrachtung der Datenlage - was hier nicht wirklich möglich war, ein Problem bei der Wahl „seiner“ Theorie haben. Wer meint, nur naturalistische Erklärungen seien echte Erklärungen, könnte mit ersterer Theorie seine Probleme haben. (Sofern er nicht die Randgruppenmeinung, eines „Designs durch Außerirdische“ oder Ähnliches vertritt.) Wer hingegen die Theistische Einstellung „Geist zuerst!“ vertritt, wird mit letzterer Theorie wenig Freude haben. So oder so schränkt wohl jeder seine Wahl ein.

 

Trotzdem soll hier nicht der Eindruck entstehen, alles hänge nur von irgendwelchen weltanschaulichen Vorentscheidungen ab, denn die naturwissenschaftlichen Daten vermitteln ein Bild, das sehr stark auf intelligentes Design hinweist – selbst wenn man hauptsächlich die unbelebte Welt in Betracht zieht -, George Greenstein, bestimmt kein Freund des Design-Gedankens, drückt das so aus:

 "As we survey all the evidence, the thought insistently arises that some supernatural agency - or, rather, Agency - must be involved. Is it possible that suddenly, without intending to, we have stumbled upon scientific proof of the existence of a Supreme Being? Was it God who stepped in and so providentially crafted the cosmos for our benefit?" [22]

Fred Hoyle hatte ebenfalls nicht die geringste weltanschauliche Motivation, die Natur auf Anzeichen von I.D. zu untersuchen und kommt zu dem Schluss: "A common sense interpretation of the facts suggests that a superintellect has monkeyed with physics, as well as with chemistry and biology, and that there are no blind forces worth speaking about in nature. The numbers one calculates from the facts seem to me so overwhelming as to put this conclusion almost beyond question." [23]

 

Ich denke, dass diese Aussagen eine interessante Frage aufwerfen, betreffend der Diskussion, ob die I.D.-T. in der Naturwissenschaft eine Existenzberechtigung hat, oder nicht: Wenn selbst viele Wissenschaftler, ohne es irgendwie zu wollen, zu der Überzeugung gelangt sind, dass hinter der Natur Intelligent Design steckt, oder zumindest die Daten stark in diese Richtung deuten, warum soll es dann ein Problem darstellen, dass I.D.-Theoretiker die Natur gezielt daraufhin untersuchen wollen? Im Gegenteil, wie ich das sehe, wäre es ein großer Fehler, die Natur nicht auf Intelligent Design hin zu untersuchen!

 

 

 

*Dieser Punkt gehört eigentlich nicht zur Bioevolution sondern zur chemischen Evolution, was de facto irrelevant ist: Wer für eine Bioevolution durch blinde Naturkräfte eintritt, lässt die Frage nach dem Ursprung des Lebens selten unbeantwortet, er wird meistens auch hier nur blinde Naturkräfte als Erklärung akzeptieren.

 

**Mit dem umfassenden und in zahllosen Varianten auftauchenden „Argument der Ähnlichkeit“, haben Evolutionstheoretiker allerdings selbst eine höchst analogiezentrierte Argumentationsweise, wenn es um Belege für ihre Auffassung zum Ursprung der Organismenwelt geht!      

 

Quellen:   

 

[1] Neukamm 2003: Evolution und Schöpfung im Vergleich. URL: http://www.vdbiol.de/debatten/evolution/neukamm3.html            

 

[2] Weber 2002: Darwinismus. S.69

 

[3] Goodwin dt.1997: Der Leopard der seine Flecken verliert. Evolution und Komplexität.   S. 11/12 

 

[4] Junker&Scherer 2001: Evolution. Ein kritisches Lehrbuch.

    

     Lönnig 1998: Zehn Paradebeispiele gegen Zufallsevolution.

    

     Behe 1996: Darwin's Black Box. The Biochemical Challenge to Evolution.

    

     Scherer 1996: Entstehung der Photosynthese. Grenzen molekularer Evolution bei        

                            Bakterien?

 

[5] Gould dt.1998: Illusion Fortschritt. Die vielfältigen Wege der Evolution. S.244

 

[6] Junker 2002: Ähnlichkeiten, Rudimente, Atavismen. Design-Fehler oder Design-Signale? S.35

 

[7] Dettner&Peters (Hrsg.) 1999: Lehrbuch der Entomologie. S.741

 

[8] Nachtigall&Blüchel 2001: Das große Buch der Bionik. Neue Technologien nach dem

     Vorbild der Natur.

 

[9] Fischer 2002: Grenzen des Wissens. S.6  Spektrum der Wissenschaft (Dossier)  2/2002 

 

[10] Storch, Welsch, Wink 2001: Evolutionsbiologie. S.54

 

[11] Kahle 1999: Evolution – Irrweg moderner Naturwissenschaft? S.157/158

 

[12] Kutschera 2001: Evolutionsbiologie. Eine allgemeine Einführung. S.181/182

 

[13] Rammerstorfer 2003: C3/C4 Photosynthese – Ein Argument gegen Intelligent Design?   URL: http://members.aon.at/evolution/C3C4.htm

 

[14] Lönnig 1993: Artbegriff, Evolution und Schöpfung. Unterthema: Grundsätzliche Einwände zur Artbildung durch Intelligent Design.

 

[15] Dembski 1999: Intelligent Design. The Bridge Between Science & Theology.

 

      Zitiert in Dembski 1999: Bodnar, Killian, Nagle, Ramchandani 1997: „Deciphering the Language of the Genome.“     

       Journal of Theoretical Biology  189:183.

 

[16] Müller 1998: Tier- und Humanphysiologie. S.339/340

 

[17] Dawkins 1987: Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus. S.13

 

[18] Campbell&Reece dt.2003: Biologie. S.502; Interview Neil Campbells mit John Maynard Smith.

 

[19] Sipper&Reggia 2002: Roboter, die sich selbst vermehren. Spektrum der Wissenschaft 4/2002

 

[20] Lönnig 1995: Mutationen: Das Gesetz der rekurrenten Variation.

 

[21] Lönnig 1999: Johann Gregor Mendel: Why his discoveries were ignored for 35 (72) years.

 

[22] Greenstein 1988: The Symbiotic Universe. S.27

 

[23] Hoyle 1982: The Universe: Past and Present Reflections. Annual Review of Astronomy and Astrophysics: 20:16

 

[24] Daber 1999: Die Kambrische Explosion. Im Brockhaus 1999: Vom Urknall zum Menschen. S. 342/343

 

Ursprungsversion: 02.05.2003

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