Bionik und die Ursprungsfrage

 

Unlängst ist mir „Das große Buch der Bionik“[1] in die Hände gefallen, allein schon die hervorragende Bebilderung verschiedenster technischer und biologischer Strukturen hat mich stark angezogen. Zudem fand ich die darin gezogenen Parallelen zwischen Natur und Technik äußerst anregend, da sie Rückschlüsse auf die biologische Ursprungsfrage zulassen. Meine erste Reaktion war: „Wunderbar, so viele Beispiele für intelligentes Design!“ So ganz scheinen die Autoren des Buches meine erste Einschätzung nicht zu teilen, sie heben bei jeder Gelegenheit die (postulierte) evolutionäre Entstehung sämtlicher biologischen Strukturen hervor. Damit möchte ich mich im vorliegenden Aufsatz kritisch auseinandersetzen, genauso wie mit der Frage, ob mich mein erster Eindruck nicht doch getäuscht haben könnte.

 

„Die Natur hat die Technik „erfunden“. Das klingt seltsam, ist aber so. Technik ist nicht erst eine Errungenschaft des Menschen.“ S.15

 

„Tiere und Pflanzen als Designer, die dem Maschinenbauer und Architekten etwas zeigen können!“ S.16

 

„Zahlreiche biologische Systeme stellen alles in den Schatten, was in den technischen Disziplinen bislang als machbar galt. (...) Mechanische, optische und elektronische Komponenten sind dreidimensional auf allerkleinstem Raum integriert. Eintreffende Signale werden im Echtzeitmodus verarbeitet. Und dabei besteht das komplette System – ähnlich wie der mit Sensoren bestückte, fleischfressende Wasserschlauch (großes Foto) – aus Baustoffen, die man auf jedem Misthaufen finden kann.“ S.19

 

„Konstrukteure, Ingenieure oder Designer sollten deshalb von vornherein Lösungen der Natur mitbetrachten, wenn es um die Bearbeitung eines vergleichbaren technischen Problems geht.“ S.24

 

„Ein solch biologischer Super-Speicher braucht nicht viel Platz und erlaubt in der Regel Tausende von „Sicherungskopien“ (Allelen). Der Stand der molekularen Technik biologischer Systeme hat einen Vorsprung vor den Spitzentechnologien des Menschen, den man kaum in Worte fassen kann.“ S.50

 

„In der Natur gibt es beispielsweise Druckknöpfe Klapp- und Klemmkonstruktionen sowie tausend andere Dinge, deren Formgestaltung man in der Technik einem Designer überlassen würde.“ S.164

 

„Wenn man es recht bedenkt, haben wir es hier zweifellos mit einem Design zu tun. Auch wenn der Designbegriff hier vielleicht unkonventionell ist. Das Design erscheint in der Natur immer gut, daß heißt: Form und Funktion sind optimal aufeinander abgestimmt. Ist das in der Technik auch immer so?“ S.166

 

„Im Bereich der Natur ergibt sich schon beim ersten Hinschauen, daß Mikromechanik eher die Regel ist als die Ausnahme. Flügelkopplungsmechanismen etwa bei fliegenden Wanzen sind 1/10mm groß; Speichelpumpen auch; und sie haben all das, was solche Mechanismen brauchen, wenn auch in „höchstintegrierter“, materialtechnisch raffinierter und unkonventionell-vielfältiger Ausfertigung.“ S.214/217

 

„Bewegen bedeutet, Konstruktionsteile gegeneinander verkipp-, verdreh- und verschiebbar zu machen, ohne daß sich dabei die Verbindung lösen darf. Hierführ gibt es auch viele biologische Beispiele, zum Beispiel Gleitführungen, Parallelführungen, Schwalbenschwanzführungen sowie die hier genannten Klappmechanismen.“ S.223

 

„Stellt die Knochensubstanz eines Wirbeltieres nicht eine unglaubliche Herausforderung an die Werkstofftechnologen dar?“ S.248

 

„Bereits die mikroskopisch kleine Zelle eines Urtierchens ist wesentlich komplizierter organisiert, als es die wahrhaft vielschichtigen wirtschaftlichen Querbeziehungen aller Industrienationen zusammengenommen sind!“ S.370

 

Für die biologische Ursprungsforschung legen das Fachgebiet Bionik und obige Zitate daraus einige interessante Schlüsse nahe:

 

 

+Vieles in der Natur lässt sich mit der Technik vergleichen, es ist eine Technologie, dagegen gibt es keinen grundsätzlichen Einwand.

 

+Die in der Natur vorkommenden Technologien sind denen des Menschen weit überlegen.

 

+Der Designbegriff ist auch in der Natur anwendbar.

 

+Selbst verhältnismäßig „einfache“ Strukturen sind enorm komplex organisiert.

 

 

Lässt sich daraus der vermutlich beeindruckendste und naheliegenste Schluss ziehen?

 

+Die äußerst komplex organisierte Technologie des Menschen hat einen geistigen Ursprung und setzt Intelligenz sowie Planung voraus. Analog dazu liegt der Schluss nahe, dass dies bei den überlegenen und zu großen Teilen noch unverstandenen Technologien in der Natur ebenfalls der Fall ist.

 

Auf diesen Schluss hin wird natürlich heftiger Widerspruch von Evolutionisten kommen – schließlich haben Lebewesen die Fähigkeit zur Fortpflanzung, Maschinen jedoch nicht.[15] Fortpflanzung wiederum ist die Grundlage für Veränderung – und diese Veränderung legt nach Ansicht von Evolutionisten den Grundstein, um im Laufe der Zeit Systeme hervorzubringen, die normalerweise nur durch Intelligent Design geschaffen werden.

 

Bevor dieser fundamentale Einwand behandelt wird, möchte ich die Ausgangssituation kurz zusammenfassen:  

   

Obiger (provokanter) Schluss hat den Vorteil an Erfahrungstatsachen orientiert zu sein, diese wiederum könnte man so formulieren:

 

+Technische Systeme kommen ausschließlich durch den gezielten Einsatz von Intelligenz und planvollem Vorgehen zustande. Ihr Ursprung ist also geistiger Natur.

 

Ganz offensichtlich ist diese Feststellung leicht falsifizierbar, ich lade alle Kritiker herzlich ein, testbare Gegenbeispiele anzuführen. Ich denke nicht, dass ein derartiges Beispiel existiert, anfechtbar ist nur die Extrapolation von menschlicher Technik auf die Natur. Wie gesagt, gibt es ja in der Natur Fortpflanzung und Veränderung – etwas, das in der Technik so nicht existiert. Es liegt allerdings ganz auf Seiten der Evolutionisten, zu zeigen, dass dieser Unterschied ausreicht um obige Schlussfolgerung als unberechtigt abzuweisen – schließlich ergibt sich ihre Ansicht nicht aus den Erfahrungstatsachen. Anhand eines Beispiels gesagt: Findet man in der menschlichen Technik eine Kolbenpumpe oder einen Elektrorotationsmotor, ist der Schluss auf einen intelligenten Designer unausweichlich. Findet man jedoch eine Kolbenpumpe bei Wanzen und einen Rotationsmotor bei E.coli ist der Schluss auf einen intelligenten Designer keineswegs unausweichlich. Für letztere Behauptung, oder Deduktion aus der Evolutionslehre liegt die Beweislast ganz bei den Vertretern selbiger. (Weiteres in Anhang C)

 

 

 

Überprüfung der Alternative zu Intelligent Design

 

Prinzip 10: Entwicklung im Versuch-Irrtum-Prozess. (...)Viele kleine Änderungen im Erbgut verändern Nachkommen in winzigsten Nuancen, ohne daß man es normalerweise bemerken könnte. Ändern sich aber die Umweltbedingungen, so werden immer einige Nachkommen vorhanden sein, die von vornherein mit diesen Änderungen besser zurechtkommen. Sie haben damit größere Chancen, ihre unmerklich veränderten Gene weiterzugeben. Auf diesen Grundüberlegungen beruht die Evolutionstrategie.“ S.182

 

„Ja, was Tiere und Pflanzen entwickelt haben, ist im Versuch-Irrtum-Prozeß der Evolution abgelaufen und immer weiter verfeinert worden, offensichtlich ohne Zutun eines „planenden“ oder „denkenden“ Systems.“ S.304

 

„Wenn die biologische Evolution in einem sich selbst organisierenden Prozeß imstande war, aus toter Materie so komplexe Lebensformen wie Termiten und Delphine, Orchideen und Bäume, Elefanten und Falken, schließlich sogar Menschen mit Bewußtsein hervorzubringen, dann darf man davon ausgehen, daß diese Prinzipien auch zur Lösung technischer wirtschaftlicher und sozialer Problemstellungen eingesetzt werden können,...“ S.356 [6]

 

„Man erkennt gerade erst, dass uns die Art, wie sich die phantastisch anmutenden Erfindungen der Natur entwickelt haben, eine vorzügliche Methodik an die Hand gibt zur Lösung der unterschiedlichsten technischen Probleme, vom Bau- und Verkehrswesen über die Luft- und Raumfahrt bis hin zur Medizin und zur Informationstechnologie.“ S.356

 

Die Prinzipien der Evolution, die laut obigen Zitaten in der Lage waren, gänzlich neue Baupläne zu schaffen, werden also auch in nicht-biologischen Systemen zur Problemlösung verwendet. Folglich kann man die Ergebnisse, die man mit Evolutionsprinzipien in nicht-biologischen Systemen macht, auch (vom Prinzip her) zur indirekten experimentellen Überprüfung der synthetischen Theorie verwenden. Es handelt sich zwar in jedem Fall um Analogieschlüsse, die plausibel erscheinen mögen, aber dennoch nicht zwingend sind, trotzdem möchte ich hier noch einmal zwei gute Gründe zugunsten dieser Schlüsse vorbringen:

 

a)    Die in vielen Bereichen verblüffende Übereinstimmung zwischen Natur und Technik, die ich oben mit Zitaten belegt habe.

 

b)    Die Tatsache, dass sich von der Natur abgeschaute Evolutionsprinzipien in vereinfachter Form auch in der Technik anwenden lassen.

 

Von Interesse dürfte auch ein Zitat aus dem Buch „Bionik“ (Nachtigall 2002) sein: „Welcher Nutzen, so fragt Schwefel, kann nun aus dem Analysieren und Nachahmen von Evolutionsprinzipien gezogen werden? Zu dem Problemkreis „Systemanalyse und Evolution“ findet er drei Lernmöglichkeiten.

- Für die Vergangenheit: ein besseres Verständnis für den historischen Ablauf der Entwicklungsgeschichte.“ (S.362)

 

Rückschlüsse von der technischen Evolution auf die biologische Evolution sind also grundsätzlich berechtigt. 

 

Evolution nicht-biologischer Systeme

 

Ein wunderbar übersichtliches und klassisches Beispiel für Evolutionsstrategie stellt die Optimierung einer schräg angeströmten Gelenkplatte dar. Die Platte soll dabei eine Form annehmen die den geringstmöglichen Strömungswiederstand garantiert. Dabei liegt der hintere Auflagepunkt um ein Viertel der Plattenlänge unter dem vorderen. Ausgangssituation ist eine gestreckte Form der Platte. Diese ist in sechs gleichgroße Flächen unterteilt; die Gelenke an den Berührungslinien lassen sich durch Einrastvorrichtungen in 51 Stellen verändern. Im Experiment wird die Platte im Windkanal auf ihren Widerstand (=Selektionskriterium) hin überprüft, wobei die Winkeleinstellungen zufällig verändert werden. Positive Änderungen werden beibehalten, negative verworfen. Nach ca. 200 „Mutationsschritten“ stellt sich so eine ideale Plattform ein.

 

Ebenfalls klassisch ist die Optimierung einer Venturidüse aus dem Jahr 1968 durch den heute bekannten Evolutionsstrategen Hans-Paul Schwefel am AEG – Forschungsinstitut Berlin. Man hat die Düse in Scheiben geschnitten, diese zufällig zusammengesetzt und der Selektion unterworfen. Nach dem 45sten Versuch hatte man eine seltsam geformte Düse mit einem um 40% besseren Wirkungsgrad. Da man damals gemischte Strömungen aus Flüssigkeit und Gasblasen nicht berechnen konnte, war es ein absolut unvorhergesehenes Ergebnis.

 

Ähnliche Beispiele könnten in Mengen aufgezählt werden, wobei sie sich nicht nur auf rein technische Anwendungen beschränken. Arbeitsabläufe lassen sich genauso optimieren wie Kaffeemischungen, es scheint so als ob der Einsatz von Zufall ein wirklich fruchtbarer Ansatz für viele Probleme ist, die sich genauen Berechnungen (noch) entziehen. Letztlich dürfte das Versuch-Irrtum-Prinzip auch im Alltag weit verbreitet sein: Wer liest schon das Handbuch eines Videorecorders, oder konsultiert bei PC-Problemen eine (nichtssagende) Hilfedatei? 

 

Der Hauptpunkt dabei ist immer, dass der evolutionären Optimierung ein funktionsfähiges System zugrunde liegt, das anschließend über zufällige Variation der Systemparameter an vorgegebene Kriterien (z.B. geringster Strömungswiderstand) angepasst wird. Evolutionäre Optimierung ist somit kein kreativer Prozess. Optimiert man z.B. eine Brücke nach bestimmten Kriterien wie max. Stabilität bei größtmöglicher Kapazität und geringsten Materialkosten etc., wird die Evolutionsstrategie eine entsprechende Adaption des vorgegebenen Bauplans vornehmen. Dass aber womöglich eine Untertunnelung des Flusses klüger wäre, wird ein Mutations-Selektionsprinzip nicht „erkennen“. Selbst wenn man dem Optimierungsprogramm jede denkbare Freiheit in Bezug auf den Bauplan geben würde, könnte kein Tunnel entstehen. Denn: Was für einen „Selektionsvorteil“ könnte ein erster Schritt zu einem Tunnel bringen?

 

Evolution biologischer Systeme

 

Das Mutations-Selektionsprinzip ist auch in der Natur präsent, wobei hier Rekombination die Hauptquelle der Variation ist. Die Selektionskriterien der Natur sind allerdings sehr dynamisch, im Gegensatz zu den statischen in der Evolution nicht-biologischer Systeme.(vergl. natural selection) 

Man kennt heute zahlreiche Formen der Anpassung und Spezialisierung, unter natürlichen Bedingungen, z.B. beim Geparden oder verschiedenen Pflanzenarten, die an ihre Standorte angepasst sind. (Allerdings sind einige Anpassungen, speziell bei Pflanzen, nicht erblich.) Züchter passen etliche Arten ihren eigenen Vorstellungen ganz erstaunlich an, indem sie stets die ihren Zielen am ehesten entsprechenden Exemplare paaren. [2]

                                                             

Der Hauptpunkt dabei ist, dass analog zur Optimierung nicht-biologischer Systeme auch hier die Entstehung neuer Baupläne und Organisationstypen nicht beobachtet wird. Dazu der dtv-Atlas/Biologie (2001) auf S.509: „Direkte Beweise dafür [für die Abstammungslehre] liefert nur die experiment. Genetik und Züchtung (S.489). Ihre Erkenntnismittel aber reichen an das Evolutionsproblem direkt nur soweit heran, als es sich um mikroevolutionäre Änderungen innerhalb von Populationen handelt, der Verwandtschaftskreis innerartl. Rassen oder nahestehender Arten also nicht überschritten wird. Allerdings wird von den innerartl. (infraspezif.) Vorgängen auch auf die überartl. (transspezif.) Prozesse geschlossen.“

 

Ein weiteres Nachschlagewerk [7]: „Die Prozesse der Mikroevolution lassen sich experimentell untersuchen, diejenigen der Makroevolution entziehen sich der experimentellen Analyse. Einiges spricht dafür, dass der Mikro-und Makroevolution gleiche Prozesse unterliegen.“

 

Zu letzterem Satz möchte ich anmerken, dass die meisten Evolutionisten aufgrund mangelnder Alternativen annehmen, dass mikroevolutive Prozesse letztlich auch zu Makroevolution führen. Dies ist eine Kernaussage der heute dominierenden Synthetischen Theorie, Weber (2002; [8]) bringt das in seinem Buch über den Darwinismus auf den Punkt: „Die Auslese bestimmt den Wandel von Organismen in vergleichsweise kurzen Zeiträumen, doch dieser Wandel kann problemlos auf viel längere Zeiträume ausgedehnt werden – Makroevolution ist daher nur eine Folge der Mikroevolution, keine zusätzlichen erklärenden Prinzipien werden benötigt.“

Diese Aussagen entziehen sich dem Experiment, was Evolutionisten stets bekräftigen, wenn sie auf die Ergebnisse von Mutations- und Züchtungsforschung angesprochen werden. Denn: Gegen die Jahrmillionen in der Natur laufen die Evolutionsexperimente des Menschen zu kurz, um weitgehende Schlüsse gegen eine Makroevolution auf Basis mikroevolutiver Prozesse zuzulassen. Derartige nicht testbare und nicht falsifizierbare Behauptungen lassen sich sachlich letztendlich nur abschwächen. [2]

 

Ein gewichtiger Grund, weshalb beobachtbare mikroevolutive Prozesse, nach derzeitigem Stand, letztlich nicht zu Makroevolution führen können, liegt an den synorganisierten Strukturen in den Organismen – hier scheitern Ansätze im Rahmen einer additiven Typogenese schon im Vorfeld, nämlich bei deren theoretischer Erklärung.

Dazu habe ich bereits einige Beispiele angeführt, weiter unten wird das Synorganisationsproblem anhand der Blutgerinnung aufgezeigt.

 

Die Begrenztheit des Neodarwinismus auf mikroevolutive Prozesse wird heute von vielen Biologen festgestellt und auch im Rahmen der Evolutionslehre wird an Alternativen gearbeitet, Goodwin (1997;[10]), ein Vertreter der Komplexitätstheorie, schreibt:

„Es gibt keine „eindeutigen Beweise ... für das allmähliche Entstehen irgendeiner neuartigen Lebensform“, sagt Ernst Mayr, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Evolutionsbiologen. Neue Typen von Organismen tauchen plötzlich auf der Bühne der Evolution auf, verweilen dort unterschiedlich lange und sterben schließlich aus. Somit ist die Darwinsche Annahme, der Stammbaum des Lebens sei eine Folge der schrittweisen Anhäufung geringfügiger Erbunterschiede, offenbar empirisch nicht ausreichend abgesichert. (...)

Die Darwinsche Theorie scheint lediglich die mikroskopischen Aspekte der Evolution abzudecken: Sie kann die innerartlichen Variationen [11] und Adaptionen erklären, welche die Feinabstimmung von Varianten auf verschiedene Lebensräume ermöglichen. Um die makroskopischen Gestaltunterschiede, welche die Grundlage der biologischen Klassifikationssysteme bilden, erklären zu können, bedarf es dagegen offenbar eines anderen Prinzips als der auf geringfügige Variationen einwirkenden natürlichen Selektion,...“ (S. 11/12)  

 

Behe (1996;[12]) zitiert die Biologen Mae-Wan und Peter Saunders mit den Worten: „... Yet the successes of the theory [Neodarwinismus] are limited to the minutiae of evolution, such as the adaptive change in coloration of moths; while it has remarkably little to say on the questions which interest us most, such as how there came to be moths in the first place.“ S.28

 

Die (oft für selbstverständlich gehaltene) Extrapolation von Mikroevolution auf Makroevolution ist also weder empirisch testbar – der Hinweis auf Grenzen der Variation und der Genpoolverarmung im Zusammenhang mit Artbildung, wird mit dem „Zeitargument“ abgewehrt, noch theoretisch an Hand konkreter Beispiele nachvollziehbar (Synorganisationsproblem) und wird deshalb von Kritikern der Evolutionslehre genauso wie von kritischen Evolutionisten als Schwachpunkt erkannt.   

 

Ebenfalls gezeigt haben sich Optimierungsgrenzen, genauso wie der Bauplan „Venturidüse“ keine beliebig hohen Wirkungsgrade ermöglicht, kann auch der Gepard seine Geschwindigkeit nicht beliebig erhöhen und die Milchmenge der Kuh stagniert ab einem gewissen Optimierungsgrad – sowohl natürliche Selektion und Züchtung stoßen also auf Grenzen.

 

Es gibt somit grundlegende Übereinstimmungen zwischen der Evolution biologischer und nicht-biologischer Systeme - dass auch die in wesentlichen Punkten von der Natur abgeschaute nicht-biologische Optimierung genau an die Grenzen stößt, die von Evolutionskritikern für die biologische Welt vertreten werden, trifft sich glänzend. [3] Weitere Ausführungen zu diesem Thema sind in Anhang B.  

 

Folgerung für die Ursprungsfrage:

 

„Ein Wurm, der wechselnden Umweltbedingungen ausgesetzt ist, wird aufgrund der Selektionswirkung zu einem „besseren“ (besser angepaßten) Wurm, nicht aber zu einem Insekt. Veränderungsansätze in Richtung Insekt bedeuten keine Anpassung als Wurm; solche Ansätze würden daher von der Selektion ausgemerzt.“ (Junker&Scherer 2001; [4])

 

Analog zu obigen Brückenbeispiel kann man das Zitat so abwandeln:

 

Eine Brücke, die gleichbleibender Optimierung ausgesetzt ist, wird aufgrund der Selektionswirkung zu einer „besseren“ (besser angepaßten) Brücke, nicht aber zu einer Untertunnelung. Veränderungsansätze in Richtung Untertunnelung bedeuten keine Anpassung als Brücke; solche Ansätze würden daher von der Selektion ausgemerzt.“

 

Eines sollte sich deutlich zeigen: Optimierung bestehender Systeme und Baupläne erklärt nicht deren Ursprung. Es muss jedoch erst gezeigt werden, dass heute zu beobachtende mikroevolutive Prozesse mehr können als Variabilität zu produzieren und auf dieser Basis Organismen und Baupläne anzupassen! 

 

Diese Schlussfolgerung soll nun getestet werden.

 

Test

 

Für den Test obiger Schlussfolgerung benötigt man ein Beispiel aus der biologischen Realität, welches das Potential hat, obige Ausführungen entweder zu bestätigen, oder zu falsifizieren. Falsifiziert wäre meine Argumentation, wenn deutlich würde, dass „die“ Evolution in der Natur, anders als in der Technik, eben doch neue Systeme und Organisationstypen hervorbringen kann. Dann wäre obige Argumentation nur ein Analogieschluss, der in der Praxis nicht haltbar ist. Da ein direkter empirischer Test aus Machbarkeitsgründen ausscheidet [5], bleibt nur die Option eines theoretischen Tests der Evolutionsmechanismen an einer Struktur, bei der eine evolutionäre Entstehung postuliert wird. (Womit ich die gesamte Organismenwelt zur Wahl hätte.)  

 

„Wenn eine Wunde durch die Vorgänge der Blutgerinnung verschlossen wird, wenn sich in dem Gerinnsel Blutkörperchen fangen und dabei helfen, die Verletzung abzudichten, so ist das ebenfalls ein Prozeß, den die Evolution geschaffen hat. Gäbe es keine Blutgerinnung, könnte ein Säuger nicht überleben. Bei der kleinsten Verletzung würde er verbluten.“ (S.357)

 

Die Blutgerinnung ist ein kompliziert vernetztes System, dessen Funktion von dem Zusammenspiel vieler Teile abhängt. Bei Verletzungen wird die Produktion von Dichtmaterial lokal beschleunigt. Ein Propf aus geronnenem und versponnenem Fibrin soll das Leck dichten, ohne die Gefäße zu verstopfen. Das Rohmaterial zur Leckdichtung ist das von der Leber erzeugte Protein Fibrinogen, es kursiert permanent im Blutkreislauf. (Es macht ca. 2-3% der Proteine im Blutplasma aus.) Wie wird dieses potentielle (und brisante) Dichtmaterial „scharf gemacht“? In den Prozess der Blutgerinnung sind zahlreiche andere Faktoren involviert, die Timing und Platzierung kontrollieren.

 

Müller (1998; [14]) gibt folgende Kurzbeschreibung der Abläufe: „Fibrinogen kann erst zum netzförmigen Polymer des Fibrins „gerinnen“ (das heißt polymerisieren), wenn ein Peptidstück abgetrennt ist. Dazu braucht man eine Protease. Und um eine aktive Protease zu bekommen, braucht man eine zweite Protease, die aus der inaktiven Vorstufe (Zymogen) der ersten Protease ein hemmendes Peptidstück abtrennt. Um die zweite Protease zu bekommen, braucht man eine dritte Protease. Um eine dritte zu bekommen, braucht man eine vierte ... . Wo soll das enden? Die Kaskade endet, richtiger gesagt sie beginnt, bei einem von zwei möglichen Auslösern.“

 

Ein Auslöser ist der Plättchenfaktor. Dieser wird freigesetzt, wenn die Blutplättchen in Berührung zu einer nicht mit Fibrin beschichteten Oberfläche kommen. Dann aggregieren die Plättchen zum Plättchenthrombus, der den Faktor freisetzt.

Der zweite Auslöser sorgt für eine rasche Aktivierung. Dabei lecken sogenannte Triggersubstanzen aus verletzten Zellen aus und aktivieren die Blutgerinnung.

 

Allerdings ist mit der Leckabdichtung noch nichts gewonnen. Es ist unbedingt nötig, dass das Dichtmaterial wieder aufgelöst wird, dazu benötigt man erneut eine Protease. Der Auflösungsprozess an sich wird vom Plasmin übernommen, welches in seiner inaktiven Form als Plasminogen vorliegt. Für die Umwandlung von Plasmionogen in Plasmin benötigt man das Protein t-PA. Getriggert wird dieser Prozess von einem Plasmionogenaktivator. 

 

Die obigen Ausführungen sollen lediglich einen winzigen Eindruck von der komplexen Organisation eines anscheinend selbstverständlichen Prozesses liefern. Dabei habe ich allerdings extrem vereinfacht, ich verweise den interessierten Leser an die in [12] genannte Quelle.

Dennoch sollten die Schwierigkeiten für eine schrittweise Entstehung dieses Systems offensichtlich sein. Die Funktion des Systems wird erst durch das exakte Zusammenspiel vieler Einzelkomponenten ermöglicht, eine z.B. 10%ige Basisfunktion die anschließend schrittweise verbessert (optimiert) wird, ist nicht vorstellbar. Das wird etwa daran deutlich, dass schon die Funktionsbeeinträchtigung oder der Ausfall einzelner Komponenten schwerwiegende Krankheiten hervorruft, so stellt z.B. ein bloßer Mangel an Fibrinogen bei Verletzungen eine ernsthafte Gefahr dar. Bei Thrombosen liegt hingegen eine Überreaktion der Gerinnungsfaktoren vor – das Blut gerinnt zur falschen Zeit am falschen Ort.

 

Wie könnte ein derartiges System schrittweise über zahlreiche selektionspositive Stufen evolvieren, wenn doch erst das Zusammenspiel aller Komponenten die Funktion des (überlebensnotwendigen) Systems ermöglicht? [9]

Wenn aber eine schrittweise Entstehung dieses System über Stufen führen würde, die nicht selektionspositiv, oder sogar selektionsnachteilig sind, so ist eine evolutive Entstehung dieses Systems faktisch ausgeschlossen.               

 

  Es benötigt allerdings keineswegs so enorm komplexe Systeme wie die Blutgerinnung, um die Vorstellung einer additiven Typogenese absurd erscheinen zu lassen. Nachtigall & Blüchel führen in ihrem Buch serienweise „einfache“ Strukturen auf, die Fragen aufwerfen, hier ein Auszug: (Leider muss hier aus Copyrightgründen die entsprechend imposante Bebilderung unterbleiben.)

 

+ „Der Rückenschwimmer besitzt eine wohlausgebildete Druckknopfeinrichtung zum Ankoppeln der harten Vorderflügel an den Rumpf. Funktionell entsprechen sie den Druckknöpfen der Bekleidungsindustrie“ (S.219)

 

Frage: Ab wann ergibt ein Druckknopfsystem Sinn? Erst wenn zwei optimal aufeinander abgestimmte Komponenten zusammenwirken. Es ist einleuchtend, dass ein Druckknopfsystem erst in vollständigem Zustand einsatzfähig ist. Dabei muss eine sinnvolle Integration in ein Gesamtsystem gegeben sein.

Einwand: Könnte man dieses System nicht wenigstens theoretisch von einer anderen Struktur herleiten, es sagt ja niemand, dass die Funktion als Druckknopf sofort gegeben sein musste – vielleicht gab es eine Doppelfunktion?

In diesem Fall muss die Doppelfunktion wenigstens gedanklich existieren – bevor hier keine Hypothese aufgestellt ist, kann man nichts überprüfen. Bis dahin ist obige Frage – die manchmal als darwinistische Pauschalantwort auf derartige Strukturen missbraucht wird – wissenschaftlich leer. Dabei ist zu beachten, dass etwa ein Druckknopfsystem nur in einem entsprechenden Kontext eine Funktion erfüllt – was den Problemkreis zusätzlich ausweitet.

 

+ „Mit Hilfe einer Art Reißverschlusssystem, nämlich nacheinander einrastender Nuten und Noppen, werden beim Zwergrückenschwimmer die Flügel gegeneinander fixiert. Die chitinösen Strukturen werden beim Einrasten eines einzelnen Zackens ein wenig gedehnt und schließen sich dann wieder.“ (S.220)

 

 Ab wann ergibt ein Reißverschlusssystem Sinn? Dasselbe Prinzip wie oben.

 

+ „In die feine, chitinöse Wolle des einen Teils greifen feinste Widerhakenschichten des anderen Teils ein. Dies reicht entsprechend den technischen Klettverschlüssen für eine solide Verbindung.“ (S.220)

 

Und wieder der Rückenschwimmer, erstaunlich, was in dieser Wanze an Mikromechanik zu finden ist! Wieder dasselbe wie oben – Klettverschlüsse, die nur etwas haften, könnten kaum eine Funktion ausüben. 

 

+ „Ein Legebohrer besteht aus 3 Paaren von Anhängen des 8. und 9. Hinterleibsegments, die mit sehr „sorgfältig gefertigt“ erscheinenden Schwalbenschwanzführungen ineinandergleiten“ (S.221)

 

Das betrifft die Legeröhre von Heuschrecken, und wieder könnte ich fragen, ab wann Schwalbenschwanzführungen eine Funktion erfüllen können, oder welche Strukturen letztlich in eine Schwalbenschwanzführung umgewandelt werden konnten. Ein ganz ähnliches Problem stellen übrigens auch die Gleitführungen beim Legebohrer von Schlupfwespen dar.

Was auf alle diese Beispiele zutrifft: Es lohnt sich die Suche nach Konvergenzen! Wenn die Entwicklung derartiger Strukturen über eine additive Typogenese schon bei einmaligen Vorkommen kaum vorstellbar ist, so gilt das umso mehr, je öfter derartige Strukturen konvergent auftreten! [13] 

 

Schlussfolgerungen

 

Die Kernaussage dieses Aufsatzes ist:

 

+Die äußerst komplex organisierte Technologie des Menschen hat einen geistigen Ursprung und setzt Intelligenz sowie Planung voraus. Analog dazu liegt der Schluss nahe, dass dies bei den überlegenen und zu großen Teilen noch unverstandenen Technologien in der Natur ebenfalls der Fall ist.“

 

Es wurde festgestellt, dass keine wesentlichen Gründe gegen diesen Analogieschluss sprechen; das Gegenteil ist der Fall. Dazu wurden auch Einsprüche des rivalisierenden Ursprungsmodells berücksichtigt, welches zwar besagt, dass obige Extrapolation von Technik auf Natur unzulässig ist – dafür jedoch keinen Beleg ins Feld führt. Zudem wird diese Ablehnung durch die Anwendung von in der Natur beobachteten evolutionären Strategien, in der Technik zusätzlich unglaubwürdig – bemerkenswert ist, dass auch in der Technik Evolutionsstrategien nur optimieren aber nicht kreieren. Meiner begründeten Einschätzung nach, erlaubt die Umsetzung von biologischen Evolutionsstrategien in der Technik auch einen (begrenzten) Rückschluss auf die biologische Evolution. Um es nicht beim bloßen Analogieschluss zu belassen, wurde zuletzt ein Beispiel aus der biologischen Realität behandelt. Dabei zeigte sich die Unfähigkeit der vorherrschenden Evolutionstheorie* es zu erklären, was darauf zurückzuführen ist, dass diese zwar Optimierungsvorgänge erklären kann, jedoch nicht den Ursprung der zu optimierenden Systeme. Dadurch wurde auch die grundsätzliche Berechtigung des obigen Schlusses bestätigt, da das „Descent-with-modification-Prinzip“ anscheinend nicht in der Lage ist, die Signale für Intelligent Design zu verfälschen. Somit bleibt der Schluss (I.D.), den man aufgrund von Erfahrungstatsachen zunächst favorisieren wird erste Wahl, da man Alternativen nach derzeitigem Stand des Wissens als äußerst unrealistisch einstufen muss. Kurz gesagt: Man kann nach bestem Wissen davon ausgehen, dass der naheliegende Schluss auf I.D. kein Trugschluss ist.       

 

 

* Das Problem bleibt allerdings keineswegs auf den Neodarwinismus begrenzt, sondern betrifft alle Ursprungstheorien, die mit einer schrittweisen Entstehung arbeiten müssen.

 

 

 

        

[1] Sofern nicht anders angegeben beziehen sich alle Zitate dieses Aufsatzes auf genannte Quelle. (W.Nachtigall & K.G.Blüchel (2001): Das große Buch der Bionik. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München)

 

[2] Was nur bedeutet, dass das einzige in der Natur gültige Selektionskriterium –Fortpflanzungserfolg- durch andere Kriterien ersetzt wird. Die Evolutionsfaktoren bleiben dabei prinzipiell gleich, nur die gezielte, intelligente Anwendung bietet einige Vorteile: Vervielfachung der Mutationsraten, gezielte Rekombination und intelligente Selektion. Was übrigens ein weiteres Fragezeichen hinter die Strategie vieler Evolutionisten stellt, die ein Übertragen der Ergebnisse aus Züchtungs – und Mutationsforschung in die Vergangenheit relativieren wollen. („Ein paar Jahrzehnte Züchtungsforschung lassen sich nicht mit den Jahrmillionen vergleichen, die die Natur zur Verfügung hatte.“)

 

[3] Womit sich der oben genannte Leitsatz der I.D.-Theorie (+Technische Systeme kommen ausschließlich durch den gezielten Einsatz von Intelligenz und planvollen Vorgehen zustande. Ihr Ursprung ist also geistiger Natur.“) wie zu erwarten erneut bestätigt hat!

 

[4] Junker&Scherer (2001): Evolution-ein kritisches Lehrbuch. S.75

 

[5] Wie oben begründet wurde.

 

[6] Anscheinend verfügen die Buchautoren über eine Zeitmaschine. Vielleicht existiert ja eine Videodokumentation, die zeigt, dass „ die biologische Evolution in einem sich selbst organisierenden Prozeß imstande war, aus toter Materie so komplexe Lebensformen wie Termiten und Delphine, Orchideen und Bäume, Elefanten und Falken, schließlich sogar Menschen mit Bewußtsein hervorzubringen...“. Darauf lässt jedenfalls die Gewissheit schließen, mit der diese Behauptung vorgetragen wird. Die ließe nämlich gar nicht vermuten, dass es sich nur um eine Theorie handelt. Aber vielleicht ist diese Aussage gar nicht im Rahmen der Wissenschaft getätigt worden – vielleicht ist es nur ein Glaubensbekenntnis? Ich denke, dass letzteres zutrifft, da man den Satz wissenschaftlich korrekt etwa so formulieren müsste: „Wenn man im Einklang mit der vorherrschenden Lehrmeinung postuliert, dass die biologische Evolution in einem sich selbst organisierenden Prozeß imstande war, aus toter Materie so komplexe Lebensformen wie Termiten und Delphine, Orchideen und Bäume, Elefanten und Falken, schließlich sogar Menschen mit Bewußtsein hervorzubringen“. 

 

[7] Zentner (2002): Allgemeinwissen aktuell/Chemie&Biologie. S.267

 

[8] Weber (2002): Darwinismus. S.69

 

[9] Einwände und Fragestellungen zur Synorganisationsproblematik werden in http://members.aon.at/evolution/gererk.html besprochen.

 

[10] Goodwin (dt.1997): Der Leopard der seine Flecken verliert. Evolution und Komplexität.

 

[11] Innerartliche Variation schließt auch Artbildung nach dem Biospeziesartbegriff mit ein, da hier keine neuen Strukturen entstehen. Der Duden/Biologie(2000) weist darauf ausdrücklich hin: „Artbildung: die Entstehung einer oder mehrerer neuer Arten aus einer Stammart. A. ist nicht zu verwechseln mit der grundsätzlichen Annahme der Wandelbarkeit der Arten im Laufe der Zeit.“  (Heraushebungen von mir.)   

 

[12] Behe (1996): Darwins Black Box: The Biochemical Challenge to Evolution.

 

[13] Manchmal hört man dazu von Evolutionisten ein interessantes Argument, hier die sinngemäße Wiedergabe: „Die mehrmalige Entstehung dieser Struktur zeigt, dass eine einmalige Entstehung doch nicht so unwahrscheinlich oder unmöglich ist, wie ... behauptet.“

Dieses „Argument“ ist wissenschaftlich wertlos, da tautologisch. Das, was es zu belegen und erklären gilt – nämlich die Evolution der betreffenden Struktur – wird als Tatsache vorausgesetzt.

Eine weiterer Einwand ist das Argument der gleichen Entwicklungszwänge. Dieses Argument wird manchmal als Universalerklärung für Konvergenzen eingesetzt. Aber halten wir fest: Das Rohmaterial für die postulierte Makroevolution stellen im wesentlichen Mutationen, die unbestritten zufällig auftreten. Die Evolution wird durch Selektion kanalisiert, die Selektion selbst ist wiederum Ergebnis zahlloser Umweltfaktoren, die sich permanent verändern. Wie könnten sich komplexe Systeme, deren einmalige evolutionäre Entstehung schon Probleme aufwirft, unter diesen Umständen mehrmals entwickeln? Zudem stellen viele Fallbeispiele diese Auffassung, gelinde gesagt, vor Probleme: „Ein Vergleich zwischen dem Auge der Kalmare mit dem der höheren Wirbeltiere verdeutlicht auf sehr schöne Weise das biologische Prinzip der Konvergenz, ...“ (Ellis (1998): Riesenkraken der Tiefsee; S.55)

Wer möchte behaupten, dass Kalmare und Wirbeltiere gleichen oder ähnlichen Selektionsdrücken ausgesetzt waren? Bemerkenswert ist zudem, dass das Auge des Tintenfischs in der Embryonalentwicklung aus anderen Gewebsschichten gebildet wird. Das Wirbeltierauge unterscheidet sich vom Tintenfischauge primär im inversen Aufbau der Retina, welche für Landwirbeltiere geeigneter ist als die everse der Tintenfische – das stellt einen Seitenhieb auf die evolutionistische Behauptung dar, der inverse Aufbau der Wirbeltieraugen sei eine Fehlkonstruktion. (Näheres im Studium Integrale Journal 7. Jg. / Heft 1 ;April 2000) 

Zudem scheint mir auch diese Argumentation zirkulären Charakter zu haben: Konvergenzen erklärt man oft als Resultat gleicher Entwicklungszwänge – umgekehrt schließt man jedoch erst von Konvergenzen auf gleiche Entwicklungszwänge in der Vergangenheit.

 

[14] Müller (1998): Tier- und Humanphysiologie. S.187/188

 

[15] Die Fortpflanzung der Organismen benötigt allerdings selbst schon wieder enorm komplex organisierte Systeme, die bei dieser evolutionistischen Argumentation einfach vorausgesetzt werden. Dieser Punkt wird hier nicht diskutiert, weshalb er als gegeben vorausgesetzt wird - trotzdem zeigt sich einmal mehr, wie fragwürdig diese Argumentation ist. In der menschlichen Technik würde man selbstreproduzierende Einheiten als genialen Durchbruch feiern, in der Natur hingegen versucht man diese Eigenschaft als Argument dafür auszulegen, dass ein Designer letztlich unnötig ist.    

 

 

Anhang A: Die Affen und ihre Schreibmaschinen, oder: Die evolutionistische Beweisführung für Intelligenz.

 

„Die biologische Evolution, also die Gesamtentwicklung des Lebens auf unserer Erde, arbeitet letztlich mit dem Zufall. Sie bindet ihn aber in eine Strategie ein, die ganz anders arbeitet als ausgeklügelte mathematische Optimierungsverfahren. Dabei wäre es freilich naiv, anzunehmen, daß die Natur gewissermaßen im Ein-Schritt-Verfahren entwickeln kann, beispielsweise das menschliche Auge...

Zum besseren Verständniss des aussergewöhnlichen Effizienzvorteils der Evolutionsstrategie gegenüber einem blinden Zufallswurf mag ein oft verwendetes Argument von Evolutionsgegnern dienen. Diese vertraten und vertreten den Standpunkt, daß die Chancen zur Höherentwicklung biologischer Systeme etwa mit der Aufgabe vergleichbar wäre, von einem Affen, der auf einer Schreibmaschine herumklimpert, zu erwarten, daß er durch blindes Draufloshämmern eines schönen Tages Shakespeares >Hamlet< zu Papier bringen könnte.(...)

[Es folgt zur Demonstration eine Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Basis des Affen-Arguments]

...Diese verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit der blinden Zufallsmethode erklärt sich daraus, daß bei keiner der getippten Zeilen Erfahrungen des vorangegangenen Zeilensalats ausgewertet werden. Jede Zeile steht praktisch ohne Bezug zu den vorangegangenen. Ganz anders die Evolutionsstrategie. Sie baut auf den vorangegangenen Ergebnissen auf: Jede größere Annäherung an die Zielzeile wird übernommen und als Basis für den nächsten Versuch benutzt, jede größere Abweichung verworfen (Selektion). Und beim Tippen jeder neuen Zeile wird die bisherige Bestzeile inklusive aller kleiner, zufälliger Änderungen (Mutationen) neu abgetippt.(...) Deren Ausführungsergebnisse zeigen, daß die Evolutionsstrategie im Durchschnitt nur wenige hundert Schritte bis zum Erreichen des Zieltextes benötigt, während die Methode des herumtippenden Affen völlig indiskutabel hinterherhinkt“ (S.360; Hervorhebungen von mir)

 

Eines vorweg: Das Affen-Argument wird immer wieder missbräuchlich verwendet. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Lösungsversuch dazu für Vertreter des I.D. äußerst motivierend ist:

 

Wenn in der biologischen Evolution eine „Zielzeile“ oder ein „Zieltext“ vorgegeben ist, frage ich, woher diese Information kommt. Das würde heißen, dass „die“ Evolution zielgerichtet ist und den Zufall lediglich als „Fortbewegungsmittel“ benutzt, um an einen vorher definierten Ort (Zielzeile) zu gelangen.

So gesehen wäre es natürlich kein Problem, beliebige Strukturen evolutionär zu realisieren – weil die in Form eines Plans schon vorher existieren und lediglich daraufhin gesteuert wird!

 

Setze ich die Zielzeile hingegen mit der natürlichen Selektion gleich, hinkt die ganze Argumentation:

Selektion=Fortpflanzungserfolg, die Selektion impliziert also keinen „Plan“, keine Zielzeile zum Überleben. Die Zielzeile IST allein das Überleben. D.h. wie oben festgestellt: Bestehende Baupläne werden entsprechend den (dynamischen) Selektionsbedingungen optimiert, das trägt jedoch nicht zur Entstehung neuer Baupläne bei, da jeder dieser neuen Baupläne über tausende selektionpositive Schritte laufen müsste.(Wie die im Zitat erwähnte Entwicklung des menschlichen Auges, vergl. Lönnig 1989) Und das völlig ungeplant auf Basis von per Definition zufälligen Mutationen und sich verändernden Selektionsbedingungen, die stets nur auf die Gegenwart hin optimieren. Da bekommt die additive Typogenese bei synorganisierten Systemen wie dem Auge oder der Blutgerinnung schnell gewaltige Probleme.

 

Im Prinzip dem selben Denkfehler, der Optimierung auf ein Ziel hin, ist selbst der anerkannte Neodarwinist R.Dawkins aufgesessen, was Meis Frieder im Schlussteil seiner Arbeit „Widerlegung der Einwände gegen die Anwendbarkeit der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die Evolutionstheorie“ sehr gekonnt aufzeigt.

 

Ich persönlich finde es höchst amüsant, wenn Evolutionisten ungewollt zum gleichen Ergebnis kommen wie Vertreter des Intelligent Design: Zuerst der Plan (Zielzeile), dann das Konstrukt! Also zuerst die geistige Ursache. Daraus stellt sich eine amüsant/provokative Frage: Kann I.D. wirklich so grundfalsch sein, wie manche Evolutionisten behaupten, wenn sie dann selbst unbeabsichtigt in die „I.D.-Falle“ tappen? Und das, während sie - wie Dawkins - mit all ihrer Kunst und Überzeugungskraft gegen eine Intelligenz argumentieren!

 

 

 

Anhang B: Grenzen der Züchtung, Ursprung der Arten.

 

Die evolutionistischen Autoren Robert Augros und George Stanciu in dem Buch „Die neue Biologie“ (Sonderausgabe 1991, Scherz-Verlag):

 

„Doch die Ergebnisse der Tier – und Pflanzenzüchtung und genetischer Experimente mit künstlich induzierten Mutationen wiedersprechen Darwins Annahme, Lebewesen seien ohne Einschränkung und in jeder Richtung formbar. Die natürlichen Grenzen der künstlichen Auslese wurden von Züchtern schon sehr bald entdeckt. (...) Alle erfahrenen Züchter anerkennen diese Grenzen.“ S.208

 

„Wenn eine bestimmte Grenze erreicht ist, machen durch Kreuzung entstandene Lebewesen weitere Verbesserungsversuche zunichte, indem sie unfruchtbar werden oder zum Ausgangstyp zurückkehren. Diese Ergebnisse sind gesichert durch Experimente mit künstlich induzierten Mutationen.“ Nach Erwähnung der bekannten Fruchtfliegenexperimente fahren die Autoren fort: „Diese Arbeit enthüllte sehr viel über die Genetik dieser Tiere, widersprach aber Darwins Annahme, dass die Akkumulation von Varietäten zu Tieren führt, die sich in der Artzugehörigkeit, ja am Ende in der Gattungs-, Ordnungs-, Klassen oder gar Stammeszugehörigkeit unterscheiden.“ S.209

 

„Das bedeutet nicht, daß die natürliche Auslese an sich falsch ist. Das bedeutet nur, daß Darwins Argumentation, all ihrer Brillanz zum Trotz, nicht taugt, um die natürliche Auslese als mögliche Erklärung des Ursprungs der Arten zu akzeptieren.“ S.209/210 (Heraushebungen von mir.)

 

Danach gehen Augros&Stanciu auf die Gegenkritik der „zeitgenössischen Verteidiger des Neodarwinismus“ ein. Sie kommen dabei zu Schlüssen die man normalerweise eher von Kritikern erwartet, die dem Evolutionismus gegenüber insgesamt eine ablehnende Haltung eingenommen haben, diese zitiere ich nur kurz, da sie nicht direkt zum Thema passen: „Die Evolutionstheorie steht heute, wie die Physik im 19.Jahrhundert, an einem Scheideweg. Sie kann einmal versuchen, die zweite Verteidigungslinie zu halten, auf der natürlichen Auslese bestehen und weiter fordern, dass man die heutige Natur mit Hilfe einer hypothetischen Vergangenheit verstehen muß, deren Merkmale sich von der Theorie der natürlichen Auslese herleiten, nicht aber von aktuellen Beobachtungen und auch nicht von den heutigen historischen Nachweisen. Doch diese Wahl würde bedeuten, daß wir einen nichtbeobachtbaren Mechanismus akzeptieren, eine nichtverifizierbare Theorie statt eines wissenschaftlichen Forschungsprogramms. Ironischerweise sind gerade dies die Punkte, welche die Evolutionisten den Kreationisten vorwerfen.“ (S.215)

 

Vorsicht: Augros&Stanciu weisen in ihrem Buch deutlich darauf hin, dass sich ihre Kritik auf den Darwinismus bezieht und nicht gegen die Vorstellung einer Evolution allgemein. Die Autoren weisen ausdrücklich auf den Fehler vieler Kreationisten (*) hin, das Scheitern des Darwinismus mit dem totalen Versagen des evolutionären Ansatzes zur biologischen Ursprungsfrage gleichzusetzen.  Trotzdem sind obige Feststellungen sehr bedeutsam, da auch im Jahr 2003 die (genaugenommen zur Synthetischen Evolutionstheorie ausgebaute) neodarwinistische Anschauung in der Evolutionsbiologie dominiert.

 

(*) Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich kein Kreationist bin – das wichtigste Identifikationskriterium dieser Schöpfungslehre ist die wortwörtliche Auslegung des Genesistextes. (Buchstäbliche Schöpfungstage.) Aus dem Aufsatz Einleitung zur I.D.-T. sollte zudem deutlich hervorgehen, dass die Intelligent-Design-Theorie vom Kreationismus grundsätzlich  verschieden ist.           

 

 

Anhang C: Intelligentes Design in Natur & Technik, oder?

 

Die Grafik unten zeigt zwei stark vereinfacht dargestellte Motoren. Beim linken Motor wird vermutlich niemand anzweifeln, dass es sich um ein Produkt handelt, welches seinen Ursprung in Intelligenz, Geist und Planung hat. Der rechte Motor  kommt etwa bei dem Bakterium Escherichia coli vor, hier gehen die Meinungen stark auseinander: Im Rahmen der Intelligent Design – Theorie wird diese Struktur als starkes Indiz für intelligentes Design gewertet. Im Rahmen der diversen Evolutionstheorien ist das Auftreten derartiger Strukturen gänzlich gegen die Erwartungen – es werden grundsätzliche Probleme für ein gradualistisches Ursprungskonzept offensichtlich.   

 

 

  

Technik/Natur

a)    Motorengehäuse/Zellwand

b)    Lager/Lager       

c)     Rotor/Rotor

d)    Stator/Stator

e)    Propeller, etc./ Winkelstück+ Geißel

 

Wie sich also zeigt, kommt der Analogieschluss von Technik auf Natur ganz von selbst – er drängt sich in Bezug auf viele Strukturen förmlich auf. In diesem Fall könnte man amüsanterweise von einer „Konvergenz“ der besonderen Art sprechen, was aber nicht über die enormen qualitativen Unterschiede zwischen den beiden Motoren

hinwegtäuschen soll!

 

 

Ursprungsversion: 23.01.2003

Aktualisiert: siehe Startseite

 

© 2003 by Markus Rammerstorfer

URL dieses Dokuments: http://members.aon.at/evolution bzw. www.intelligentdesign.de.vu