Eine Theorie zur Signalerkennung und
ihre (möglichen) Folgen.
Ich
habe die Intelligent-Design-Theorie, als „Theorie zur Erfassung und Erkennung
von Signalen mit intelligenten Ursprung, in Adaption auf die biologische
Ursprungsfrage“ definiert. Nun wurde die Frage gestellt, was die
Intelligent-Design-Theorie eigentlich erklärt, denn der Wert dieser Theorie
müsse sich an ihrer Erklärungskraft im Vergleich zu anderen Theorien zeigen.
Welche Konsequenzen würden der Wissenschaft daraus erwachsen, wenn die Zeichen
für intelligentes Design in der Natur als solche anerkannt werden? Wie würde
man verschiedene Befunde dann erklären, bzw. interpretieren?
Herr Neukamm: „Zum einen
muß betont werden, daß Evolutionstheorien zwei logisch voneinander getrennte
Bereiche umspannen, nämlich die Abstammungshypothese (welche den Wandel und die
gemeinsame Abstammung der Arten behauptet) sowie verschiedene Kausaltheorien
(welche die mechanistischen Kräfte in der Evolution zum Thema haben) ... . Uns
soll es hier nur um die Abstammungshypothese gehen, handelt es sich doch um die
zentrale Aussage aller Evolutionslehren, die von den Antievolutionisten
infragegestellt wird. Daher ist, wenn wir im folgenden von
"Evolutionstheorie" sprechen, die Abstammungshypothese gemeint.“
[1]
Die gemeinsame Abstammung
aller Organismen erscheint naheliegend. Die tiefgreifenden Ähnlichkeiten
zwischen allen Organismen zeigen auf, dass das Leben auf unserem Planeten nur
eine Ursache hat, sprich von einer Ursache abstammt. Es bleibt also „nur“ die
Frage nach dem Wesen der Ursache:
A) Eine gemeinsame
Abstammung durch eine makroevolutive Entwicklung aller Formen aus einer Urform
(+chem. Evolution), ohne intelligentes Eingreifen.
B)
Eine gemeinsame Abstammung vom geistigen Grundkonzepts eines intelligenten
Designers, welches alle Formen umspannt, ohne Makroevolution.
Herr
Neukamm kann die Deszendenztheorie nicht so total von den Evolutionstheorien
entkoppeln. Der Grund ist einfach: Findet man in der Natur keine Mechanismen,
die eine gemeinsame realgenetische Abstammung bewirken können, so ist die
Deszendenztheorie zum Scheitern verurteilt, auch wenn ihre innere Logik noch so
bestechend wirken würde. Natürlich kann man nie ausschließen, dass doch noch
solche Mechanismen gefunden werden, denn wie Herr Neukamm richtig feststellt,
offenbart die Wissenschaft keine „ewigen Wahrheiten“, alles gilt sozusagen nur
„auf Widerruf“.
Nun
ist die Mechanismenfrage trotz jahrzehntelanger Bemühungen von Evolutionisten
völlig ungeklärt, obwohl die offizielle (neodarwinistische) Version immer noch
so lautet wie es WEBER (2002) zum Ausdruck bringt:
„Die Auslese bestimmt
den Wandel von Organismen in vergleichsweise kurzen Zeiträumen, doch dieser
Wandel kann problemlos auf viel längere Zeiträume ausgedehnt werden –
Makroevolution ist daher nur eine Folge der Mikroevolution, keine zusätzlichen
erklärenden Prinzipien werden benötigt.“ [2]
Faktum
ist, dass die Extrapolation von Mikroevolution auf Makroevolution nicht
selbstverständlich ist, auch Evolutionisten sehen die Problematik, etwa GOODWIN
(1997):
„Die Darwinsche Theorie
scheint lediglich die mikroskopischen Aspekte der Evolution abzudecken: Sie
kann die innerartlichen Variationen und Adaptionen erklären, welche die
Feinabstimmung von Varianten auf verschiedene Lebensräume ermöglichen. Um die
makroskopischen Gestaltunterschiede, welche die Grundlage der biologischen
Klassifikationssysteme bilden, erklären zu können, bedarf es dagegen offenbar
eines anderen Prinzips als der auf geringfügige Variationen einwirkenden
natürlichen Selektion, handelt es sich hier doch um einen Vorgang, der deutlich
voneinander unterscheidbare Formen von Organismen hervorbringt. Dies ist das
Problem der emergenten Ordnung in der Evolution, des Ursprungs neuartiger
Strukturen in Organismen, das von jeher einen Schwerpunkt der biologischen
Forschung bildete.“ [3]
Und Evolutionskritiker
zeigen anhand einer Vielzahl von Beispielen auf, dass für Ursprungstheorien,
welche mit einer schrittweisen Entstehung neuer Strukturen arbeiten müssen,
offensichtlich fundamentale Probleme bestehen. (vergl. z.B. Junker&Scherer
2001, Lönnig 1998, Behe 1996, Scherer 1996; siehe [4])
Das heißt, dass die
Deszendenztheorie derzeit auf sehr schwachen Beinen steht, allein schon weil
trotz intensiver Forschungen eine solche Deszendenz weder experimentell noch
theoretisch nachvollziehbar ist.
Was nützt eine Theorie,
mit der man (vordergründig) viele Aspekte der Erdgeschichte erklären kann, die
aber dazu Postulate benötigt, welche sich experimentell offensichtlich nicht
bestätigen lassen und sogar theoretisch nicht oder nur sehr schwer vorstellbar
sind?
Was nützt die
Deszendenztheorie, wenn ihr Kernpostulat, nämlich die Deszendenz der höheren
systematischen Kategorien, speziell der Baupläne, von den Evolutionstheorien
nicht gedeckt werden kann?
Wenn diese Deszendenz nach
heutigem Wissenstand und nach jahrzehntelangen Forschungen, als gänzlich
unwahrscheinlich betrachtet werden muss (und dem ist so), so muss sich dass
auch auf die Deszendenztheorie auswirken, nämlich in dem Sinne, dass sie nicht
mehr länger eine relevante Deutungsmöglichkeit der Erdvergangenheit darstellt.
Schließlich gab es auch sonst immer Wechselwirkungen zwischen der Mechanismenfrage
und der Deszendenztheorie: Darwin ging von einem gradualistischen Ablauf der
Evolution aus, entsprechend wurde der Fossilbericht interpretiert. (Das
Paradebeispiel dafür dürfte die Pferdereihe sein.) Als schließlich klar wurde,
dass der Fossilbericht keinen gradualistischen Formenwandel wiedergab, musste
man einen (relativ) schnellen Formenwandel annehmen, wie er vom Punktualismus
vertreten wird. Entsprechend machte und macht man sich auf die Suche nach
Mechanismen, die einen solchen Wandel bewirken können. Freilich wäre die
Wechselwirkung, die mir vorschwebt, radikaler, aber die Deszendenztheorie darf
keine „heilige Kuh“ darstellen, ansonsten wird sie zur Deszendenzlehre und
somit zur Sache der persönlichen Glaubensentscheidungen.
Zusätzlich drängt sich folgender
Gedanke auf: Wenn man Kausaltheorie und Deszendenztheorie voneinander trennt,
dann läuft man allerdings Gefahr, dass sich eine Theorie bestätigen könnte, die
andere jedoch nicht. Was ist von der Deszendenztheorie zu halten, wenn Abiogenese
nicht funktioniert? Wie kann sich etwas weiterentwickeln, was gar nicht
entstehen konnte? Oder drehen wir die Sache herum: Was, wenn Abiogenese
funktioniert, aber Makroevolution nicht? Dann könnte es nur die rudimentärsten
Lebewesen geben, die natürlich nicht ewig einen Stoffwechsel aufrechterhalten
können, wenn keine Kreisläufe existieren.
Herr Neukamm: „Wenn
diese Einschätzung stimmte, gäbe es keine Naturgesetze, denn Gesetzmäßigkeiten
bringen ja nachgerade Ordnung ins Chaos, weisen den Zufall in seine Schranken
und erzeugen "Shannon-Information", die sich in Gestalt einer
Abweichung vom "statistischen Durchschnitt" manifestiert ... .“
Darauf aufbauend
unterläuft Herrn Neukamm ein fundamentaler Fehler, der etwa ganz deutlich wird,
wenn er sagt:
„Ordnung entsteht dann,
wenn Naturgesetze am wirken sind. Es erscheint daher trivial, daß unsere Welt
von solchen "Signalen der Ordnung" geradezu durchdrungen wird. Das Problem
des ID-Theoretikers besteht jetzt darin, daß die Deutung von Ordnung im Rahmen
der "Intelligent-Design-Theorie" prinzipiell immer gelingt - völlig
gleichgültig, wie sich das Ordnungsmuster im Detail konstituiert (...) Man
sieht, daß die hohe Spezifität der naturgesetzlichen Erklärung vollkommen der
Beliebigkeit weicht: Während wir mit der Abstammungshypothese nur ganz
spezifische Sachverhalte zu erklären in der Lage sind, läßt sich im Prinzip
jede Form von Ordnung unter den Schlagbegriff "intelligentes Design"
subsummieren.“
Sind „Signale der Ordnung“
etwa dasselbe wie Signale für Intelligent Design? Ich habe vor kurzem eine
Begebenheit erlebt, die helfen könnte, diese Frage zu klären: Bei einem
Spaziergang entdeckte ich unter einer Brücke bemerkenswerte Strukturen. Es
waren ca. ein Dutzend 5-10 cm hoher Erdsäulen, die jeweils einen kleinen Stein
als „Krone“ trugen. Das war eindeutig ein „Signal der Ordnung“, welches
unbedingt eine Erklärung erforderte. Die war denkbar einfach, herabtropfendes
Wasser hatte das Erdreich rund um die Steine abgetragen, so dass schließlich
der Eindruck einer „gekrönten“ Erdsäule entstand. Die Steine hatten einfach als
„Regenschirme“ fungiert.
Warum ist mir die Deutung
von „Signalen der Ordnung“ als Signale für Intelligent Design – im Gegensatz zu
obigen Behauptungen – nicht gelungen, bzw. warum habe ich sie erst gar nicht in
Erwägung gezogen?
Weil dieses Ordnungsmuster
im Rahmen bekannter natürlicher Prozesse zufriedenstellend erklärbar ist,
dieses Ordnungsmuster war nicht mehr als ein Effekt von Naturgesetzen. D.h.
auch, es wäre zu jeder Zeit reproduzierbar gewesen oder zumindest anhand von
Modellen nachvollziehbar gewesen.
Dasselbe trifft nicht nur
auf Erdsäulen zu, sondern natürlich auch auf die Ringe des Saturn, die
geologische Schichtenfolge, die Zweifarbigkeit diverser Cocktails, „chemische
Uhren“, Kristalle, etc.
Signale für Intelligent
Design lassen sich jedoch von natürlichen Ordnungsmustern unterscheiden, wäre
dem nicht so, so wäre das SETI-Projekt von vornherein ein kolossaler
Fehlschlag. Wie könnte man ansonsten das kurze, periodische Signal eines
Pulsars (Ordnung!) von einem intelligent geschaffenen extraterrestrischen
Signal unterscheiden?
In Bezug auf die
biologische Ursprungsfrage liegt die Sachlage noch etwas anders: Hier hat man
es mit Technik zu tun. Es wird wohl niemand bezweifeln, dass Lebewesen über „Maßnahmen,
Verfahren und Einrichtungen zur Beherrschung und zweckmäßigen Nutzung der
Naturgesetze und der von der Natur gebotenen Energien und Rohstoffe“
verfügen. (Brockhaus 2003)
Salopp gesagt: Was unterscheidet
Saturnringe, „gekrönte“ Erdsäulen, Kristalle und „chemische Uhren“ von
Lebewesen? Saturnringe und Konsorten sind lediglich Effekte von
Naturgesetzlichkeiten, im Kontrast dazu sind Lebewesen „Experten“ in Bezug auf
die Nutzbarmachung und Beherrschung von Naturgesetzen. Daraus ergibt sich
folgende Aufgabe für Evolutionisten: Es gilt aufzuzeigen, dass „Experten“ für
Nutzbarmachung und Beherrschung der Naturgesetze, als bloße Effekte dieser
Gesetze entstehen können.
Die Folgen der Signalerkennungstheorie und ein paar Einwände.
Wenn die
Intelligent-Design-Theorie in Bezug auf Intelligent Design in der
Organismenwelt positive Ergebnisse liefert, ist von einer gemeinsame Abstammung
auf Basis eines geistigen Grundkonzepts auszugehen. Daraus ergeben sich
folgende Erwartungen an den Datenbestand:
1) In der Organismenwelt
sind zahlreiche Systeme zu erwarten, bei denen erst das gezielte und
koordinierte Zusammenwirken mehrerer Komponenten eine erste Funktion ergibt.
(Genau das sind typische Sachverhalte, die eine Überprüfung auf Intelligent
Design notwendig machen. )
2) Enorme Komplexität ist
zu erwarten.
3) Eine Deszendenz der
Arten ist nicht zu erwarten, sondern eine reiche aber letztlich begrenzte
Variabilität.
4) Aus 3) resultiert
natürlich, dass die Vererbung bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterworfen sein
muss.
5) Aus 3) resultiert
weiter, dass Arten entweder aussterben oder (im wesentlichen) unverändert
überleben.
6) Ähnlichkeiten sind grundsätzlich
zu erwarten, allerdings sollten sie in ihrer Verteilung schwer in ein
evolutionäres Modell integrierbar sein (Konvergenzen), da ein Designer keine
Rücksicht auf irgendwelche realgenetischen Abstammungen nehmen muss, sondern
ähnliche Merkmale speziell auf den jeweiligen Gebrauch adaptiert, verwenden
kann.
7) Eine Grunderwartung an
den Fossilbericht ist, dass dieser diskontinuierlich verläuft. Dabei sollte ein
gewisses System zu erkennen sein: Intelligente Bauherren beginnen beim Bau
eines Hauses mit dem Fundament, ansonsten wäre das Haus nur sehr kurzlebig. Und
das Fundament des Lebens auf der Erde stellen Mikroorganismen und Pflanzen -
sich heterotroph ernährende Lebewesen sind erst auf dieser Basis machbar. Das
diese Lebewesen stärker differenziert sind, als die Lebewesen am Anfang der
Nahrungskette, liegt in der Natur der Sache.
8) Eine weitere
Grunderwartung an den Fossilbericht ist, dass die meisten fossilen Formen auf ihrem
Organisationsniveau nicht nachweisbar primitiver sind als rezente, bzw. das
auch fossile Formen komplex und nicht in irgendeiner Weise „primitiv“ und
„unfertig“ erscheinen.
9) Da aller Erfahrung nach
technische Systeme ausschließlich durch den gezielten Einsatz von Intelligenz
und planvollem Vorgehen zustande kommen, also ihr Ursprung geistiger Natur ist,
so sollte diese Schlussfolgerung auch auf die technisch-kybernetischen Systeme
der Natur anwendbar sein.
10) Es sind Konstruktionen
zu erwarten, die komplexer und raffinierter sind, als dies allein durch die
Funktion bedingt wird. (Genau das sind typische Sachverhalte, die eine
Überprüfung auf Intelligent Design notwendig machen.)
Diese und zahlreiche
weitere Befunde sind auf Basis der I.D.-T. zwanglos erklärbar, sie stimmen mit
den Erwartungen überein. Zwar lässt sich ein Teil dieser Befunde auch in eine
evolutionäre Sichtweise einpassen, allerdings nicht als daraus folgende
logische Schlussfolgerung. Vielmehr müssen Hilfstheorien konstruiert werden,
die im Folgenden jedoch nicht
kritisiert werden sollen. Wenden wir die Punkte 1-10 auf eine evolutionäre
Sichtweise des Lebens, insbesondere auf die des Neodarwinismus, an:
1) Diese Systeme waren
grundsätzlich nicht zu erwarten, um einmal mehr Darwins bekannte Aussage zu
zitieren: „Ließe sich das Vorhandensein eines zusammengesetzten Organs
nachweisen, daß nicht durch zahlreiche aufeinanderfolgende geringe Abänderungen
entstehen könnte, so müsste meine Theorie unbedingt zusammenbrechen.“
Heute kennen wir eine
Vielzahl solcher Systeme auf allen Organisationsniveaus, wie etwa die unter [4]
angegebenen Quellen aufzeigen.
2) Komplexität ist auf
evolutionärer Basis grundsätzlich nicht zu erwarten, sondern muss erst im
Nachhinein erklärt werden. GOULD (dt.1998) kommt zu dem Schluss, dass es in der
Evolution keinen allgemeinen Trend (!) zu Fortschritt im Sinne von
Komplexitätsgewinn gibt (auch nicht im Fossilbericht!), mehr noch: „Ich kann
mir Gründe vorstellen, warum die Komplexitätsabnahme das Übergewicht haben
könnte, aber eine entsprechende Neigung für zunehmende Komplexität kann ich
nicht begründen.“ [5]
Evolutionisten waren
ursprünglich davon überzeugt, dass das Leben an sich einfach strukturiert sein
muss, was BEHE (1996) so kommentiert:
„It was once expected that the basis of life would be
exceedingly simple. That expectation has been smashed.“ [4] S.X
3) Womit alle Ergebnisse
der experimentellen Evolutionsforschung im Einklang sind. (Vergl. z.B.: [20] )
Evolutionisten müssen dem im Wesentlichen
mit dem „Zeitargument“ entgegentreten.
4) Die Mendel‘schen Vererbungsregeln!
Diese vertragen sich so gut mit dem Gedanken der Evolution, dass sie
jahrzehntelang von Evolutionisten unter den Tisch gekehrt wurden.(Vor Mendel
hatten Evolutionstheoretiker ganz andere Vererbungsgesetze postuliert, vergl.:
[21])
5) “Lebende Fossilien“
sind ein Befund, der sich schlecht mit der Evolutionstheorie verträgt, schon
gar nicht in dem Ausmaß wie er heute vorliegt. Dafür sind sie echte Belege für
eine Konstanz der Arten, über enorm lange Zeiträume hinweg.
6) Konvergenzen sind enorm
zahlreich und über das ganze Organismenreich verteilt. Ein Auszug aus einer
Zusammenfassung von JUNKER (2002):
„Das Phänomen der
Konvergenz und des Parallelismus ist keine Randerscheinung, mit der es die
phylogenetische Systematik nur in seltenen Sonderfällen zu tun hätte, sondern
es ist weit verbreitet. Einige besonders auffällige Beispiele sind die
Warmblütigkeit bei Vögeln und Säugetieren ..., Fangbeine bei Fangschrecken und
Netzflüglern ..., das Vorkommen eines Brustbeinkiels bei Vögeln, Flugsauriern
und Fledermäusen ..., ...“ [6]
In einem Lehrbuch für
Entomologie wird beschrieben, wie man im Evolutionsmodell mit Konvergenzen
umgeht: „Das mehrfache unabhängige Auftreten einer gleichen Merkmalsausprägung
ist unwahrscheinlicher als ihre einmalige Entstehung, und also erfordert das
Prinzip der einfachsten Erklärung, daß man dasjenige Verwandtschaftsverhältnis
als richtig akzeptiert, das mit der geringsten Zahl an Konvergenzen auskommt.“
[7]
Dass bei der
abstammungstheoretischen Interpretation von Ähnlichkeiten Konvergenzen
auftreten, ist eine
logische Erwartung aus der Intelligent-Design-Theorie, muss jedoch im Rahmen
der Evolutionstheorie erst im Nachhinein erklärt werden und verursachen selbst
dann – bei genauer Betrachtung - noch erhebliche Probleme. (So stellt etwa die
Konvergenz Wirbeltierauge/Tintenfischauge ein ganz offensichtliches Problem
dar...)
7) Aufgrund von Punkt 9)
ist es auf Basis der Intelligent-Design-Theorie nur konsequent, anzunehmen,
dass fossile Formen keine kontinuierlichen Übergangsserien aufweisen.
(Insbesondere zwischen den Bauplänen.) John Maynard Smith bringt es auf den
Punkt: „Das auf Tatsachen beruhende Argument, das die meisten von uns
mittlerweile wohl akzeptieren, ist Folgendes: Wenn Sie die Fossilbelege
betrachten, dann erkennen Sie keinen kontinuierlichen, allmählichen Wandel.
Stattdessen erkennen Sie etwas, das man als Stasis bezeichnet, das heißt, die
Populationen verändern sich tatsächlich für lange Zeiträume nur sehr wenig,
dann aber in wirklich unvermittelten Übergängen.“ [18]
Der diskontinuierliche
Verlauf des Fossilberichts ist für Evolutionstheoretiker ein gänzlich
unerwarteter Befund, man versucht diesem mit der Hypothese einer relative
raschen Entstehung der Arten entgegen zu treten, so auch Maynard Smith.
8) Evolutionstheoretiker
verwenden zwar die evolutionstheoretisch geprägten Begriffe „primitiv“ oder
„urtümlich“, das soll jedoch nicht den Eindruck eines in irgendeiner Form „unfertigen“
Lebewesens oder einer „unausgegorenen“ Konstruktion transportieren. Zutreffend
ist die Feststellung, dass diese Organismen auf ihren Komplexitätsniveaus – die
auch heute noch existieren und z.T. sogar dominieren – perfekt angepasst sind
und waren. Die Organismen tauchen – soweit sich das fossil beurteilen lässt –
auf einem bemerkenswert hohen Organisationsniveau auf. So z.B. der Anfang der
fossilen Überlieferung von Vielzellern: : „Die ersten fossil in großer Zahl erhaltenen Vertreter dieser Organismen,
die Ediacara-Fauna, weisen jedenfalls bereits eine verblüffend hohe
Organisationsstufe auf.“ (In
evolutionstheoretischer Prägung heiß es weiter: „Sie hatten mit Sicherheit
ältere und einfacher gebaute Vorfahren.“) [24]
9) Wenn man einen Blick in
ein Buch wirft, in dem detailliert Aufbau und Funktion der Organismen
beschrieben wird, kommt man vermutlich zu demselben Schluss wie NACHTIGALL
(2001): „Die Natur hat die Technik „erfunden“. Das klingt seltsam, ist aber
so. Technik ist nicht erst eine Errungenschaft des Menschen. (...) Und heute
wissen wir, daß die Technik sich vermutlich manche Umwege hätte ersparen
können, wenn sie zunächst bei der Natur nachgeschaut hätte. Alles Leben ist
denselben Naturgesetzen unterworfen wie die Konstruktionen des Menschen. Daher
ist es durchaus berechtigt, auch in der belebten Natur von „Technik“ zu
sprechen.“ [8] S.15
Zur Technik zählen wir „...alle
Maßnahmen, Verfahren und Einrichtungen zur Beherrschung und zweckmäßigen
Nutzung der Naturgesetze und der von der Natur gebotenen Energien und
Rohstoffe.“ (Brockhaus 2003)
Technik wird von Lebewesen
und Menschen genutzt, auch wenn die eingesetzten Technologien grundverschieden
sind. (Und trotzdem sensationelle Parallelen auftauchen, man denke etwa an
Druckknopfsysteme, Reißverschlusssysteme, Gleitführungen usw., Dinge die man in
der Natur genau wie in der menschlichen Technik findet.)
Intelligent-Design-Theoretiker
formulieren hier (siehe Punkt 9) einen
allgemeingültigen Satz, der lautet: „Technische Systeme kommen ausschließlich
durch den gezielten Einsatz von Intelligenz und planvollem Vorgehen zustande.
Ihr Ursprung ist also geistiger
Natur.“ Dieser Satz, eine unzählbar oft bestätigte Erfahrungstatsache, wird von
I.D.-Theoretikern natürlich auch auf die Technik in der Natur angewandt.
Die Evolutionstheorie
vertritt eine diesem Satz diametral entgegengesetzte Position.
Nun, so wenden viele
Evolutionisten ein, beruht dieser Satz lediglich auf einem Analogieschluss**,
und überhaupt hinkt die Analogie, da sich Organismen fortpflanzen können.
(Dieser Einwand wird unten behandelt.)
Beruht dieser Satz
lediglich auf einem Analogieschluss? Ich darf darauf hinweisen, dass aus dem
ständigen Vergleich Natur/Technik ein ganzes Forschungsgebiet resultiert, die
Bionik. Dieses aufsteigende Forschungsgebiet holt sich permanent wertvolle
Anregungen aus der Natur, NACHTIGALL (2001) bringt es auf den Punkt: „Konstrukteure,
Ingenieure oder Designer sollten deshalb von vornherein Lösungen der Natur
mitbetrachten, wenn es um die Bearbeitung eines vergleichbaren technischen
Problems geht.“ [8] S.24
Um zur Frage
zurückzukehren: Ja, es ist ein Analogieschluss, aber ein äußerst wertvoller und
produktiver Analogieschluss. Zudem sollte man berücksichtigen, in welche
Richtung die Entwicklung geht: Herzschrittmacher, Kunsterzen, künstliche
Gelenke und viele weitere Punkte zeigen ganz deutlich, dass menschliche Technik
und Technik in der Natur prinzipiell kompatibel sind. D.h. Grenzziehungen
zwischen diesen beiden Technologien verschwimmen bereits und werden mit dem
rasanten Fortschritt der menschlichen Technik wohl weiter verschwimmen. In der
Kybernetik zieht man solche Grenzen erst gar nicht, so gibt der Brockhaus
(2003) folgende Definition für Kybernetik: „...die sich mit den
Gesetzmäßigkeiten der Steuerung, Regelung und Rückkopplung der
Informationsübertragung und –verarbeitung in Maschinen, Organismen und
Gemeinschaften beschäftigt sowie die Theorie und Technik der
Informationsverarbeitungssysteme untersucht.“
10) Diese Erwartung ist
analytisch schwer zu fassen, auf der intuitiven Ebene hingegen leicht. An eine
Darstellung solcher Beispiele ist hier nicht gedacht, ich verweise exemplarisch
auf JUNKER&SCHERER (2001): Evolution ein kritisches Lehrbuch. S.304/305.
Mein persönlicher Favorit für derartige Beispiele ist der Aronstab (Arum
maculatum), der oft als „Insektengasthaus“ bezeichnet wird.
Derartige Systeme, die
komplexer und raffinierter erscheinen als es notwendig ist, lassen sich schwer
in eine Evolutionstheorie integrieren, bzw. müssen erst im Nachhinein erklärt
werden (sexual selection), und selbst dann treten noch erhebliche Probleme auf.
Herr Neukamm: „Eine
Erklärung ist erst dann zur Hand, wenn die Daten im Lichte einer Theorie
erhellt werden, die deutlich macht, WARUM sich die Welt so und nicht anders
konstituiert, wie sie es tut.
Und genau hier läßt sich zeigen, daß eine ID-Theorie eben nichts erklärt. Diese
Behauptung läßt sich ganz einfach unter Beweis stellen, indem man nämlich die
ID-Theoretiker bittet, eine "WARUM-Frage" zu einer beliebigen (!)
allgemeinen Beobachtung zu beantworten.“
Ich möchte an diesem Punkt
deutlich machen, dass wir hier bereits auf Basis einer Theorie „gemeinsamer
Abstammung auf Basis eines geistigen Grundkonzepts, eines intelligenten
Designs“ arbeiten, und somit die Grenzen einer Theorie „zur Erfassung und
Erkennung von Signalen mit intelligenten Ursprung, in Adaption auf die
biologische Ursprungsfrage“ überschritten haben. Wir arbeiten also unter
folgenden Vorraussetzungen: Es wurden Signale für I.D. gefunden, eine
„Verfälschung“ selbiger kann nach besten Wissen ausgeschlossen werden. Was
wären die Konsequenzen? Ein paar wesentliche Befunde habe ich schon unter den
Punkten 1-10 besprochen.
Herr Neukamm: „WARUM
hat der Schöpfer die Arten einander ähnlich erschaffen und ähnliche Probleme
nicht auf völlig verschiedenen Wegen gelöst (wie dies etwa in der Technik
vielfach und planvoll geschehen ist)?“
WEIL man Ähnlichkeit als
Hinweis auf eine einheitliche Planung werten kann. Ähnlichkeiten lassen sich
zudem weitgehend - in der Natur genauso wie in der menschlichen Technik - mit
ähnlichen Funktionen begründen, ohne jetzt den Ursprung der Ähnlichkeiten an
sich zu kennen. Z.B.: Warum beobachtet man bei Schiffen stets ähnliche
Konstruktionsprinzipien?; Warum sehen alle im Wasser sich schnell
fortbewegenden Lebewesen ähnlich aus (ob Säugetiere, Vögel, Reptilien oder
Fische)? Sicher nicht, weil das Design dahinter
fantasielos ist, sondern weil Lebensräume gewisse Rahmenbedingungen an das
Design stellen. Die unter Umständen einzige Möglichkeit, solchen
Konstruktionszwängen zu entkommen, ist die Entwicklung eines anderen Grundbauplans. Bei Schiffen wäre dies das
Luftkissenboot, bei schnellschwimmenden Lebewesen der Grundbauplan „Weichtier“,
bzw. dessen vielleicht faszinierendster Vertreter, der Tintenfisch.
In Bezug auf Ähnlichkeiten
gelten unter dem Gesichtspunkt von Intelligent Design die unter 6) angeführten
Erwartungen.
Herrn Neukamms Frage
enthält eine unzutreffende Behauptung:
„... ähnliche Probleme
nicht auf völlig verschiedenen Wegen gelöst...“
Ähnlichkeiten existieren
in der Natur keineswegs auf Kosten der Vielfalt! Begründet auf einer möglichst
anpassungsfähigen und leistungsfähigen Basistechnologie, lassen sich unterschiedlichste
Konstruktionen verwirklichen. Ähnlich ist dabei die zugrunde liegende
Basistechnologie. In der menschlichen Technik ist eine wesentliche Technologie
z.B. die Stahlerzeugung. Was hat der Mensch nicht schon alles aus Stahl
gemacht! Vom Gehäuse einer Quarzuhr über diverse Waffen, bis hin zu
Wolkenkratzern und den hochlegierten Stählen in der Raumfahrt. Und im Gegensatz
zu Herrn Neukamms Behauptung wurden viele Probleme auch und gerade in der Natur
auf völlig verschiedene Weise gelöst:
Z.B. das Problem der
Fortbewegung: Vom Flagellenantrieb eines Coli-Bakteriums über den
Rückstossantrieb eines Tintenfischs bis hin zur Bipedie, die bei den rezenten
Arten von Mensch und Känguru benutzt wird, und zwar wieder in grundsätzlich
verschiedener Weise. Oder das Problem der Wahrnehmung: Von diversen
Sonarsystemen, wie sie von Fledermäusen und Walen benutzt werden, bis hin zu
Facettenaugen und Infrarotsensoren, usw..
Es ist übrigens gar nicht
leicht, Konstruktionsprinzipien in der menschlichen Technik zu finden, die
nicht auch in der Natur in irgendeiner Form vorkommen!
NACHTIGALL (2001)
schreibt: „Dem Organismenbereich kann man aufgrund seiner langen
Evolutionszeit und des äußerst vielfältigen Spielfelds eine Ungleich größere
Zahl an Konstruktionsmöglichkeiten zuerkennen als der Technik. Allein für das
mechanische Problem „Anklammern“ gibt es vielleicht tausend bekannte und sicher
zehntausende noch nicht erforschte natürliche Konstruktionen. (...) Das
tatsächlich unendlich große Sammelwerk für Konstruktionen der Natur kann aber
die vielfältigsten Anregungen geben für eigenständiges technisches Gestalten.“
[8] S.224/226
Die Natur steht für
leistungsfähige Basistechnologien und eine „unendlich große“ Vielfalt an
verschiedensten Konstruktionen, genau deswegen kann der Mensch noch viel von
der Natur lernen und nicht selten lautet die etwas verblüfft wirkende
Feststellung etwa so: „Tiere
und Pflanzen als Designer, die dem Maschinenbauer und Architekten etwas zeigen
können!“ [8] S.16
Herr Neukamm: „WARUM
hat der Schöpfer eine interdependente Ordnung hervorgebracht und die Merkmale
nicht in beliebiger Kombination zusammengestellt?“
Ich denke, wir können es
herausfinden. Hier zeigt sich, wie auf Grundlage der I.D.-Theorie neue
Fragestellungen entstehen können! Walter J. ReMine (1993) hat sich mit dieser
Frage beschäftigt: „The Biotic Message. Evolution versus Message Theory.“
Herr Neukamm: „WARUM
hat der rationell konstruierende Designer alte Muster
"mitgeschleppt", wie atavistisch angelegte Blätter bei Kakteen oder
funktional angeordnete Griffelbeine bei Pferden?“
WEIL zunächst einmal
festzustellen ist, dass der Begriff Atavismus schon eine evolutionstheoretische
Interpretation beinhaltet. D.h. Mißbildungen werden als Rückschläge in einer
postulierten Abstammungslinie gewertet und dem entsprechend selektiert: Kein
Evolutionstheoretiker wird immer wieder vorkommende Mißbildungen wie
Sechsfingrigkeit oder Hasenscharten als Atavismen interpretieren, ganz einfach,
weil derlei Interpretationen in keinen Stammbaum passen würden. Das heißt, dass
Atavismen keine unabhängigen Belege für Makroevolution darstellen können, sie
stellen vielmehr bereits eine Befundinterpretation dar. So ist es zwar
prinzipiell möglich, die verlängerten Griffelbeine mit Zehen und Huf bei Pferden
als Atavismus zu deuten. Es ist aber auch möglich dies im Rahmen von
homeotischen Mutationen zu erklären, in diesem Fall werden normalerweise nur
einmal verwirklichte Strukturen doppelt ausgeprägt.
Man sollte dieser
funktionalen Erklärung den Vorzug vor einer historischen geben, allein schon
weil ein weitreichendes Argument gegen letztere Interpretation als Atavismus
spricht:
„Atavistische Gene“ müssen
als unabhängig vom aktiven Genom angesehen werden, atavistische Merkmale müssen
also auf normalerweise inaktive Gene zurückgeführt werden, die durch Mutationen
reaktiviert werden. Solche inaktiven oder „schlafenden Gene“ konnten bislang
nicht als atavistische Gene identifiziert werden, dies ist auch theoretisch
nicht zu erwarten. So argumentiert JUNKER (2002), dass Gene ohne selektive
Bewertung, über längere Zeiträume hinweg, durch den Mutationsdruck zerstört
werden und somit jede Chance auf Reaktivierung der stillgelegten Gene verloren
geht. Daraus folgt, dass das scheinbar reaktivierte Gen in einem anderen
Zusammenhang doch noch gebraucht wird. Womit das Argument der Reaktivierung
hinfällig wird und eine atavistische Deutung nicht mehr zwingend ist. Für
weitere Details verweise ich auf die Monografie von JUNKER [6].
Herr Neukamm: „WARUM
findet man nur systematische Fosslienreihen und keine "kreativeren"
Umwandlungen?“
Das Kambriumproblem zeigt deutlich, dass diese
Aussage in ihrer allgemeinen Form nicht korrekt ist, sie ist lediglich der
Formenreihe gemäß auf eine Reihe von nachkambrischen Formengruppen anwendbar, insbesondere die Chordata. Lebewesen aus allen bekannten Tierstämmen traten
am Übergang vom Präkambrium zum Kambrium deutlich voneinander abgegrenzt
auf. Es hat „wohl nur etwa 10 Mio.
Jahre gedauert, bis praktisch alle Tierstämme, die auch heute noch existieren,
entstanden“([10], S.71), anstatt
„nur systematische Fossilienreihen“ zu finden, bietet sich eine sensationelle
Diskontinuität im Fossilbericht - kreativere „Umwandlungen“ sind schwer
vorstellbar!
Herr Neukamm: „Meist kommt dann die Antwort, daß
sich der Schöpfer eben schon etwas dabei gedacht habe und daß man das
"Kuriosum" vorerst noch nicht erklären könne.“
Meist kommt dann die Antwort, dass die Wege der
Evolution eben unvorhersehbar seien und
das man die unüberschaubare Menge an Evolutionsproblemen vorerst noch nicht
erklären könne, obwohl es an der „Tatsache“ der Evolution nichts zu rütteln gäbe. Allerdings ist die Erkennung der
Signale für I.D. völlig unabhängig von deren Interpretation, es kann gut sein,
dass man einige Rätsel in bezug auf den Modus des Designs nie lösen kann. Das
ändert nichts, bietet aber vielfältige Forschungsansätze.
Die Natur
durch die Brille der Intelligent-Design-Theorie.
Herr Neukamm: „In keinem Falle wird der ID-Theoretiker
in der Lage sein, auch nur eine derartige Frage zu beantworten, wie sie die
Evolutionstheorie erklärt.“
Intelligent-Design-Theoretiker wollen schließlich
auch eine Theorie aufstellen, die sich mit der Realität verträgt. Und Realität
ist heute, dass Pasteurs Satz „omne vivum ex vivo“ bestens gefestigt ist,
nachdem Gegner dieses Satzes
selbigen jahrzehntelang gefestigt haben und zu dem Schluss kommen:
„Denn so umfangreich die in vielen Richtungen
ausschwärmende Literatur zu diesem Thema geworden ist – in der gleichen Zeit
hat auch die Forschung selbst ihre Fortschritte gemacht, und die dabei zu Tage
geförderte Komplexität von Bakterien und anderen Zellen hat den Unterschied
zwischen Leben und Nicht-Leben sogar noch deutlicher werden lassen.“ [9]
Dies soll nur exemplarisch deutlich machen, dass
man die Befunde zwar wohl im Sinne einer umfassenden Evolution (+chemische
Evolution) deuten kann, dabei aber auf einer höchst unsicheren Grundlage
interpretiert, da die Kernpostulate der Evolutionstheorie – wie oben besprochen
– unsicherer denn je sind.
Zudem ist der Segen solch evolutionistischer
Erklärungen durchaus anzuzweifeln: Gerade wurde der Punkt Atavismen
andiskutiert, wo sich immer mehr abzeichnet, dass man der Forschung nach einer
echten funktionalen Erklärung den Vorzug geben sollte, anstatt vorschnell evolutionistische Interpretationen zu
forcieren. So stellt sich z.B. die Frage, was die Interpretation von nicht
erblichen Hautanhängen im unteren Rückenbereich als „Schwanz“, an Erkenntnisgewinn
für die Wissenschaft bringt. (STORCH, WELSCH, WINK 2001 [10]) Im Gegensatz dazu
weist eine funktionale Erklärung wie sie von JUNKER (2002) vorgenommen wird,
den Weg zu einem tiefergehenden Verständnis solcher Missbildungen.
Ganz ähnlich sieht die Lage im Bereich der
„Rekapitulationen in der menschlichen Ontogenese“ aus, hier wurden und werden
verschiedenen Phasen der Ontogenese als Rekapitulationen von früheren Phasen
der Phylogenese gedeutet. Diese vorschnellen Interpretationen im Rahmen des
biogenetischen Grundgesetzes (heute: Grundregel) stehen einem funktionalen
Verständnis der Abläufe in der Ontogenese entgegen, KAHLE (1999) konstatiert:
„Das „Biogenetische Grundgesetz“ scheint zu einem
großen Teil ein Produkt evolutionistischer Fehlinterpretationen zu sein.
Blechschmidt hat es aufgrund seiner jahrelangen humanembryologischen
Forschungen sogar als „katastrophalen Irrtum in der Geschichte der Naturwissenschaften“ bezeichnet.“ [11]
Eine weitere, der Wissenschaft abträgliche,
Sonderbarkeit evolutionistischer Erklärungen ist es, Systeme in der Natur als
fehlerhaft zu deklarieren (KUTSCHERA 2001 [12]) wobei noch nicht einmal ein vollständiges Verständnis der
kritisierten Strukturen und Sachverhalte besteht. (RAMMERSTORFER 2003 [13])
DEMBSKI (1999 [15]) bringt es in Zusammenhang mit
dem Fall der sogenannten „Junk-DNA“ auf den Punkt:
„For instance, in a 1997 issue of the Journal of
Theoretical Biology, John Bodnar and his colleagues describe how „non-coding
DNA in eukaryontic genomes encodes a language which programs organismal growth
and development. Design encourages scientists to look for function where
evolution discourages it.“
(Das soll nicht heißen, dass die I.D.-T. die
Möglichkeit von Fehlern ausschließt, nur ist die Herangehensweise wesentlich
wissenschaftsfreundlicher.)
Diese und andere Beispiele lassen Zweifel am
wissenschaftlichen Wert evolutionstheoretischer Interpretationen aufkommen.
Aber wie sieht es mit dem der Intelligent-Design-Theorie aus? Welche wissenschaftlich wertvollen
Anreize bietet sie?
Die Intelligent-Design-Theorie wünscht in Bezug auf
die gerade kritisierten Punkte ein absolut vollständiges Bild über die
zugrundeliegende genetische und entwicklungsphysiologische Situation. Dadurch
erhofft man sich a) eine Entkräftung evolutionstheoretischer Interpretationen
und b) einen massiven Erkenntnisgewinn.
Wie JUNKER&SCHERER (2001) anhand der
Entkräftung der im Rahmen des biogenetischen Grundgesetzes getätigten
Interpretationen zeigen, geht Punkt a) oft mit Punkt b) einher. Es ist ein
generelles Anliegen der I.D.-Theorie,
eine maximale Erkenntnis über Funktion und Aufbau der Natur zu erhalten, da nur
so neue Design-Signale entdeckt werden können. Aus der Fülle der Design-Signale
erhofft man schließlich, Rückschlüsse auf den Designer selbst ziehen zu können.
Weitere Forschungsanreize beruhen auf der Frage, wo
genau die Grenzen der Variabilität der Arten liegen, d.h. in der experimentellen
Evolutionsforschung würde sich das Augenmerk verändern.
Das beinhaltet etwa auch die Frage nach
programmierter Variabilität. Gibt es ein Variations-Programm, wie sieht es aus,
welche Vorhersagen lassen sich auf Basis der Kenntnis dieses Programms in Bezug
auf das Auftreten von Varietäten tätigen? Etc.
Es zeigt sich also, dass man mit der Intelligent-Design-Theorie
nicht am Ende der Wissenschaft angekommen ist, da die I.D.-Theorie zwar eine
Antwort auf den Ursprung der Organismenwelt gibt, dabei aber keine Fragen nach
Funktion und Aufbau der Natur beantwortet, da sie nur auf den Ursprung bezogen
ist.
Nun mag konsequenterweise noch folgende Frage
gestellt werden:
„Woher will der Intelligent-Design-Theoretiker
wissen, wo die Frage nach Funktion&Aufbau der Natur endet und die Frage
nach dem Ursprung beginnt? Könnte nicht gerade die abiotische Synthese
primitiven Lebens und dessen Komplexitätsgewinn zu „Funktion&Aufbau“ der
Natur gehören? Man sieht, dass die Grenzziehung der I.D.-Vertreter künstlich
ist und letztlich doch die Wissenschaft behindert, da man einfach einen
Designer postuliert, anstatt eine eventuell mögliche „natürliche“ Entstehung
der Organismenwelt zu erforschen.“
Der Intelligent-Design-Theoretiker ist stets
bemüht, genau zu erkennen was „natürliche“ Vorgänge (Sprich ohne intelligentes
Eingreifen. Intelligenz, Plan
und Geist sind ja nichts „unnatürliches“!) können und was sie eben nicht
können. Dabei untersucht er natürlich auch das
„Descent-with-modification-Prinzip“, bzw. die Rolle die es in
Funktion&Aufbau der Natur spielt. Nur so ist es ihm möglich, klare Signale
für Intelligent Design zu erhalten, und – immer nur auf dem gegenwärtigen Stand
des Wissens – Störquellen auszuschließen.
Daraus resultiert, dass die
Intelligent-Design-Theorie der perfekte Motor für wissenschaftlichen
Fortschritt ist: Um sich maximal sicher sein zu können, dass die Signale für
Intelligent Design nicht verfälscht werden, ist ein 100% Verständnis der Natur
erforderlich. (Vermutlich pure Utopie!) Und in ihrem ständigen Bestreben ihre
Theorie zu sichern, werden die Intelligent-Design-Theoretiker für wissenschaftlichen
Fortschritt sorgen.
Einwand: Organismen
pflanzen sich fort, im Gegensatz zu den offensichtlich in einem Schritt entstandenen Systemen der
menschlichen Technik.
LÖNNIG (1993[14]) weist zu diesem Punkt auf
Folgendes hin: „Man hört hierzu manchmal den Einwand, dass sich die von
Menschen erschaffenen kybernetischen Systeme nicht fortpflanzen können. Dabei
wird völlig übersehen, dass Mitose und Meiose selbst ungeheuer komplexe
kybernetische Systeme darstellen, deren erfolgreiche Funktion unter anderem das
genauestens koordinierte Zusammenspiel von Hunderten von Genen erfordern. Das
synorganisierte Zusammenspiel einer Vielzahl von physiologischen und
anatomischen Strukturen zur Fortpflanzung bei komplexeren Organismen sei dabei
nur am Rande erwähnt.“
Maschinen die sich selbst replizieren, würde man in der
menschlichen Technik als genialen Wurf feiern, was ein Grund mehr ist,
anzunehmen, dass dies auch in
der Natur auf einen „genialen Wurf“ zurückzuführen ist! Daraus folgt zudem, dass obiger Einwand ein
„Ablaufdatum“ haben könnte, denn selbstreproduzierende Maschinen sind ein Ziel
von Technikern und Ingenieuren, die heute beträchtliche Anstrengungen
unternehmen, um diesem näher zu kommen. (Vergl. z.B. [19])
Des Weiteren hinkt dieser Einwand
bereits: Im Rahmen der Bionik versucht man die Wirkungsweise der
Evolutionsfaktoren auch auf die Technik zu übertragen. Dabei werden vollständig
vorhandene und funktionsfähige Systeme optimiert, jedoch nicht kreiert! Ein
Beispiel: Klassisch ist die Optimierung einer Venturidüse aus dem Jahr 1968
durch den heute bekannten Evolutionsstrategen Hans-Paul Schwefel am
AEG-Forschungsinstitut Berlin. Man hat die Düse in Scheiben geschnitten, diese
zufällig zusammengesetzt und der Selektion unterworfen. Nach dem 45sten Versuch
hatte man eine seltsam geformte Düse mit einem um 40% besseren Wirkungsgrad. Da
man damals gemischte Strömungen aus Flüssigkeit und Gasblasen nicht berechnen
konnte, war es ein absolut unvorhergesehenes Ergebnis. (Vgl. NACHTIGALL 2001)
Der nächste Punkt ist für obigen Einwand der
kritischste, er bezieht sich auf die überall zu beobachtende Synorganisation:
Jemand, der obigen Einwand
verwendet, muss auch plausible Vorstellungen davon haben, wie der Rotationsmotor von E.coli, das
Blutgerinnungssystem, die Fortpflanzungssysteme der Orchideen Coryanthes und
Catasetum, usw. SCHRITTWEISE entstanden sein könnten! Hat er diese
Vorstellungen also nicht, so gilt obiger Einwand ganz einfach nicht, da primär
von in einem Schritt entstandenen Systemen auszugehen ist. Alternativen dazu
müssen erst aufgezeigt werden, allerdings muss im Rahmen der Evolutionstheorie
zwingend davon ausgegangen werden, dass diese existieren, da diese ansonsten in
Bezug auf den Ursprung der Arten ad acta gelegt werden kann.
Einwand:
I.D.–Vertreter argumentieren: Komplexität ist ein Zeichen für Intelligent
Design und komplexe Systeme können nicht „von selbst“ entstehen.
Der
Begriff „Komplexität“ wird von I.D. – Vertretern sehr gerne verwendet, um auf
die vielschichtige Vernetztheit biologischer Systeme hinzuweisen, die oft noch,
für eine zufällige Entstehung erschwerend, zu deren Organisation hinzukommt.
Ich persönlich ziehe es meist vor, von „komplexer Organisation“ zu sprechen, um
eventuellen Missverständnissen vorzubeugen. Um ein Beispiel zu nennen: Auch die
Vorgänge innerhalb einer gemischten Strömung aus Flüssigkeit und Gasblasen sind
enorm komplex, weisen aber absolut nicht auf intelligentes Design hin, sondern
sind lediglich vielschichtige, durch Naturgesetzlichkeiten hervorgerufene
Wechselbeziehungen. Das Stichwort ist Organisation, diese ist die
Abgestimmtheit von verschiedenen Komponenten und Systemen zum Erreichen eines
bestimmten Zieles. Eine Harpune etwa ist kein Musterbeispiel für Komplexität in
obigen Sinn, steht aber für Organisation und damit für Zielgerichtetheit. Und
I.D.-Vertreter interessieren sich für Organisation, enorme Komplexität ist
lediglich eine Begleiterscheinung des Lebenden. Bei einem System „nicht zu
vereinfachender Komplexität“ (Im Prinzip das Gleiche meinen I.D.-Theoretiker
wenn sie von „synorganisierten
Systemen“ sprechen.), geht es nicht um eine möglichst vielschichtige
Vernetztheit möglichst vieler Komponenten, sondern um die Zielgerichtetheit
eines Systems. DEMBSKI (1999 [15]) schreibt:
„A system is irreducibly complex if it consists of several
interrelated parts so that removing even one part completely destroys the
system’s function. (...) Irreducible complexity needs to be contrasted with
cumulative complexity. A system is cumulatively complex if the components of
the system can be arranged sequentially so that the successive removal of
components never leads to the complete loss of function.“ S.147
Es
geht nicht um kumulative Komplexität sondern um irreduzible Komplexität.
Irrreduzible Komplexität finden wir in Maschinen, wie etwa einer Harpune. Alle
Komponenten in einer Harpune sind auf eine Ziel hin organisiert. Die
Zielgerichtetheit dieser Maschine hängt davon ab, ob das Mindestmaß an
Komplexität gehalten wird. Entfernt man nun eine Komponente dieser Harpune,
wird die irrreduzible Komplexität unterschritten und die Zielgerichtetheit des
Systems zerstört. BEHE (1996) zeigt eine ganze Reihen von solchen Systemen auf
biochemischer Ebene, ich verweise – weil sehr schöne Parallelen zur Harpune
auftreten – auf die Nesselzelle, eine besonders anschauliche Darstellung findet
sich bei MÜLLER (1998 [16]).
Intelligent-Design-Theoretiker
werten also Organisation als Zeichen für Planung, wobei „irreducible
complexity“ als Erkennungskriterium verwendet wird. Komplexität ist nur
insofern wichtig, als das mit der Höhe des Komplexitätsgrades die Chance auf
irgendwelche erstaunlichen Zufälle verschwindet. Wenn Sie in ihrem Garten drei
Äste finden, die ein (mehr oder weniger präzises) Dreieck ergeben, können Sie
sich mit einem Zufall trösten. Finden Sie aber zehn Äste, die zu einem Stern
angeordnet wurden, haben Sie es sicher mit einer fremden Intelligenz zu
tun.
Irreduzible
Komplexität darf es nicht geben, sie ist prinzipiell inkompatibel mit der Vorstellung
einer Evolution, denn mit dieser lässt sich nur kumulative Komplexität
erklären. D.h. Evolutionstheoretiker müssen aufzeigen, dass jede Komplexität in
der Natur letztlich kumulativ ist, und somit über schrittweise Prozesse
erreichbar. An diesem Punkt geht es für Evolutionstheoretiker aller Richtungen
ans „Eingemachte“, es sind nicht länger Kritiken, welche Teilbereiche
irgendwelcher Evolutionstheorien betreffen und vielleicht doch noch entkräftet
werden können, sondern aus der Natur gewonnene Beobachtungen, die auf den
ersten Blick eine schrittweise Evolution als beinahe unvorstellbar erscheinen
lassen. Da diese Beobachtungen alle dem gleichen Grundprinzip folgen, so sind
z.B. das Blutgerinnungssystem, Nesselkapseln und Rotationsmotoren biologisch grundverschieden
und dennoch sind die Probleme für eine schrittweise Entwicklung immer gleich,
kann man daraus nur schließen, dass in den Vorstellungen von Evolution eine
grundsätzliche Lücke besteht. Es ist zwar prinzipiell möglich, zu versuchen,
jedes von I.D.-Theoretikern vorgebrachte Beispiel vom Typ „Irreduzible
Komplexität“, einzeln zu entkräften, in dem man sie in kumulative Komplexität
auflöst. Allerdings wird dieser Versuch von „Sondererklärungen“ mit der Menge
an neuen Beispielen immer hoffnungsloser und unglaubwürdiger. Letztlich bleibt
für den Evolutionstheoretiker nur eine Option: Sie müssen aufzeigen, dass es
einen Mechanismus gibt, der solche irrreduziblen Systeme erzeugt. Das ist
tatsächlich gelungen:
Systeme
irrreduzibler Komplexität lassen sich sehr einfach mit den Darwin’schen
Faktorensystem erreichen. Gibt man dem Evolutionsprozess ein Ziel vor, so muss
die Selektion lediglich auf dieses Ziel hin optimieren.
Dieses
Grundprinzip zeigt uns DAWKINS (1987 S.66-67, [17]) : Ausgehend von einer willkürlichen
Sequenz von 28 Buchstaben, zeigt er, wie man via Mutation&Selektion den
Satz „Me thinks it is like a weasel“ erzeugen kann. Dawkins lässt die
Zeichenfolge in jeder „Generation“ mutieren, das Programm selektiert diejenige
Zeichenfolge, welche dem Zielsatz (!) am nächsten kommt. Und in der 43.
Generation wurde der Zielsatz erreicht, Mutation und Selektion haben den Satz
„Me thinks it is like a weasel“ produziert. Mit der prinzipiell gleichen
Strategie kann man jedes beliebige System evolutionär realisieren, die
irrreduziblen Systeme in der Natur sind dann kein Problem mehr. Dabei ist
jedoch zu beachten, das diese Strategie eng mit dem Faktor „Zielgerichtetheit“
verbunden ist, was allerdings nicht in Frage kommt, wie DEMBSKI weiter
schreibt: „The great appeal of Darwin’s selection mechanism was, after all,
that it would eliminate teleology from biology.“
Wenn
man diesen Punkt berücksichtigt, bekommt man ein Problem, denn Dawkins hat die
Evolutionsfaktoren als Vehikel verwendet um an ein vorher definiertes Ziel zu
kommen. Oben habe ich eine Harpune als Beispiel für irrreduzible Komplexität
gebraucht, wenn man diese Struktur ohne Teleologie realisieren möchte, ergibt
sich folgende Aufgabe: Es muss gezeigt werden, dass diese Struktur, durch
schrittweise Änderungen, die alle unter gegenwärtigen Selektionsbedingungen
einen Selektionsvorteil bringen, erreichbar ist. Auf keinen Fall darf der
Eindruck entstehen, als ob diese Harpune ein Ziel für die Evolutionsmechanismen
darstellt, die Harpune muss sich ganz nebenbei als Resultat zufälliger
Variationen und stets an der Gegenwart orientierten Selektionsdrücken ergeben.
Es muss sich so ähnlich verhalten, als wenn ein Mensch am Gipfel des Mt.
Everest steht, und sagt: „Hoppla, jetzt steh ich da am „Dach der Welt“ und
hatte es gar nicht geplant, ich hab mich nur von den Umständen treiben lassen.“
Dieser Spaßvogel müsste uns allerdings erst einmal glaubwürdig beschreiben, wie
man solch einen schwierigen Aufstieg tätigt, ohne das Endziel, den Gipfel, vor
Augen zu haben!
...warum die Natur für I.D. spricht („des Pudels
Kern“)...
DAWKINS (1987 [17]) definierte Biologie als „das Studium
komplizierter Dinge, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen
worden“. Evolutionstheoretiker haben sich eine äußerst schwierige,
vielleicht unlösbare Aufgabe gestellt: Sie müssen, um ihrer Theorie ein
Fundament zu geben, die offensichtliche Finalität in der Natur als Illusion
entlarven. (Also sozusagen beschreiben wie Menschen, ohne es geplant zu haben,
auf die höchsten Gipfel gelangen, indem sie sich einfach von den Umständen
treiben lassen.)
Ein Beispiel: Sie müssen zeigen, dass der Rotationsmotor
des Coli-Bakteriums ohne einen vorgefassten Plan entstehen kann, obwohl es
scheint, dass all die Komponenten dieses Antriebs nur auf einen bestimmten
Zweck hin angeordnet wurden. Das darf natürlich keinesfalls sein! Und so müssen
sie versuchen, sich irgendwelche Zwischenstufen auszudenken, Doppelfunktionen
plausibel zu machen, die als reines - völlig ungeplantes - Nebenprodukt,
schließlich so unglaublich geplant und zielgerichtet erscheinende Strukturen
wie Rotationsmotoren es nun mal sind, hervorbringen. Dieses Problem beginnt
bereits bei der Entstehung der ersten Zelle und begleitet den
Evolutionstheoretiker anschließend quer durch das gesamte Organismenreich. Gibt
es eine Alternative zu dieser Auffassung?
Zu dieser Auffassung gibt es keine Alternative! Wer dies dennoch behauptet, schätzt die
Situation gänzlich falsch ein. Denn die Evolutionstheorie selbst ist bereits
die Alternative zu dem einzig naheliegenden Schluss:
„Zielgerichtete Strukturen, sprich „Maßnahmen, Verfahren
und Einrichtungen zur Beherrschung und zweckmäßigen Nutzung der Naturgesetze“
wie sie Lebewesen eindeutig benutzen, entstehen durch Zielgerichtetheit, also
planvolles Vorgehen, welches Intelligenz und Geist bedingt.“
Der Schluss von Planmäßigkeit, Zielgerichtetheit, wie sie in der Natur überall zu finden ist, auf
einen Planer, ist ganz einfach der naheliegenste Schluss.
Er stellt die erste Wahl dar, genauso wie man einen Menschen auf dem Mt.
Everest der planmäßigen Gipfelbesteigung bezichtigen würde! Deshalb ist
Intelligent Design keine Alternative zu Evolution, sondern Evolution eine
Alternative zu Intelligent Design. Und diese „Alternative“ muss zunächst einmal
folgenden Fragenkomplex lösen: Wie sollen auf der Basis von per Definition
zufälligen Mutationen, welche durch dynamische Selektionsbedingungen, die sich
aus einem Wechselspiel zahlreicher, verändernder Parameter zusammensetzen und
stets auf die Gegenwart hin optimieren,
beurteilt werden, Strukturen entstehen, die erst in der Summe ihrer
Teile eine erste Funktion ermöglichen, und somit
geradezu frappierend an intelligentes Design erinnern? Das, was gemäß der
Intelligent-Design-Theorie zu erwarten ist, nämlich Zielgerichtetheit, muss von
der Evolutionstheorie erst mal (weg-)erklärt werden! Und selbst wenn dies
tatsächlich gelingt (Alle Evolutionstheoretiker mit denen ich bislang
diskutieren durfte, haben schließlich auf eine zukünftige Lösung dieser
Probleme hingewiesen.), so stellt die Evolutionstheorie noch immer die zweite
Wahl dar, da die Zielgerichtetheit der Natur niemals eine logische Erwartung
aus dieser (Zufalls-)Theorie sein kann!
Kurz gesagt, gibt es zwei Möglichkeiten sich zu
entscheiden:
a) Intelligent-Design-Theoretiker: Diese haben die Aufgabe,
aufzuzeigen, dass planmäßige, zielgerichtet erscheinende Strukturen in der
Natur tatsächlich nur durch Intelligent Design entstehen können, damit
gesichert wird, dass der am nächsten liegende Schluss kein Trugschluss ist.
b) Evolutionstheoretiker: Diese haben die Aufgabe,
aufzuzeigen, dass ihr „Descent-with-modification-Prinzip“ in der biologischen
Realität mehr kann als Mikroevolution, erst dann wäre die Konkurrenzfähigkeit
zu I.D. gegeben, und man könnte den Schluss der I.D.-Theoretikern von planmäßig
erscheinenden Strukturen auf einen Planer ernsthaft angreifen. Letztlich müssen
sie aufzeigen, dass „Experten“ für Nutzbarmachung und Beherrschung der
Naturgesetze, als bloße Effekte dieser Gesetze entstehen können.
Schlussfolgerungen: Intelligent Design vs.
Evolution
Intelligent-Design-Theorie: Sofern man den Schluss von
Signalen für intelligentes Design auf einen Designer nicht grundsätzlich ablehnt
und Intelligenz, Plan und Geist als reale Dinge ansieht, bietet sich auf Basis
dieser Theorie für wesentliche Befunde eine exzellente Erklärung, etwa, was den Ursprung des Lebens angeht oder die komplex
synorganisierten Systeme der Organismen. Elegant würden sich Fragen auflösen,
wie: Warum kann der Mensch noch so sehr viel von der Natur lernen? Woher stammt
die enorme Menge an technischen Informationen im genetischen Code, einem
Codesystem, dass nach gegenwärtigem Wissenstand optimal (in Größe, Stabilität
und Fehlervermeidung) und unfassbar komplex organisiert erscheint? Warum tritt
uns das Leben in einer geradezu verschwenderisch wirkenden Pracht und Vielfalt
entgegen? Woher kommt das erstaunliche instinktive Wissen in der Natur, warum
können viele Tiere mit ihren Navigationsleistungen gegen GPS antreten? Usw.
So stark die Erklärungskraft der I.D.-Theorie in Bezug auf
solch fundamentale Fragen auch ist, im Sekundärbereich (Modus des Designs, ...)
gibt es auf Basis der I.D.-Theorie einige ungeklärte Fragen, was freilich stark
mit den weltanschauliche Vorentscheidungen der jeweiligen Vertreter dieser
Theorie zusammenhängt.
Evolutionstheorie(n):
Es gibt eine ganze Reihe an Befunden, die gut zur Vorstellung einer
Evolution passen, oder zu passen scheinen.
Allerdings fehlt der Evolutionstheorie das hinreichende
Fundament, Kernfragen wie die Entstehung des Lebens* und seiner
synorganisierten Strukturen wachsen eher, anstatt einer Erklärung näher zu
kommen. Das in Evolutionsmodellen zahlreiche Konvergenzen auftreten, ist
ebenfalls ein Problem, besonders wenn es sich um komplex organisierte Organe
wie das Auge handelt. Zudem basieren sehr viele Belege für die
(Makro-)Evolution in der einen oder anderen Form auf dem Argument der
Ähnlichkeit, dass leicht einen tautologischen Charakter annehmen kann, aber in
der Praxis vor allem durch die Etablierung von Alternativen im Rahmen der
I.D.-Theorie bedroht wird („Message-Theorie“), womit die Monopolstellung
evolutionistischer Deutungen für Ähnlichkeit untergraben wird.
Schlussbemerkung
Ich denke, es wird kein Mensch – nach Betrachtung der
Datenlage - was hier nicht wirklich möglich war, ein Problem bei der Wahl
„seiner“ Theorie haben. Wer meint, nur naturalistische Erklärungen seien echte
Erklärungen, könnte mit ersterer Theorie seine Probleme haben. (Sofern er nicht
die Randgruppenmeinung, eines „Designs durch Außerirdische“ oder Ähnliches
vertritt.) Wer hingegen die Theistische Einstellung „Geist zuerst!“ vertritt,
wird mit letzterer Theorie wenig Freude haben. So oder so schränkt wohl jeder
seine Wahl ein.
Trotzdem soll hier nicht der Eindruck entstehen, alles
hänge nur von irgendwelchen weltanschaulichen Vorentscheidungen ab, denn die
naturwissenschaftlichen Daten vermitteln ein Bild, das sehr stark auf intelligentes
Design hinweist – selbst wenn man hauptsächlich die unbelebte Welt in Betracht
zieht -, George Greenstein, bestimmt kein Freund des Design-Gedankens, drückt
das so aus:
"As we
survey all the evidence, the thought insistently arises that some supernatural
agency - or, rather, Agency - must be involved. Is it possible that suddenly,
without intending to, we have stumbled upon scientific proof of the existence
of a Supreme Being? Was it God who stepped in and so providentially crafted the
cosmos for our benefit?" [22]
Fred Hoyle hatte ebenfalls nicht die geringste
weltanschauliche Motivation, die Natur auf Anzeichen von I.D. zu untersuchen
und kommt zu dem Schluss: "A common sense interpretation of the facts
suggests that a superintellect has monkeyed with physics, as well as with
chemistry and biology, and that there are no blind forces worth speaking about
in nature. The numbers one calculates from the facts seem to me so overwhelming
as to put this conclusion almost beyond question." [23]
Ich denke, dass diese Aussagen eine interessante Frage
aufwerfen, betreffend der Diskussion, ob die I.D.-T. in der Naturwissenschaft
eine Existenzberechtigung hat, oder nicht: Wenn selbst viele Wissenschaftler,
ohne es irgendwie zu wollen, zu der Überzeugung gelangt sind, dass hinter der
Natur Intelligent Design steckt, oder zumindest die Daten stark in diese
Richtung deuten, warum soll es dann ein Problem darstellen, dass
I.D.-Theoretiker die Natur gezielt daraufhin untersuchen wollen? Im Gegenteil,
wie ich das sehe, wäre es ein großer Fehler, die Natur nicht auf Intelligent Design hin zu untersuchen!
*Dieser Punkt
gehört eigentlich nicht zur Bioevolution sondern zur chemischen Evolution, was de
facto irrelevant ist: Wer für eine Bioevolution durch blinde Naturkräfte
eintritt, lässt die Frage nach dem Ursprung des Lebens selten unbeantwortet, er
wird meistens auch hier nur blinde Naturkräfte als Erklärung akzeptieren.
**Mit dem
umfassenden und in zahllosen Varianten auftauchenden „Argument der Ähnlichkeit“,
haben Evolutionstheoretiker allerdings selbst eine höchst analogiezentrierte
Argumentationsweise, wenn es um Belege für ihre Auffassung zum Ursprung
der Organismenwelt geht!
Quellen:
[1] Neukamm 2003:
Evolution und Schöpfung im Vergleich. URL: http://www.vdbiol.de/debatten/evolution/neukamm3.html
[2] Weber
2002: Darwinismus. S.69
[3] Goodwin
dt.1997: Der Leopard der seine Flecken verliert. Evolution und
Komplexität. S. 11/12
[4]
Junker&Scherer 2001: Evolution. Ein kritisches Lehrbuch.
Lönnig 1998: Zehn Paradebeispiele gegen
Zufallsevolution.
Behe 1996: Darwin's Black Box. The
Biochemical Challenge to Evolution.
Scherer 1996: Entstehung der
Photosynthese. Grenzen molekularer Evolution bei
Bakterien?
[5]
Gould dt.1998: Illusion Fortschritt. Die vielfältigen Wege der Evolution. S.244
[6] Junker
2002: Ähnlichkeiten, Rudimente, Atavismen. Design-Fehler oder Design-Signale?
S.35
[7]
Dettner&Peters (Hrsg.) 1999: Lehrbuch der Entomologie. S.741
[8]
Nachtigall&Blüchel 2001: Das große Buch der Bionik. Neue Technologien nach
dem
Vorbild der Natur.
[9]
Fischer 2002: Grenzen des Wissens. S.6 Spektrum
der Wissenschaft (Dossier) 2/2002
[10]
Storch, Welsch, Wink 2001: Evolutionsbiologie. S.54
[11]
Kahle 1999: Evolution – Irrweg moderner Naturwissenschaft? S.157/158
[12]
Kutschera 2001: Evolutionsbiologie. Eine allgemeine Einführung. S.181/182
[13]
Rammerstorfer 2003: C3/C4 Photosynthese – Ein Argument gegen Intelligent
Design? URL: http://members.aon.at/evolution/C3C4.htm
[14]
Lönnig 1993: Artbegriff, Evolution und Schöpfung. Unterthema: Grundsätzliche
Einwände zur Artbildung durch Intelligent Design.
[15]
Dembski 1999: Intelligent Design. The Bridge Between Science & Theology.
Zitiert in Dembski 1999: Bodnar, Killian,
Nagle, Ramchandani 1997: „Deciphering the Language of the Genome.“
Journal of Theoretical Biology 189:183.
[16] Müller 1998: Tier- und Humanphysiologie. S.339/340
[17] Dawkins 1987: Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer
für den Darwinismus. S.13
[18]
Campbell&Reece dt.2003: Biologie. S.502; Interview Neil Campbells mit John
Maynard Smith.
[19]
Sipper&Reggia 2002: Roboter, die sich selbst vermehren. Spektrum der
Wissenschaft 4/2002
[20]
Lönnig 1995: Mutationen: Das Gesetz der rekurrenten Variation.
[21]
Lönnig 1999: Johann Gregor Mendel: Why his discoveries were
ignored for 35 (72) years.
[22]
Greenstein 1988: The Symbiotic Universe. S.27
[23]
Hoyle 1982: The Universe: Past and Present Reflections. Annual Review of Astronomy
and Astrophysics: 20:16
[24]
Daber 1999: Die Kambrische Explosion. Im Brockhaus 1999: Vom Urknall zum
Menschen. S. 342/343
Ursprungsversion: 02.05.2003
Aktualisiert: siehe Startseite
© 2003 by Markus Rammerstorfer
URL dieses
Dokuments: http://members.aon.at/evolution
bzw. www.intelligentdesign.de.vu